Ma
Feierabe
Nr. 1.
( 1)
Ebe
Friedrich- Eb
Haus geredet wurde.
Stift
★
Bibliothek
[ 06.06.1925]
Enterhaltungsbeilage.
Feiera
Die verherte Stadt.
Eine Heitere Gpisbubengefchichte von
1925.
mit behaglichen Häuschen, auf deren Balkonen Und jedesmal legte sie dabei einige Vor sechzig Jahren noch war Brecken- und Veranden bei gutem Wetter beschlafrockte Dutzend Sturgäste. Herren und vereinzelt auch halbfrisierte Ein Park wurde angelegt, Rasenanlagent dorf ein idyllisches Nest, das nur wenige Harz Frauen ihren zur Ruhe gesetzten Geist mit geschaffen, damit man ihr Betreten verbieten wanderer aufsuchten. Heute widmen dem Kurort Breckendorf die Reifehandbücher vier Kaffeetrinken und ungefährlicher Lektüre ein- konnte, ein paar Schwäne durften sich auf balsamierten. Ein angenehmer Hauch von dem Teich philosophischen Studien ergeben, ganze Seiten. Häuser, die man ehedem pietät- Pensionsberechtigung lag über diesem Villen- ein Kurhaus und ein Sturtheater wurden er los alte Baracken nannte, werden heute ob ihres Bauftils von den Kurgästen ehrfürchtig viertel. Namen wie Billa Sonnenstrabl", baut, eine Strieger- Eiche wurde gepflanzt. bewundert, und vor dem Rathaus wird den" Mein Ruheplätzchen",„ Landhaus Aurora" Goethe, Schiller und der Lokalpoet Alloys Schaulustigen von den Fremdenführern mehr zeugten von der Friedfertigkeit der Bewohner. Katzenberger bekamen ihr Pflichtdenkmal, auf Gescheites vorgeſchwätzt, als je in dem Rat- dings ein Schild„ Vor dem Hunde wird ge- Drahtseilbahn geheftet, an deren Endstation An einem der Gartengitter prangte aller- die benachbarte Augustenhöhe wurde eme Der jetzige Bürgermeister empfängt seine Bietät angebracht, der Hund war schon Ansichtspostkarten und warnt", aber das hatte der Besitzer nur aus man zu allen Tageszeiten fuhwarme Milch, Schutzbefohlenen nicht mehr in Hemdarmeln, lange vor der Uebersiedlung seines Herrn nach nahrung haben konnte, andere Fremdens er redet seinen Schreiber nicht mehr mit du" Bredendorf gestorben. furz, Breckendorf an und unterbricht nicht mehr die Gemeindemachte sich. fizung, wenn seine Kuh kalbt, nein, heute in dem großen Buch der Natur, bis es ihr denkenindustrie erblühte, Modegeschäfte taten Geschäftsleute siedelten sich an, eine An ist der Herr Bürgermeister ein wohlfrisierter, leider erging, wie so mancher anderen unschul- sich auf, ein schlauer Konditor erfand die juristisch gebildeter Herr, der zu seinen Amts- digen Novelle: sie wurde plötzlich Mode. allein- echten Breckendorfer Zuckerplätzchen, em stunden in schwarzem Anzug erscheint, eine Irgendein spekulativ veranlagter Mensch Gelehrter schrieb die Geschichte der Stadt, an stattliche Anzahl Orden besitzt und, je nach- brachte heraus, daß die Luft von Breckendorf gefangen bei Kunibert dem Einäugigen, der dem es die Rathausmehrheit verlangt, fonfer- bedeutend mehr Stickstoff enthalte als die dort die erste Sau gehütet hatte, bis auf die vative, liberale, streng firchliche und frei- Buft des übrigen Kontinents, daß Stichstoff Jehtzeit, die Verlobung einer jungen Milliara denkerische Reden halten kann. das beste Heilmittel gegen alle Krankheiten sei, bärin machte Breckendorf auch in Offiziers
waren.
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So war Breckendorf eine liebliche Novelle
Ja, Breckendorf ist Großstadt geworden. von Cholera bis hinab zum Hühnerauge, und freisen berühmt, Frau Albertine Friederichsen, Seine herrliche Lage in einem der schönsten er beeilte sich, diese Entdeckung in taufenden geborene Müller, errichtete ein Pensionat für waldigen Harztäler ward ihm zum Verhäng- von Broschüren und Zeitungsartikeln der die höheren Töchter besserer Kreise, in dem nis. Zuerst siedelten sich in Breckendorf nur Menschheit mitzuteilen. bereinzelt pensionierte alte Herren an, harmman den guten Ton und das schlechte Klaviers lofe Rentenfresser, die die Ruhe liebten, und Daß dieser Menschenfreund kurz zuvor spiel in allen Lebenslagen lernen konnte, eme die hier vor übermäßigen Ausgaben sicher fast den ganzen Grund um Breckendorf auf- Oberrealschule wurde hingelegt, und als par getauft hatte, war ein nedischer Zufall. eine Miß, die ihren letzten Atemzug m Die Ureinwohner betrachteten diese AnDie Bauernhöfe machten dreistöckigen Bredendorfer Stickstoff ausgehaucht hatte, fömmlinge mit Gleichgültigkeit, waren wohl Säusern Play, Hotels schossen aus dem testamentarisch den Bau eines englischen erstaunt, daß diese Fremdlinge sich Häuser Boden, die Kirchstraße wurde in„ Sauptalize" Kirchleins gestiftet hatte, war das Schickfil ohne Kuh- und Schweineställe bauten, him- umgetauft, und wo früher die Kühe und des ehemals so idyllischen Ortes besiegelt. merten sich aber mit der Duldsamkeit der Ochsen gelustwandelt hatten, promenierten Breckendorf wurde Siß der ProvinzialbehörLandbewohner, die jeden nach seiner Faison alsbald elegante Herren und Damen. Statt den und damit endgültig Großstadt. närrisch werden lassen, nicht weiter um sie. der Kuhschwänze wedelten seidene Schleppen, Nur auf dem östlichen Hügel blühte noch Der Bürgermeister sorgte dafür, daß die Zu- statt der Hörner trug die neue Straßenbe ein schwacher Abglanz früherer Behaglichkeit, Böglinge pünktlich Stenerzettel bekamen, und bölkerung Sonnenschirme. und statt ,, Wuh" dort, wo die kleinen Billen standen, und wo beschränkte sich im übrigen darauf, die Bauern fagte sie:„ Herrliches Wetter heute, nicht noch immer vor dem Hunde gewarnt wurde. zu belehren, daß es ihre vaterländische Bilicht wahr? Oh, dieser Stickstoff!" fei, den fremden Herrschaften die Grundstücke Auf der Kurpromenade vor dem MusikDie Eisenbahn, die bisher einen großen pavillon schwirrten alle Sprachen des Erd
nicht zu billig zu verkaufen. Aber in dieser Bogen um Breckendorf gemacht hatte, gab balls durcheinander, Toiletten und Brillanten Hinsicht waren die Breckendorfer schon von ihre vornehme Zurückhaltung auf, legte ein wurden spazierengeführt. In der Hochfaifon
felbst gute Patrioten gewesen.
großes Ei in Gestalt eines Bahnhofs und stiegen die Hotelpreise ins Ungemessene, und
eine kleine Billenkolonie mit schönen Gärten, sehen, ob das Ei noch da sei. Es entstand am Sügel östlich des Dorfes gaderte täglich dreimal berbei, um nachzu- die Soubrette des Kurtheaters sparte in einer
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einzigen Spielzeit vierzigtausend Mark, obe
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