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Freitag, den 6. September 1889.

6. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

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Das Berliner Volksblatt"

Interessen der Arbeiter.

feit wurde heint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei fleine Lu's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer inem Stride Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer der Italien pedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mart pro Quartal. für das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mart pro Monat.

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( Eingetragen in der Postzeitungspreislifte für 1889 unter Nr. 866.)

Redaktion: Beuthffraße 2.

Das neue Pulver.

Wir stehen vor einer umfassenden und durchgreifenden Beränderung der modernen Kriegskunst.

rauch- und fnallfreie Pulver wird dieselbe bewirken. idhichte fein.

-

Insertionsgebühr

beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.

Expedition: Bimmerffraße 44.

im früheren Sinne mehr geben und der Krieg wird zu einer Art industriellen Unternehmens. Der Feld­herr, dessen Tapferkeit früher den Mannschaften im Kampfe voranleuchtete, ist heute nur noch der höchste Verwaltungs­beamte beim Heere, dessen Hauptaufgabe es ist, Mann­stimmten Richtungen zu dirigiren.

Diese Erfindung wird eine der folgenreichsten in der Kriegs- schaften, Munition und Proviant rechtzeitig nach den be­

Die Erfindung des Schießpulvers schränkte seinerzeit furchtbare Ueberlegenheit des geharnischten Adels ein.

Ma im fünfzehnten Jahrhundert bekannt wurde, daß ein Baffenschmied in Nürnberg Fauströhren" angefertigt hatte, ie durch jeden Harnisch schossen, ging eine gewaltige Auf­ung durch das feudale Europa . Indessen blieb die ge rnischte Reiterei noch eine furchtbare Waffe und in diesem Jahrhundert erlag sie völlig Ueberlegenheit des Feuergewehrs. Die Erfindung Hinterladers gab der modernen Feuerwaffe abermals neue Bedeutung. Sie reduzirte den Werth der

Revallerie so sehr, daß man schon an deren gänzliche Ab­affung gedacht hat.

uf diesem Prinzip.

Die besten und erfolgreichsten Dis­

Das neue Pulver verleiht der Verthei bigung eine furchtbare Ueberlegenheit über den Angriff. Um nun eine Ausgleichung in diesem Verhältniß herbei zu führen, müssen erst neue technische Mittel gefunden werden. Ob man sie finden wird?

Die Bedeutung des neuen Pulvers wird rasch wachsen. Man denke sich die übrigen neuen Erfindungen in Ver­bindung mit demselben. Das Prinzip der automatischen Thätigkeit der Feuerwaffen, das neuerdings von einem Amerikaner in Gestalt der sogenannten automatischen Gewehr Mitrailleusen ausgestaltet worden ist, wird ohne 3weifel weiter verfolgt werden. Wenn man fich eine Stel­

lung denkt, die von einer solchen Maschine unter Mitwirkung des neuen Pulvers vertheidigt wird, so erscheint ein Angriff unmöglich, denn ohne Geräusch mäht die Maschine mit ihrem Kugelhagel Alles nieder, was sich im Gebiet ihrer Tragweite sehen läßt, während der Angreifer die größte Mühe haben wird, nur zu erkennen, wo sein Feind steht.

Unmöglichkeit machen werden. Man wird neue und hu­manere Formen unter den Kulturvölkern finden, um zu rivalisiren. Aber wann?

Leider steht zu befürchten, daß die europäische Konstella­tion sich noch einmal so ungünstig gestaltet, daß es zu einem Busammenstoß kommt, und daß dieser unglückliche Welttheil die Schrecken eines großen Krieges noch einmal durch­fosten muß!

Die Freifinnigen und die Sozialdemokratie.

