BUNTE WELT

Nr. 47

Upton Sinclair:

Von Upton Sinclair , dem großen amerikanischen Schriftsteller. dem vielleicht größten sozialistischen Romancier unferer Reit. iſt ießt ein überaus inter­effantes, neues Buch erschienen: CO- OP der Weg des ameritani

a ur

schen Arbeitslosen Selbsthilfe. Das Buch ist in der Ueberfebung R. J. um m& von der Büchergilde Gutenberg deutsch heraus­gegeben worden. Wir veröffentlichen hier eines der einleitenden Kapitel dieses

Buches, gewiß mit dem Erfolg, daß viele

nach ihm greifen werden.

Sie begann ihn über seine politischen Ans fichten auszufragen. Ist es wahr, daß Ihre Frau und Ihr Schwiegervater Kommunisten find?"

., Gewiß. Das sind fie. Ich weiß nicht, ob Sie Kommunisten fennen, Fräulein Saugus.." ,, Ein wenig, ich habe einige Freunde unter

ihnen."

,, Also schön. Mit den Kommunisten ist es so: entweder man bekennt sich zu ihren Grund­säßen oder nicht. Im letzten Fall ist man ein Sozialfaschist, ein Agent der kapitalistischen Klasse, der die Arbeiter nur hereinlegen will. oder man ist eben ein Waisenknabe, der nicht weiß, was er tut. Mein Schwiegervater hat die fire Idee, daß das, was in Rußland geschehen

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Unterhaltungsbeilage

CO- OP

1937

Sie besprachen, was man eigentlich machen[ fall von zwanzig Milliarden im Jahr, von könnte, und Soren, der Däne, erzählte von den 60 Milliarden seit Beginn der Krise. Das war Buständen in seiner europäischen Heimat. Dorr genau das Jahreseinkommen des ganzen ameri waren sie mit der Armut freilich auch noch nicht fanischen Volkes. ,, Diese Millionen Arbeitslose fertig geworden, aber sie hatten wenigstens die sind uns heute schon sicher; sie werden nie wie­ungeheuerliche Ungleichheit nicht, die es in der für das Profitsystem arbeiten. Aber sie kön­Amerika gab; sie hatten die Unterernährung der nen anfangen, für sich selber zu arbeiten. Sie Kinder glücklich bekämpft, und zwar hauptsäch brauchen nur einen, der ihnen sagt, vie es ges lich dank der großen Verbreitung von Einkaufs- macht werden muß, und etwas Kapital für den genossenschaften. Anfang. Das Land ist ja da, und an Maschinen fehlts auch nicht. Wenn sie anfangen, zu pros duzieren, dann können sie gruppenweise Tauschs handel treiben."

,, Das ist etwas, womit man das Volk dazu bringen könnte, sich selber zu helfen, und zwar müßte man damit sofort beginnen. Bis auf den ( heutigen Tag haben sich die Amerikaner um iedes kooperative System herumbrücken können, warum? Weil es viel zu leicht war, Geld zu verdienen. Aber jetzt ändern sich die Zeiten rapid. Wo ich hinkomme, rede ich mit den Leuten über Co- ops, und ich merke genau, daß die Sache sie interessiert. Man hat das Gefühl, die Sache kommt in Gang. Uebrigens ist es nichts Neues; viele Veteranen des Sozialismus sind da hindurchgegangen."

Er machte ihr klar, was Amerika durch die Massenarbeitslosigkeit verlor. Jeder Arbeiter produzierte an Vermögenswerten etwa zweis tausend Dollar im Jahr, das ergab einen Aus­

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,, Wie würden Sie das anpacken, Herr Soren?"

..Ich habe Beziehungen zu einigen Leuten in der Stadt, meistens Arbeitern; die würden sich sicher dafür interessieren. Ich würde die intelligenteren einmal versammeln, um die Sache zu besprechen. Dann würde ich eine Orgas fation gründen und an die Arbeit gehen."

Jennie war eingetreten, da sie eingeladen worden war. Sie setzte sich und hörte eine Beits lang ruhig zu, während ihr Freund ihnen die Einzelheiten einer solchen Selbsthilfeorganisation auseinandersetzte und ihnen klar machte, wie sie arbeiten würde. Schließlich sagte sie: Es soll welche reben, die damit schon angefangen haben. Wenigstens stand heute morgen etwas darüber in der Zeitung." Sie holte die Zeitung und las

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iſt, in der ganzen Welt zu geschehen habe, und Wenn wir von Spanien bie Rotia laut vor: Eine Gruppe von Arbeits­

zwar aufs Tüpfelchen genau so, wie es dort vor sich gegangen ist. Ja, und er hat diese Denk­weise meiner Frau eingeimpft, Tange, bevor ich aufgetaucht bin. Sie ist heute noch derselben Meinung. Ich habe mir schließlich gesagt: ,, Sig, das hat keinen Wert, da gibt es nur Streit." Verstehen Sie? Der alte Mann hatte eine Vieh­wirtschaft und es ging ihm soweit ganz gut. Die Kinder famen in die Mittelschule. Sie konn­ten sich nicht mit beiden Eltern gleichzeitig ver­tragen; es gab Bank..."

