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Donnerstag, den 20. März 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Intereffen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

der nocheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Poftabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.

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Redaktion: Beuthffraße 2. Beuthstraße 2.- Expedition: Bimmerftrae 44.

Den Höhepunkt erreichte aber die Debatte bei Gelegen­nes gewesen wäre, für jeden Gegner des Kartells, also heit der Bergwerks- Debatte. Herr Vopelius, ein Die Debatten des preußischen Abgeordnetenhauses auch für die Polen , statt der Volksfeinde aus dem kon- tapferer Streiter des Kartells, machte einen Husarenritt gegen den ultramontanen Kaplan Dasbach, weil der lebt durch die lieblichen Zänkereien, in welchen sich die find seit dem Abschlusse des Wahlkampfes anmuthig be- fervativen und nationalliberalen Lager zu stimmen. Diese feigherzige Staatsweisheit läßt für die Zukunft felbe sehr ruhig, sehr vorsichtig die mißlichen Zustände noch recht unerfreuliches für diejenigen erwarten, die in im Saarbrückener Grubenverein dargelegt hatte. Was Köpfe werfen. Die Erbitterung der Kartellisten über die dem Fortschrittlerthum doch noch etwas Rückgrat und Dasbach auf der Tribüne gesagt, war so zahm, daß nur bösartige Schlappe, welche sie am 20. Februar davon- Grundsatz zu finden gehofft haben. Wir zählten nie zu die durch Wahlärger zur Weißgluth erhitzte Profitwuth getragen haben, ist eine ungeheure, und so brechen sie jede diesen Optimisten, da uns der wahre Charakter des Deutsch - die Rüpelkomödie nicht etwa entschuldigt, aber verständlich mögliche und unmögliche Gelegenheit vom Zaun, um sich freisinns so offenfundig ist, wie Herrn Rickert die geheimsten macht, in welcher Herr Vopelius solch eine ehrenvolle Gedanken seines Freundes Stofch. Rolle spielte. Man wisse schon, was Herr Dasbach für an dem verhaßten Antikartell zu reiben. Wenn nun einmal das Abgeordnetenhaus zum ein Mensch sei, aus dem Parlaments- Almanach könne

Als ob es nicht die Pflicht jedes prinzipiell denkenden Man­Landfägliches.

Das Antifartell ist also der angegriffene Theil. Nun ist dasselbe im Landtage nur aus bürgerlichen Fraktionen Tummelplatz gemacht wird, auf welchem Reichstagswahl man erfahren, daß derselbe Priester Druckereibesitzer, Bei­zusammengesetzt, und so ergiebt es sich von selbst, daß die Zweikämpfe ausgepauft werden, so hätte es einer tungsherausgeber und wegen Preßvergehen bereits so und Bertheidigung größtentheils eine sehr lahme ist, und vor schneidigeren Klinge und eines kräftigeren Dreinschlagens so viele Mal bestraft sei, darunter ein paar Mal mit Ge­lauter Vertuschen und Diplomatisiren kein kräftiger, derber bedurft. Sehr wohl, die Herren wollten ihre ganze fängniß! Schlag auf die Attaken der Konservativen und National- Schande noch einmal blank und bloß vor aller Welt

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und ich, Rickert, der Staatsmann,

