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Nr. 71.
Dienstag, den 25. März 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Inferessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Volksblatt"
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fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 f. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
Redaktion: Beuthfvahe 2.
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Der
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Expedition: Bimmerffrake 44.
nach London und Paris , nach Wien , Petersburg und Stelle des Fürsten Bismarck treten, wird es nicht gar Ront. Was sie dahin schreiben, wird dann von der schwierig sein, zu verhindern, daß die russischen Papiere Norddeutschen Allgemeinen" und ihrem Geschwister als noch weiter auf dem deutschen Geldmarkt an den Mann beachtenswerthe Stimmen des Auslan- gebracht werden. des" reproduzirt. Wenn sich die Meinung als richtig erweist, was Wir sind der Meinung, daß in diesem Augenblick allerdings dahinsteht, daß die Berufung der komman der europäische Friede so viel und so direnden Generale nach Berlin der Frage gegolten habe, wenig gesichert ist wie zuvor und daß der Rück- ob man nicht das Septennat abschaffen und bei der tritt des Reichskanzlers daran gar nichts ändert. Infanterie eine event. zweijährige Präsenzzeit Vielleicht aber wird an der äußeren Politik jener einführen wolle, so kann man daraus mit aller Sicherheit nervöse Zug verschwinden, welcher so oft an derselben schließen, daß man auch in den höheren Regionen den sichtbar gewesen ist. Wir haben dabei jene bekannte Frieden hier in diesem Augenblick nicht gefährdet erachtet. Paßmaßregel an der Grenze von Elsaß - Wir müssen leider auch der traurigen Ueberzeugung Raum Lothringen in erster Linie im Auge, für deren Ein- geben, daß die Zukunft Europas große und verheerende führung und in den thatsächlichen Verhältnissen und in Kriege in ihrem Schooße birgt und daß gewisse Zusammenden Beziehungen zu Frankreich keine Begründung enthalten stöße zwischen dem Osten und dem Westen mit der Zeit zu sein scheint. Die Betheiligung an der französischen unvermeidlich werden. Aber wenn sich eine Regierung in 23 e Itausstellung ist von Deutschland abgelehnt diesem Augenblick entschließt, eine Aenderung im Heerworden; mit der neuen Wendung in der deutschen Politik wesen zu berathen, welche grundlegend genannt wer ist an die Franzosen eine freundliche Einladung zur Be- den kann, so muß sie in diesem Moment wenigstens und theiligung an der Berliner Konferenz ergangen auf einige Beit hinaus den Frieden für gesichert halten. und die Franzosen waren auch so vernünftig, sie anzu- Die Abschaffung des Septennats wäre indessen ein neuer
nehmen. Es läßt sich alſo annehmen, daß die Beziehungen Keulenschlag für die fürtrefflichen Herren Kartellbrüder.
der deutschen und französischen regierenden Kreise eher Wenn das Septennat jetzt nicht nothwendig ist, sp freundlicher denn kälter geworden sind. Wir wollen nur war es 1887 auch nicht nothwendtg, und die Herren aufrichtig wünschen, daß die erregte Stimmung, die manch- Miquel und Genossen, die erst fürzlich noch mal hüben wie drüben von der Presse künstlich gemacht die angebliche Kriegsgefahr von 1887 für eine ernſte wird, bald ganz verschwinde und daß sich der Boden ebne und thatsächliche erklärt haben, würden auf diese Weise für freundliche Beziehungen der beiden Völker, denn die mit einem Dementi beehrt, wie es vernichtender gar nicht Chauvinisten sind hüben wie drüben nur eine kleine Minder- gedacht werden kann. Im übrigen mag bei den Nationalheit und offiziöse Blätter sind in Berlin so wenig wie in liberalen Trauer genug sein, denn ihr großer Staatsmann, Paris die Stimme der Nation. Herr von Bennigsen, ist gar nicht einmal genannt worden, als es sich um die Nachfolgeschaft im Reichsfanzleramt handelte.