Sig Soren fragte, ob er sie langweile. Als sie das verneinte, erklärte er ihr, zu welchen Ergebnissen er in allen diesen schwierigen Fra­gen gelangt war. Er habe sich immer für einen Sozialisten gehalten, aber auf den Anhänge­zettel habe er wenig gegeben, auch brauche man seine Ueberzeugung nicht dauernd anzubieten.

,, Alles, was geschehen muß, will ich auf eine friedliche Weise getan haben. Was ich an Gewalttätigkeiten und Grausamkeiten schon ge­sehen habe, reicht für mein ganzes Leben. Wir können von Rußland viel lernen in ökonomischen Fragen, aber in politischer Beziehung nichts, weil unser Volk und unsere Verhältnisse viel zu verschieden sind."

,, Mabel meinte, sie habe öfters Sozialisten geholfen, aber sie sei von ihnen enttäuscht, weil sie das Gefühl habe, daß sie keinen praktischen Erfolg haben würden."

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,, Die Amerikaner sind für den Sozialis­mus schiver zu haben", antwortete Sig. 8 will ihnen nicht in den Kopf, daß er eine An­gelegenheit ist, die sie selber betrifft. Sie ver wechseln das dauernd mit Atheismus, freier Liebe, Bjertrinken und was weiß ich alles..."

hören...

Wenn wir von Spanien hören bleibt schier das Herz uns stehn, und können doch nicht wehren dem blutigen Geschehn.

Können doch ihnen allen nur heiße Wünsche weihn; für eure Freiheit fallen sie heut in dichten Reihn. Und hunderttausend sterben, ihr aber übt Geduld, last hilflos fie verderben; fühlt ihr denn keine Schuld? Hört zu, wer ohn Erbarmen, den Bruder läßt in Not, der schlägt mit Knochenarmen die eigne Seele tot.

Wer, jeder Qual entbunden, heut noch nach Nicht'gem frägt, wer nicht die tiefen Wunden spürt, die man Spanien schlägt, der ist nicht Mensch geworden; wir alle find es nicht es speit das feige Morden uns in das Angesicht! Wenn wir nach Spanien sehen, stockt uns des Blutes Lauf : Es zeichnet das Geschehen dort unser Morgen auf!

Martin GriIL

losen, die eine solche Co- op planten, wollten sich im Haus der Methodistengemeinde am nächstfolgenden Abend treffen. Der Leiter sei ein bekannter Publizist aus dem Osten, C. E. W. Day, der über genossenschaftliche Wirtschafts­formen in Amerika und Europa Studien ges macht habe.

Im Interview waren einige Einzelheiten bekanntgegeben und die Theorien erläutert, auf welchen diese Organisation aufgebaut werden sollte. Herr Day führte aus, daß die Arbeits­Tosen von San Sebastian in sich selbst genug Hilfsmittel hätten, um die Krise zu überwinden. Man brauche weder öffentliche noch private Wohltätigkeit an Leute zu verschwenden, die physisch noch in der Lage seien, zu arbeiten; auch hätten die Arbeitgeber nichts zu befürchten von einem Projekt, das für die Steuerzahler eine Entlastung bedeute. Alle, die zu erfahren wünschten, wie die Sache gemacht werde, seien eingeladen, sich im Kirchengemeindehaus ein zufinden.

,, Da steht's jal" sagte Sig Soren. ,, Der Mann scheint was los zu haben. Die Sache ist wert, daß man einmal hingeht."

..Ich werde ebenfalls hingehen", meinte Mabel. ,, Sind es wirklich Leute, die imstande sind, etwas aus der Sache zu machen, dann will ich ihnen gern helfen. Wieviel meinen Sie, daß für den Anfang erforderlich wäre?"

,, Das kann ich nicht sagen; es kommt dars auf an, wie viele es sind, und wie sie es ans packen. Der erste Punkt ist die Miete; sie braus ein chen irgend ein Haus, das ist klar, Lagerschuppen würde vollständig genügen, weil sie ihn selber ausbauen könnten. Dann müßte