Wir meinten bisher, daß es in einer reaktionären

liberalen hin erfolgt. Die Krone für diese muthige Taktik ge- Augen bringen. So hätten die Vertreter der Opposition Aera etwas Selbstverständliches ist, für seine politische tebührt, wie stets, dem sanftlebenden Fleisch von Danzig , noch einmal mit dem Kartellgesindel eine gründliche Ab- Ueberzeugung zu kämpfen und zu leiden, wenn diese Herrn Rickert, dessen staatsmännisch angehauchte Dulder rechnung halten und ihnen das Urtheil des Volksgerichts Ueberzeugung nicht obrigkeitlich gestempelt ist. Wir meinten zu sagen scheint: Ich bitte um Verzeihung, daß ich als die nur zu milde Strafe ihrer Frevel ins Gesicht bisher, daß in einem Zeitalter, das die Breßfreiheit fast nur als Deutschfreisinniger existire, aber es giebt ja leider noch nicht schleudern sollen. Die ganze Debattirerei ging ja doch nur dem Namen nach kennt, der Zusammenstoß zwischen den die große liberale, die heißersehnte Kuddelmuddel- vor als erhebender Spektakel für die Leute, die nicht im Gerichten und Wortführern der Opposition etwas Natur­laffe Landtag fizen. Es wurde zum Fenster hinaus gesprochen, gemäßes ist, wie Blitz und Donner. Unser Preßgesetz und mir Kniehosen und Schnallenschuhe vorläufig erst an- zu den Wählern und zur Regierung, nach oben und nach unser Strafgesetz legen so viele Fallstricke und Selbst­probiren." schlüsse, strebsame Staatsanwälte behüten so peinlich die Er war es ja auch, der im Landtage Del in unten. Welch eine schwächliche Rolle aber hat hier der größere öffentliche Meinung, unsere Gewaltigen reagiren in ihrer stürmische Fluth des Kartellzorns gegossen und wohl­wollend sich und seine Partet dagegen verwahrt hat, als Theil der Antikartelliſten gespielt! Aber er mußte fie Empfindlichkeit so leicht auf jedes Wort, das ihren zarten wolle sie die Lebensmittelzölle abschaffen; so bös feien sie spielen, weil im Grunde genommen diese Antikartellisten Nerven weh thut, und unsere Zustände sind so kritik­nicht, sie wollten blos den Bolltarif allmälig revidiren und doch nur die feindlichen Brüder der Kartellisten sind, bedürftig, daß es ein glücklicher Bufall ist, ungerupft davon­umgestalten. Gut' Ding will Weile haben, und mag auch zu ihnen von Haus aus gehören, mit ihnen durch das zukommen, wie es eine Ehre ist, mannhaft für seine An­das Volk den Brotvertheurern noch Jahre lang die Taschen mächtige kapitalistische Interesse verbunden sind und im sichten einzustehen und dafür auch zu dulden. füllen, so schadet das nichts. Herr Rickert ist ja auch eine Nothfalle gegen das Proletariat geschlossen vorgehen. Auf welches Niveau ist der Landtag gesunken, wenn tare Antwort darüber schuldig geblieben, ob er in einem| Auch Herr Windthorst, der Chef des Zentrums, Industriebezirk gegen die Industriezölle, das Bereicherungs- hatte den letzten Refst seiner oppositionellen Schärfe in der ein Vopelius die Preßvergehen einem Abgeordneten vor­mittel der Schlotbarone, sprechen würde. Er ist der Mann, Garderobe abgegeben, und er, dessen Heerschaaren nur zuhalten die Kühnheit hat. Ja, wenn Herr Dasbach als sich den Rücken frei zu halten, und während er vorsichtig Dank ihrer Opposition gegen das Kartell so vollzählig Student Fenster eingeworfen, Nachtwächter angeulft" und dem Arbeiter mit der schwieligen Faust zuwinkt, drückt er wieder erschienen waren, wußte mit frommem Augen- wegen groben Unfugs oder wegen Zweikampfs mit ge­Rechte, um so von allen Seiten Stimmen zu ergattern. einzigen Mittel, fie niederzuhalten, gar beredt zu erzählen. Schneidig", das ehrt den Mann, das ist eine Empfehlung dem Agrarier und dem Eisenkönig warm die aristokratische aufschlag nur von der bösen Sozialdemokratie und dem fährlichen Waffen bestraft worden wäre? Das wäre bei Herrn Vopelius. Diese Kautschukpolitik ist ein Symptom der Rickert'schen, Der alte Herr hatte offenbar vergessen, daß die bösen Wer im Glashause sitt, soll nicht mit Steinen werfen. zeigen. Ach, daß dieser schöne Traum eben niemals Bentrum entrissen und in das Bollwerk des Ultramon- Warum hat man den Herrn Bopelius nicht zu Gemüthe athmende Leben sich übersehen, und Herr Rickert ohne tanismus in Köln Bresche geschossen, daß sie auch in geführt, daß ein politisch ihm sehr nahe stehen­Würzburg, in Düsseldorf , in Bielefeld in der Biedermann, der auch preußischer Land­Portefeuille ins Grab sinken wird. Derselbe Herr Rickert hat auch stramm das, was die die Stichwahl mit Zentrumsleuten gekommen sind. Und tags- Abgeordneter war, daß der frühere Landes­Spaßen von den westpreußischen Dächern pfeifen, abgeleugnet, in fünf Jahren dürfte der eherne Thurm" der Klerikalen direktor Dr. Mehr wegen gemeiner Verbrechen, Betrug, daß bei der letzten Reichstagswahl eine größere Anzahl in allen diesen Orten in seinen Grundfesten erschüttert Urkundenfälschung zc., in Haft sich befindet und demnächst abgeurtheilt werden wird. Dort ein Ehrenmann, der für Deutschfreifinniger für polnische Kandidaten gestimmt haben. werden.

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Der Mord auf dem Balle.

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Aus dem Leben einer Kreisstadt. Von J. S. Panow.

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Ich bin nicht schuld an der Ermordung des Fräu­leins Ruslanow, wiederholte er beharrlich. Die Beweise find gegen mich... das ist einfacher Zufall.

