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Nr. 174.
Mittwoch, den 30. Juli 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
"
Das Berliner Volksblatt"
erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei 99518 in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) 6336 4nter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn
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2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
Redaktion: Beuthstraße 2.
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von Alphonse Dandet
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beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.
Expedition: Beuthffraße 3.
ihrige dazu, kaum eine andere Kost als Kaffee und Kar- nicht und wagen auch nicht, in dieser Richtung eine betoffeln oder Kartoffeln und Hering gestattet? Um dieses stimmte Behauptung aufzustellen. Dagegen dürfte bei Mahl" bereiten zu können, ist es nicht nothwendig, eine einer Verschärfung und längeren Dauer der auf der ganzen Linie in Sicht befindlichen und zum Theil schon hereinRochschule zu besuchen.
Die große Zahl der Arbeiterfrauen mit ihrem ge- gebrochenen Krisis der Konsum von Pferdefleisch eine rasche ringen für das Essen bestimmten Geldbetrage dürfte kaum Ausdehnung erfahren. Uebrigens darf auch nicht vergessen einmal in der Küche in Verlegenheit kommen. Selbst, werden, daß sehr viele Arme den Etel gegen das Pferdewenn der Lohn es gestattet, dann und wann Fleisch zu fleisch nicht zu überwinden vermögen und dann lieber gar kaufen, so kann dasselbe doch nur einfach zubereitet wer- fein Fleisch essen, als solches von einem Pferde. Die erwähnte Zeitschrift bemerkt zu ihren statistischen u hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene den, da das Geld nicht ausreicht, es auf kostspielige Weiſe Angaben: Diese Zahlen für Berlin erstrecken sich leider zuzubereiten. über steht ihm Pferdefleisch zur Verfügung. Der Konsum zu lassen. In Wien und Paris ist er unzweifelhaft in rascher Zunahme begriffen. In der französischen Hauptdesselben ist in den großen Zentren und den Industrie- stadt ist dieselbe eine besonders rasche: Infolge des Wachsens bezirken der Nachfrage nach in unfere Expedition, Beuthstraße Nr. 3, Bestellungen zum Preise von ferer nationalökonomischen Meinung durchaus fein Symp-| 1,10 M. monatlich, frei ins Hans, entgegen. Probenummern stehen auf Verlangen gratis und franco zur tom des steigenden Wohlstandes des Volkes", von dem höherem Grade gestiegen, als der von Rindfleisch.
Fromont junior und Rister senior der Fleischgenus ift nun allerdings auch dem Arung der Bewegung des Pferdefleisch- Komjums ertennen
Verfügung.
anstalt gegen Zahlung von
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Für die Monate August und September nimmt jede Post- der österreichischen Monatsschrift für christliche Sozial
2 Mark 20 Pfennig
Bestellungen entgegen. Das Berliner Volfsblatt" ist eingetragen in die Postzeitungsliste unter Nr. 892, V. Nachtrag.
brauch zu machen.
des
Beuthstraße 3.
Von der Ernährung des Arbeiters.
Von der besitzenden Klasse, die in ihrem eigenen Haushalte nicht mit dem Pfennig zu knaufern braucht und es auch in der That, da es sich hierbei um die Er haltung der Gesundheit und den Genuß des Lebens handelt, nicht thut, wird häufig der Arbeiterschaft der Vormurf gemacht, daß sie nicht haushälterisch sei und sich nicht so ernähre, wie sie könne. Direkt richtet sich der Borwurf gegen die Arbeiterfrauen, die nicht kochen fönnen". Es mag mit der Kochkunst der Arbeiterfrauen|
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Buthaten.
immer viel die Rede, ist. Nach einer Zusammenstellung
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reform" wurden Pferde geschlachtet:
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Berlin
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absolute Zahl 1 Pferd auf Einwohner
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Von den drei großen mitteleuropäischen Hauptstädten
Gutkochen gehört in allererster Linie der Verbrauch guter fehlen die Angaben über die letzten vier Jahre, indessen
"
In Wien kostete durchschnittlich Kreuzer: 1869 1 kg 1879 1883 1888 Rindfleisch 43-68 50-95 40-85 24-40 24-40 Pferdefleisch. 14-25
44-80
20-36
Die Preise des Rindfleisches sind seit 1883 zurückgegangen, die des Pferdefleisches nicht; jene standen 1888 auf derselben Höhe, wie 1879, die letzteren dagegen erheblich höher.