Derselbe nervöse Bug war auch bei der bekannten Wohlgemuth Affäre sichtbar.
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Möchte man heute nicht hellauf lachen, wenn man Der europäische Friede stand und steht nicht auf In den ausländischen Blättern wird lebhaft erörtert, an die Entrüstung" denkt, in die sich nationalliberale zwei Augen, sondern hängt von hundert Umständen ab. ob durch die Abdankung des Fürsten Bismarck und und konservative Blätter hineingearbeitet hatten? Auch Bei dieser Gelegenheit wünschen wir nur, es möge nunmehrigen Herzogs von Lauenburg der europäische in der Schweiz gab es Leute, welche die Sache sehr tra- endlich das Treiben einer gewissen Presse aufhören, die Friede erschüttert sei. Man könnte darauf hinweisen, gisch nahmen und den Polizeiinspektor Wohlgemuth schon es sich zur Aufgabe macht, die Bevölkerung ab und zu daß der Sohn des ehemaligen Reichskanzlers das Portefeuille als den Ausgangspunkt eines europäischen Krieges be- mit kriegerischen Alarm- Artikeln in Aufregung zu bringen. der auswärtigen Angelegenheiten vorläufig noch hat und trachteten. Wer denkt heute noch daran? Während Bis- Man denke an gewisse Artikel( Auf des Meffers daß er ohne Zweifel die Beziehungen Deutschlands zu den marck der Vater energische Noten an die Schweiz richten Schneide" u. s. w.) und an ihre Wirkungen. Auch der übrigen Ländern entsprechend den Rathschlägen seines ließ, sagte Bismarck der Sohn bald darauf im Parlament, Rücktritt des Kanzlers wird nun von gewissen Blättern Baters pflegen wird. Man weiß auch zur Genüge, wie daß die Beziehungen Deutschlands zu der Schweiz die und gewissen Korrespondenten ausländischer Blätter wieder die Stimmen der ausländischen Presse" besten von der Welt seien, gerade als wäre nie ein Wohl zu solchen Stilübungen benutzt. gemacht werden. Hier in Berlin hat sich eine Art gemuth- Fall dagewesen. Man hätte sich also nicht zu er- Wir wissen wohl, daß Zeitungsartikel die europäische Rattenkönig von offiziösen Journalisten gebildet; diese hizen brauchen. Situation nicht beeinflussen; aber wir halten es für ein Leute pflegen sich ihre Informationen auf gewissen Bureaus Die russische Gefahr ist immer dieselbe. Aber gemeingefährliches Treiben, wenn eine Preßkoterie jede Gezu holen, wo ihnen ein Stichwort gegeben wird, wie den solange die Russen kein Geld haben, werden sie nicht an- legenheit ergreift, die Ereignisse in solcher Art auszu Feldwebeln die Parole", und dann schreiben sie hinaus greifen können, und auch für die Leute, die nun an die schlachten, nur um den Lesern sensationale" Artikel auf
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Feuilleton.
Nachdruck verboten.]]
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Der Mord auf dem Balle.
Aus dem Leben einer Kreisstadt. Bon J. S. Panow.
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Nachdem ich das Verbrechen vollbracht, verbarg ich mich in der Garderobe und kam zu der Ermordeten heraus, als sich dort schon eine Masse Menschen angesammelt hatte. Ich dachte, jedem Verdacht zu entgehen.... als ich aber die Ermordete erblickte, vermochte ich es nicht zu ertragen und verlor die Besinnung.
Aber wie haben Sie sie ermordet? Wie kam es, daß Sie Ihr Kleid nicht mit Blut befleckten?
Sie wollten diesen Brief Fräulein Ruslanom zu- Warum konnten Sie ihn nicht selbst mitbringen? werfen? Fräulein Bobrow wollte etwas entgegnen, doch sie hielt -Nein. Gedulden Sie sich. Es ist entsetzlich!... inne. Es war zu merken, daß sie wieder schwankend wurde Ich erwartete die Ankunft Helenens Bald vernahm und daß sie bereit sei, noch einmal die Richtung ihrer Ausich ihre Schritte. Sie trat in ihr Zimmer, das sein Licht sagen zu ändern.
