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Sonnabend, den 2. November 1889.

6. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Boltsblatt"

Bur Deum fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Saus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Bf. Bei Abholung aus unserer Tagesordxpedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Poftabonnement 4 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 866.) Für das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat.

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Redaktion: Beuthffrake 2.

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Die

industrielle Frauen­

arbeit.

-

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struirten Maschinen machen vielfach die körperliche Kraft des Mannes überflüssig, er wird deshalb entlassen; aber er hat vielleicht eine Schwester oder ist verheirathet und hat Frau und Kinder und daher muß er, wenn schon arbeitslos, nicht darben, er kann ja diese statt seiner in die Fabrik schicken, ihre schwächere Kraft reicht zur Bedienung der Maschine gerade hin. Daß die Frau oder das Kind nicht denselben Lohn erhalten kann, wie der Mann früher erhalten, muß ja dem Arbeiter selbst einleuchten. So kam die Frau in die Fabrik und so entwickelte sich, gleichen Schritt mit der Anwendung der Maschinen in der Produktion haltend, die gewerbliche und industrielle Frauen- und Kinderarbeit. die gewerbliche und industrielle Frauen- und Kinderarbeit. Heute hat dieselbe eine bedeutende Ausdehnung, in allen industriellen Ländern ist der Antheil des weiblichen Ges schlechtes an der Gütererzeugung ein sehr gewichtiger.

In Deutschland wurden 1882 17 632 008 er= werbsthätige Personen gezählt; davon sind 75,8 pбt. männ lichen und 24,2 pCt. weiblichen Geschlechts. Von der ges fammten weiblichen Bevölkerung gehören 5,6 pCt. der Klasse der Dienstboten an. In den Bekleidungs- und Reinigungs­gewerben waren 1334 007 Personen beschäftigt, wovon 576 517 oder 43,22 pCt. dem weiblichen Geschlechte ange­hörten. Die Textilindustrie beschäftigte 8501859 Personen, wovon 323 780 oder 38,05 pCt. weiblichen Geschlechts.

Nach der Volkszählung von 1880 waren in Wien von 292 950 über 14 Jahre alten weiblichen Bewohnerinnen 168 624 oder 60 pCt. erwerbsthätig und zwar ebenfalls hauptsächlich in den beiden Industrien der Textilien und der Bekleidung.

In der Schweiz waren 1880 in der Textilindustrie 103 452, in Kleidungs- und Butgewerben 85 326, in Maschinen- und Berkzeugfabriken 15 500, in der Uhrmacherei 14 716, Stroh- und Noßhaarflechterei 10 599, in der Land­schäftigt; im übrigen sind Frauen fast in allen Berufen in wirthschaft 150 000 Personen weiblichen Geschlechts be­größerer oder geringerer Anzahl thätig und es wird die Bahl dieser Berufe auf 600 angegeben.

Während man in den herrschenden Kreisen ängstlich bewirthschaft 150 000 Personen weiblichen Geschlechts be forgt ist, den arbeitenden Klassen nicht zu viel Rechte zuzu gestehen und immer auf der Suche nach Gesetzeslücken ist, um die wenigen Rechte der Arbeiterschaft noch zu beschnei­Den, zieht man in weitherzigfter Weise den Kreis der Pflichten immer größer und wird nie ein Wort hörbar, daß den Ars men zu viel Leistungen aufgebürdet seien. Natürlich gelten diefe Worte in Bezug auf die erwerbsfähige Frau erst recht. Man verlacht die Vorfämpfer für Frauenrechte und findet die Forderung geradezu spaßhaft, der Arbeiterin für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn wie dem Manne zu

geben

Trotz dieser offenbaren Ungerechtigkeit ist die Frau eben durch die Noth veranlaßt, sich zu fügen und an der gewerb­

feinem Lande

und ihre schwache Kraft in den Dienst der mate riellen Gütererzeugung zu stellen. Freilich eriftirt in Gesetz, welches der Frau die

ein

Pflicht auferlegt, in die Fabrik zu gehen, um Wolle zu Spinnen oder Seide zu wirken, oder als Sticderin zu arbeiten. Die Sache macht sich viel einfacher. Die kunstvoll kon­

Feuilleton.

Madbrud verboten.]

Germinal.

[ 18

England, das industriell entwickelteste Land, hat auch die Frauenarbeit in ausgedehnteftem Maße angewendet. In der Baumwoll- und Flachsindustrie waren 1881 223 217 Männer und 338 798 Frauen, in der gesammten Baumwollindustrie aber waren im genannten Jahre 1881 644 438 Frauen und 404 096 Männer beschäftigt, und so oder ähnlich ist das Verhältniß in einer Reihe von Ins dustrien und Gewerben.

Die Vereinigten Staaten zählen nach einer

statistischen Untersuchung vom 1. Juli 1886 mehr als drei Millionen außerhalb ihrer Wohnung erwerbsthätige Frauen. Millionen außerhalb ihrer Wohnung erwerbsthätige Frauen.

