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Mr. 267.
Sonnabend, den 15. November 1890.
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Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
cheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei n's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Bf. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit dem„ Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Erpedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
0081
Redaktion: Beuthstraße 2.
Alter Kurs? Neuer Kurs?
Wir haben die Gesetzes- Entwürfe gelesen, die dem preußischen Landtage vorgelegt worden sind, wir haben
wir
die Rede des preußischen Ministerpräsidenten und deutschen Reichskanzlers über diese Gesetzes- Entwürfe gelesen, und wissen nicht, welche Antwort auf die obige Frage wir geben sollen. In dem Steuergesetz- Entwurf sind Gedanken enthalten, denen wir unsere vollste Zustimmung ertheilen müssen. Keine Mehrbelastung, und gerechtere Vertheilung der Steuerlast! Das ist ein schönes Ziel, obgleich es noch ein weit schöneres Ziel wäre, eine M in der belastung und eine gerechte, statt eine gerecht e re Vertheilung der Steuerlast anzustreben. Indeß das hindert uns nicht, den| Gedanken anzuerkennen, und wir machen sogar das weitere Bugeständniß, daß wir auch gegen eine Mehr belastung nichts einzuwenden hätten, wenn der Ertrag der Steuern durchaus zu gemeinnüßigen und produktiven Zwecken verwandt würde. Wie dem nun aber sei, der Grundgedanke| der Steuerreform, so weit er ausgesprochen ist, hat unsere| Billigung und deutet entschieden auf neuen Kurs. Die Bismarck- Buttkamer und Komp. fonnten, bei ihren| reaktionär- agrarischen Anschauungen, ein solches Steuerprogramm nicht aufstellen.
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hat ebenfalls unsere Billigung. Das Grundprinzip des Schulgeset Entwurfs Schul geld Schulzwa ng ist eine monströse Ungerechtigkeit. Der Unterricht soll unentgeltlich, der Weg zum Wissen einem Jeden geöffnet sein.
wohl mancherlei sagen
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Es ließe sich da daß es Unterricht und Unter
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daß Alles auf die
richt, Wissen und Wissen giebt, Qualität des Unterrichts und Wissens ankommt, daß der Schulunterricht bei gleißender Schein wissen
chaftlichkeit ein verðummender, der Geist und Charakterentwickelung schädlicher sein kann, indeß hier
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bei wollen wir jetzt nicht verweilen, und wir geben un-| umwunden zu: auch in diesem Gesetz sehen wir so etwas wie neuen Kurs. Die Bismarck Buttkamer und| Rompagnie hätten, mit ihrem junkerlichen Haß gegen die Volksbildung, einen solchen Gesetzentwurf nicht vorgelegt.
die Landgemeinde Ordnung und die Erbschaftssteuer betreffend, haben entschieden Manches,| was auf einen neuen Kurs schließen läßt.
Und auch die übrigen Gesetzentwürfe der Regierung,
Also neuer Kurs?
deutsche Reichskanzler am Schluß seiner Programmrede gefagt hat, macht es unmöglich, die Frage zu bejahen. Herr von Caprivi sagte und wir theilen den bezüglichen Theil der Nede nochmals und zwar dem vollständigen| Wortlaute nach mit-:
Ja, aber was der preußische Ministerpräsident und
Nachbruck verboten.]
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suchen," meinte Oswaldt. " Sie müssen in anderen Fabriken unterzukommen Das ist nicht so leicht,
Der Wirth zuckte die Achseln.
"
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Insertionsgebühr
beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Mr. 4106.
19 10:
Expedition: Beuthstraße 3. sindistan
$ 119
opf und Herz an den Aufgaben des Staates in weitere Kreise zu tragen.( Lebhafter Beifall.) Hierzu geben die Gesetze insofern eine Hilfe, als sie, wie ich an mehreren Stellen zu erwähnen mir erlaubt habe, und wie Ihnen noch flarer und in noch größerem Umfange das Studium der Gesetze selbst vielleicht ergeben wird, die Tendenz haben, die schwachen Schultern zu entlasten. Sie haben aber auch weiter die Tendenz, die Thätigkeit innerhalb der Gemeinden in breitere Kreise zu übertragen, und wenn die Existenz des Staates mit einer Feindschaft auf Tod und Leben bedroht wird, so wird auf der anderen Seite als Gegenmittel eine Verstärkung der Liebe zum Staat gesucht werden müssen.( Lebhafter Beifall.) Der Weg zu dieser Liebe zum Staat wird aber für einen großen Theil unserer Mitbürger durch die Liebe zur Gemeinde gewonnen, und eine solche zu erhöhen, zu wecken, zu fräftigen, ist einer der Zwecke dieser Vorlage.( Beifall.)
