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Mr. 14.

Freitag, den 17. Jannar 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ

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für die

Das Berliner Boltsblatt

Interessen der Arbeiter.

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreislifte für 1890 unter Nr. 892) Für das Ausland: Täglich unter Streusband burch unsere Expedition 3 Mart pro Monat.

Redaktion: Beuthffraße 2.

Die Subalternbeamten.

Die lahme Resolution, zu welcher sich die Budget­Rommission des Reichstages in Sachen der Gehalts­aufbefferung der Subalternbeamten aufgeschwungen hat, wird hne Erfolg bleiben und die Subalternbeamten werden sehen müffen, wie sie mit ihren mehr als knappen Einkommen fich weiter behelfen können.

Wenn man gesagt hat, die Gymnasiallehrer und die Offiziere hätten am meisten eine Gehalts­erhöhung nöthig, so bestreiten wir das auf das Entschiedenste.

arbentliche Bezahlung zu mißgönnen, allein wenn es sich m Aufbesserung der Gehälter handelt, so muß sicherlich anderswo angefangen werden, als beim Gymnasiallehrer und befferung der Beamten sind wir unter gar keinen Umständen, benn es giebt Beamte in Hülle und Fülle, die sehr gut, und auch viele, die nach unserer Meinung zu hoch bezahlt find. Ohnehin ist es gewöhnlich so, daß bei der Stala, die man Beamten, die schon gut bezahlt find, weit beffer weg­tommen, als die Subalternbeamten, die von der Noth ge plagt werden.

als Beispiel

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltene Betitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Fefttagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernspredjer: Amt VI. Mr. 4106.

Expedition: Bimmerfraße 44.

Die Lebensmittelvertheuerung trifft selbstverständlich diese Beamten mit verdoppelter Schwere. In der Budget­tommission wurde behauptet, die Lebensmittel seien nicht vertheuert, sondern es habe sich nur die Lebens­Das haltung aller Klassen gesteigert. nationalökonomische Genie, das diese Behauptung aufstellte es war Herr Delbrüd hätte sich vorher bei der Hausfrau des ersten besten Eisenbahnschaffners oder Brief­Hausfrau des ersten besten Eisenbahnschaffners oder Brief: trägers darüber informiren tönnen, ob die Lebensmittel theurer geworden sind oder nicht. Es wäre überhaupt an der Zeit, daß die Hausfrauen aus dem Volte einmal in den Gang der Geschichte" eingreifen und konstatiren würden, wie sie die Brot- und Fleischpertheuerung verspüren, denn es giebt so viel gelehrte Herren, die so viel tiefsinnige Unter­suchungen anstellen, daß sie immer das Verkehrte dabei her­ausbringen.

Wir wären froh, wenn die Lebenshaltung aller Klassen in aufsteigender Bewegung sich befände, denn das wäre ein gutes Beichen für Alle. Oder soll nach den Begriffen hochwohlweiser Herren die Lebenshaltung des Voltes überhaupt nicht steigen? Sollen wir uns zu den Botokuden und Hottentotten zurück entwickeln?

Es ist aber nicht die Lebenshaltung aller Klassen ge=

stiegen. Die der oberen 3ehntausend" wohl.

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Aber der Subalternbeamte muß sich doch wohl nach seiner Dede strecken, in der Epoche der steigenden Lebensmittel preise um so mehr, während in den weitesten Kreisen der arbeitenden Klassen sich eine Abnahme der Konsum= tionskraft bemerkbar gemacht hat, eine Thatsache, die bei sehr vielen Geschäften auf das Schmerzlichste fühlbar