Aus diesen nur wenige Länder umfassenden Angaben ist ersichtlich, welch' bedeutender Faktor im wirthschaftlichen Leben der Nationen die Frau geworden ist. Diese Bedeu tung rechtfertigt vollauf die Forderung ehrlicher Sozial politiker nach größerer Beachtung der Arbeiterinnen von Seite der Gesetzgebung. Auf die aller Welt bekannte trau­

des Ingenieurs über die Verzimmerung. Er dachte jetzt ruhiger darüber und hörte mit beistimmendem Kopfniden die weisen Rathschläge der Maheude, die in all diesen Dingen einen sehr praktischen Sinn hatte. Sie pflegte ihm zu wiederholen, daß das Auflehnen gegen die Kompagnie zu nichts führe. Nachdem er seine Erzählung beendet, sprach sie von dem Besuche der Frau Hennebeau, auf den alle Beide, ohne es sich zu gestehen, sehr stolz waren.

Sozialer Roman von Emile 3ola. Einzig autorifirte Uebersehung von Eraft 3iegler. Ich fürchte nur eines, daß nämlich Maigrat's Idee. Aber laß doch, Du machst mich ja ganz naß.. Sie wollte von Katharinen sprechen, aber fie unterbrach sich: blauer Halbseide angezogen, bas schon etwas ausgeblaßt und

warum sollte sie den Vater beunruhigen, das würde Redereien und Geschichten ohne Ende geben.

Welche Idee?"

muß die Rechnung ordentlich nachsehen."

Kann man hinunterkommen?" rief Räthchen. Ja, Dein Vater trocknet sich!" Das junge Mädchen hatte ihr Sonntagskleid aus in den Falten durchgestoßen war; auf dem Kopfe trug sie eine einfache schwarze Tüllhaube.

Maigrat's Idee ist, uns zu betrügen! Räthe gehen?"

,, Du hast Dich ja geputzt, wohin willst Du denn

Ich geh' nach Montsou, ein Band für meine Haube taufen; das alte war schon so schmutzig, daß ich es habe

Er war aus dem Wasser gesprungen, umarmte sie von Neuem und wollte sie nicht loslassen. Endlich machte sie sich abtrennen müssen." frei und reichte ihm ein Paar trockene Hosen, die er mit Behagen anzog. Wenn er sich gewaschen hatte, liebte er, eine Weile mit nackter Brust zu bleiben. Auf seiner weißen zehn Sous zu leihen." Haut hatte die Kohle bläuliche Schrammen und Nike ge­mündlich macht, die er mit Stolz zeigte, indem er seine tätowirten der Thür:

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Hast Du denn Geld?"

Nein, aber die Mouquette hat mir versprochen, mir Die Mutter ließ sie geben, sagte ihr aber noch unter Kauf Dein Band ja nicht bei Maigrat; der betrügt

Und streich nicht bis in die Nacht braußen herum!"

Arme und feine breite, wie Marmor geäderte Bruft frei behnte und streďte. Im Sommer pflegten alle Gruben- Dich erstens und dann glaubt er, daß uns das Geld zu den arbeiter um diese Stunde so unter ihren Thüren zu stehen, Taschen herausfällt." und auch heute trat, Maheu, trotz des feuchten Wetters, hinaus, um irgend einem Kameraden einen berben Scherz rief ihr der Vater nach. über die Gärten hinüber zuzurufen. Andere kamen, und die Kinder, die auf dem Trottoir herumspielten, blickten ver­gnügt zu ihren Vätern auf, die nach der Arbeit ihre nackten Oberkörper lüfteten. anzuziehen, und dabei berichtete er seiner Frau vom 3orne nüge mit allem Gemüse; nur die Kartoffeln reichten nie aus.

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macht.

Er faß vor dem Ramin um Nacken und Achselhöhlen zu trocknen. Danach ging er in seinen Garten hinunter, wo er Kartoffeln, Bohnen und Erbsen gepflanzt und seit gestern Kohl und Salat zum Versetzen vorbereitet hatte.

rige Bezahlung der weiblichen Arbeitsleistung sei hier gar nicht näher eingetreten. Hingegen bildet die Gesetzgebung zum Schuße der gewerblichen Frauenarbeit ein sehr wichtiges Rapitel, welches leider so wenig Wür digung findet und dessen Vernachlässigung einen schroffen Widerspruch gegen die vielgepriesene deutsche Sozialreform" bildet. Man macht dem weiblichen Geschlechte sonst die schönsten Komplimente, nennt es galant das schöne Ge­schlecht", verherrlicht und befingt es in poetischen Ergüssen, aber ihm praktisch zu helfen, ihm den Kampf um's Dasein zu erleichtern, es durch Gesetz zu schützen vor der rücksichtslosen Ausbeutung profitwüthiger Kapitalisten so weit geht die Bewunderung für das zarte Geschlecht nicht. Offenbar zählt man in gewissen Kreisen die arme, abge­härmte und nothleidende Arbeiterin weder zum schönen, noch zum zarten Geschlechte. Und doch wie viel mehr schuldet ihr die Gesellschaft, als der vielbewunderten Modedame, die Beit ihres Lebens nicht für einen Pfennig Werth schafft!