Wenn Sie schon wirklich an dem Mord unschuldig find, weshalb leugnen Sie Ihre Reise nach Moskau ? Wie tann man den Augenschein leugnen? Itschalow schwieg.

Ich theilte ihm mit, daß ich ihn zur Konfrontirung Schmerz hatte ihn gleichsam von der Wurzel los mit der Dienerschaft des Hotels Mir" und dem Backträger gebrochen, und er gab sich ihm ganz hin, ohne im Stande Nr. 61 nach Moskau senden müsse. Wohin Sie wollen, sagte Jtschalow. Ich weiß, daß zu sein, ihn zu versüßen. sind, und die Formalitäten und die Be

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bau, mit vereinzelten Falten im Gesicht und ausdrucks- amten noch roher. vollen Augen, sah in dem Verbrechen seines Sohnes vor

-Sie können, scheint mir, keine Vorwürfe machen,

bei seinem Sohne einen Mord aus Liebe entschuldigt, aber wohl! Ich rathe Ihnen, aufrichtiger zu sein. er tonnte sich nicht mit dem Gedanken versöhnen, daß

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das junge Mädchen, aber sein Umschmeicheln blieb in den Grenzen der gewöhnlichen Liebenswürdigkeit; niemand hatte etwas Besonderes bemerkt.

Die Verhaftung Itschalows brachte auf die städtische Gesellschaft einen unbeschreiblichen Eindruck hervor. Nie­mand wollte an die Wirklichkeit des Verbrechens glauben, und selbst die Verhaftung Itschalows schrieb man einem Irrthum des Gerichtes zu.

Mehr als alle überraschte mich Petrowski durch sein Verhalten gegenüber diesem ganzen Falle. Seine Braut hatte er sichtlich vergessen, obwohl ich in jener Nacht bei Besichtigung der Leiche deutlich seinen unbezweifelbaren Schmerz bemerkt hatte.

die seinen Händen entschlüpfte Mitgift beklage.

Die bösen Zungen erzählten, daß er mehr als alles Ich erwarte von den Leuten Alles, nur das Gute Am folgenden Tage wurde er nach Moskau gebracht. nicht, sagte er zu mir. Darum wundere ich mich auch über Gleichzeitig fandte ich eine Mittheilung an den Untersuchungs- nichts. Es waren noch nicht zwei Wochen vergangen, als von richter des Kreisgerichtes ab, die auf dem Gute Afanasjews Beide verlangten den Gefangenen zu sehen: der eine, Lebenden darüber zu verhören, wann namentlichtschalow allen Seiten die Antworten eintrafen. Itschalow wurde zurückgebracht. um das Geheimniß der geistigen Vorgänge zu erkunden, mit ihrem Herrn auf der Jagd war, und die Bewohner Aus den mir zugestellten Untersuchungsakten ergab sich, die ihn zu dem Morde veranlaßten... der andere, um zu des Dorfes Jakowlewo darüber, wann und woher der junge| Itschalow tam, bevor er mit seinem Vater nach der Gou- daß alle Diener des Hotels Mir" Itschalow als den Rei erfahren, ob er den Diebstahl vollbracht habe. Nach Samara schrieb ich wegen des senden aus Nr. 15 erkannt hatten. Der Backträger hatte in ihm die Person wiedererkannt, fürchtungen in Bezng auf den Ausgang einer solchen Be- Verhörs Afanasjews. Ich selbst suchte mir indessen die geheimen, unfaßbaren die ihm den Auftrag gab, ein Backet zu Aron zu tragen. Der Korridorkellner Toporkow hatte ausgesagt, daß er Bu Mittag wurde mir der junge Arrestant zugeführt. Seiten dieses Falles aufzuklären. Durch die Verhöre Ruslanows, Petrowskis, der Bobrows den ihm abgenommenen Rock von Jtschalow zum Geschenk Da ich an seiner Schuld nicht zweifelte, ermahnte ich ihn, ein Bekenntniß abzulegen, aber ich fand bei ihm die und vieler anderer wollte ich mich genau mit den Beziehungen erhalten hatte. Die Familie Itschalows hatte ihr Zeugniß abgelehnt, gestrige Hartnäckigkeit und Geistesgegenwart. Ich bemerkte bekannt machen, in denen Jtschalow zu Helene Wladimirowna| auch an ihm keine Ermattung, die man nach der, wie es stand, aber ich erfuhr nichts, außer was ich, mit unserer Be wahrscheinlich, da sie fürchtete, irgend etwas zu seinen Un schien, unvermeidlichen innern Erregung und der im Ge- völkerung und ihren Sitten vertraut, selbst voraussehen konnte. gunsten auszusagen. fängniß verbrachten Nacht erwarten konnte.

Er war selten bei Ruslanows gewesen; er umschmeichelte

Die Hofleute sagten aus, daß Mikander Itschalow blos