Die Subalternbeamten haben die anstrengendsten und verantwortungsreichsten Pflichten zu erfüllen. Man nehme nur den Briefträger und den Eisen­bahnschaffner. Wie gering ist die Bezahlung dieser geworden ist. Das kommt von den sinkenden Löhnen der Beamten und wie elend müssen sie sich mit des Lebens Arbeiter, von der durch die Konkurrenz bewirkten Verringerung

große Familie ernähren zu müssen! Die Briefträger vers laffen fich auf die Trinkgelder um Weihnachten und Neujahr und wer möchte ihnen diesen Zuschuß vergönnen? Allein es würde dem Staate weit beffer anstehen, Beamten so stellen würde, daß sie solcher Trinkgelder nicht Lebensmittel höher werden.

bedürften.

wenn er seine

Den unteren Eisenbahnbeamten wird in ihrem Amt eine weit schwerere Berantwortlichkeit aufgebürdet, als den In der Hand eines armen Weichenstellers

Poftbeamten.

I ruht täglich das Geschick von Tausenden von Menschen, und doch sind diese Leute so mit Arbeit überbürdet, daß man machen, die Bezahlung ist durchaus unzureichend. Bei den wärterinnen" mit unseres Wissens 40 bis 50 Pfennig Taglohn.

Gymnasiallehrer und Lieutenant haben Ferien oder fönnen sich Urlaub nehmen, um sich zu erholen. Den Sub­und dies trifft sie um so schwerer, als sie bei den niedrigen Gehältern sich eine Lebensweise angewöhnen müssen, welche ihnen keineswegs zuträglich ist.

Feuilleton.

Machbruck verboten.]

Der Winterabend.

Novelle von Elise Orzeschko.

[ 3

Autorifirte Uebersetzung aus dem Polnischen von C. Ranemann.

Er überwand indeß seinen Aerger und, sich zur Ruhe wingend, fuhr er gleichgiltigen Tones fort: Als ich zum erften Mal hier durchreiste, baute man den neuen Hof und da half ich als Arbeiter."

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Alte Beiten! Es mögen wohl so an die zwanzig Jährchen seither verstrichen sein," bemerkte Mikula. Mehr als zwanzig, verbesserte der Gast.

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der Produktionskosten und von den vielen überschüssigen" Arbeitskräften, die zu jedem Preise zu haben sind. Man wird aber, auch wenn man ein Kartellbruder ist, nicht be­haupten können, daß sich die Lebenshaltung steigert in einem Augenblick, da die Einkommen niedriger und die Preise der

Bei dieser Gelegenheit kann es wieder klar gemacht wer­den, daß ein Staatsmonopol noch kein Sozialismus ist, wie den, daß ein Staatsmonopol noch kein Sozialismus ist, wie Ein sozialistischer Betrieb würde so viele Leute glauben.

mit seinem 3wecke, der Gesellschaft nüglich zu sein, den an­deren nicht weniger wichtigen 3weck verbinden, den bei ihm beschäftigten Arbeitern eine angenehme, ausreichende und

sichere Existenz zu gewähren. Der moderne Staat aber

hat als Hauptwed im Auge, aus den Staatsbetrieben

möglichst viel für seine Hauptkaffe herauszuschlagen, und die Leiter dieser Betriebe tennen feinen größeren Stolz, I als mit recht hohen Erträgnissen ihrer Betriebsanstalten im Etat prangen zu können. Sie machen damit manchen Leuten eine Freude. Aber tausendmal mehr Leuten würden sie eine Freude machen, wenn sie sich entschließen könnten, für eine Aufbesserung der Subalternbeamten einzutreten. Diese Haltung stimmt nicht überein mit den Grund­sägen, welche die leitenden Staatsmänner so oft proklamirt

Er ficherte muthwillig und seine Augen brannten wie glühende Kohlen.

Die Pest soll mich auf der Stelle erwürgen, wenn ich mich beffen noch entsinne! Ob ich mit Euch geredet oder nicht, Euch gefüttert oder nicht, dessen entfinne ich mich nicht mehr! Aber gesehen müssen wir uns haben, wenn die Hölle mich nicht trügt. Ihr seid's! Nein, nein, doch nicht Bum Teufel, da ist Hererei im Spiel!"