Zwei Ursachen sind es, auf die die Zunahme des Konsums von Pferdefleisch hauptsächlich zurückzuführen: einmal die zunehmende Lebensmittelfälschung; namentlich bei der Erzeugung von Wurstwaaren spielt das Pferdefleisch von Jahr zu Jahr eine größere Rolle. Zweitens aber ist es die Zunahme des Pauperismus ( Verarmung), welche immer weitere Volksschichten zwingt, das theuere Rindfleisch( das seit 1888 zu wiederholten Malen im Preise gestiegen ist) durch Pferdefleisch zu ersetzen. Dies ist billiger, bietet aber unter den heutigen Verhältnissen auch eine viel schlechtere Nahrung, da nur alte abgetriebene Thiere zur Schlachtung kommen. Die Zunahme des Konsums von Pferdefleisch bedeutet nicht das Schwinden eines Vorurtheils, sie ist ein Symptom des wirthschaftlichen Niederganges breiter Volksschichten". Und hier den Hebel anzusetzen ist die richtige Art, die Ernährung des Arbeiters zu heben.
Aus der Zeit der Nichtgentlemen. tann als sicher angenommen werden, daß sich der Pferde- seinem Gönner Bismarck in die Außerdienstlichkeit nachgefolgte Was nüzen der Arbeiterfrau ihre Fachkenntnisse, fleisch- Konsum in Berlin ſeit 1885 gesteigert hat. Db in Polizeidirektor und„ Hilfsarbeiter im auswärtigen Amte", wenn der Verdienst ihres Mannes, und event. auch der so ausfälligem Maße wie in Paris , wissen wir allerdings Oberkommandant der ehrenwerthen Sanft, welche sich im deutschen
Nachbruc verboten.]
Feuilleton.
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Fromont junior und Risler senior.
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Heimkehr.
Es war im Herbste des Jahres 1882. Herr Krüger, der nun
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zur Hälfte auf ihren Knieen ruhte, und wartete ganz be- Leute. Beim Anblick von Paris richteten sich ihre Gedanken So traurig täubt von all dem Lärmen auf den Abendzug. Von dem, wieder auf die Arbeit des nächsten Tages. durch eine einzige Lampe erleuchteten Wartesaale aus er- Sidonien ein solcher Sonntag erschien, so dachte sie doch mit blickte sie draußen dunkle Gebäude, hier und da noch von Bedauern an ihn zurück. Sie dachte an die Neichen, für die einem Lichtstreifen der festlichen Beleuchtung erhellt, dann alle Tage des Lebens Sonntage sind und wie in einem eine düstere Dorfstraße, zum Bahnhof stürzende Menschen, Traumbilde verschwammen vor ihrem inneren Auge die am Tage erblickten langen Alleen, auf deren feinem Kiese jene eine Laterne, die auf dem öden Perron brannte.