...
durch ein Glasdach erhält. Ich ging in den Korridor und In der Absicht, dem vorzubeugen, stellte ich mich, stand zwischen dem offenen Fenster, das nach dem Garten als lege ich dieser Frage keine besondere Bedeutung bei, und und jenem, das nach dem Zimmer ging. Helene saß, den frug fie: Rücken mir zugewendet, auf dem Sopha
Woher wußten Sie, daß sie bestimmt zu dieser Zeit kommen werde?
Ich hatte sie vor dem Walzer selbst gebeten, in dieses Bimmer zu kommen, unter dem Vorwand, daß ich ihr ein Geheimniß mitzutheilen habe. Ich bat fie, gerade während des Tanzes zu kommen.
Wieso bemerkte sie Itschalom nicht? Er war auf der Leiter emporgestiegen. Nun, mein Fräulein...?
Ich zog darauf das Rasirmesser hervor... Woher?
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Wie tam Jtschalow dazu, bei Nacht auf das Dach eines fremden Hauses zu steigen und auf einer Leiter herum zu klettern, blos um Ihnen einen Brief zu übergeben? Man konnte ihn bemerken, ihn abfassen, und auf jeden Fall stand ihm eine große Verantwortung bevor.
Indem sie meinem Blick auswich und die Augen zu Boden senkte, erwiderte Fräulein Bobrow:
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Itschalow liebte mich; das benußte ich. Er hätte für mich alles gethan. Ich theilte ihm nicht mit, weshalb Sie tanzte im Saale und ich blieb in der Garderobe, es mir darauf anfam, daß er mir den Brief überreichte. neben ihrem Schlafzimmer. Mehrmals ging ich auf ich sagte ihm blos, daß ich ihn darum bitte, daß es für den Rorridor hinaus, um zu sehen, ob man nicht das Fenster mich von großer Wichtigkeit sei. Ich war überzeugt, daß er öffne, wie dies während des Tanzes zur Auffrischung der Aus der Tasche. Ich klappte es auf, und indem ich es thun werde... und er hat es gethan. Luft stets geschah. Endlich öffnete ein Diener das die Hand durch das Fenster steckte, versezte ich ihr einige Weshalb brauchten Sie die Gegenwart Jtscha Fenster... Er bemerkte mich nicht Ich stand hinter Streiche ins Gesicht und auf den Nacken... Sie schrie lows? der Ecke.. Er ging fort... In den angrenzenden auf. Ich riß das Diadem von ihrem Kopfe, und nachdem Fräulein Bobrow schwieg eine Minute und sagte Bimmern war niemand. Ich trat zum Fenster und ich es mit dem Messer durch das Fenster in den Garten bann: bustete... das war das verabredete Zeichen... Itschalow geworfen hatte, verbarg ich mich in der Garderobe.
ftieg auf der Leiter vom Dache herab, blieb dem Fenster gegenüber stehen und gab mir den Brief, der sich in Ihren Händen befindet. Nachdem ich den Brief in Empfang ge= nommen, sagte ich zu ihm: Warten Sie! Nehmen Sie sich nur in Acht, daß Sie nicht irgend jemand bemerkt!" Und dann ging ich in die Garderobe.
Das Rasirmesser reichte Ihnen Jtschalow?
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Nein, ich brachte es mit.
-Weshalb war also Jtschalow da? Um mir den Brief zu übergeben.
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Aber dieser war von Ihnen selbst geschrieben? Ja.
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Vermögen Sie denn so schwer zu rathen, daß man Ihnen alles aufklären muß? Ich bin verpflichtet, Sie nach allem zu fragen Nach allem? Ich ... Nun, meinetwegen!... dachte, man werde Jtschalow sofort bemerken und der Verdacht auf ihn fallen, nicht auf mich.
ch atbmete auf bei diesem Bekenntniß