Das Organ der Oldenburger Freifinnigen, die Neue Beitung", brachte in der Sonnabendnummer einen Leitartikel, jedenfalls aus der Feder irgend eines freisinnigen Bant Direktors, welcher sich mit den Sozialdemokraten beschäftigt. Es gehört nun einmal zu den Gepflogenheiten der freifinnigen Be­fämpfer der Sozialdemokratie, alle vernünftigen" Forderungen der letteren einfach als uralte deutsch freisinnige Forderungen hinzustellen und den verbleibenden Rest dann als Utopien" au bezeichnen. Nicht minder leicht macht sich der Artikelschreiber der Neuen Zeitung" die Sache. Ihm scheint es in die Krone gefahren zu sein, daß die Sozialdemokratie auch in Olden burg immer mehr Boden gewinnt und besonders schwer muß ihm die letzte Versammlung behufs Berichterstattung über den Pariser Kongreß im Magen liegen, bei der die übliche Taktik des Saalabtreibens ihre Wirkung versagte, deshalb Zeitung" allerlei unwahre und verdreherische Rekapitulationen zu pfropfen.

Das neue Pulver wirkt nach einer ganz anderen Midtung hin umgestaltend. Unter den bisherigen mili­de für den rechtzeitigen und kühnen Angriff der Sieg zu rijchen Verhältnissen war fast immer darauf zu rechnen, ben war und die Beschaffenheit der Waffen begünstigte diesen Umstand. pofitionen faft aller großen Feldherrn der Neuzeit beruhen Massenvernichtung wird wiederum mit größerer Schnelligkeit fuchte er nun auf den recht objektiven Bericht der Neuen

Mit dem neuen Pulver wird dies ganz anders werden. Wenn heute, nachdem das neue Pulver eingeführt ist,

hochpoli Angriff auf eine feindliche Stellung gemacht werden joll, so wird der Angreifer schon aus weiter Ferne mit einem Hagel von Geschossen überschüttet werden. Kein Bulverdampf und kein Knall verräth, woher die feindlichen

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Welch eine troftlose Perspektive für die Zukunft! Die und Sicherheit betrieben werden können.

Und dennoch, so absurd es in diesem Augenblick Ilingen mag, liegt auch etwas Tröstliches in dem neuen Fortschritt, den das knall- und rauchfreie Pulver für die moderne Kriegführung darstellt. Ein schweizerischer Oberst sagt in einer Betrachtung über die zu erwartenden Wirkungen des neuen Explosionsmaterials, daß es die Ursache sein 3eit erhalten bleibt." Das ist sehr wohl denkbar, denn wenn schon bisher die Erwägung der schrecklichen Folgen

Beidhoffe fommen; man wird also feine 3ielpunkte haben werde, daß vielleicht der europäische Friede noch für einige ober nur sehr schwer solche entdecken können, während der ben ist nichtbare Feind sein Feuer fortsetzt. also weit schrecklichere Verluste mit sich bringen, als bisher, eines allgemeinen Krieges, bei dem bisherigen Stande der benn tein Pulverdampf hindert am ruhigen und sicheren Bewaffnung das gewichtigste Argument für die Hinaus­Bielen, Die Kavallerie wird so ziemlich unbrauchbar werden, schiebung des drohenden großen Busammenstoßes bilden benn wenn ihr bisher noch ein Carré gegen eine geschlossene mochte, so ist dies nach Einführung des neuen Pulvers in Safanteriemasse möglich war, so gewährte diese Möglichkeit noch weit höherem Maße der Fall. der Pulverdampf, der dem sicheren Zielen großen Abbruch that. Das Alles hört nun auf, denn der Infanterist kann falt­

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Ohnehin däucht uns, es müsse für den Menschen auch eine Grenze geben in Bezug auf die Aufopferungsfähigkeit wirkenden Zerstörungsmitteln nimmt schließlich der mensch­

Hören wir einmal, was nach dem Artikelschreiber die Sozial­demokraten eigentlich wollen: Was wollen eigentlich die Sozial demokraten, fragte mich fürzlich ein Arbeiter, welchem sein Meister vorwarf, daß er Sozialdemokrat fei, weil er im Verein mit anderen Kollegen mehr Lohn forderte, eine Bezeichnung, die manch topfloser Meister macht, ohne selbst zu wissen, was ein Sozialdemokrat ist und will.