Von Zeit zu Zeit brauste hinter den Glasthüren ein Glücklichen wandelten, während draußen am Gitter, der Zug vorüber, funkensprühend und dampfspeiend, ohne auzu- Sonntag der Armen eilig vorbeihastete, und ihnen kaum so Derflochten, gestalteten die Sonntage auf dem Lande noch Unwillens los, der sich in lautem Geschrei und Stampfen neiden. Diese Bilder des Reichthums, die sich in ihre Gedanken halten. Dann brach in dem Warteraum ein Sturm des viel Zeit gönnte, ein wenig hineinzuschauen und zu be
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So verfloß das Leben der kleinen Chebe von ihrem Chebe übertönte, welcher mit seiner Seemövenstimme fort- dreizehnten bis zu ihrem siebzehnten Jahre. Die Jahre verstrichen, ohne irgend eine Aenderung zu
Bahnhöfe in der Umgegend von Paris und welche entsetzliche Thüren ein!" Doch hütete sich der fleine Mann sehr wohl bringen. Der Kachemireshawl der Frau Chebe wurde etwas Wie schrecklich überfüllt sind an solchen Tagen die kleinen während schrie:" Schlagt die Thüren ein! Schlagt die Stickluft herrscht in ihnen! Welche gekünftelte Freude, welch' etwas Derartiges zu thun, da er vor den Gensdarmen abgetragener, das kleine lila Kleid erhielt noch einige nöthige Lieder zu fingen, so widerlich!... Dort fühlte sich Herr der Aufruhr wieder. Die ermüdeten Frauen, deren Haare Mann, erwies Sidonien, je größer sie wurde, jene stillen albernes Gelächter, wie klingt der matte Versuch, lustige namenlose Angst hatte. Nach kurzer Zeit legte sich dann Verbesserungen, das war Alles. Nur Franz, jetzt ein junger Chebe so recht in seinem Elemente.
der Luftzug in Unordnung gebracht hatte, schliefen auf den Ueberall sah man zerknitterte Kleider, abUnd Staub athmete man überall ein!
Er drängte sich an den Schalter, gerieth über die Ver- Bänken ein. spätung des Buges in Wuth, schimpfte auf den Bahnhofs gerisjene Feßen und staubige weiße Röcke. inspektor, die Eisenbahngesellschaft und die Regierung, und fagte ganz laut, daß es die Umistehenden hören mußten: " Ha?... so etwas müßte in Amerika vorkommen!.
Er fiel von allen Kleidungsstücken, wirbelte bei jedem
Die ausdrucksvolle Mimit des berühmten Schauspielers die Augen und hüllte alles in eine Wolfe ein. und die überlegene Miene, mit welcher er erwiderte Das
wollte ich meinen" mußten in jedem den Gedanken wach- Warten sette, waren voll davon...
Auftreten imponirte der Menge.
Unterdessen saß Sidonie neben Franz, dessen Bouquet|
Selbst die Waggons, in die man
rührenden Aufmerksamkeiten und Liebesdienste, die für alle Welt deutlich genug waren, und nur von Sidonien nicht bemerkt zu werden schienen.
Ueberhaupt interessirte sich die kleine Chebe für nichts. In der Werkstatt verrichtete sie pünktlich ihre Arbeiten, belästigte regelmäßig und schweigsam, ohne an die Zukunft oder Vergnügen zu denken. Sie schien Alles nur in Erwartung sich endlich nach langem eines anderen besseren Ereignisses zu thun. Franz dagegen Sidonie nahm ihren arbeitete seit einiger Zeit mit verdoppeltem Eifer, mit dem
rufen, daß diese Herren ganz genau wußten, was in einem Platz am Fenster und blickte auf die in Finsterniß getauchte Ungestüm jener Menschen, die einem gesteckten Ziele nahe folchen Falle in Amerika geschehen würde. Nun kannte Ebene, die wie eine lange schwarze Linie vorüberzog. Dann sind; so kam es, daß er als Zweitbester unter vierundzwanzig zwar der eine so wenig wie der andere davon, aber ihr blitzten wie unzählige Sterne die ersten Laternen der äußeren die ,, Ecole centrale" mit der Qualifikation zum Ingenieur
Boulevards in der Nähe der Festungswerke auf. Damit endigte der qualvolle Ruhetag dieser armen
air verließ.
An jenem Abende hatte Nisler die ganze Familie in's