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Nr. 130.

Sonntag, den 8. Juni 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

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Das Berliner Volksblatt"

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Arten in's Saus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Erpedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.

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Insertionsgebühr

beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. - Fernsprecher: Amt VI. r. 4106.-

Redaktion: Beuthstraße 2.- Expedition: Beuthstraße 3.

Aus dem liberalen

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sein werde. Von einer Wahlbeeinflussung der Wahlmänner wer hat dem Bauer weisgemacht, daß der Franzos ihm könne keine Rede sein, da diese sich einer größeren die letzte Kuh aus dem Stall holen werde, wer hat alle Einsicht, Bildung und Selbstständigkeit Werkzeuge der schmählichsten Wahlbeeinflussung gebraucht, erfreuten, als dies bei den Ur wählern der Fall sei. um dem voltsfeindlichen Kartell die beschämende Mehrheit Am 2. Juni hat in der zweiten Kammer des badischen Wenn man sehe, wie bei den Reichstagswahlen zu verschaffen? Landtags eine Debatte stattgefunden, welche es verdient, die niedrigsten Leidenschaften aufge= Aber das Hauptmotiv, das die liberalen Bour­ein wenig genauer besprochen zu werden, deshalb weil sie wühlt würden, so liege kein Grund vor, geois der badischen Kammer gegen die Petition vorzu­ein urkundlicher Beweis ist für die Fortschritte der Ar- sich für das direkte Wahlsystem zu begehen zwingt, ist nichts als die blasse Furcht vor beiterbewegung. Der demokratische Verein zu Mannheim geistern. Mit dem direkten Wahlrecht und das sei der mächtig und mächtiger anwachsenden und der freisinnige Verein zu Offenburg hatten eine für die Kommission das wichtigste Moment gewesen Sozialdemokratie. Wir können mit diesem Er­Betition betreffs der Einführung des allge- schaffe man die letzte Schranke weg, die für eine folge zufrieden sein. Es ist lobend anzuerkennen, daß die meinen direkten Wahlrechts an die Kammer ruhige und stetige Entwickelung des badischen Gentlemen so offen mit der Sprache heraus­Böhm abgeschickt, und diese Petition kam am genannten Tage zur Staatslebens noch eine Garantie biete; gehen und auf die wahre Ursache ihres Entschlusses mit Verhandlung. Radikalismus Raum ausgestreckten Fingern zeigen. Sie sehen ein, daß der

