T

D

t

Mr. 133.

Donnerstag, den 12. Juni 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

"

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.

Redaktion: Beuthstraße 2.

Die Aera der neuen

Steuern.

Wer in den letzten Monaten sich in Illusionen be­wegt hat, der wird heute gründlich davon kurirt sein.

Insertionsgebühr

beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernspredjer: Amt VI. Nr. 4106.

Expedition: Beuthffraße 3.

denn wenn

so groß und die Erträgnisse so klein sind, daß es sich nicht mehr gehört ein Bewilligungseifer her, der bedeutend lohnt, dieselbe zu erheben. Wenn die Zündholzsteuer sehr hoch größer ist, als der, den die Herren Kartellbrüder wird; kehren die Menschen vielleicht zur Einfachheit des seinerzeit an den Tag gelegt haben. Will der neue Reichs­Alterthums zurück und erzeugen den Brand durch rasches tag in die Fußstapfen der Kartellbrüder treten? Wir Aneinanderreiben von zwei Hölzern. Mit dem Brenn- glauben kaum; man müßte denn aus dem 20. Februar spiegel geht es auch, aber den würde man gleich mit einer gar nichts gelernt haben. Blicken wir in die Zukunft hinaus, so sehen wir auf Man athmete auf, als der Druck des Bismarck 'schen Steuer belegen. Regierungssystems von dem deutschen Volke wich. Aber Erleichterungen giebt es nicht. Lasset alle der einen Seite den Militarismus, der unersättlich seine an Stelle dieses Drucks tritt nun ein anderer, der nicht Hoffnung fahren, sagt Herr v. Malyahn; die Korn- neue Ansprüche geltend macht, und auf der andern Seite ein verarmen des Volk, Volk, das mehr leisten weniger bedenklich erscheint; es ist die ungeheure Steige- 3ölle können nicht aufgehoben werden. rung der Militärlast. Noch niemals ist mitten im Frieden Alledem gegenüber hat der General Vogel von soll, als ihm seine Mittel erlauben. Das wird der Militarismus in so toloffaler Figur vor das Falckenstein die Lage, vielleicht wider seinen Willen, harte und schwierige Konflikte geben, deutsche Volk getreten, noch niemals sind seine Anforde- mit einem einzigen Strich außerordentlich scharf gezeichnet. auch diesmal die Neuforderungen erreicht werden, rungen so start gewesen. Man muß erschrecken, wenn Er sagt, der Soldat defände sich in der Kaserne so scheint uns doch, daß nunmehr auch bei den zahmen" Parteien die Erkenntniß aufzudämmern beginnt, daß man man das ganze Bouquet" der Neuforderungen beisammen wohler als in der Misère draußen". sieht, und der friedliche Bürger und Steuerzahler, der Man muß die ganze Bedeutung dieses Wortes zu nunmehr an der Grenze des Möglichen angekommen ist. Und als Trost für alledas haben wir eine schwäch­Handwerksmann und der Arbeiter müssen sich nachdenklich würdigen wissen. Ohne Zweifel haben wir unter den Rekruten und liche Sozialreform" fragen, ob denn im Staate auch noch andere Zwecke und wir haben sie noch nicht einmal, Biele erreichbar sind, wenn die geplanten Neuorganisationen Soldaten eine Menge, denen das Kasernenleben und die denn wer weiß, was aus dem Arbeiterschutz werden wird. im Heerwesen durchgeführt sein werden. Die ganze Ar militärische Disziplin gar nicht behagen. Die Massenflucht Er verschwindet aus dem Gesicht, wo sich der Militarismus beit einer großen Nation wird, wenn es so kommt, darauf in's Ausland vor der Konskription, die hohe Ziffer der so breit vor uns aufpflanzt. Diese Dinge können wir nicht mehr ertragen, denn gerichtet sein müssen, die Mittel für die Kriegsrüstungen Selbstmorde bei den Soldaten und noch manches Andere aufzubringen, für einen Apparat, wie ihn die Welt bis in beweisen das. Aber der General hat in hohem Grade wir stärken uns nicht, wir schwächen uns. Die Symptome recht; wir haben gauze Landstriche in Deutschland , wo der Erschöpfung treten zu Tage. Wenn es so fort geht, unsere Tage noch niemals gesehen. Da sagt uns denn der Schatzsekretär, daß zunächst die drei Jahre Soldatenleben den Glanzpunkt im Leben werden die Aerzte cines schönen Tages rathlos am Bette jährlich sechszig Millionen neu aufgebracht werden der Bevölkerung bilden. Man nehme die ostpreußischen, des Kranken sitzen.

"

-

7. Sihung der Arbeiterschutz­Kommission.

Mittwoch, den 11. Juni.

