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längst grau und gleichmäßig eingefügt in die unzähligen Reihen von Menschenbildern, die an ihrem Blick vorübergezogen waren. Und ihr eigenes Schicksal hatte längst allen Anstrich eines Besonderen verloren und sich ebenso grau und gleichmäßig eingefügt in das der Masse. Und so tam es, daß jezt in der Stille dieser Nacht, an diesem Bett, sie auf die Frage,
Die Ratte
Die Hütte auf dem Spechtsboden war eigentlich eine gewöhnliche Holzhauerbude und gehörte dem Forstamt, das sie uns nur vermietet hatte. Ich zog im Herbst für eine Weile hinauf mit Schreibmaschine, einem halben Zentner Papier , viel Tabat und wenig Geld. Es war sehr schön, elfhundert Meter über dem Meer, vor der Hütte ein schmales, tiefes Tal mit heller Straße und verstreut liegenden breit dachigen Bauernhöfen, hinter ihr
tief, ſtill und faſt urivaldhaft die Wälder,
des Alleinseins.
Und die Ruhe
Wenn ich Lebensmittel brauchte, ging ich über den Berg inz Dorf. Sonst lag ich in der Sonne, tochte mir mein Essen, schrieb mein Zeugs vor mich hin. Umgang hatte ich wenig.
As und zu eine Ringelnatter oder Kreuzotter,
ein großer Schwarzspecht, der eine oder andere Burtspecht, ein paar Hasen, ein Reh, Bussarde, ein Kauz an der nahen Quelle und so weiter: das waren so die Nachbarn. An Menschen bekam ich erfreulich wenig zu sehen. Einmal fam für ein paar Tage Inge zu Besuch, was auf den Speisezettel und die Qualität der Gerichte sehr günstig wirkte. Selten passierte ein Tourist die Hütte. Zwei sehr verdächtig aus sehende Burschen schauten eines Tages herein; fie faben ziemlich unheimlich aus, aber ich hatte gerade Holz geſpalten und die Art in der Hand und machte mir nichts draus. Sie gingen fort; es war am Vormittag. Ich sah den ganzen Tag nichts mehr von ihnen, und auch in der Nacht tamen sie nicht. Immerhin hatte ich sicherheitshalber die Art neben wir auf der Pritsche liegen, während ich schlief. Dann kam auch ein norddeutsches älteres Ehepaar. Sie fteďten erst den Kopf zum Fenster herein, dann gingen sie um die Hütte herum und kamen einfach herein und schauten sich den Raum und die Sachen und mich an: Als sie die Schreibmaschine entdeckten und die herumliegenden Papiere, verdrückten sie sich wieder. Daß man sich entschuldigen fönnte, fiel ihnen offenbar nicht ein. Vielleicht geht man bei ihnen zu Hauſe einfach ſo in die Stube fremder Leute, gafft sich satt und zieht
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ab- ich weiß das nicht. Und schließlich wurde ich eines Morgens durch die Unterhaltung einiger Waldarbeiter und Frauen geweckt, die vor dem Haus um den Tisch saßen und Schwarzbrot und Spec aßen. Sie blieben den Tag über in der Nähe der Hütte und legten um die Spißen der jungen Tannen fleine, mit Baden versehene Blechringe zur Abwehr äsender Rehe. Mittags kochten sie sich auf meinem Herd ihre Suppe.
