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Mr. 287.

Sonnabend, den 7. Dezember 1889.

6. Jabrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Voltsblatt"

Dber erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Bofzeitungspreislifte für 1889 unter Nr. 866.) Für das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mark pro Monat.

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Redaktion: Beuthstraße 2.

Blauer Dunit.

Ob die ,, Sozialreform" bei ihren jezigen ,, Er­rungenschaften" stehen bleiben oder weiter geführt werden foll

das ist's, was einigen nationalliberalen Blättern Rummer und Kopfzerbrechen macht. Diese Presse hat eine hohe Meinung von der gegenwärtigen Sozialgesetz­Berbrand gebung und glaubt, die in den letzten Jahren geschaffenen brei Versicherungsgeseze müßten die weitgehendsten Wir­fungen haben. In dieser Täuschung bewegen sich die Rationalliberalen nun schon sehr lange und sie könnten nun ach und nach einsehen, wie eng das Biel für die Wirk­mkeit dieser Gesetze gesteckt ist.

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Beweis

Die Regierung scheint vorläufig keine Lust zur Weiter­bildung der sozialpolitischen Gesetzgebung zu haben, wie oft adeseile auch schon Herr von Bötticher betont hat, auf diesem Bege werde man die Sozialdemokratie überwinden, und wiewohl Herr Herrfurth bei den Berathungen über das Gozialistengeset es aussprach, daß man der Sozialdemokratie, als einer geistigen Macht, nicht nur mit Repressiv­mitteln entgegentreten könne. Aber der Standpunkt der Regierung gegenüber den Beschlüssen und Berathungen bes Reichstages in Sachen der Arbeiterschutzgesetz gebung läßt erkennen, daß man dort die färglichen Kon effionen der Versicherungsgesetze schon nicht gerne gemacht hat und feine weiteren zu machen gesonnen ist.

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Die Nationalliberalen tragen mehr als alle anderen Parteien die Schuld daran, daß die Initiative des Reichs­tags eine so schwächliche ist, weil sie lange Zeit den Brauch geübt haben, über alle der Regierung nicht angenehmen Anträge zur Tagesordnung überzugehen. Wenn nun einige nationalliberale Blätter betonen, man müsse die sozial­politische Gesetzgebung weiterbilden und vor allen Dingen dem Arbeiter einen Schuh gegen die eine Bauernfängerei gewöhnlichster Art halten, die Angesichts der herannahenden Wahlbewegung zwar ihre Er­flärung findet, aber nichts weniger als geschickt ist. Das Recht auf Arbeit ist eine eigene Sache und wenn in's Auge gefaßt worden wäre, so würden diese sonst so Jaghaften Herren wohl lieber die Hand vom Butten" ge­

laffen haben.

First Bismard hat allerdings einmal im Reichstag ich für das- beſſer für ein Recht auf Arbeit ausges sprochen. Aber er hat dazu gesagt, daß er es nur im

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Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. + Fernsprecher: Amt V1. Nr. 4106.

Expedition: Bimmerffrake 44.

und ein praktischer Versuch, das Recht auf Arbeit in's Leben treten zu lassen, ist nicht gemacht worden.

Man sprach zwar auch von einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Allein auch dies ist's nicht, was man unter Recht auf Arbeit versteht. Das hieße Raffen errichten, aus denen die beschäftigungslosen Arbeiter einen Buschuß erhielten. Da müßten sie lebenslängliche Beiträge zahlen und damit sind sie nun hinreichend beglückt.

Wir sind der Ueberzeugung, daß das Recht auf Arbeit innerhalb der modernen bürgerlich- kapitalistischen Produktions­form gar nicht eingeführt werden kann, weil mit seiner Einführung diese ganze Produktionsform aus dem Leim gehen müßte.

