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No. 61
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Dienstag, den 2. September 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Volksblatt"
keln scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntage- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
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Insertionsgebühr
beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Mr. 4106.
Redaktion: Beuthfraße 2.- Expedition: Expedition: Beuthstraße 3.
Die verlängerte Mittagspause der Arbeiterinnen.
Arbeiterin stützend. Ehrlicher wäre es wohl gewesen, fügigste Konzession an die Arbeiterschaft bekämpft, wie wenn sie nicht von befürchtetem Lohnverlust, sondern von glaubt sie denn dann weiterzukommen? Etwa durch BeProfitverlust gesprochen hätten. folgung des Bismarck 'schen Rezeptes mit der schießenden Bei dem geringen Verdienste, den die Arbeiterinnen Flinte und dem hauenden Säbel? Wir glauben gerne, durchschnittlich erwerben können, kann der Verlust eines daß jenen Kreisen ein Ausnahmegesetz gegen das vorausgesetzt, daß ein solcher arbeitende Volk besser behagt, als ein ArbeiterDie Behörden haben sich bekanntlich an die Inhalbstündigen Lohnes nur in einigen schutzgesetz ein Ausnahmegesez, ohne jede Anwandlung
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agers Fustriellen und an die in deren Diensten stehenden Verlust wirklich die Folge sein würde tapitalistischen Handels- und Gewerbekammern Pfennigen bestehen und da wäre es dann naheliegend, von Schwäche und Humanität, die Kriegsartikel in Zivilum ihre Meinung betreffs der beabsichtigten Verlängerung wenn die Kapitalisten in ihrer erheuchelten, maskirten ausgabe. Better Mittagspausen für Arbeiterinnen mit eigenem Haus- Arbeiterfreundlichkeit so sehr um die Arbeiterinnen wegen| Warum hat aber die Regierung die Arbeiteralt gewandt und die Gefragten antworteten so des event. Lohnentganges besorgt sind, den Lohn umschaft nicht um ihre Meinung wegen der verlängerten rompt in ablehnendem Sinne, wie dies von eine kleine Zulage zu erhöhen, so daß dann auf feinen Mittagspause gefragt? Hält sie sich davon überzeugt, daß pornherein von jedem Eingeweihten und vielleicht auch von Fall eine Lohnverkürzung eintreten könnte. Aber da hätten diese damit einverstanden ist? Wenn das der Fall, nun Gauze Regierung felbst mit Bestimmtheit erwartet wurde. sie dann doppelten Schaden, nämlich einerseits den Profit- dann konnte sie sich andererseits von dem Nichteinverständniß s hauptsächlichstes Motiv der abfällig urtheilenden Gut- verlust durch die kürzere Arbeitszeit und andererseits eine des Kapitalistenthums ebenso überzeugt halten, auf jeden 6hten begegnet uns der Hinweis auf den Lohnverlust, weitere Schmälerung des Profits. durch erhöhten Lohn und Fall ist es aber ein einseitiges Vorgehen, das einer en die halbe Stunde der verlängerten Pause für die be- ein solches Opfer kann kein deutscher Kapitalist, wenn er Regierung, die sich mit der Gloria der Arbeiterfreundlich126 treffenden Arbeiterinnen im Gefolge haben werde. Mit noch so sehr arbeiterfreundlich ist, bringen, ein solches keit schmücken will, schlecht ansteht. Wenn sie aber trotz emselben Einwand bekämpfte seiner Zeit Bismarck im Opfer kann überhaupt die ganze deutsche Industrie, ohne allem, was seit Dezennien vorgekommen, sich noch im Un Reichstage die Einführung der Sonntagsruhe und die ge- dem Ruin entgegenzugehen, nicht ertragen. flaren über die Anschauungen der deutschen Bourgeoisie in bliche Verkürzung der Arbeitszeit; mit demselben Ein- Was nun die halbe Stunde für die Arbeiterin be- Fragen, welche das Arbeitsverhältniß betreffen, befand, so wand wurden die Schutzbestimmungen für die in den trifft, so ist sie für jede Haushaltung eine wahre wollen das hoffen wird sie die Enquete über Fabriken arbeitenden Kinder und das Verbot der Nacht- Wohlthat. Das schweizerische Fabrik- die Frage der verlängerten Mittagspause und die Ergebfür Frauen bekämpft und mit diesem Einwand, der gesez von 1877 bestimmt, daß die Arbeiterinnen mit nisse derselben darüber genugsam belehrt und ihr hoffentm unwissendsten und profithungrigsten Kapitalisten eigen, eigenem Haushalt eine halbe Stunde vor Beginn der lich alle Zweifel benommen haben.
