4 »imv l I liw n ,* Die verhexte Stadt. Weitere 6pit)6 nbengef<&tc&t* von «an ettimacr. „Soll mir der Teufel sämtliche Tintenfässer am Schädel zerschellen, wenn ich jemals so einen blödsinnigen Brief vom Stapel gelassen habe!" »Ich kenne Ihren Briefstil nicht", wurde der Assessor nun seinerseits boshaft,'„jedenfalls wurde der Auftrag ausgeführt; die Familie Quickborn zog aus, die Möbel Ihres seligen Vaters wurden in schönen, grünen Möbelwagen abtransportiert, und das Haus selbst bis auf die Grundmauern niedergelegt. Verkauft wurde der Grund und Boden allerdings nicht,— die Verbrecher scheuten sich 'Wohl mit Reckt vor der Umschreibung im ^Grundbuch. Weder die Transportarbeiter «och die Bauarbeiter, die die Beseitigung lAhres Eigentums bewerkstelligten, waren bisher zu ermitteln." „Begreife ich. Die haben eben auch den Grundsatz: Geheim, geheim, geheim!" ,Mir haben natürlich di« Witwe Quick- vorn vernehmen lassen. ES ist eine etwas gei- «tesschtvache, kränkliche Frau, aus der kaum Etwas herauszubringen war." „Man scheint überhaupt in di-sem Haus' tticht sonderlich viel herauszubringen?" „Zum Donnerwetter, unterlassen Sie Ihre Randglossen! Meinen Sie, ich erzähle Ihnen das zu meinem Vergnügen? Mein Beruf ist etwas sehA Ernstes—" .„Für Len Zuschauer nicht immer. Sie wiissen, übrigens meine Anmerkungen nicht so tragisch nehmen, Verehrt«fter! Mein Schnall läuft gern'n bißchen Galopp. Hoffe aber, ditr in dem guten Stickstoff noch die hohe Echule des GesellfrhaftStons reiten» zu kernen. Also, was erzählte die Alte?" „Der Ueberbriuger des Briefes sei, soweit sie sich erinnern könne,«in etwa vierzig lahrigre Herr mit blondem Schnurrbart gr- wtskn. Er habe«inen hellen Sommeraazug ^gehabt, daran erinnere sie sich ganz genau, weil ihr Mann einmal«inen ähnlichen An- öug von Ihrem seligen Herrn Vater bekom- S hätte.' Und dann habe der Mann einen «n Hund bei sich gehabt mit ein«m ganz Drückten Raulen, Agacks oder so ähnlich, -"iehr wußte die Frau nicht." „Agacks? Klingt eigentlich mehr nach Papagei, als nach Hund. Vielleicht hat sich die alte Frau versehen?" „Machen Sie doch keine schlechten Witze! Dazu ist der Fall wirklich zu ernst. Natürlich hab« ich der Frau das Verbrecheralbum vorgelegt." „Und?" „Sie hot zehn verschiedene Taschendiebe bestimmt als den Herrn bezeichnet, der als Rechtsanwalt Meier III bei ihr war." Sollten di« Frau bei der Bveckendorfer Kriminalpolizei anstelle», die«st reif dazu!" schwebte eS Bohnkraut auf der Zunge. Aber er schluckte die Bosheit hinunter. „Sie sehen also," schloß Funke seine Ausführungen,„wir sind keineswegs inzwischen untätig gewesen. Hoffentlich haben auch Sie inzwischen gearbeitet und di« erbetene Liste angefertigt über die Möbel und Gegenstände, die sich in der Hinterlassenschaft Ihres Vaterbefinden mußten?" „Ist gemacht. Will nicht garantieren, daß jeder Hoscnknopf drin angeführt ist, aber habe mein Möglichstes getan. Hier ist di« Liste." „Danke. Ich werde im allen Pfandhäu- fern, bei allen Althändlern durch men« Beamten nachsorschen lassen, ob dort etwas dort den Sachen verpfändet oder verkauft wurde." „Glaube kaum, daß Meier HI so unvorsichtig war." „Spucken Sie, bitte, nicht fortwährend auf den Fußboden, Herr Bohnkraut. Und. vergessen Sie, bitte nicht, daß wir Meier III auf Grund feiner Handschrift für ein« Dgm« halten. Verbrecherinnen aber mögen noch so raffiniert sein, irgendeine große, oft unbegreifliche Dummheit begehen sie doch, die sie dann der verdienten Strafe zuführt. Weiber sind mal so. Und mm lassen Sie mich ins Theater, es ist Pflichtvergnügen rind folglich kein Vergnügen, und höchste Zeit." „Well. Gehe"schon. Was kriegt beim Euer allerhöchster Indianerhäuptling vorge- sttzt?" „Lohengrin." „Wird ihm kaum imponieren, der vernickelt« Gänferitter. Es sei denn, daß Äß» im soundsovielten Akt einen Bauchtanz einlegt." Der Assessor schmunzelte. Gegen Boshei- ten, die auf fremde Kosten gingen, hatte er durchaus nicht- einzuwenden.— Er griff nach Hut und Mantel— da klingelte der Fernsprecher. „Hier Kriminalpolizei, Funke— wer dort?... Wer ist dort??... Schnell, Bohn-* kraut, nehmen Sie den anderen Hörer!!..» Wer ist dort?" Eine volltönende, abgrundtiefe Baßstimme antwortete:„Hier Rechtsanwalt Meier III. Hängt Herr Bohnkraut schon am anderen Hörrohr?" ,Halunke rniserabliger!" brüllte Bohnkraut.„Wenn ich dir durchs Telephon eime Kugel in den Bauch jagen könnte!" Der Assessor gab ihm einen Rippenstoß, „Beherrschen Sie sich!" hieß dieser Knuff. „Sie müssen nicht so schreien, man versteht sonst nichts!" fuhr Meier HI fort. Jeyr aber war es unverkennbar eine Damenstimme.„Ich sah Sie vorhin ins Präsidium gehen, und da dachte ich m-r: mußt doch einmal deine« alten schreibfaulen Freund Bohnkraut anrufen. Ihr Haus soll fort sein? Haben Sie ein gutes Logis'gefunden?" „Ein besseres, als Tu in längstens acht Tagen haben wirst, Rabenaas! Denn bis da-' hin sitzt du in Nummer Sicher! Wetten?" -„Danke, aber ich wette nie, wenn ch bestimmt weiß, daß der andere verliert," antwortete eine hell« Jünglingsstimme.„Wolkn Sie sich wirklich die ganz unnütze Mühe machen, mir nachzuspüren?" „Jawohl, mein Fräulein!" ri«f Funke dazwischen.„Das wollen Ivrr!" '„Ah, der Assessor hält inich für ein« Dan«?" klang es im getragerssten Bariton. „Wie galant. Man merkt doch gleich die hauptstädtische Erziehung!" „Sind Sie vielleicht kein Mädchen? He?" „Richt so neugierig, Affessorchen! Sie werdrn noch heute Abend im„Lohengrin " hören, daß Neugier zu nichts Gutem führt." Nun war es, als ob ein zahnloses, altes Weib spräche.„UebrigenS WM ich mich dankbar erweisen, daß Sie mir so diel Zeit zu widmen
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5 (11.7.1925) 6
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