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stündige, kann das Uebel auch nicht beseitigen, aber er kann es mildern. Die industrielle Reservearmee würde schon bei dem zehnstündigen, noch mehr aber bei dem neun- und acht­stündigen Marimalarbeitstag zusammenschmelzen und würde nicht mehr dazu gebraucht werden können, mit so gewaltigem Druck wie bisher alle Bestrebungen nach besseren Arbeitsbedingungen niederzuhalten.

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Ein energisches Eintreten für einen Maximalarbeitstag ist von den Nationalliberalen nicht zu erwarten. Das wissen die Arbeiter sehr gut und man braucht sich deshalb keine Mühe zu geben, die Arbeiter mit solchen unbestimmten Phrasen wie Schutz gegen Arbeitslosigkeit" einzufangen. Man sett Da müßte man deutlich sagen, was man will. immer voraus, die Arbeiter verstünden von diesen Dingen so wenig, daß man ihnen jeden blauen Dunst vormachen tönne. Da irrt man sich; wo es sich um die eigensten Ge­werks- Interessen handelt, sind die Arbeiter ganz natürlicher Weise gar oft besser unterrichtet, als mancher superflug sein wollende Profeffor der Nationalökonomie.

Korrespondenzen.

Die sogenannte industrielle Reservearmee ist ein wesentlicher Bestandtheil der modernen Produktions­form. Sie ist der Untergrund, auf dem sich die freie form. Sie ist der Untergrund, auf dem sich die freie Konkurrenz bewegt. Die überzähligen" Arbeitskräfte müssen dem Unternehmer immer zur Verfügung stehen; mit ihnen lassen sich die Löhne reguliren", fie lassen sich bei Ausständen gegen die Arbeiter verwenden und bei dieser Reservearmee ist die Arbeitskraft Waare immer unter dem gewöhnlichen Marktpreise zu haben. Ohne diese Armee würden die Produktionskosten nicht behufs siegreicher Konkurrenz hinabzudrücken sein. Da der modernen Industrie aber die Tendenz innewohnt, die Produktionskosten stets zu verbilligen, so ist die industrielle Reservearmee für sie eine unentbehr liche Einrichtung geworden: sie hat sich so sehr an­dieselbe angepaßt, daß mit dem Verschwinden der indu­striellen Reservearmee auch die moderne Industrie selbst zer­fallen würde. Man braucht eigentlich nicht mehr zu wissen, um zu begreifen, von welcher Fäulniß die äußerlich so lebenskräftig erscheinende Industrie schon angefressen ist. Recht auf Arbeit ist gleichbedeutend mit Ab= schaffung der industriellen Reserve armee und dazu wird sich der moderne Staat im Bunde mit der von ihm gepflegten und gehätschelten Industrie, mit dem von ihm bevorzugten Unternehmerthum, niemals herbeilaffen. Das Höchste, wozu man sich aufzuschwingen im Stande wäre, könnte eine Berallgemeinerung der sogenannten Arbeiter­kolonien sein, wodurch bewirkt werden könnte, daß die In- vollständig ins Hintertreffen zu gerathen und noch weitere Ber­buſtrie noch billigere Arbeitskräfte bekäme, als zuvor. Das

würden wahrlich herrliche Zustände werden, wenn einerseits die Insassen der Kolonien, andererseits die neu einzuführenden Chinesen das Hauptelement der Arbeiterschaft

Sinne des Allgemeinen preußischen Land- gehen.

bilden, dann müßte Deutschland wirthschaftlich zu Grunde Der Arbeitslosigkeit unter den heutigen Zuständen zu

rechts meine und das giebt der Sache eine wesentlich andere Bedeutung, denn was das preußische Landrecht in dieser fteuern, dazu ist nur der Maximalarbeitstag ge Beziehung bestimmt, ist denn doch etwas ganz anderes, als eignet, sowie die Einschränkung der Kinderarbeit, in was man gewöhnlich unter dem Recht auf Arbeit versteht. welche Kategorie wir auch die jugendlichen Ar­