Ich antwortete dem Arbeiter: Die Sozialdemokraten wollen angeblich" die Verbesserung des Looses der Arbeiter, wie viele andere Parteien, insbesondere die freifinnige Partei, der Unterschied liegt nur darin, daß die anderen Parteien fagen: Wie?" während die Sozialdemokraten das Wie" ver­schweigen.

blutig und ohne die Aufregung, welche der Knall und der Rauch im Kampfe. Gegenüber den mit mechanischer Sicherheit zu machen und auf Grund dieses Mysteriums gewinnen sie

Schusses bisher hervorbrachten, seinen Gegner aufs Korn nemen. Man fann von alten Soldaten oft erzählen hören, liche Muth ein Ende, ohne daß deshalb auch der geringste

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Das ist das ganze Geheimniß der heutigen sozialdemokra tischen Bewegung. Infolge der Ausnahmegefeße und der Knebelung der sozialdemokratischen Presse haben die Sozial demokraten es gelernt, aus ihrem Brogramm ein Mysterium ihre Anhänger."

So der Artikelschreiber der Neuen Zeitung".

daß der Pulverdampf und der Lärm der Schlacht bisher Vorwurf zu erheben wäre. Wenn die Angreifer wissen, daß die Erregung der Kämpfenden auf's Aeußerste zu steigern sie beim Angriff mit mechanisch wirkenden Schußwaffen ver­Pleaten. Das wird nun alles anders; der Schlachtlärm nichtet werden welchen Werth hat dann noch ein Ans immt ab und aus der Wuth des Kampfes von früher wird griff und für wen soll er noch einen Werth haben. Es bem Inall- und rauchlosen Pulver verschwindet das ganze technische Vervollkommnung der Waffen und die Erschöpfung finnige Partei das Loos der Arbeiter angeblich bessern will, in lautloses, faltblütiges, berechnetes Morden werden. Mit bestärkt uns dies in der Ueberzeugung, daß mit der Beit die

enthum der Schlacht, es wird keine Helden

Feuilleton.

Wahbruck verboten.]

Ein Goldmensch.

Roman von Maurus 36kai.

Viertes Buch. Nomët.

Erstes Kapitel.

Ein neuer Gast.

die Toca egenheiten aus, oder was die reichen Bankiers so unter

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der Finanzkräfte zusammenwirkend den blutigen Krieg zur

dem Genuß des Champagners hingiebt, und Timar von Jedermann mit der Frage geneckt wird, ob er noch immer [ 58 feine Bekanntschaft aus dem Opernhause habe.

Das Muster eines treuen Ehegatten!" rühmten ihm seine Verehrer nach. Ein unausstehlicher Mensch!" hieß es dagegen im Kreise seiner Tadler.

Er aber schweigt und denkt an Noemi. Welche Ewigkeit, sechs Monate lang von ihr getrennt zu sein und täglich an sie denken zu müssen, und von dem, was er denkt, feiner Seele etwas anvertrauen zu dürfen! Oft ertappte er sich darüber, beinahe seine Gedanken verrathen zu haben. Einmal, als er zu Hause bei Tisch saß, wären ihm fast die

Die lange Wintersaison füllten wieder die Geschäfts- Worte entschlüpft: Schau! Gerade solche Aepfel wachsen zu nennen pflegen.

Levetinczy begann in seine Lage sich hineinzufinden.

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Reichthum giebt gute Träume. Er fuhr oft nach Wien und

an den Vergnügungen der großen Geldleute. Er

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auf der Insel, wo Noemi wohnt." Wenn Timea's Augen verrathen, daß fie wieder an Kopfschwerzen leidet, ist er vers sucht, ihr zu sagen: Sieh', wenn Noemi Kopfschmerzen hatte, vergingen sie ihr, wenn ich ihr meine Hand auf die Stirn legte," und wenn er Timea's Liebling, das weiße mit den Worten anzurufen: Ei, Narcissa, wo hast Du

viele gute Beispiele vor sich. Wer einmal Herr über Käßchen, erblickt, schwebt es ihm auf den Lippen, dasselbe

in eine Juwelenhandlung hineingeht, um Neujahrsgeschenke Deine Herrin gelassen?"