3wei Paar Augen: das eine scharf sich einbohrend, unter grauen, herabfallenden Brauen, das zweite stumpf und blöde, aber von Neugierde erhellt und lebhaft unter den ge­rötheten Lidern umherirrend, starrten den Fremden an, der jest fichtlich in Unruhe gerieth, von seinem Stuhl sich er­hob und in großen Schritten unter finnløsem, tollem Lachen an die Herbstätte trat. Dort richtete er sich in seiner ganzen Höhe empor, kreuzte die Arme auf dem Rücken und be­

Es tamen damals viele Fremde her," warf der Faß- trachtete das Mädchen, das bei seinem Nahen zu spinnen

Ja, sehr viele, ich entsinne mich wohl!" Der Alte schaute den Gast abermals aufmerksam an. Es schwebt mir ein Schleier vor den Augen, bald glaube ich Euch zu kennen, bald wieder glaube ich, mich zu täuschen."

Bei Gott !" rief die alte Naftula ,,,, der Schlag foll mich rühren, wenn es mir nicht auch so geht. Wenn Ihr beim Bau des neuen Hofes mithalfet, haben wir auch zu­

sammen gesprochen."

Der Frembe sah mit eigenthümlichem Grinsen nach ihren dürren, abgemagerten, wachsgelben Händen. ,, ja, Mütterchen, nicht einmal, mehr denn zehnmal

Nicht nur

habt Ihr mit mir geplaudert", erwiderte er. einmal habt Ihr mir in diesen Händen Butterbrot und Honig gebracht, den Ihr heimlich aus der herrschaftlichen

Speisekammer gemauft.

aufhörte und aus Furcht die Hände auf die Knie fallen ließ.

Du bist des Wirthes Tochter?" Tief erröthend zupfte sie am Kleide.

Ja wohl, die Tochter," flüsterte sie schüchtern.

Die jüngste wahrscheinlich?... Bist noch keine zwanzig Jahre alt?" Noch nicht."

"

Und Marie, die ältere Schwester, lebt sie noch, oder ist sie auch schon gestorben?"

11

Sie ist noch am Leben."

Hat sie sich verheirathet?"

" Ja."

Wo wohnt fie? In diesem Dorfe?" " In Dubrowslany, in der Hütte ihres Mannes." Ach, ihr Mann hat eine eigene Hütte, auch gut denn,

fo fo!"

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haben. Wenn Herr von Bötticher das rührende Wort: Liebet die Brüder!" sprechen konnte, so mag man dasselbe auch auf die Subalternbeamten anwenden und in Gestalt einer Aufbesserung werden sie es am Besten vers stehen.

Leider scheint man teine Lust zu einer Aufbefferung zu haben und es werden höher stehende Brüder", vielleicht der Gymnasiallehrer und der Lieutenant, wohl eher dran kommen!

Korrespondenzen.

Bürich, 13. Januar. Auch du Brutus?" fann man ausrufen angesichts des Vorgehens der bernischen Be­hörden gegen die dortigen ausgesperrten Buchdrucker; weil einige der von den Prinzipalen aus Deutschland importirten Rulis von den Arbeitslosen nicht auf den Händen getragen wurden, ziehen fie die mächtige Intervention der deutschen Gesandtschaft an, die dann richtig den Bundesrath ftupfte". Diefer feinerseits empfahl die Angelegenheit der Regierung des Kantons Bern , die nun eine große Gefahr entdeckte und über die Bundesstadt den tleinen Belagerungszustand verhängte. Freilich gebraucht man in der Demokratie die feineswegs fympathise und schön flingende Bezeichnung nicht, man redet blos von Verstärkung der Polizei, Militäraufgebot, mahnt die Bürger an ihre auch in der Republik als erste geltende Pflicht der Ruhe und verfährt im übrigen, wie man auch in der Monarchie unter der Herrschaft des fleinen Be­lagerungszustandes verfährt. Durch dieses schneidige Borgehen zeigen die schweizerischen Staatsmänner, daß fie auf der Höhe ber Zeit stehen. Sie haben die Konflikte mit dem Auslande nicht umsonst erlebt fie haben was gelernt und ihre Kollegen in Deutschland , Desterreich, Rußland 2c. fönnen mit ihnen zufrieden sein.

