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Sonntag, den 1. Dezember 1889.

6. Jahry.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen

Das Berliner Wolfsblatt"

fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 f. Einzelne Nummer Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Bf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mark pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreislifte für 1889 unter Nr. 866.) Für das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mart pro Monat.

der Arbeiter.

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beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Bf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Bf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Breises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Fefttagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.

Redaktion: Beuthstraße 2.- Expedition: Bimmerffrake 44.

Für den Monat Dezember eröffnen wir ein neues Abonne­ment auf das

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Berliner Volksblatt"

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Die Redaktion und Expedition des Berliner Volksblatt".

Auch eine Praxis.

Wir haben nicht viel Vertrauen zu der offiziellen Suriftenwelt, und wo wir noch so sanguinisch waren, solches u befizen, ba sind wir bedeutend abgekühlt worden, seitdem wir den Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuchs gelesen haben. Die Juristerei ist eine bezopfte Göttin und hat ben Neuerungen abhold und da können wir eben nicht gut mit ihr auskommen, weil wir einer Reihe von zeitgemäßen Reuerungen überaus zugethan find.

fonservativ sein und so laut wir können, wollen wir gegen Heute aber wollen wir zur Abwechslung einmal recht

Schon oftmals ist es dagewesen, daß in diesen Pro­gorie aufgetreten sind und für die Angeklagten mehr oder weniger belastende 3eugenaussagen gemacht haben.

Sozialisten pflegen den Herren Polizeikommissären über ihre inneren Parteiangelegenheiten Nichts mitzutheilen und was diese Beamten aus eigener Wahrnehmung erspähen, kann nur sehr dürftig sein; es müssen also Verräther und Spione unter den Sozialisten gewesen sein, wenn bedeut­same und wirklich belastende Thatsachen zur Kenntniß der Herren Kommissäre 2c. gekommen find. Wenn man in solchen Fällen die Verräther und Spione direkt den Ange­flagten gegenüber stellen würde, so würde sich nicht nur der wahre Werth von deren Aussagen bald ergeben müssen, sondern es müßten für den Fall einer Verurtheilung auch die Gewährsmänner" verurtheilt werden. Da sie gewöhnlich dasselbe gethan haben, was die Angeklagten, ihnen auch oft mit gutem Beispiel vorangegangen sind. Man erinnere fich nur an den Schneider Horsch und Andere.

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Man hat nun eine Pragis erfunden, bei welcher die Herren Spione im Hintergrunde bleiben. Die Polizei­beamten treten als 3eugen auf und erzählen, was ihnen von ihren Gewährsmännern" mitgetheilt worden ist. Wenn nach den famosen Gewährsmännern" geforscht wird, so er klären die Herren Kommissäre, daß ihnen ihre Amtspflicht Verschwiegenheit auferlege und daß fie die Personen nicht nennen dürften, von denen sie ihre Mittheilungen haben. Die Gerichte gehen im Allgemeinen darauf ein.

Die Göttin möge gefälligst die Binde abnehmen und fich die Sache etwas näher ansehen.

Auf diese Weise tann ja das Gericht die Behauptungen der ,, Gewährsmänner" gar nicht auf ihre Wahrheit prüfen.

Wir sind überzeugt, daß es Leute genug giebt, welche diese Praxis" ganz in der Ordnung finden und mehrfach sagen: Unsere Polizeibeamten werden schon dafür sorgen, daß ihre Gewährsmänner zuverlässige Leute sind."

bringen- was dann? Hätte man dann seinen durch den beilegen müssen?

Nun, wir wissen wohl, daß die Gerichte nicht besonders geneigt sind, solchen Angaben Glauben zu schenken, deren Urheber sie nicht vor ihre Schranken laden können.

Aber, fragen wir, wohin soll es denn führen, wenn diese Praris sich in den politischen Prozessen einbürgert?

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Wir glauben faum, daß eine solche Stellung der Ge­währsmänner" im Geifte der Strafprozeßordnung liegt und daß es sich hier um eine Auslegung und eine Praxis" handelt, an welche die Männer, welche die Strafprozeß­ordnung gemacht, nicht im Entferntesten gedacht haben.

Aber sollten die Herren Juristen, nachdem sie sich die Sache genau angesehen, nicht zu dem Entschlusse kommen, daß man hier abhelfen und diese Praxis beseitigen müsse? Wie soll man helfen?

Durch einen entsprechenden Busah in der Strafprozeß ordnung? Das wird nur schwer durchzusehen sein.