Laufen, alle Einfäufe doppelt zu machen, um gleich zwei Derzen bamit zu erfreuen; mit dem einen Geschenk das Berz jener Frau, die zu Hause fißt, und die Gäfte empfängt, wenn die Herrschaft Soireen giebt, die übrige Zeit aber Den Sorgen für die Familie obliegt Rabeau aber das Herz einer zweiten Dame, welche entweder lanzt oder fingt, jedenfalls aber ein elegant einge­

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sowohl jenen Soireen anzuwohnen, welche

Er hatte aber alle Ursache, auf seiner Hut zu sein, denn im Hause war ein Wesen, das mit Argusaugen nicht nur Timea, sondern auch ihn bewachte. Es konnte von Athalie nicht unbemerkt bleiben, daß Timar, seitdem er zurück­gefehrt, nicht mehr so trübfinnig war, wie früher. Jeder mann fiel es auf, wie gut er aussah. Dahinter muß doch ein Geheimniß steden.

Das ist ja flar und deutlich gesprochen. Über eines wird uns der Artikelschreiber doch zugeben müssen, daß, wenn er selbst wirklich so unwissend ist, die Forderungen der Sozial­demokratie nicht zu kennen, er doch kein Recht hat, kurzweg auch den Anhängern der Sozialdemokratie diese Kenntniß ab

das Eine steht aber fest, daß sie sowohl als die anderen

Renommee erworben, daß man jetzt auch das inländische Mehl als ungarisches verkauft. Der österreichische Konsul in Brasilien beeilte sich, seine Regierung von dieser wich­tigen Errungenschaft in Kenntniß zu setzen, durch welche der Handel ins Ausland mit einem wichtigen Ausfuhrartikel vermehrt wurde. Die Folge davon war, daß Timar den königlichen Rathstitel und zugleich das Kleinkreuz des St. Stephansordens erhielt, als Anerkennung der Dienste, welche er auf dem Felde des Handels und der Volkswirthschaft dem Vaterland geleistet.

Wie lachte der spöttische Dämon in seiner Bruft, als man ihm den Verdienstorden an die Brust heftete und ihn Herr Hofrath" titulirte. Das verdantst Du zwei Frauen: Noemi und Timea." Nun, gleichviel! Auch die Entdeckung des Purpurs rührt ja daher, daß das Hündchen der Schönen eines verliebten Hirten eine Purpurschnecke gefressen und sich davon die Schnauze roth gefärbt hatte; deshalb ist der Purpur dennoch eine weltberühmte Waare geworden.

Herr von Levetinczy fing nun erst recht in der Ach­tung der Komorner zu steigen an. Reich zu sein ist noch nicht genug. Wenn aber jemand auch königlicher Rath ist, dann kann man ihm schon den Respekt nicht ver­sagen. Jedermann beeilte sich, ihm zu gratuliren: die Behörden, die 3ünfte, der Stadtmagiftrat, das Prybyterium und die Geistlichkeit. Er empfig sie alle mit gnädiger Her ablosung. Auch unser Herr Johann Fabula kam, ihn zu beglückwünschen als Sprecher der Fischerzunft. Er war in Auf dem

ichtetes Hotel, Schmuck und Spizen beansprucht. Timar tragen, daß Jemand in diesem Hause glücklich sei. Wo hat kurzen Dolmany von dunkelblauem Seidentuch, den er trug,

er sein Glückt sich gestohlen? Warum leidet er nicht so, wie

hine Gefchäftsfreunde, die Geldbarone, bei sich zu Hause sie ihn leiden sehen möchten? anben, wo gesetzte Damen den Thee einschänken, und den Baft über die zu Hause gebliebene Familie ausfragen, als uch jenen anders gestalteten Abendunterhaltungon, wo eine

ungenirte Damengesellschaft sich mit besonderer Vorliebe

Das Geschäft geht sehr gut. Im ersten Monat des neuen Jahres trafen überseeische Nachrichten ein. Die Mehl­sendung ist glücklich angelangt und der Erfolg vollständig. Das ungarische Mehl hat sich in Südamerika ein solches

glänzten drei Reihen muschelfarbiger silberner Knöpfe, so groß wie Haselnüsse, und von einer Schulter zur andern hing ihm eine handbreite silberne Kette mit einem großen Medaillon als Schloß, auf welches der Komorner Goldschmied den Kopf des Julius Cäfar geprägt hatte. Auch die übrigen Mitglieder der Deputation waren in gleichem Staat. Da­