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Nr. 292.
Sonntag, den 14. Dezember 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Inferessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Volksblatt"
scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei CH.' s Saus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Summer mit dem„ Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bostabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreislifte für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) lichen Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
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Redaktion: Beuthstraße 2.
Insertionsgebühr
beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.
Expedition: Beuthffrake 3.
Aus dem gegnerischen Bemühungen mit Induſtriellen haben ihm die Möglich nicht von der Induſtrie- Arbeit des Mannes, der Frau
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feit gegeben, die so gewonnenen Eindrücke zu ergänzen und der Kinder abhängig macht, würde heilsamer wirken, und zu vervollständigen." als alle Palliativmittelchen. Denn diese Freigabe einer Hören wir mun, zu welchem Ergebniß der un- Stunde ist und bleibt doch nur ein äußerst schwächlicher Die Preußischen Jahrbücher", das Dr befangene Beobachter," wie er sich selber nennt, gelangt Versuch, schüßend" einzugreifen. gan des Herrn Delbrück , haben niemals unter dem Verdacht ist! Bunächst spricht er sich für die Verkürzung der Nützlich ist es, zum Kapitel der Sonntagsarbeit das gelitten, daß sie der Arbeiterbewegung freundlich gegenüber- Arbeitszeit von einer Stunde für verheirathete Ar- von den Fabrikanten gemachte Geständniß festzulegen, daß tänden. Im Gegentheil, sie gehörten und gehören zu den beiterinnen aus. Der Zweck dieser Maßregel sei ein so immer nach den Enquêteberichten es zahlreiche erbittertſten Gegnern des Sozialismus, und die einfachsten wichtiger, nämlich die Frau wenigstens einer ihrer Industrien giebt, in denen die Arbeiter in regelmäßigem Forderungen fachlicher Beurtheilung der gegebenen Verwesentlichsten Funktioner dem Hauswesen wieder zu geben, Betriebe nicht nur 12 und 18, sondern beim Schichtenhältnisse werden von dieser Zeitschrift in den Wind daß er der eingehendsten Würdigung empfohlen werden wechsel volle 24 Stunden ununterbrochen arbeiten, ferner geschlagen, sobald auch nur im mindesten die soziale Frage müsse." Für eine außerordentlich große Zahl von Arbeiter namentlich Maschinisten, Reparateure, Monteure gestreift wird. Was die Preußischen Jahrbücher", in Arbeiterfamilien, vor allem solche mit kleinen Kindern, u. s. w. welche überhaupt in Monaten gar keine benen vor einiger Zeit noch der Geschichtsklitterer Treitschke würde sie einen Segen in des Wortes eigenster Bedeutung Sonntags-( und auch nicht längere Alltags-) Ruhe oder neben dem Geschichtsklitterer Delbrück sein Wesen trieb, darstellen." Die Bourgeoispolitiker werden daran erinnert, nur eine solche von wenigen Stunden haben, abgesehen unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes an systematischer daß es nur auf den guten Willen, ungleich weniger auf von der nothdürftigsten Schlafenszeit". Die üblen Verläumdung und Beschimpfung des werkthätigen Voltes materielle Opfer ankommt; denn thatsächlich beträgt die Wirkungen dieser Ausbeutung, die den Kräfteverbrauch geleistet haben, steht noch in frischem Andenken. Im letzten Zahl der ein Hauswesen besorgenden Arbeiterinnen des Arbeiters maßlos steigert, ohne für Ersatz zu sorgen, Bold Hefte mun( November 1890) wird ein Aufsatz: Arbeiter überall nur einen verhältnißmäßig kleinen Prozentsatz werden in den Preußischen Jahrbüchern" verständig dar1736 Schutz, Konkurrenzfähigkeit und Unternehmergewinn" ver- der Gesammtkräfte." Er verdient hervorgehoben und gelegt; daran wird die Forderung geknüpft, daß in allen r. 10. öffentlicht, der es verdient, näher betrachtet zu werden. an geeigneter Stelle verwendet zu werden, wenn der Leit- Fabriken mit Tag- und Nachtbetrieb ein mindestens Der preußische Handelsminister Herr von Berlepsch, artikel der„ Pr. Jahrb." sagt: Eine leider nicht 24 stündiger regelmäßiger Stillstand" durchzuführen sei. in dessen Händen augenblicklich die Fürsorge für die gou- große Zahl von Unternehmern und zwar diejenigen, Der Einwurf der Kapitalisten, daß man das in den bernementale Sozialpolitik ruht, hat nach den vorläufigen