Dann hatte ich noch einen Untermieter: die Ratte. Sie schien allein zu sein, ein Junggeselle; wenigstens habe ich nie ein weiteres Familienmitglied zu sehen bekommen. Es war ein strammer Kerl in den besten Jahren, feist, fräftig, selbstbetvußt. Seine Anwesenheit machte sich mir zuerst nachts bemerkbar. Unter der Pritsche sie war breit und durchzog die Hütte von Wand zu Wand; es fonnten gut neun Mann nebeneinander pennen; wenn wir mehr waren, mußten wir uns eben schichtweise übereinanderfiapeln unter der Pritsche polterte ez. Ez lagen Holzstücke, Papierknäuei und anderes Zeug dort; das wurde von einer
wo ihr Leben seinen trüben Ausgang genom- schmierte den breiigen Saft aus den Pfeifen men, mit ruhigem Herzen antworten konnte: darauf. Bevor ich das Licht löschte, legte ich die Ich weiß es nicht. Daß fie aus diesen welken Giftbrote schön aufs Wanbrett, an den AnHänden, die unruhig auf der Decke herumirrten, marschweg der Ratte. die Schuld nahm, die ihr Leben überschattet Am anderen Morgen waren sie alle ge= hatte, und diesen Schatten ins Unerklärbare, fressen. Ich sagte mir: die bist du los, die Undeuibare verwies, das dem menschlichen Lose Ratte nämlich. Als ich nachmittags aus dem verhaftet ist. A. J. Wald zurückam, saß sie auf dem Tisch und fraz am Sped.
Von Max Barth
Ede in die andere geschleppt und getrudelt. Offenbar eine muntere Persönlichkeit, die sich da vergnügte. Die Ratte natürlich. Ich hörte nicht nur die Holzstücke klappern, die Papiere rascheln; ich hörte auch die Ratte selbst. Ich weiß nicht, ob diese Gattung auf den Krallen marschiert; auf alle Fälle flang es, als ob sie Hufe hätte. Sie trampelte, furz gesagt. Es war eben feine feine städtische, sondern eine pöbelhafte Bauernratte.
Das Poltern störte mich. Aber schließlich schlief ich doch ein. Ich bekam das Vieh zunächst nicht zu Gesicht. Aber wenn ich von draußen kam, war mein Brot oder der Käse angefressen, sofern ich sie nicht in den mit Draht vergitterten Schrank gelegt hatte. Nachts: nicht mehr; ich hatte mich daran gewöhnt.
Radau unter der Britiche. C's ſtorte mid the
Eines Nachmittags erschien sie plötzlich,
während ich am Tiſch ſaß. Sie kam in der Nähe des Schranks aus der Holzwand und ging auf einem Wandbrett zu einer großen gelben Birne. Ihr nacter, fleischiger Schwanz war mindestens zwanzig Zentimeter lang. Als ich nach einiger Zeit aufstand, zog sie ab. Die angenagte Birne ließ ich liegen; ich eſſe nichis Angebissenes.
Bon da ab kam sie öfter3. Die Birne ber
schwand; andere Freßbarkeiten gleichfalls. Wenn ich mich ihr drohend näherte, ließ fie Pfoten und Krallen vom Fraß, schaute mich einen Moment fest an und ging dann fort. Zu fagen, sie floh, würde heißen, einen aufrechten Gegner verleumden. Sie floh nicht; sie ging einfach weg, nach Hause. So, wie wenn sie sagen wollte:„ Nun paßt's ihm schon wieder nicht! Na, dann nicht!" Beim Weggehen ließ sie ihren nadten, graubraunen Schwanz verächtlich hinter sich herschleifen. Er hing über das Brett herab, herausfordernd, als kümmere sie sich überhaupt nicht um ihn und darum, ob ich ihn etwa padte und ausrisse. Es sollte mich ärgern und ich ärgerte mich auch.
Ich schlief nicht mehr sofort ein. Während die Ratte unter meiner Pritsche trampelte und stampfte und flappernd von einer Ede in die andere schoß, mit allen möglichen Dingen herumspielte, aber nur mit solchen, die Lärm machten, lag ich wach und war wütend. Ich brütete Rache. Und um mehr Grund zu haben, ihr was anzutun, erinnerte ich mich an alles Böse, was man über Ratten weiß: daß sie alles auffressen, was Menschen auch gern essen, daß sie die Pest und andere ansteckende Dinge übertragen, daß sie schon schlafende Kinder an- oder gar aufgefressen haben. Ich begann um mich besorgt zu werden: ich habe einen festen Schlaf, und wenn die Ratte nachts hergeht und anfängt an mir herumzunagen! Bis ich was merke, kann die halbe Zehe weg sein.