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New- York , 22. November. Wie seiner Zeit berichtet, hatte der General- Werkmeister des Ordens der Knights of Labor, Powderly, bei mehreren Besprechungen, welche die Führer der Amerikanischen Föderation of abor mit den Re präsentanten des Ordens veranlaßt, fich sehr vorsichtig über die Frage der Betheiligung des Ordens an der Achtstunden- Be meaung. Er faloirie sich damit, daß er nicht in der Lage sei, definitive und bestimmte Erklärungen abzugeben, sondern dar­über die Generalversammlung entscheiden müsse. Es unterlag nun zwar für Jeden, der den Verlauf der Dinge verfolgt, auf der Hand, daß dies eben nur eine Ausrede war, da geschrittenen Elemente aus dem Orden getreten denselben noch mehr beherrsche, als dies vorher der Fall gewesen, daß es also ganz von ihm und seinem Stabe abhängen würde, wie die Generalversammlung fich stelle; aber man zog andererseits in Betracht, daß der Drden infolge feines gewaltigen Rüd ganges doch der Situation Rechnung tragen müsse, um nicht lufte zu erleiden. Auch glaubte man, daß der Einfluß ver schiedener Leute, denen man einen weiteren Ueberblick zuschrieb wie der jezige Redakteur des Ordens- Organs Wright­so weit reichen würde, um ein rückhaltloses Zusammengehen bes Drdens mit der Föderation in der Achtstundenfrage erwarten zu können. Darin hat man fich aber getäuscht. Die General­Bersammlung hat einen Beschluß gefaßt, welcher deutlich zeigt, daß man fich durchaus nicht binden wolle, respetive nicht das Intereffe der Allgemeinheit, sondern lediglich das des Ordens im Auge habe.

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Ohnehin ist es bei der theoretischen Anerkennung geblieben beiter" rechnen. Der Maximalarbeitstag, auch der acht- die maßgebende Rolle gespielt hat, nicht nur bei den Knights!

Feuilleton.

Radbrud verboten.]

Germinal.

Sozialer Roman von Emile 3.1a.

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riefen ihm Schimpfworte zu, während er, da nun doch ein­mal Alles verloren war, eine Befriedigung darin fand, wenigstens frei von der Leber weg ihnen seine Verachtung ins Geficht zu schleudern. Doch ihre 3ahl vermehrte sich, schon drängten fünfhundert an ihn heran. Sein Oberauf­feher wollte ihn gewaltsam in's Haus ziehen, indem er ihm zuflüsterte:

Herr Direktor, kommen Sie, das kann ein Gemezel werden; wozu unnöthiger Weise Blut vergießen?

Einzig autorifirte Uebersehung von Ernst Siegler. Diese harte Sprache regte die Menge noch mehr auf; abrohendes Murren erhob sich, und Maheu mußte Levaque, Schaar hinab: fich auf Deneulin stürzen wollte, zurückhalten, während Stephan fortfuhr, dem Grubenherrn die Legitimität ihres Bemaltattes zu erklären. Doch dieser erwiderte, die Arbeit

Aber Deneulin rief noch einmal in die lärmende

,, Erbärmliches Raubgefindel! Wir sprechen uns wieder, wenn wir die Stärkeren sein werden!"

Der Haufe erstürmte die Treppe, das Geländer brach:

3u den Refseln! Löschen wir das Feuer aus!" Levaque hatte eine Feile gefunden, schwang fie wie einen Dolch und rief:

Die Seile zerschneiden! Die Seile zerschneiden!" Alle wiederholten diese Worte, nur Stephan und Maheu fuhren fort, zu protestiren und versuchten zu be schwichtigen. Aber es sind Leute unten!" schrie Stephan in die tobende Schaar. Der Lärm wurde noch wüfter; von allen Seiten ant­worteten wilde Rufe:

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Defto beffer!... Warum sind sie eingefahren! Es geschieht ihnen Recht, den Verräthern... Sie sollen unten bleiben... Sie haben ja die Fahrten!"