welche Verständniß für die soziale Frage haben und vor Maschinen steckende Kapital" möglichst ausnügen müsse, Reichstags- Beschlüssen über den„ Arbeiterschutz" und infolge allem für die Rolle des Begriffs:" Familie" in ihr, wird durch den Hinweis auf die große Textilbranche, die derselben durch Umfragen der Industriellen eine Erhebung giebt denn in dem Fragebogen auch zu, daß bei geeigneter früher aus demselben Grunde Tag- und Nachtschichten für angestellt, wie die Industrie sich zu den ihr angesonnenen Disposition über die Arbeit dieser weiblichen Fabrikkräfte nothwendig hielt, jetzt sie aber so gut wie garnicht mehr Beschränkungen stellt." Es ist das Verhängniß der die Reichstags- Forderungen sehr wohl erfüllbar, kenne", wird durch das wirksame Argument abgefertigt, bureaukratischen Sozialreform, die wirthschaftliche Welt und die anfänglichen Schwierigkeiten bei richtiger Ver- daß eine übermächtig lange Arbeitszeit nichts weniger als durch die kapitalistische Brille zu betrachten, ihre Gedanken theilung der Arbeitskräfte analog derjenigen von er identisch sei mit gleich reichlicher Arbeit. Eine fürzere mit dem Hirne des Unternehmerthums zu decken und mit wachsenen und jugendlichen Arbeitskräften sehr wohl Arbeitszeit wirkt vielmehr auch bei Maschinenarbeit auf geradezu verblüffender Pünktlichkeit die Fabrikanten mit zu überwinden sein würden. Die meisten aber haben Quantität und Qualität häufig günstig ein." Die Ueberder Industrie, die Interessen des Geldsacks mit den Inter - trauriger Weise für den Fall der Annahme der Reichs- legenheit des kurzen Arbeitstages, sowohl was den Areffen der Gesammtheit zu verwechseln. Der Minister er- tags- Beschlüsse einfach die schlichte Entlassung aller beiterschutz als die Arbeitsleistung betrifft, steht durch die fundigt sich bei den Industriellen über die Arbeiterschutz- verheiratheten Frauen in Aussicht geftellt, da es unver- verschiedensten Erfahrungen unumstößlich fest. Fragen, er fragt den Wolf, wie man dem Lamm am heirathete Arbeiterinnen in Hülle und Fülle gäbe. Gie Die Frage, ob es bei gutem Willen und einiger besten helfen könne. Natürlich antwortet Freund werden diese Drohung auch wahr machen. Manche Opferfreudigkeit" möglich ist der gesetzliche 3 wang segrimm, und er folgt dabei dem Zwangsgesetz seiner Arbeiterfamilien werden darunter leiden. Nichtsdesto- iſt das einzig Praktische, treugläubige Redensarten versozialen Stellung, daß es das Beste sei, das Lamm ohne weniger halte ich es für durchaus nothwendig, daß der schlagen nichts an den Sonntagen die Arbeiten nur viele Umstände zu fressen. Freund Isegrimm hat einen Reichstag in diesem Punkte festbleibt. Die Familie ist auf die Beobachtung der langsamer laufenden, wenn nicht ager guten Magen. An die Veranstaltung einer wahr wichtiger als der höhere Verdienst, und die Humanität wird ganz abzustellenden Maschinen bezw. auf die Bedienung haft sozialpolitischen Enquête, welche die Interessenten rück- in vielen Fällen doch über den Egoismus siegen." der Zentral- Kraftstellen zu beschränken", wird auf Grund haltlos zu Worte kommen läßt, welche die Proletarier an- So sehr berechtigt die Ansicht ist, daß die Fabrikanten sachverständiger Gutachten bejaht. Vor wenigen Jahren hört, denkt die Weisheit der Geheimräthe nicht. Derlei statt verheiratheter ledige Arbeiterinnen einstellen werden, noch gingen alle Dampfmühlen Tag und Nacht, SonnDinge überläßt man den englischen Krämern und den so thöricht ist es zu hoffen, daß die Kapitalisten im 3wie- tags und Werktags, heute ist die Sonntagspause schon nordamerikanischen Dollarjägern. spalt zwischen Profit und Humanität der Letzteren den wesentlich verbreitet, und wie die betreffenden Unternehmer Dem Leitartikler der„ Preußischen Jahrbücher" sind Vorzug geben würden, immer vorausgesetzt, daß es human offen eingestehen, nicht mit petuniärem Na ch= nun die gesammten auf mehrere 100 sich belaufenden ist, die Frauen im Haushalt ſtatt im Fabritsaal thätig theil, sondern mit Gewinn verknüpft." Fragebogen eines sehr großen Bezirks mit ihren Ant- sein zu lassen. Ein Arbeiterschutz- Gesez, das die Löhne Man sieht also: es geht, und es rentivt sich. Ein Gleiches gilt für die Ueberstunden. worten durch die Hände gegangen, vielfache persönliche der Männer steigert und die Unterhaltung einer Familie
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Feuilleton.
Rothenburger Tage.