Auch die Thätigkeit unter dem System des Kleinen" macht ihnen alle Ehre. Hören wir nur, wie die in der höchsten Wuth der Staatsrettung arbeitende Polizei mit dem Bürger der Republik verfährt. So schreibt ein Sattler dem Schweizerischen Sozialdemokrat":" Ich fam aus meinem Logis über den Rornhausplatz und durch das Statthalter­gäschen, da sah ich einige Polizisten in schnellstem Laufe gegen ben Gasthof zum Schlüssel zusteuern. Ich näherte mich einige Viel Schritte, um zu vernehmen, was fich ba begeben habe. fonnte ich aber nicht vernehmen, ich hörte nur, daß der Polizei­forporal einige junge Burschen, die dort mit einander schwaßten, aufforderte, den Plas zu verlassen, ansonst fie arretirt würden. Darauf erwiderten diese, fie hätten das Recht, so lange hier zu stehen, als ihnen beliebe, fie zahlen die Steuern so gut und so

ehrlich wie bie Poliziften.

Auf einmal heißt es: Sämmtliche Anwesende find aufge­fordert, auf das Wachtlokal zu kommen, um die Namen an­zugeben" und sofort wurden einige gepackt und vorwärts gestoßen.

Ich selbst wollte meinen Weg fortseßen au einem Rendez vous an der Gerechtigkeitsgaffe, als ich am Rock ergriffen und ebenfalls aufgefordert wurde, auf die Wache zu kommen: ich gehöre auch zur Bande. Er tenne mich wohl, ich sei

Ein tiefer, furzer Seufzer, einem Luftzug ähnlich, hob seine Brust. Er stockte.

Am langen Tisch erhob sich ein Gespräch. Der fünf­zehnjährige Hans neckte Naftula, weil sie heimlich ein zweites Gläschen Branntwein getrunken. Das Mütterchen, dadurch heftig erbost, schlug sich mit der Faust an die Brust und schrie:

Unverschämtes Lumpenmaul, Du! Mein seliges Ende will ich nicht erleben, wenn es wahr ist, daß ich ge trunken!"

Der Faßbinder brummte etwas seiner Frau zu, die sich bei einem Spinnrad an der Wand zu schaffen machte. Helene lachte laut auf über den 3ant der Alten mit dem Knaben. Nur ein einziger Mund, der dichten Rauch aus der kurzen Pfeife paffte, blieb stumm. Mikula verschwand zeitweise in dem Qualm, aber seinen Gast ließ er gleichwohl nicht aus den Augen.

Jetzt rief auf einmal Alexis mit seiner hellen, frischen Stimme:

Und von Bonk habt Ihr nichts gehört, als Ihr in der Welt herumftreiftet, he?"

Eine tiefe, unheimliche Stille sentte sich plötzlich über die menschenerfüllte Stube. Jeder harrte neugierig der Antwort. Der Gaft blieb dieselbe eine Weile schuldig, vers sette dann aber gelassen:

"

Warum sout' ich nichts von ihm vernommen haben? Alle Welt spricht ja jetzt nur noch von ihm."

Ja, nur zu viel. Behüte Gott Jedermann vor solcher Nachrede!" rief der junge Bauer. Was meint Ihr: wird man ihn wohl erwischen?"

Wer das wüßte! Möglich, daß man ihn findet", ent­gegnete der Gaft phlegmatisch.

Ein Glüd wäre es immerhin. Der Schreiber be= hauptete, daß, falls er, wovor uns Gott behüte, hier durch paffiren sollte, ein grausames Unheil entstünde. Es wird