BUNTE WELT
Nr. 52
Unterhaltungsbeilage
Von Walter Paul Kirsch
Bei Müllers fonnten sich die Weihnachten| Herzenskind den Tschako auf das Lockenhaupt und gürtete ihm den. Säbel um. Und endlich rief sie: ..Nun aufs Pferd, Schatz!".
immer noch sehen lassen. Denn es gab Fisch uno Fleisch und Mehlspeisen in allen Variationen, dann gute Weine und was die Hauptsache ift!- Geschenke. Schon viele Wochen vorher fragte Frau Müller ihr Söhnchen:
..Hat mein Bubi schon dem Christkindl geschrieben?"
Und das Bubi: ..Ja, ja Mutti."
Folgsam hing sich Hansi das Gewehr um und stieg in den Sattel seines Streitrosses. Freis lich, die einen Beinchen zitterten dabei ein wenig, aber die Händchen umkrampften die Bügel und so konnte es losgehen:„ Hüo!"..
Noch immer brannten die bunten Kerzen auf dem Baum, der mit seinen Silberfäden und Engelshaaren einen erhebenden, märchen..Und was wünscht sich denn mein Herzens haft schönen Anblick bot, und sie brannten und find?"
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..Oh, so viel!- Mutti!"
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Und war mein Hanfibub auch immer brac hat er Muttchen nie geärgert und Vatchen nie böse gemacht?"
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..Ich war immer soooo brab!". rief Bubi und dann begann er seine diversen Wünsche aufzuzählen.
Muttchen nickte.
..Das und jenes wird mein Herzenskind schon friegen, ja, natürlich auch ein schönes Hutschpferd. ja, ja... gewiß, mein Lieb Ting, auch einen Säbel."
,, Mutti", rief Bubi energisch... aber das Christkind soll auch ein Gewehr bringen! Nicht vergessen!" ,, Nein, nein", lächelte die Muter ,,, es wird nicht vergessen, mein Söhnchen, mein goldiges." Der Vater Hansis, der das muß gesagt werden! während des großen Weltbrandes 1914 bis 1918 als Etappenleutnant sich durch geschlagen hatte, war sehr stolz auf die Wünsch seines Söhnchens und er versprach, sie soweit als möglich zu erfüllen.
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Gott er soll alles haben!"
Und wirklich, als der Weihnachtsabend anbrach und im großen Zimmer bei Müllers die mächtige Tanne, geschmückt mit tausenderli Sachen aus Glas und Zuder, stand, umstrahlt vom hehren Lichte viele bunter Kerzen, da lag für Hansi der Säbel auf dem Tisch, daneben das Gewehr, ein Tschafo, eine Garnitur Binnoh! eine fleine Kanone stand bei dem allen, das dunkle Rohr drohend auf einen weißgekleideten Engel gerichtet, der von einem Aste hing.
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soldaten und
Natürlich gab es auch noch andere Geschenke. Zum Beispiel hatte sich Tante Olga mit einem netten Buch für Jungen eingestellt, und Onfel Eduard mit einem riesigen Matadorbaufasten doch Hansis Interesse war ander wärts. Das erste, was er in Besiz nahm, war das Schaukelpferd, das neben dem Tisch seinen Plaz hatte. Dann ergriff er das Gewehr und Freude blitzte in seinen flaren Jungenaugen, als er es prüfte.
OH!
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Ein Gewehr!
Er zitterte ein wenig, als er es in Anschlag brachte und da sagte Vatchen:
Nimm es fester in die Hand; wie ein richtiger Soldat sonst geht es Tos und mach: humm."
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Währenddessen stülpte die Mutter ihrem
brannten... indes irgendwo im Hause ein Lieb aufschwang, sanft, einschmeichelnd, dana wieder aufjubelnd, aufrüttelnd, und es war das Lied von der stillen, heiligen Nacht.
Herr Müller: Sturm!" ,, Hurra!" freischte Hansi, seinem Rosse die Sporen in die Weichen schlagend.
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,, Gewehr zur Hand!" der Vater. Feuer!" Bumm!" machte der Bub. Bumm!" ..Balt! Absiben! Aufs Pferd! Galopp! Vorwärts! Sturmangriff, los:" Hansi:„ Hurra!!!"