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Edle, fürfichtige und weise Herren," sprach Christ Heinz, draußen schwärmen die Bauern in Haufen umber und sie haben eine Praktik in der Stadt. So ein hoher Rath nicht schnell und weise handelt, so werden sie in die
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Bilderstürmer der alten Rathsherrn nicht sonderlich ge- die Stadt, um die geistlichen Güter einzuziehen. Jeder nehm war. Haufe ward von einem verordneten Rathsherrn geführt. Bu den Johannitern zog man zuerst durch die obere Schmiedgasse; der führende Rathsherr nahm die Schlüssel des Johanniterhofs an sich und die Inwohner wurden vereidigt, binnen zwei Tagen alles Verborgene an Gütern und Speise und Trank herbei zu schaffen. Was man fand an Solchem, ward ausgeräumt.
Roman aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525. Stadt fallen und die Pfaffenhäuser ausräumen."
Wohinaus?" rief die riesige Bäckerin.„ Wir wollen
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in die Pfaffenhäuser fallen und ausräumen."
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Aber was thun?" frug der Bürgermeister.
Selber ausräumen," sagte Chrift Heinz trocken. Die Herren vom Rath begriffen. Viele von ihnen nahmen
So gings bei allen geistlichen Häuser. Christ Heinz der Bäcker aber zog mit einem gewaltigen ohnehin mit Vergnügen die Gelegenheit wahr, die geistlichen Haufen Volks, darunter sich viele Weiber, namentlich aus der
Kopf an Kopf standen die Bürger, als Herr Erasmus, aber hatte es auf den Keller abgesehen.
„ Lieben Freunde," rief er, der Meister August hat
zu kommen, Güter einzuziehen. Und also ließen sie eiligst die Bürger Hafengasse. und lose Leute befanden, auf den Kapellenallwo die Herren vom Nath lange bei einander saßen, denn auf den Markt einberufen. Binnen einer halben Stunde play. Allda stand das Haus des Meisters Augustin Gumpelein, fie erwarteten nichts Gutes davon, daß der Ausschuß dem war die ganze Gemeine auf dem Markt versammelt, denn des Vitars an der Jakobskirche, der den Neuermigen abbolo zu predigen und Bewegung und gearbeitet ward an und flüchtig gegangen war. Viel kostbares Gut lag im wider den gefährlichen Doktor vom Rathhaus abgerissen diesem Tage nicht viel. Hause, das wurde zum Rathhause geschafft. Christ Heinz worden. Die Rede des Tippendaps hatte dem Faß den Boden ausgeschlagen und manchem alten Rathsherrn be- der regierende Bürgermeister erschien. Aus einem Fenster gann das Herz zu flopfen, als der Schäferhans berichtete, des Rathhauses streckte er den Kopf heraus. Die Menge, eine Nase wie eitel Purpur. Dies ist ein Zeichen, daß er und daß er die lange Poppin im Harnisch gesehen. Weitere einein brausenden Jubelgeschrei. die Weiber auf seien handelte, empfing ihn mit einen guten Nachttrunk in seinem Keller hat. Laſſet uns den Trunk versuchen, zum gemeinen Besten!" Die Menge stimmte lärmend zu und brang gleich einer Meldungen besagten, die Bürger begännen sich am Auflauf Gemeinde schier einstimmig durch Händeaufheben, was fich an Wein und Getreide, so den Orden und Klöstern, brandenden Woge gegen die Kellerthur. Sie ward eingeder regierende Bürgermeister. Welche Zeiten!" seufzte Herr Erasmus von Mußlon, sowie den vom Lande hereingeflohenen" Bauerupfaffen" stoßen und siehe da, in den weiten Räumen des geistlichen der Stadt befände, das solle sogleich Kellers lagen, wie die geängstigte alte Schaffnerin weinend Sogar die Weiber werden gehörig, in der Stadt befände, das Kleinode, Kelche versicherte, zwanzig Eimer guten Traubenweins. Da fielen aufrührisch und laufen mit dem Spieß und im Harnisch unter die Bürger getheilt werden. und andere Kostbarkeiten aber sollte man zum ge- sie hinein und stachen die Fäßlein an. Es entstand ein allgemeines Zechen und als die umwohnenden Bürger ver Gott bessers bald!" meinte Herr Thomas Zweifel, meinen Nußen der Stadt verwenden. Nun werden wir doch, so Gott will, eine Zeit lang nahmen, was da geschah, da liefen sie herzu, mit Kannen der Stadt wohlbestallter Rathsschreiber mit dem freundlich| Ruhe haben," sprach Herr Erasmus, als er sich vom Fenster und Krügen, mit Häfen und Kübeln, hinwegzutragen des töstlichen Weins. Rath saß, aber als ein Freund Karlstadt's und als ein Da erhob sich Christ Heinz, der Bäcker, der im innern zurückzog. In Harnisch und Wehr zogen nun die Bürger durch
zu betheiligen.
daher!"
Das war ein Tag des Jubels und Alt und Jung wurde