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Im Großherzogthum Baden herrscht für den Land- geben, wie er in keinem Kulturstaate der Welt gesetzmäßige Lauf der sozialpolitischen Entwickelung die tag das allgemeine indirekte geheime Wahlrecht; das- eristire. Bei jeder Vertretung, besonders bei der Inter- Massen um das Banner der fortgeschrittensten Partei felbe ist an feinen Zensus geknüpft. Die Urwähler haben essenvertretung, fönnten Garantien für Stetigkeit schaaren, daß die kleinen Leute, die Arbeiter, dem Weck­Wahlmänner, und diese die Landboten zu wählen. Schon der Behandlung der Angelegenheiten nicht entbehrt werden. rufe der Arbeiterpartei folgen müssen. Das ist eine soziale in den Jahren 1873 und 1876 hatten mehrere Abge- So habe man in Sachsen wohl direkte Wahl, aber Bensus; Nothwendigkeit. Wir nehmen gern davon Aft, daß die ordnete den Antrag auf Einführung des direkten Wahl- in Württemberg gleichfalls, dort sei aber die Kammer- badische Kammer mit uns hierin übereinstimmt. Die ystems gestellt, über welche auf Antrag der National- zusammensetzung eine solche, daß sie neben den gewählten Angst macht die Herren eben helläugig und leishörig, sie liberalen zur Tagesordnung übergegangen wurde. Im Abgeordneten eine Reihe von konservativen Elementen spüren den frischen Luftzug einer freieren Periode und Jahre 1882 wurde eine Motion vom Abgeordneten Kern berge, die die nöthigen Garantien enthielten. Neben der suchen sich dagegen zu schützen durch Anträge auf ngebracht, die mit der Bitte um Gewährung des direkten direkten Wahl für den Reichstag bestehe die Diäten- llebergang zur Tagesordnung. Herzerquickend ist auch Bahlrechts schloß. Bei der Behandlung dieser Motion losigkeit. Endlich seien die heutigen Zeitverhältnisse das Bugeständniß, daß im Interesse der besitzen. tellten die Nationalliberalen den Antrag auf Uebergang im Hinblick auf die von Tag zu Tag wachsende den Klassen, um die Proletarier möglichst fernzu­dur Tagesordnung, der mit 29 gegen 28 Stimmen abge Sozialdemokratie, besonders in den Städten, durchaus halten, der Reichstag diätenlos durch diese beste aller lehnt wurde. Dafür wurde folgender Antrag der Motion nicht angethan, neben dem allgemeinen Stimmrecht noch möglichen Welten" traben muß, während die Landboten angenommen: Es wolle von dem Großherzog mit ehr- den direkten Wahlmodus einzuführen. Deshalb sei die in Nord und Süd, in Preußen und in Bayern , in furchtsvoller Adresse eine Gesetzesvorlage über Einführung Kommission mit allen gegen drei Stimmen, zu dem An- Sachsen und in Württemberg, in Reuß- Greiz- Lobenstein Der direkten Wahlen erbeten werden." Die erste Kammer, trag auf Uebergang zur Tagesordnung gelangt." und in Hessen mehr oder weniger angenehme Tagegelder Die furchtbare Erbitterung der Kartellbrüder über die einstecken. Die Arbeiter haben allerdings dafür gesorgt, Adresse einstimmig ab. Im Jahre 1886 liefen wieder vernichtende Niederlage, die sie am 20. Februar davon- daß, trotzdem in den Reichstag eine stattliche Schaar Betitionen im gleichen Sinne ein, kamen aber wegen der getragen haben, offenbart in ihrer häßlichen Nacktheit sich Sozialdemokraten eingezogen ist- borgerückten Zeit nicht zur Verhandlung. dem Volk zu Nutz und Frommen in dieser Auseinander- Aus der Debatte sei hervorgehoben, daß der Noch immer haben die Nationalliberalen im setzung, die vom Aerger und von der Klassenselbstsucht demokratische Abgeordnete Schmitt und der ultramontane Landtage die Mehrheit. Es war deshalb selbstverständ- eingegeben ist. Dieselben Herren, die bei der Faschings- Gerber für die Petition sich aussprachen. Der Letztere lich, daß auch am 2. Juni der Antrug auf le ber- wahl des Jahres 1887, als der Popanz Boulanger und bemerkte treffend: Schon der Umstand, daß das Volk gang zur Tagesordnung gestellt wurde. Die der rothe Kriegsschrecken die Wähler der Hurrah- Mehrheit das direkte Wahlrecht verlangt, muß die Mehrzahl veran­ufmer amose Begründung dieses famosen Antrages ging be- in die Hände trieb, das allgemeine geheime gleiche direkte lassen, die Angelegenheit der Regierung zu überweisen, nn un anntlich dahin:" Das indirekte Wahlsystem habe den Wahlrecht über den grünen Klee lobten und die hohe sie erfüllte damit weiter nichts als einen Wunsch der Borzug, daß es dem Einzelnen leichter werde, aus eigener politische Klugheit des so intelligenten deutschen Volkes Wähler." 41 Prüfung und Kenntniß der Personen herauszufinden, was nicht genug rühmen konnten, dieselben Herren finden jeßt,

das badische Herrenhaus, lehnte den Beitritt zu dieser

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Den Vogel schossen wie gewöhnlich die Herren Kiefer er will, wenn ihm nur die mit ihm und seiner Gemeinde daß bei den Reichstagswahlen die niedersten Leidenschaften und Fieser ab, diese Mar und Moritz des Nationalliberalis­zuſammenwohnenden, als Wahlmänner aufzustellenden aufgewühlt werden", sie beben zurück vor dem ver- mus, welche stets sich bemühen, für ihr Theil ihre gegenüberstehen, mit denen er von je zusammen wirrenden Chaos einer leidenschaftlichen Agitation." Wer, Partei in den Augen jedes politisch Einsichtigen zu als wenn er dem verwirrenden Chaos so fragen wir, hat schäbigere, unehrlichere Mittel zur Er- blamiren. Der bei der letzten Reichstagswahl schmählich leidenschaftlichen Agitation über- regung und Täuschung der Massen angewendet, als das durchgefallene Fieser, der Sozialistentödter, erklärte, daß liefert wird und einen Mann wählen soll, den er nicht Startell, wer hat z. B. die verlogenen grellbunten Karten das direkte Wahlrecht zu einer Massenherrschaft des ar­eftr. tennt und nicht weiß, in welcher Richtung dieser thätig vertheilt, wer hat den Kriegswauwau aufmarschiren lassen, beitenden Volkes" führe. Kiefer, dessen Spezialität der

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Feuilleton.

Nachbruck verboten.]

Zum Glück der Damen."

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Roman von Emile Zola . Autorisirte Nebersetzung von Armin Schwarz. Gut, sagte Mouret mit lauter Stimme. Zeigen Sie

mir die Listen! Da drin sind Sie, sagte Mme. Aurelie; wir mußten

uns vor dem großen Lärm da hinein flüchten.

