BUNTE WELT

Nr. 11

Rudolf Steiner :

Unterhaltungsbeilage

Liebe zu Franziska

Im lezten Jahre des großen Krieges er- Lachner fümmerte sich faum um Franziska. Er cignete sich in dem bekannten süddeutschen war mit seinen Schmerzen beschäftigt und hatte Badeort K. eine Begebenheit, die um ihrer all- nur den einen Gedanken, bald wieder gesund zu gemein- menschlichen Tragik willen wert ist, der werden. Etwas später, als er Franziska immer Vergessenheit entrissen zu werden. um sich fühlte, spürte er, daß da ein Wesen war, das es gut mit ihm meinte. Das ihn hegte und pflegte, wie die Mutter es früher getan, und ein Gefühl der Dankbarkeit stieg in ihm auf. Bett verlassen und einen fleinen Spaziergang Zwei Wochen später durfte er endlich das

Ein junger Mensch, der achtzehnjährige Infanterist Rudi Lachner, der auf Grund eines schweren Herzleidens für dienstuntauglich erklärt worden war, wurde nach Bad K. geſchickt, um

sich dort einer längeren Kur zu unterziehen.

Nachdem er sich vorschriftsmäßig bei dem Teitenden Arzt gemeldet hatte und untersucht worden war, wurde ihm seine Stube zugetvie sen, die er mit zwei Kameraden zu teilen hatte. Diese beiden, alte Feldsoldaten, von denen der eine einen Lungenschuß und der andre einen Beinschuß abbekommen hatte, betrachteten das junge Bürschchen als einen unwillkommenen Zu­wachs und sie versteckten ihre Abneigung feines wegs hinter höflichen Redensarten.

So hatte es sich Bernlochner, der Mann mit dem Lungenschuß, zur Gewohnheit gemacht, an Lachner3 Bett zu sizzen zu husten und zu

spuden, um ihm damit ſein Leiden aus aller

Nähe zu demonstrieren.

Rudi Lachner, der sich seiner Jugend wegen und seiner Krankheit, die ja eine eigentliche Kriegsverletzung nicht war, vor den beiden Sol­daten ein wenig schämte, versuchte durch ein freundliches Gespräch, durch Eriveisung flet­ner Gefälligkeiten die Sympathie der beiden zu erringen.

Traf von zu Hause ein Bäckchen ein, das Tabat und Zigaretten enthielt, so belam Bag­halter( das war der andre) sein Teil ab und die Estvaren teilte er mit Bernlochner. Anfänglic Tachten die beiden über diese gutgemeinten Be­stechungsversuche, da sie aber keine Naturen waren, die lange Ueberlegungen anstellten, so erschienen ihnen diese Zuweisungen Lachners mit der Zeit eine Selbstverständlichkeit, die weder Dant noch einen Gegendienst erheischte.

Rudi Lachner blieb vorläufig noch betts lägerig und so ergab es sich, daß er eine Kraft benötigte, die ihm das Eisen brachte, das Beit richtete, furz die Verrichtungen tat, deren ein Stranker bedarf.

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Mit diesem Amt wurde die Schwester Franzista beircut. Diese Franziska, die aus der Umgebung von Bad K. stammte und seit zwei Jahren hier ihren Dienst versah, war eine hübsche und aufgeweďte Person mit ihren zwei­undzwanzig Jahren, die sich vorzüglich darauf verstand, mit den Mannsbildern umzugehen. Ihr Wort allein schuf Ordnung und wenn sie lachte oder lachend sich irgendwelche Zu­dringlichkeiten verbat, so gehorchten ihr die Soldaten, als hätte ein Vorgesetzter ihnen Be­fehl erteilt. Ohne besonders gebildet zu sein, besaß sie die natürliche Gabe, das richtige Wort zu finden und für die Nöte der andern einen Trost zurechtzuschneiden, daß es seine Art hatte. Diese Franzista also, die ein paar prachtvolle schwarze Augen und eine Figur besaß, die jeder Städterin Ehre gemacht hätte, war zur Pfle­gerin des jungen Soldaten bestellt worden.

im Sturgarten wagen.

mit.

Er brachte Franziska ein paar Blumen

Als Bernlochner und Waghalter Lachner mit den Blumen anfommen sahen, grinsten sie. Franziska errötete über diese Aufmerksamkeit. Aber sie nahm die Blumen gern. Als sie zwei Tage später allein mit dem Rudi Lachner im Bimmer war, sagte sie, ohne einen bösen Ton in der Stimme, er möge derartiges in Zukunft bleiben laffen. Die andern würden darüber nur unnötig reden und das sei nicht gut für sie

beide.