Nun, die Geheimbundprozesse, deren wir in Deutsch­ land so viele zählen, sind eine Wirkung des Sozialisten­gesetzes, das den 3weck hat, gewisse politische Bestrebungen aus der Deffentlichkeit zu verdrängen. Hunderte sind wegen Geheimbündelei verurtheilt worden und zu Elberfeld fißen zur 3eit 91 Mann auf der Anklagebank. Wenn man den Arbeitern das volle Recht giebt, sich zu versammeln und zu vereinigen, so werden die Geheimbundprozesse sofort vers schwinden und auch die Rolle der famosen ,, Gewährsmänner" wird auf der Stelle ausgespielt sein.

Die Gewährsmänner" wären also taum anders als durch Aufhebung des Sozialistengesetzes zu beseitigen und da sind wir wieder soweit wie zuvor.

Man wird zugeben, daß es etwas nervenaufregend ist, wenn man sich alle Folgen und Wirkungen dieser Praxis

denkt. Aber wir haben dennoch die heifle Angelegenheit ruhig und fachlich behandelt und empfehlen den Gesetzgebern über die erzieherischen Wirkungen" dieser Praxis ein wenig nachzudenken.

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Wenn die Polizeibeamten sich wirklich in der Auswahl solcher Gewährsmänner" nur auf solche Leute beschränken, bie ihnen durchaus zuverlässig erscheinen, so muß man aber nicht vergessen, daß die Polizei sich eben irren kann. Die ,, Agenten", von denen die Polizei ihre Berichte bezieht, geben fich Mühe, recht eifrig zu erscheinen, und haben auch Politische Uebersicht.

eine Neuerung protestiren. Vielleicht finden wir auf diese Neues zu wissen. Der Herr Reichskanzler hat selbst einmal Weise eher Gehör bei der Göttin mit den verbundenen

paren.

Augen. Diese Binde vor den Augen ist ein recht überflüssiges lügen und übertreiben unverantwortlich." Ausstattungsstück. Ohne dasselbe würde die Göttin selber sehen, was wir ihr zeigen wollen und wir könnten uns die Mühe Gewährsmann, den das Gericht durch den Zeugnißzwang

Bir meinen nämlich die famose Praxis, die sich be­züglich der als 3eugen in den Geheim­unbsprozessen auftretenden Polizeibe­mten nach und nach herausgebildet hat.

Feuilleton.

Radbrud verboten.]

Germinal.

[ 43

vor Jahren von solchen Gewährsmännern" gesagt: Sie Nun hat im Elberfelder Geheimbundprozeß ein solcher dahin brachte, seinen Mund aufzuthun, selbst vor Gerichtsprechen; und als das Projekt thatsächlich auftauchte, da waren eingestanden, daß er den Polizeikommissär, dessen Gewähr mann er gewesen, belogen habe.

Wenn es nun nicht möglich gewesen wäre, diesen Gewährsmann" ausfindig zu machen und zur Aussage zu

wie einem Volf von Sclaven, das sich an ihren Maschinen zu Tode schinden muß. Warum? Um den Nichtsthuern Millionen zu verdienen! Aber der Kohlenmann ist heute tein stumpfes Arbeitsthier mehr. Ein Heer von Männern wächst in den unterirdischen Tiefen, eine mächtige Saat feimt und sproßt und wird eines Tages aufbrechen im hellen Sonnenlicht. Dann wird man erfahren, ob es statthaft ist, einen Greis, der nach fünfzigjähriger Dienstzeit Kohle spuckt und dessen Beine gelähmt sind vom falten Grundwasser, Pension von einhundertundfünfzig

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Trop tard! Bu spät! lautete das Schicksalswort des Jahres 1848, als durch verspätete Nachgiebigkeit die Sünden der Regierungen gefühnt werden sollten. Zu spät! fönnen wir jezt den unglücklichen Befürwortern einer internationalen In­duftrieausstellung in Berlin zurufen. Hätten die Herren vor der Pariser Ausstellung ihre Vorschläge gemacht, so hätte fich darüber reden laffen. Damals waren die Herren aber nicht zu gerade diejenigen Kreife, in denen man sich jetzt dafür be­geistert, die heftigsten Gegner des Plans. Inzwischen ist die Pariser Ausstellung gekommen, und hat einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Und die Größe

Alle zu den Gruben gehen, die Verräther herausholen und der Kompagnie zeigen, daß wir einig sind unter einander und daß wir lieber sterben, als nachgeben?"

Ja! Ja! 3u den Gruben! Zu den Gruben!" dröhnte es durch den Wald.

Sozialer Roman von Emile 3ola. Einzig autorifirte Nebersehung von Ernst Siegler. Rameraden!" rief er ,,, Ihr habt einen von den Alten auch noch unsere Kinder leiden, wenn wir nicht ein Ende verlangen vom Kapital, diesem unpersönlichen Gößen, der gehört. Das Alles hat er gelitten, und das Alles werden Franks zu zahlen. Jawohl, der Arbeiter wird Rechenschaft zu genießen. machen mit den Dieben, mit unsern Henkern!..."