Die Berathung wird fortgesetzt bei§ 113. II er beantragt,

müßten, ohne die Zukunftspläne des Kriegsministers. Die posenscheit, die pommerschen, die sächsischen Tage­Für neue Ausgaben müsse auch Deckung geschaffen wer- löhner an, die schon als Kinder zu schweren Arbeiten den, heißt es dann weiter, und es wird eine Aera herangezogen werden. Sie haben noch nie in einem be­euer Steuern angekündigt. Der Reichstag wird quemen Hause gewohnt, noch nie eine erträgliche Kost, in der nächsten Session vollauf damit zu thun haben. noch nie eine gute Kleidung gehabt. Das Alles bringt Der Herr Schatzsekretär weiß selbst noch nicht genau, wie für sie die Kaserne und nach ihren Begriffen sind sie dort Diese Steuern aussehen werden; er ist dankbar für jede herrenmäßig versorgt; sie werden sogar in die nach ihren Unregung und hofft wohl, daß gefällige Finanzpolitiker Begriffen prächtige Uniform gesteckt. Die Unteroffiziere ihm behilflich sind, neue Objekte ausfindig zu machen. Wenn sind manchmal grob, aber auch nicht gröber als die dem Absatz 2 diefes Paragraphen anzufügen:( Zeugnisse) dürfen in der Sommerhize die neuen Steuerprojekte ausgebrütet Gutsinspektoren. In der That giebt es Hunderttausende jedoch geheime Merkmale nicht enthalten." Dr. Hirsch wendet fchen Antrag, gegen die von Unternehmerverbänden 2c. ausge­werden sollen, dann möge man die Herren Finanzräthe in Deutschland , welche die Sache so auffassen, im Norden sich, konform dem( gestern wörtlich mitgetheilten) sozialdemokrati­gebenen Arbeitsbücher und-Scheine, welche thatsächlich den Cha­dazu in eine geeignete Sommerfrische schicken; die Hiße und im Süden. Aber das beweist denn doch Alles nur, welche ab- rakter der vom Gesetz für erwachsene Arbeiter nicht gestatteten macht leicht phantastisch und bringt bekanntlich Fata Morgana hervor. Die Frage, ob man sich schreckende Höhe das Volkselend in unserem Lande erreicht Arbeitsbücher annehmen, in ihrer Wirkung aber noch schlim= mer sind und sehr viel zur Erbitterung beitragen. Er unterstütze Wir begreifen, daß ein General keine andere daher den Antrag, solche Verbandsbücher zc. ganz zu ver­bei der Deckung" für Anleihe oder Steuer ent- hat. als eine Heeres bieten. Der Antrag Bebel und Genossen wird hierauf in scheiden soll, wird salomonisch dahin gelöst, daß man zu Sozialreform" vorschlagen will, Wir vermehrung. Aber ein Staatsmann sollte einem Volke, seinem ersten Theile mit 13 gegen 5 Stimmen angenommen beiden Mitteln greift; doppelt genäht hält besser. daß ihm die Kaserne als ein Ort( dafür: Sozialdemokraten, Freifinnige, Zentrum und Dr. der Behaglichkeit erscheinen abgelehnt. Der Antrag Möller ist durch Annahme des Nun, das werden wir ja sehen. Die Steuerschraube hat des ihre natürlichen Schranken. Wenn die Bevölkerung un- muß, nicht neue Laften auferlegen wollen. In der sozialdemokratischen überflüssig geworden. Der§ 113 lautet bermögend ist, zu zahlen, so werden der Rückgang That tann gegen neue Steuern fein wirksameres Argu- nunmehr: des Konsums und die vermehrte Thätigkeit des ment beigebracht werden, als das erwähnte Wort des Exekutors dies anzeigen. Wir kommen vielleicht ein- Generals Vogel von Falckenstein . mal dahin, daß die Erhebungskosten für irgend eine Steuer

"

auch die

"

fönnen es noch vertragen," sagt Herr von Malzahn. das so arm ist, daß ihm die Kaserne als ein Ort eropatscheck). Der zweite Theil jedoch mit 10 gegen 8 Stimmen

Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

[ 55

Wohllebens und

Um all das zu bewilligen, was jetzt verlangt wird,

,, Beim Abgange können die Arbeiter ein Zeugniß über die Art und Dauer ihrer Beschäftigung fordern. Dieses Zeugniß ist auf Verlangen der Arbeiter auch auf ihre Führung und ihre Leistungen auszudehnen.