... Der September begann mit Regen. Und es regnete vierzehn Tage hindurch. Die Wälder, die noch im schönsten Laubschmud stan­den, sahen plöblich verdrießlich aus und der Duft der Wiesen und Aleder, der am Abend durch die geöffneten Fenster drang, hatte sich *************

Am letzten Acker

Ich lieb' did Land

Wo meine Väter schritten, Mit brauner Hand

Die schweren Aehren schnitten Wohl an die sechsmalhundert Jahr... Dich teures Land,

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Das erst aus Sumpf und Axen Mit Beil und Brand Sie famen zu erbauen Und mit den Schwielen ihrer Hanb...

Dich heil'ges Land,

Dem meiner Bäter Sen Nnd ihre Schand,

Ihr Glück und ihre Tränen Wie einer Mutter war bekannt... Das mancher Fehd'

Mit Urkraft widerstanden, Trot Preuß und Schwed Und Unzeits Räuberbanden Aufs neue immer war ergrünt... Dich starkes Land,

Das meine Ahnen nährte, Wenn Schicksals Hand Ez manchmal auch zerstörte, Zu prüfen ihren starken Sinu... Dich lieb' ich, Land,

Wenn auch am leisten Arfer Mit schwacher Hand

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Ich mich zu Tode racer Lieb' ich dich doch: bis in den Tod! Erwin Klement.

1937

in einen faulen, modrigen Geruch verwandelt. Die Sonne hing wie ein erstorbenes Auge an einem trostlosen Himmel. Es war die Stim­mung, die dem Spätherbst und Winter voran­geht.

Man war ans Zimmer gefesselt, selbst um auf der gedeckten Veranda zu liegen, war es schon zu fühl. Bernlochner und Waghalter saßen spielten Domino oder Halma . Sie langweilten im Zimmer auf ihren Betten oder am Tisch und jich. Und aus Langeweile verspielten sie manch­mal ihre Löhnung. Dann kam es vor, daß sie zu Lachner gingen und ihn anpumpien, um sich heimlich ein Glas Bier oder eine Zigarre zu leisten. Der junge Soldat hatte sich von den beiden abgesondert. Er las oder er lag in eine Wolldecke gewickelt auf der Veranda und träumte betrachtete die Berge und Wälder, die leicht vernebelt vor ihm aufstiegen, wie ein gewaltiges dunkles Gemälde.

An einem Tage, als der Lachner nichtss ahnend im Kurgarien ſpazieren ging, e3 war Mittwoch und Franzistas Ausgehtag, begegnete er ihr. Sie stand mit Berulochner zusammen auf der gegenüberliegenden Straßenſeite vor einem Stino. Der Soldat redete heftig auf das Mäd­chen ein, das zu zögern schien. Dann verschwans den beide im Eingang des Theaters, Der Rudt Lachner spürte plöslich ein wehes Gefühl in seiner Brust. Hatte sie es nicht abgelehnt mit ihm spazieren zu gehen? Warum hatte sie das getan? Genierte sie sich, weil er hier der Züngste war? Er mußte unvermittelt daran denten, ob Waghalter von der Verabredung der beiden etwas wußte. Abends berichtete er dem Kameraden mit wem er die Franziska gefehen hatte. Waghalter stutte einen Augenblid, dann nahm sein Gesicht einen höhnischen Ausdruck an und mit einer wegwerfenden Handbewegung bemerkte er: Die Weiber sind alle. worauf ein derber Frontausdrud folgte.

Lachner schämte sich. Bisher war ihm die Franziska unnahbar erschienen. Jetzt begriff

er..

Am nächsten Morgen lauerte er ihr auf. Sie machte eben die Beiten, da irai er von rüdwärts auf fie zu. Sie spürte feine Ans näherung und drehte sich blizschnell mm. Sie fah ihm ins Gesicht. Lachner zitterte vor Auf­regung und brachte keinen Ton hervor. Be schämt und wortlos schlich er sich aus dem Zimmer.

Am gleichen Abend fand zwischen Bernlochs ner und Waghalter ein Gespräch statt. Wag­balter: Du Sepp, der Lachner Rudi hat dich s'jehn, wie du mit der Franziska' gangen bist..." Bernlochner siebt böse aus.

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,, Smsoso. Kann scho sein. Bart's eahm ebba net? Braucht's grad fog'n. Was mischt der sich denn in mei Sach. Dem schlag ich die Kno­chen kapuit, bal er von der Franziska was will..." Er spuct in breitem Bogen ins Zimmer. Waghalter sagt höhnisch: Und mir.. was täit' n nacher mit mir- moan i verstehst wann i... du Großmail but..." Und den letzten Satz drohend: Tös fag i - den Buben Taft stehen. Der is no m

Sir

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