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So der preußische Ministerpräsident und deutsche
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Wenn das die Grundzüge dieser Gefeßgebung sind, so bin ich der Meinung, daß in einer Zeit, in der die soziale Frage eine so hervorragende Stellung einnimmt, in der wir vor so schwierigen Aufgaben nach der sozialen Richtung hin stehen, alle Schritte der Regierung und der gesetzgebenden Körper auch nach der Richtung hin geprüft werden müssen, welche Wirkung sie in Bezug auf die soziale Frage haben. Es tonnte nicht die Aufgabe der Staatsregierung sein, diese Gesetze etwa zuzuschneiden, als ein Glied in der Kette der reformatorischen Maßregeln, die an anderen Stellen durchgeführt werden, aber immerhin mußte man sich die Frage vorlegen: wie werden denn diese Gesetze nach der Richtung hin wirken? Werden sie in dem Kampfe, der von den staatsbedrohenden Elementen un= ausgefeßt gegen das Dasein des Staates und der Kultur inszenirt zu werden scheint, werden da diese Gefeße im Stande sein, den Staat zu stärken, zu träftigen? Das wird der Fall sein. Zu nächst wird der Staat eine direkte Stärkung dadurch erfahren, daß die Finanzen des Staates auf eine festere, gesichertere Reichskanzler. Grundlage gestellt werden, dadurch, daß Rechtsunsicherheiten, Er verurtheilt das Sozialistengesetz und jede Auswie sie in Bezug auf das Gemeindeleben und die Volts- nahme- Gesetzgebung neuer Kurs. schule thatsächlich in nicht unerheblichem Umfange vorgelegen haben, beseitigt werden, und daß die Volksschule an Er verurtheilt jede Gewaltpolitik und erklärt sich Kraft und Gesundheit gewinnt und dadurch auch auf die Er- wenn auch mit anderen Worten, für den berühmten Sat ziehung der fünftigen Generationen mehr und besser einzuwirken Gladstone's: Force is no remedy, mit mechanischen befähigt wird, als es bisher der Fall war. Die Staatsregie Machtmitteln heilt man den Staat nicht neuer rung hat keinen Anlaß gehabt, auf eine Verstärkung ihrer Macht in irgend einer Hinsicht hierbei oder bei einer anderen Kurs. Gelegenheit bedacht zu sein. Die Staatsregierung ist sich ihres Rechts und ihrer Pflicht, die Gesetze mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln durchzuführen, die Ordnung im Staate zu erhalten, den Besitz zu schützen, vollkommen bewußt. Sie hat aber bisher noch nicht das mindeste Anzeichen Und noch verschiedene andere Anzeichen eines neu en gefunden, daß die bestehenden Geseze für Kurses. diesen Zweck nicht ausreichen.( Lebhafter Bei- Aber da steht, inmitten dieser verheißungsvollen fall links.) Sollten solche Anzeichen auftreten, so wird die Aussprüche und Andeutungen, als harte widerspenstige Staatsregierung nicht säumen, dasjenige zu thun, was etwa nöthig sein fönnte, um weitere Garantien zu schaffen. Thatsache", die all dem Verheißenen schroff und trozig ( Beifall.) Ich lege Werth darauf, dies hier ausdrücklich zu er- widerspricht, der fatale Sah über den wähnen, obwohl ein Theil dieser Fragen die sedes materiae ( Siz der Materie, Ort, wo die Materie zu behandeln) im andern Hause hat. Ich lege Werth darauf, um einer Richtung entgegen zu treten, welche das Staatsministerium eines schwäch lichen Zuwartens beschuldigt. Wir wissen ganz genau, was unsere Aufgabe ist, und sind gewillt, alle der Regierung zu Gebote stehenden Machtmittel rücksichtslos anzuwenden, wenn wir, was Gott verhüten wolle, vor die Nothwendigkeit gestellt wer den.( Lebhafter Beifall.) Wir sind aber nicht gesonnen, Schritte zu thun, für welche reale Motive zur Zeit nicht vorliegen.( Lebhafter Beifall.)
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Er sagt, die Regierung habe die Pflicht, das Wohlbefinden des Volks zu fördern, so daß die Bürger den Staat lieben können
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neuer Kurs.
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Kampf, der von den staatsbedrohenden Elementen unausgesettgegen das Dasein des Staats und der Kultur inszenirt zu sein scheint." In 19 dann ließe sich nicht viel einwenden, denn es giebt Wäre der Inhalt dieses Sazes nicht näher bestimmt, staatsbedrohende Elemente", die„ das. Dasein des Staats und der Kultur" bekämpfen.
Wenn nun diese Gefeße nicht die Staatsregierung, Allein aus dem ganzen Zusammenhang geht unzweisondern den Staat direkt stärken, so darf man sich der deutig hervor, daß die Sozialdemokratie geHoffnung hingeben, daß sie auch indirekt zur Stärkung meint ist. des Staates beitragen werden. Denn es will mir scheinen, Hier segelt der preußische Ministerpräsident und daß der Staat in dem Kampfe, vor den er gestellt ist, nur deutsche Reichskanzler nun unbedingt im alten Kurs, gewinnen kann, wenn es ihm gelingt, die Zahl seiner Gegner und zwar im schlimmsten Kurs, den das alte, zu verringern. Die Regierung kann niederhalten, niederschlagen, damit ist die Sache aber nicht verrottete Bismarck Buttkamer'sche gemacht( fehr wahr! links). Die Vorgänge, vor denen wir je verfolgt hat. is ſtehen, müssen von on innen heraus beurtheilt
Polizei- Regiment
Mit derartigen Anschauungen ist ein neuer Kurs werden( Beifall) und es gehört vor Allem zu den Ausgaben einfach unverträglich. Der Herr Ministerpräsident und unferer Regierung, das Wohlbefinden zu fördern, das Sichheimisch fühlen, die Theilnahme mit Reichskanzler sollte sich einmal die Frage vorlegen, welche
möchte ich Ihnen eine Warnung zukommen lassen, Herr Oswaldt." Oh!"