Fräulein der großen Magazine zu sprechen. Er that als ihn und schien entzückt darüber, daß er sich zu beherrschen wollte er sich über den Gegenstand informiren, er stellte wußte. Er suchte dem Gespräch eine andere Wendung zu allerlei Fragen: woher kommen sie im Allgemeinen? Haben geben, indem er der Feste erwähnte, die zu Ehren des Königs sie wirklich so üble Sitten, wie man sich erzählte? Eine von Preußen vorbereitet wurden und welche allen Geschäfts­ganze Diskussion entspann sich über den Gegenstand. zweigen zugute kommen sollten. Wirklich, fragte er wiederholt, Sie halten sie für Mouret vertheidigte ihre Tugend mit einer Ueberzeugung, über welche Ballagnose lachen mußte. Nun trat Bouthemont Seit einer halben Stunde stand sie da unbeweglich und dazwischen, um seinen Chef zu retten. Mein Gott, sagte er,

Zum Glück der Damen."

Roman von Emile Zola .

Autorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz.

tugendhaft?

Henriette schwieg; sie schwankte zwischen dem Wunsche, Denise noch länger draußen warten zu lassen und der Furcht, daß Mouret, der mun verständigt war, fortgehen könnte. Sie erhob sich denn von ihrem Fauteuil und sagte: Sie erlauben wohl?

-

Wie denn nicht? rief Mme. Marty; ich werde Sie bleiben wohl noch eine Weile? sagte Henriette

hatten im Vorübergehen sie betrachtet; jetzt drangen einzelne solche, die es nicht sind. Uebrigens hebt sich das Niveau Sie inzwischen in Ihren Hausfrauenpflichten vertreten. ohne ein Wort hervorzubringen; die Damen und der Baron man findet unter ihnen tugendhafte und man findet auch

-

Ja, erwiderte der Baron; ich habe mit Herrn

Wir wollen Ihren kleinen Salon in

der Gleichgiltigkeit, welche alle Welt ihr gegenüber an den Diejenigen, welche im Leben Schiffbruch gelitten; arme zum Baron Hartmann gewendet. Tag legte, war dieser liebenswürdige Lurus der Salons Frauenzimmer ohne bestimmte Beschäftigung gingen als Endlich bemerkte sie durch die halb offene Thür Mouret. Familien der Rue de Sevres ihre Töchter für den Bon Beschlag nehmen.

Er wird ihre Anwesenheit vielleicht doch errathen, dachte marché" erziehen. Alles in Allem können diese Mädchen

fie fich.

gutmüthig.

Sie ging hinaus, während der Baron Mouret weg­ehrbar bleiben, wenn sie wollen; denn sie sind nicht führte und die Damen den Herren Bouthemont und Vallag­in wie die armen Arbeiterinnen, die auf dem Pariser einer Fensternische des benachbarten Salons stehend. Es

Ist's eine Ihrer Verkäuferinnen? fragte der Baron genöthigt, für Nahrung und Unterkunft zu sorgen, nose überließ. Sie vertieften sich in ein leiſes Geſpräd, h Mouret unterdrückte mit Mühe seine tiefe Verwirrung. Straßenpflaster herumgehen. Das Schlimmste ist die Unbe- handelte sich um ein ganz neues Geschäft. Mouret träumte ich weiß nicht welche? Ohne Zweifel, sagte er mit zitternder Stimme, aber stimmtheit ihrer Stellung, eine Stellung zwischen Arbeiterin seit langer Zeit davon, sein altes Projekt zu verwirklichen, und Dame. Durch ihre Berührung mit der Welt gewinnen d. h. die ganze Insel um sich her für das Glück der sagte verbindlich Madame Marty; jene, welche die Stelle Mittel für das bessere Leben. Daher stammt ihr Elend, bis zur Rue de la Michodiere und von der Nue Neuve­-Es ist die kleine Blonde von der Konfektions- Abtheilung, fie Geschmack an dem Lurus, ohne die Bildung und die Damen in Anspruch zu nehmen, von der Rue Monsigny

einer

I zweiten Vorsteherin bekleidet, wie ich glaube.

Henriette schaute ihm fest ins Gesicht.

Ah, sagte er einfach.

daher stammt ihr Laster.

Ich kenne keine unausstehlicheren Geschöpfe, bemerkte Mme. de Boves; man hat zuweilen Lust, sie zu ohrfeigen. Es sind unglückliche Personen, schloß Henriette; Mouret fand die Kraft zu lächeln. Der Baron beobachtete

vorher dem König von Preußen zu Ehren gegeben wurden. fänflich wie ihre Waaren. Und er sprach nun von den Festen, welche am Abend Allein der Baron tam in malitiöser Weise wieder auf die

Saint- Augustin bis zur Rue du Diy- Decembre.

Ju diesem ungeheueren Komplex gab es noch in der legtgenannten Straße einen großen Baugrund, den er noch nicht besaß und dieses genügte, um ihm seinen Triumph zu verderben; er ward von dem Bedürfniß gemartert, seine Eroberung zu vervollständigen, an dieser Stelle gleich einer