Unheilige Nacht
Der Mond spazierte boch am Himmelszelt und fand sich einfam in der weiten Welt. Die alte Erde stak im Nebelflor, Voll Neugier schaut der Mond durchs Wolfentor. Da unten sprach ein Führer, lichtumflossen. Ein alter Mann ward' ,, auf der Flucht"
erschossen.
3wet alte Gecken gingen noch spazieren; Zwei blonde Mädchen ließen sich verführen. In einem Nachtlokal rann Seft in Strömen, Ein armer Mann mußt sich das Leben nehmen. Auf eine Stadt im Osten fielen Bomben: Die Leichen häuften sich zu Hekatomben. Ein Unter- Ausschuß, der dies fühnen wollte, Der wußte nicht recht, was er machen sollte, Und er beschloß, um dieses aufzuhellen, Sich einen Unter- Unterausschuß zu bestellen. Ein Kindlein ward in einem Stall gefunden, Doch starb's an Hunger schon nach wenigen
Stunden.
Die junge Mutter mit vergrämten Mienen, Schloß flugs man hinter schwedische Gardinen. In einem Schober Stroh, der plöhlich brannte, Verkohlten fünfzehn Mann, die niemand kannte. Ein Lump entrann den Fängen des Gerichts. Die Gaslaternen strahlten in das Nichts.
Da schlug der Mond vor Schreck die Türe zu
Und lästerte nicht mehr die Himmelsruh. Er freute sich, daß er so unbewobat Und von dem menschlichen Gezücht verfchont.. Martin Grill.
1937
Er schrie es so gellend, daß sich die Mutter, die eben dabei war, das Abendessen zu richten, die Ohren zuhielt.
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..Leonhard bu mußt mun endlich auf. hören", wendete sie sich an den Mann. ,, Schau dir das Kind an... es hat schon hochrote Wangen... und dieser Wirbel."
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,, Laß ihn doch", ward ihr zur Antwort. Er ist ja unser strammer Soldat, unser Genes ral, und was du hier mitmachst, weißt du, dak ist die Schlacht bei Weihnachten, hehehe... hehehehe..."
Lachend gab Batchen weitere Kommandos. Und Hansi schrie weiter sein gellendes Surral. und er schrie und schrie bis er tatsächlich einen Feind" sah.
Minka.
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Das Kätzchen stand auf der Schwelle unb alvinferte mit seinen fröhlichen Aeuglein hin über zu dem hellen Baum. Ihr seidiges Fell schimmerte weiß, wie das Haar der Engel auf der Tanne, während das rote Büngelchen, mit dem sie sich ums Mäulchen fuhr, und das Kleine, dunkle Näschen irgendwie an Buderwerk er innerten.
,, Miau... miau...", sagte es, fein Schweifchen vergnügt emporrichtend. Miau". Das Kind sprang von seinem Schaukel
pferd.
, Hurra, der Feind! Vati, der Feind!"
Jetzt schlich es geduct, den gezogenen Säbel in der fleinen Faust, den Tschako schief auf dem blonden Kopf, vorwärts.
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Minka machte einen Buckel und rieb sich leise schmirrend die Seiten am Türstock. Hansi hob den Säbel er sah den Feind vor sich und war bereit, zu kämpfen. ,, Hurra!" überbot er alles bisher Da gewesene. Hurra!"
Das war der Mutter denn doch zu viel. ,, Schrei nicht so, Kind!"
Doch der Vater winfte ihr lächelnd: ,, Laß ihn doch."
,, Und die Nachbarn? Bedenkst du nicht, was die Leute sagen werden, wenn wir solchen Speke tafel haben?"
,, Uns gehen die Leute nichts an", erwiderte Herr Müller. ,, Und dann: Ist denn nicht Freu denabend, Frau?"
In diesem Augenblick fiel der fleine, blizende Säbel, schwerer, als es der Junge wollte, auf den fleinen, schwachknöchigen Kapen kopf nieder.
Die Eltern schrieen auf.
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Gott im Himmel!" Bub!" ,, Aaaah!" machte Hansi und schaute mit seinen großen, Karen Kinderaugen, in denen ießt eine Frage aufsprang, auf das hingestreckte, im letzten Todeskampf zuckende Käbchen nieder. Stille.
Große Stille, in der der Bub stand, bom Grauen gepackt, ahnend die Nähe des Todes. ..läng!" entfiel der Säbel seines
Bänden.
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Jetzt wendete sich der Kleine den Eltern