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Er war fürchterlich; noch nie hatte er mit solcher Heftig­gesprochen. Mit einem Arme hielt er den Alten um die

ihm das Blut aussaugt und das Leben. Er wird ihn finden beim Leuchten der Feuerbrände, wird ihm ins Gesicht schauen, diesem mißgestaltenen Scheusal, das sich mit Menschenfleisch

Taille gefaßt, wie ein noth- und jammergetränktes Banner gemästet! der Rache. Und in kurzen Säßen erzählte er die Geschichte

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Seit er sprach, hatte Stephan Katharinen in der zu seinen Füßen wogenden Menge gesucht; aber sie war nicht dort; nur Chaval stand immer noch in den vordersten Reihen, lächelte, zuckte die Achseln, von Eifersucht verzerrt, zu Allem bereit, um auch ein Bruchtheil dieser Popularität

Stephan fuhr fort:

,, Und wenn Spione in unserer Mitte sind, mögen fie Ja, ich sehe fich in Acht nehmen, man fennt sie! Arbeiter von Vandame, welche nicht die Grube verlassen haben

der Familie Maheu: in hundertjährigem Leid ausgefogen nach dem unbekannten Feinde in weiter unbekannter Ferne. Miene. von der Kompagnie und heute unglücklicher und elender

je. Ihr gegenüber stellte er die Regie: die ganze

Dirnen

von ihnen

aushalten lassen, mit der Mühsal der

Er schwieg, aber sein ausgestreckter Arm deutete noch Diesmal war der Donner des Beifalls so gewaltig, daß der weite Wald davon erzitterte, Nachtvögel flogen erschreckt aus

Bande der Aktionäre, die sich seit einem Jahrhundert gleich ihrem Versteckt und entflohen unter dem hellen Firmament, mit Denen, die hungern. Minenarbeiter ihr Wohlleben bezahlen und niemals selbst fich rollend bis nach Montsou, wo die erschreckten Einwohner

Bater auf den Sohn, von Generation zu Generation fich Erdsturz habe den Boden erschüttert. quält und schindet, hungert und darbt, damit eine Handvoll großer Herren sich mästen und Feste geben kann?" Er

,, Sagst Du das für mich?" rief Chaval mit tropiger Für Dich, oder Andere! Aber weil Du Dich meldest, wiffe, daß Diejenigen, welche effen, nichts zu thun haben mit Denen, die hungern. Du arbeitest in Jean- Bart... und die ungeheure Welle dieser dreitausend Simmen wälzte Eine Stimme unterbrach ihn mit spottendem Ruf: ,,, er arbeitet!... Sein Mädchen arbeitet für ihn!" nach Vandame hinüberblickten, meinend, ein furchtbarer" Bum Teufel, ist's denn verboten, zu arbeiten?" fluchte Chaval, roth vor Born. Stephan schloß: Gewiß, wenn die Kameraden Noth leiden für's all­Kameraden, was beschließt Ihr? Wollt Ihr die Forts gemeine Wohl, ist es verboten, fich als Egoist und Heuchler auf die Seite der Chefs zu stellen. Wäre die Arbeitsein­Ja! Ja!" brüllte der Chor. stellung allgemein, längst würden wir gestegt haben. Kein einziger Mann hätte sollen in Vandame einfahren, als

hatte die Krankheiten der Minenarbeiter studirt und ließ seßung des Streiks?" fie alle mit frassen Details vor ihnen defiliren: die

Bleichsucht, die Strofeln, die schwarze Bronchitis, das

thie Thiere in die engen Arbeiterviertel, maßregelt fie mit

" Und welche Maßregeln bestimmt Ihr?... Unsere

hma welches sie erstickt und der Rheumatismus, Niederlage ist besiegelt, wenn Feiglinge morgen einfahren." Montsou feierte; das hätte gewirkt, wenn überall im ganzen

Und mit ihrem Sturmesheulen antwortete die Menge: Nieder mit den Memmen;"

Millionen von Arbeitern, sehen ihnen den Fuß auf's Genicke pfändeten Wortes zurückrufen?... Wollt Ihr, daß wir

" Ihr beschließt also, daß wir sie zur Pflicht ihres ver­

Lande die Arbeit eingestellt worden, bei Herrn Deneulin wie bei uns... Aber Ihr seid Verräther in Jean- Bart, nichts als Verräther!"

Der Haufe um Chaval nahm eine drohende Haltung