Einen gesetzlichen Schutz für die Arbeiterin besigen bis­lang nur wenige Staaten. Vor allem find es England und die Schweiz , wo ihr die Gesetzgebung Erleichte= rungen gewährt. Im ersteren Lande ist für sie die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden beschränkt, in der Republik steht sie gleichfalls unter dem Fabrikgesez, das den 11 stündigen Arbeitstag normirt. Falls sie eine Haushaltung zu besorgen hat, gewährt ihr das Gesez die Wohlthat, daß sie Mittags statt erst um 12, schon um 12 Uhr die Fabrik verlassen darf. Die regelmäßige Nachtarbeit ist durch Ge set verboten in England, der Schweiz , Frankreich , Deutsch land und Desterreich.

Wenn die derzeitigen Verhältnisse bereits begründete Furcht vor weitgreifender Degenerirung des Volkes erregen, so ist über die Nothwendigkeit, in diese Zustände einen kräf tigen Eingriff zu thun, faum eine weitläufige Darlegung und Begründung erforderlich. Mit der Politik des Nichts­thuns, des Vorbeibrüdens muß endlich gebrochen werden.

Korrespondenzen.

Hamburg , 31. Oftober. Unsere politische Polizei hat in den legten Tagen plöglich wieder ein bedeutendes Lebenszeichen von ihrem Vorhandensein gegeben. Sieben Zeitungen wurden faft zu gleicher Beit mit Beschlag belegt. Das erste Opfer war bie Neue Tischlerzeitung". Dann folgten an einem

Tage fünf im Verlage von E. Jensen und Komp. erscheinende Fachzeitungen. Es sind dies Der Bauarbeiter", Der immerer"," Der Golbarbeiter"," Der Gerber", die Gärtnerzeitung". Die Nr. 4 der seit kurzem er scheinenden Allgemeinen Tapezier erzeitung" Tapeziererzeitung" hat zum Verleger Herrn Grünwald; dieselbe verfiel gleich­falls dem Schidiale der Konfistation. Daß das gleiche Miß­geschid die leßtgenannten 6 Beitungen mit einem Male traf, er klärt sich daraus, daß alle eine Beilage mit faft gleichem In­

Maheu verstand übrigens sehr gut die Gartenarbeit und zog sogar Artischocken, was die Nachbarn ihm als Großthuerei auslegten. Während er arbeitete, trat nebenan Levaque in seinen Garten hinaus, um feine Pfeife zu rauchen und be trachtete den Kopffalat, welchen sein Miether am Morgen gepflanzt hatte; denn ohne Bouteloup's Sorge wäre auf bem vernachlässigten Boden nichts als Neffel gewachsen.

Die Nachbaren begannen zu plaubern. Levaque, er­müdet und gereizt von dem Streit mit seiner Frau, ver­fuchte, Maheu zu Naffeneur mitzuziehen: Er wird sich doch nicht vor einem Glas Bier fürchten! Eine Regelpartie, ein Spaziergang mit den Rameraden, zum Abendessen wird man wieder daheim sein! Man muß doch das Leben genießen, wenn man arbeitet! Gewiß, es wäre nichts dabei gewesen; aber Maheu sagte, er wolle seinen Salat umstechen, der bis morgen verwelten würde. In Wirklichkeit verhinderte Sparsamkeit ihn, mitzugehen, denn er mochte nichts von dem Gelde, das seiner Frau geblieben, ausgeben.

Es schlug fünf Uhr, als die Pierronne fragen kam, ob Jeanlin mit ihrer Lydia ausgegangen sei. Das könne wohl sein, meinte Levaque, denn Bebert sei auch verschwunden und die brei Taugenichtse strichen immer miteinander herum. Maheu beruhigte die Beiden, indem er erzählte, daß die Rinder Salat fuchten; dann fingen er und Levaque an, die Nachbarin mit allerhand zweideutigen Nebensarten zu bom=

bardiren.

Sie wurde bös, aber fie blieb; die berben Späße mochten ihr doch nicht gar so unangenehm klingen, und schließlich lachte fie, daß sie sich den Bauch halten mußte. Eine magere Frau tam ihr zu Hilfe, die Männer mit ihrer polternden Gurgelſtimme zurechtweisend, die wie das Gluden einer Henne lang. Andere Frauen warfen von ihren Hausthüren herüber Ausrufe der Entrüstung bazwischen, obwohl sie nichts von der Unterhaltung verstehen konnten. Die Schule war jetzt geschlossen und alle Kinder des Dorfes trieben sich lärmend