Einen Tag lang brütete ich andere Methoden aus. Zuletzt entschloß ich mich zu einem teuflischen Verfahren. Als Licht diente mir eine Karbidlampe. Man weiß, wie Karbid funktioniert: wenn es feucht wird, schäumt es, entwidelt Gas und wird dabei heiß. Ich be= schloß, der Ratte ein Loch in den Bauch zu brennen. Von innen her.
Also machte ich einen Teig aus wenig Wasser, viel Mehl, Butter, Haferfloden, Grieß, furzum, aus lauter Dingen, die Ratten lieben. Sch ging vor die Hütte und zerklopfte auf einem Stein mit dem Rüden der Art einige Broden Narbid. Es wurde kein feines Mehl, aber immerhin eine Art Grieß . Ich fnetete ihn unter den vorbereiteten Teig. Es stank zuerst ein wenig, weil ein Teil des Karbids sich in der Feuchtigkeit auflöſte; aber im großen ganzen hielt sich der Stoff intakt.
hielt sich Er sollte ja erſt
von der Magenflüssigkeit zersetzt und erhitzt werden.
Es war ein Knödel, so groß wie ein Pfeifentopf. Ich lauerte, als es dunkel war, bis die Raite erschien. Endlich war sie da; ich mertte es, als der Kloß aufing herumzurollen und stvar ziemlich laut. Er war im Lauf des Tages angetrocknet und fest geworden. Er wurde durch die ganze Hütte gekugelt; offenbar machte es dem Bieh Spaß, damit zu spielen. Schließlich hörte das Herumtollern auf, und
ich hörte, wie die Ratte an ihrem Knödel herGrunzen ausstieß. Den Ausgang wartete ch umnagte und dabei ab und zu ein schwaches nicht ab; ich schlief ein. Am anderen Morgen war. der Giftkloß verschwunden; offenbar hatte das Vieh ihn aufgefressen.
kommen sei, frog. Am Nachmittag erschien das
Meine Hoffnung, daß es ihm schlecht bes
Tier wie gewöhnlich zu Besuch.
Jch überlegte andere Wege, fand aber keine. Da ich außerdem mein Mittel doch für wirksam hielt, verfertigte ich sofort einen zweiten Knödel. Er wurde faustgroß; der Prozentfaz des Karbids war darin doppelt bis dreimal so start wie im ersten. Ich setzte alle Hoffnung auf mein Produkt.
Der Abend fam; die Ratte marschierte an, spielte, polterte mit ihrem Kloß, stampfte mit den Hufen, wurde des Spiels müde und begann zu essen. Ich hörte fie geradezu fchmaßen.
Morgens lag der halbe Knödel unter der Pritsche. Endlich hatte das Mittel gewirkt; die starke Dosis hatte dem Vieh den Rest gegeben; ich hatte gesiegt. Die Ratte hatte mitten im Fressen aufhören müssen, weil ihr Bauch ange= fangen hatte, zu brennen. Sie war weggegan gen, hatte sich fortgeschleppt, um in ihrem Loch zu verenden. Sie tat mir eigentlich leid; es war ein gräßlicher Tod, und ich war im Grunde ein Tierquäler. Aber jeder ist sich selbst der Nächste, und man bedient sich der Mittel, die man eben hat. Ich legte mich ohne Gewissensbisse schlafen.
Schließlich machte ich konkrete Pläne. Ja schnitt ein halbes Dußend Brotscheibchen, so groß wie ein Daumennagel, und reinigte meine Am anderen Morgen war auch die andere Pfeifen. Ich hatte gelesen, daß Nikotin ein Hälfte des Knödels aufgefressen. Ich habe keine schweres Gift ist und daß ganz wenig genügt, Gifttlöße mehr zubereitet. Ich aß meine Butter einen Menschen zu töten. Eine Ratte mußte und meinen Grieß selbst und verwendete das man mit fast nichts umbringen können. Ich Karbid nur noch für die Lampe . Ich fand mich bestrich die Brotscheibchen mit Butter und mit der Ratte ab; sie hatte gefiegt.