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Er folgte ihr in das benachbarte Gemach. Klara ließ

Denise reichte die Listen hin und stand dann mit er­hobenen Blicken da. Sie war beim Eintritt Mourets zu sammengefahren, faßte sich aber bald wieder; bleich, aber ruhig hielt sie auf ihrem Posten aus. Mouret schien sich eine Weile ganz in die Ziffern zu versenken, ohne einen Blick für das Mädchen zu haben, Es herrschte Stillschweigen im Saale. Mme. Aurelie trat jetzt zu Mlle. de Fontenailles, die nicht einmal den Kopf umgewandt hatte und sagte ihr leise in's Ohr:

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Und nachdem ihre Würde gewahrt war, nachdem sie einen Vorwand hatte in den Augen dieser Fräulein, die ihr nachspähten, ließ sie endlich Mouret und Denise allein; sie ging mit einer königlichen Miene hinaus, daß die Fräulein nicht einmal zu lächeln wagten.

Mouret legte die Listen langsam auf den Tisch. Er be­trachtete das Mädchen, welches, die Feder in der Hand, sich wieder gesetzt hatte.

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Werden Sie kommen? fragte er sie endlich halb­Gehen Sie zu den Packeten; Sie sind an das Rechnen laut. Nein, mein Herr, erwiderte sie; ich werde nicht Die Fontenailles erhob sich und ging zu den Konfektionen fönnen. Meine Brüder sind bei meinem Oheim drüben; ich hinüber, wo sie von einem Gelächter empfangen wurde. habe versprochen, mit ihnen zu essen. Aber Ihr Fuß? Joseph, der die spöttischen Blicke dieser Fräulein auf sich

fich durch das Manöver nicht täuschen; sie sagte, es wäre ruhen fühlte, war so verlegen, daß er Fehler schrieb. Klara, Schmerzen! Das Beste, gleich ein Bett zu holen. Allein, Marguerite obgleich entzückt über die Hilfe, die ihr ward, neckte die Schleuderte ihr noch heftiger und rascher die Packete zu, um Fontenailles in ihrem Hasse gegen alle Frauen des Magazins. seit heute Morgens.

zu beschäftigen und ihr den Mund zu schließen. Ist

denn die zweite Vorsteherin keine gute Kameradin? fragte wenn man Marquise ist! bemerkte sie. fie; ihre Brivatangelegenheiten haben niemanden zu füm-|

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Das Gehen macht Ihnen So weit kann ich schon gehen; ich fühle mich besser - Es ist doch blöd, sich in einen Bettler zu verlieben, Nun erbleichte er vor dieser ruhigen Weigerung. Seine Lippen bebten nervös. Er hielt indeß an sich und sagte Sehr gut! sehr gut! wiederholte inzwischen Mouret mit der wohlmeinenden Miene des Patrons, der sich für

mern. Die Abtheilung beobachtete ein mitschuldiges Still- im anderen Saale, während er that, als ob er die Listen seine Untergebenen interessirt: ichweigen; Chomme und Joseph schrieben, über ihre Listen lesen würde.

Ree urelie eintretend.

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Mittlerweile war Mme. Aurelie in Verlegenheit, wie ich Sie schätze

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welcher die Taktik der Mime. Aurelie sehr wohl bemerkt sie unter einem schicklichen Vorwande hinausgehen könnte. batte, ging jetzt vor der Thür des Mustersaales auf und Sie trippelte hin und her, betrachtete die Arbeit der mecha- wortete: ab, mit dem regelmäßigen Schritte einer Schildwache, welche nischen Messer und war wüthend darüber, daß ihr Gatte| uber die Vergnügungen eines Vorgesetzten wacht. Geben Sie Herrn Mouret die Listen, sagte Mme. Hinzutretenden Abonnenten wird der erschienene Theil des

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Stomans gratis nachgeliefert.

Und wenn ich Sie bitte?... Sie wissen, wie sehr Denise bewahrte ihre respektvolle Haltung und ant­Ich bin sehr gerührt, mein Herr, von Ihrer nichts erfand, um sie hinauszurufen; aber der war ja nie- Güte und ich danke Ihnen für Ihre Einladung. Aber ich und verdürsten können. Endlich war Marguerite so ver- heute Abends. nünftig, sie um eine Auskunft zu fragen. Sie wollte ihn durchaus nicht verstehen. Die Thür war offen Ich komme sogleich, erwiderte die Abtheilungs- geblieben und sie hatte das Gefühl, als würde das ganze Magazin sie drängen. Pauline hatte sie wie eine Thörin

mals bei einer ernsten Sache; er hätte an einem See stehen kann nicht; ich wiederhole: meine Brüder erwarten mich

Vorsteherin.