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en je laßt sich auf die bequemste Weise jede auch nur scheinbare normalen Mittagspause aus der Fabrik zu entlassen sind
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kam Arbeiterfchuß- Gesetzgebung bekämpfen. Und wenn man aus und diese Bestimmung ist im Laufe der 13 jährigen Wirtdiefem dem ganzen Kapitalistenthum so sehr geläufigen samkeit des Gesetzes der Bevölkerung, d. h. den Fabrifür 10 Ginwand eine rückschließende Nuzanwendung ziehen wollte, fanten sowohl wie der Arbeiterschaft in Fleisch und Blut jo täme man direkt zum 24stündigen Normalarbeitstage übergegangen; die betreffenden Arbeiterinnen verdienen
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Für jeden kritisch Denkenden muß bei dieser
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Politische Uebersicht.
Nady offiziösen Meldungen soll bei der Reform der
der siebentägigen, unverkürzten Wochenarbeit, wobei deshalb nicht weniger als ihre ledigen Kolleginnen, der Fabritinspektion in Preußen nicht bloß eine Bermehrung der mit 21, 24 ann endlich einmal die nationale, die vaterländische Fabrikant kommt deshalb doch auf seinen Profit und die der Fabrikaufsicht betrauten Beamten, sondern auch eine Vermehrung der Aufsichtsbezirke zu gewärtigen sein. Erst dann könnte Industrie" zufrieden sein würde. nationale, vaterländische Industrie der Schweiz hat unter in der That vom Beginn einer wirklichen Reformthätigkeit die dieser Einrichtung nicht ein Atom an Existenz- und Kon- Rede sein. furrenzfähigkeit eingebüßt. Und wenn wirklich diese talistischen Opposition gegen eine eigentlich nicht gerade Arbeiterin einige Pfennige weniger verdienen sollte, ist lichen Gesellschaft gilt als erste und wichtigste Richtschnur für weittragende Bestimmung auffallen, daß jene nur mit einem denn das für gar nichts anzuschlagen, daß sie des kommen d. h. darnach zu streben, auf der gesellschaftlichen Stufenalten, abgebrauchten Schlagworte operirt und so gar nicht Tages eine im Mindesten die andere Seite der Frage in Berück
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gezogen hat.
das praktische Leben der Grundsay, geschäftlich vorwärts zu halbe Stunde länger der Familie leiter empor zu steigen und zu guterlegt natürlich den Kindern ist? gegeben fichtigung Man muß wahrlich ein völlig ein rechtschaffenes Erbe zu hinterlassen. Dieser Grundsay gilt verknöcherter Shylock, ein in Habgier und Ausbeutungs- für den Millionär, für den Junker, den Fabrikanten, den Kaufmann, den Gewerbetreibenden, den Landmann oder Gutsbesitzer; Jene gegen jede Arbeiterschutz- Gesetzgebung oppo- sucht vollständig aufgehender herz- und rücksichtsloser Mensch für alle diese Kreise gilt der Grundsatz; seid ſtrebsam! Und sie hirenden Kreise haben der Sozialdemokratie millionennial sein, um konsequent gegen jede und sei es auch die kleinste sind es in der That auch Alle; sie streben Alle darnach, das Biel en Vorwurf entgegengeschleudert, sie wolle die Ehe, die Erleichterung, des schweren Looses des arbeitenden Volkes zu erreichen, und wer es am weitesten bringt natürlich aus 3. Familie vernichten und jetzt, wo es gilt zu Gunsten dieser mit Wuth anzukämpfen. ,, eigener Kraft", der hat die kapitalistische Tugend der StrebChe und des Familienlebens samkeit am besten geübt und praktizirt. freilich der Arbeiter! Für uns ist ja ein elf- und auch ein zehnstündiger Allerdings rufen jene Kreise auch dem Arbeiter zu, strebsam eine kleine Erleichterung zu schaffen, gerathen die an- Arbeitstag mit anderthalbstündiger Mittagspause durchaus zu sein und zu trachten, vorwärts zu kommen. Aber für den eblichen Beschützer und Protektoren der Ehe und der kein Ideal, wir streben nach der achtstündigen Arbeitszeit Arbeiter denkt man sich die Strebsamkeit anders. Während der amilie in Aufregung und sprechen sich energisch gegen mit einer angemessenen Mittagspause für beide Geschlechter durch zu steigern sucht, daß er den Gewinn auf Koften anderer Arbeille folche Bestimmung aus, dabei sich auf den wahr- und ohne jeden Unterschied. Aber wenn die Bourgeoisie Leute zu vermehren weiß, soll der Arbeiter mit dem die heinlich zu erwartenden kleinen Lohnverlust der mit den elendesten, abgedroschenen Phrasen auch die gering- tapitalistische Tugend üben, was ihm die Gnade des
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Feuilleton.
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Fromont junior und Rister senior. Anglers Die volkommene Vausfrau auf dem Landbe
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Aus dem Französischen von Ludwig Knorr .