"
Sie wissen ja doch, der Andreas-" Was ist's mit dem Burschen?"
daß junge Arbeiterinnen, die bisher in Verwendung gestanden, in ihren Fabriken in Böhmen Aufnahme finden könnten. Sie sollten daselbst die Manipulation mit den verbesserten Haspeln erlernen und nach einiger Zeit wieder zurückgesandt werden. Diejenigen, welche der böhmischen Sprache mächtig seien, erhielten den Vorzug. Die Gesell:„ Er hat seine Strafe abgesessen und ist wieder frei; schaft wollte offenbar damit eine gewisse Fürsorge bekunden, seit gestern ist er von Neustadt herüber gekommen und- aber der Aufruf wurde verschieden gedeutet und begegnete und", er neigte sich dem Ohre des Malers zu, und er großem Mißtrauen. sucht nun die Franzel. Sie wissen wohl, wie es gekommen Oswaldt, von einer immer brennenderen Ungeduld er- war, es hatte ihn rasend gemacht, daß List ihm keine Ausfaßt, vermochte dessen Auseinandersetzungen nicht zu folgen, funft über sie geben wollte, und in seiner Wuth hat er
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der Posten ist zu weit hinausgeschoben, zu isolirt, aber er sah den armseligen Gestalten nach, die da kamen zum Messer gegriffen. Jetzt wird es ihm nicht schwer die Leute stehen nicht in Verbindung, und Derer, die aufs und gingen, und denen der Kummer in den blassen Gesichtern fallen, ihren Aufenthalt zu erfahren, alle Leute wissen, und die haben ohnedies nicht bis heute gewartet. Was da so viel verschulde, wie die Gier, ihren Reichthum rasch zu möchte daher rathen, Herr Dswaldt, sehen Sie sich vor Geradewohl fort können, um Arbeit zu suchen, sind wenige, fag, und mußte darau denken, wie doch die Willfür Einzelner wo die Kleine steckt, und wenn er am Ende gar. Ich festigt, find Diejenigen, die kleine Häuschen haben, und die vermehren, uneingeschränkt walten dürfe und ehrliche Arbeiter der Bursch hat den Teufel im Leib, und das Stöckchen juchen und das Weib durch Scheuern für Sommerparteien gutes Geschäft gemacht, was fümmerte es ihn, daß so viele einen Hermiten, mit großer Familie, wo die Kinder durch Beeren zu Bettlern mache. Field hatte mit Kauf und Verkauf ein da in Ihrer Hand ist keine Waffe. Wenn Sie vielleicht einen tärglichen Nebenerwerb gefunden, die flammern sich Existenzen dabei zu Grunde gingen. hier fest; aber wir behalten damit ein wahres Lumpen-| proletariat am Halse, was der Gemeinde nicht gleichgiltig Wagen gespannt. Oswaldt half selbst mit aufchirren.
jein tanin."
Die
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Oswaldt machte eine kurze ungeduldige Bewegung mit Jetzt wurden die Pferde gebracht und sofort vor den der Hand, es war eine entschiedene Ablehnung.
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"
Es ist gut, ich danke Ihnen. Und nun mach' fort. Es geht in die Enge, nicht wahr" fragte der Wirth Der Wirth sprang zurück, die Pferde zogen an, und der Wagen fuhr rasch die breite mit Bäumen besetzte Straße
gewendet,
der sich soeben auf den Bock schwang, laß drein zogen.
blidte erwartungsvoll die Straße entlang nach den Pferden," In die Enge," wiederholte Oswaldt, und zum Kutscher dahin, mächtige Staubwolfen aufwirbelnd, die hinter ihm noch immer nicht kommen wollten. und Männer und Weiber standen davor, lasen und besprachen lohnen." Auf einer Mauer war eine Ankündigung angeschlagen, sie laufen, Deine Rappen, ich will Dir's entsprechend be
die Veröffentlichung.
Er sprang nun selbst in den Wagen. Der Wirth aber
Es war spät am Nachmittag. Die Luft war ruhig und schwül, dichtgeballte weißglänzende Wolken stiegen im Westen empor und zogen langsam näher.
Oswaldt trieb zu immer heftigerer Eile an, das Drückende dieser Atmosphäre war nicht geeignet, die heiße so Wallung eines jungen Herzens zu mildern.
Der redselige Wirth war auch hier sofort mit der Er- lehnte noch immer an den Rädern und kraute sich in den| Die Direktion der Aktiengesellschaft gab hiermit bekannt,
Haaren.
Wenn Sie's nicht übel nehmen wollen, so
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