und laffe fich von Niemandem sein Verhalten vorschreiben; klappte zu. Aber sie war nicht verschließbar und konnte mittelst der Leitern retten fonnten, ließ Alle noch hart­übrigens habe er keine Luft, weiter mit ihnen über ihre dem Anprall der zornigen Männer nicht widerstehen; sie nädiger auf ihrer Idee bestehen. Die Seile zerschneiden!" albernen Wünsche zu debattiren, und es thue ihm nur leid, drangen in den Flur, Andere überschwemmten die Sortir heulten fie. Stephan sah, daß er nachgeben mußte; er baß er nicht ein paar Gendarmen zur Hand habe, um sein halle , tamen durch's Kesselhaus oder den Maschinenraum; stürzte auf die Maschine, um wenigstens den Aufzug empor­

Eigenthum von dieser Ranaille zu säubern.

Aber meine Schuld ist, was mir paffirt," schloß er.

wenn fie glaubt, Euch mit Ronzessionen zu gewinnen, Un

überall, zu allen Thüren drängten sie sich hinein, in weniger als fünf Minuten erfüllten sie, in übermüthiger Freude,

fahren zu lassen, damit die abgeschnittenen Seile nicht mit ihrem ungeheuren Gewicht bis unten in den Schacht darauf

werben, das ist so sicher, wie die Regierung fich täuscht, haben, mit wildem Siegesgeschrei alle Etagen, alle Räume Maschinist war entflohen; Stephan selbst sette die Maschine Mit Eures Gleichen kann man nur mit Gewalt fertig den widerspenstigen Direktor in die Flucht getrieben zu hinabstürzten und die ganze Fahrkunst zerstörten. Der

finn: Thr stürzt sie, sobald sie Euch die Mittel dazu in die

Band gegeben hat." antwortete, die Stimme dämpfend: Stephan bebte vor Unmuth, doch er beherrschte sich und

Sch beschwöre Sie, ertheilen Sie den Befehl, daß Ihre

der Gebäude.

Maheu näherte sich erschreckt Stephan

Sie dürfen ihn nicht umbringen!" Stephan sah, daß Deneulin sich in dem Zimmer der Aufseher verbarrikadirt hatte und antwortete:

Arbeiter ausfahren, oder ich stehe für nichts. Ich vermag Mensch ist ja ein wüthender Narr."

Sie nach, um ein Unglück zu vermeiden!"

Und wenn fie's thun, ist das unsere Schuld? Der

Doch er war nichts desto weniger von Unruhe und

in Bewegung; während Levaque und zwei Andere in den Thurm zu den Seilen hinauffletterten. Raum war der Auf­zug festgeankert, da schrillte der gelle Ton der Feile, welche das stählerne Geflecht zu zerfägen begann. Alle schwiegen, blickten hinauf und horchten dem markerschütternden Ges räusch, starr, ohne Bewegung, mit einem wilden Freuden­schimmer in den Augen, als wenn die Feile, welche dort oben das Seil eines dieser Unglückslöcher zerschnitt, sie von all

laum noch, meine Rameraden im 3aun zu halten; geben Besorgniß erfüllt und es verlegte seinen Stolz, daß die ihrem Elend befreite.

plündern!"

nicht und habe nichts mit Euch zu verhandeln! Banditen Nein! Scheert Euch zum Teufel! Ich kenne Euch feib Thr allesammt, die über's Land ziehen, um zu Berwünschungen überschrieen seine Stimme; die Frauen Worte:

Kameraden seiner Autorität entschlüpften; darum ermahnte er, sie sollten ruhig bleiben und nicht ihren Feinden durch unbesonnenes Handeln eine Waffe gegen sich in die Hände geben. Aber der freischende Ruf der Brulé übertönte seine

Aber die Brulé lief hinaus:

Bu den Kesseln! Bu den Kesseln!"

Die Weiber stürmten ihr nach. Die Maheude voran, um zu verhüten, daß Alles zerstört werde. Sie war ruhiger wie die Anderen und rief, man fönne sein Recht verlangen,