" Ja, ja, Du hast Recht alter Freund," sagte Nisler, nicht mehr an dies Weib denken. Sie ist jetzt für mich todt. großen Schritten im Zimmer umhergehend, ich darf ich habe nur noch meinen kleinen Franz auf der Welt Ich bin noch im Zweifel, ob ich ihn zurückkommen lasse, oder ihn selbst da unten aufsuche. Ich wünschte nun immer lo fehr, einen Sohn zu haben, nun habe ich einen ge
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Fort mit dem Gedanken!
Sigismund's Zimmer lag im Erdgeschoß. Es war ein sauberes, einfach ausgestattetes Gemach, mit Kattunvorhängen und Bettgardinen und kleinen viereckigen Tischchen. Auf einem Bücherbrette standen einige Bücher: Handbuch des da unten." Bareme's Rechenknecht", das war der geistige Theil der nieder. Wohnung.
Papa Planus schaute stolz um sich. Alles war in
Ordnung, das Glas Wasser auf dem Nachttisch, wie ſich's
gehörte.
Mud mun gute Nacht. schlaf wohl." Gerade als der Kassirer hinausgehen wollte, rief ihn
Risler zurück:
"
Sigismund!"
„ Du wünscheft!"
Risler erröthete leicht und bewegte die Lippen, als
waltsam:
Nein. Was denn? ,,, es war schrecklich.... Etwas wie ein Seufzer aber so schwer und traurig.... Es kam aus dem Zimmer Sie horchten. Draußen fiel der Regen in Strömen ,, Es ist der Wind", sagte Sigismund.
Ich bin sicher, er ist es nicht.... Pst. Horch!" Unter dem Gehent des Windes vernahm er einen Klagelaut aus der Tiefe, ein mühsam ausgestoßenes Wort. Franz... Franz!"
Wie schauerlich und furchtbar das klang. " Ich fürchte mich," murmelte Fräulein Planus, wenn Sie nachjähen!"
Nein, lassen wir ihn. Er denkt an seinen Bruder. Armer Bursche! Dieser Gedanke ist noch das Einzige, was
funden. Wenn ich bedenke, daß ich meist die Absicht ob er etwas sagen wollte. Dann aber bezwang er sich ge- ihm wohl thun kann." Brumadame Dingsda würde zu vergnügt darüber sein. Im Gegentheil, ich will leben, leben mit meinem Franz und nur|
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" Bravo ," sagte Sigismund, so wollte ich Dich sehen." Café erzählen und Fräulein Planus trat mit der Mittheilung in's Zimmer, oft dabei die beiden Leibsprüche
daß alles bereit fei.
Risler's
Und der alte Kassirer schlief wieder ein. Nein... nichts... Gute Nacht, alter Freund." Ami anderen Morgen erwachte er, wie täglich; als in Die Geschwister sprachen noch lange in Eßzimmer den Forts die Revaille erklang, denn das kleine Haus und Sigismund mußte den schrecklichen Vorfall im richtete sich ganz nach seiner militärischen Umgebung. Die sich vorstellen, wie Schwester fütterte bereits die Hühner, und als sie ihren man kann sich vorstellen O, die Männer" Bruder erblickte, kant sie etwas erregt auf ihn zu: und ,,, die Weiber zum Vorschein kamen. Endlich schloß
Es ist eigenthümlich, ich höre keinen Laut bei Herrn Der bestürzte Sigismund pochte an Nisler's Thür. Risler! Risler...
verursachte und daß er seine trübe Stimmung in dies glück- sich in ihr Zimmer, während Sigismund sich es in dem Risler entschuldigte sich wegen der Störung, die er Fräulein Planus die Gartenthür sorgfältig zu und begab Risler... Und trotzdem steht das Fenster weit offen." liche Haus gebracht hatte. Doch Sigismund wußte ihm ge- Nebenzimmer bequem machte. Gegen Mitternacht wurde fchickt ein gleiches Loos auszumalen, denn wie er mit seiner der Kassirer plötzlich von seiner Schwester geweckt, die ihm| Schwester, so founte ja Risler mit seinem Franz leben. Um leise und sehr erschrocken zurief.
mit Franz in einem kleinen ruhigen, quäferhaft eingerichteten
Lippen zuckte ein trübes Lächeln; er sah sich schon|
Häuschen....
Herr Planus, mein Bruder!"
m?"
,, Haben Sie gehört?"
Er rief mit sichtbarer Unruhe.
Risler! bist Du drin... Schläfft Du noch?" Keine Antwort. Er öffnet die Thür. Im Zimmer war es kalt, man fühlte, daß die feuchte Luft die ganze Nacht ins Zimmer gedrungen war. Beim ersten Blick auf's Bett