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Nr. 21.

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( 21)

Unterhaltungsbeilage.

Die verherte Stadt.

Eine Beitere Gpibubengefchichte bon Karl Ettlinger .

Und so sprichst du, der Lebemann?" rief ich faffungslos.

" Ich richte mir das Leben ein, wie es meinem Temperament entspricht. Wäre ich in eine andere Welt hineingeboren, wäre ich ein anderer Mensch. Aber mit Philosophie ren ist dir nicht gedient. Sage, was du vor bast, und wir wollen überlegen, ob und wie ich dir dabei nützlich sein kann. Wie gedenkst du dich zu ernähren?"

Es gibt zwei Dinge auf der Welt, die ich verstehe, die Juristerei und das Bauch­reden. Die Juristevei ist mir versperrt, also bleibt mir nur noch

,, Aber höre mal!"

Da ist nichts zu hören, ich gehe zum Brettl oder zum Tingeltangel oder zum Zir­fus wo sie mich haben wollen."

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,, Und ich werde dir ein paar Empfeh­

sagte sich Eduard Bohnkraut. Weshalb schimpft er überhaupt so auf die Welt? Ein Zeichen von mangelndem Humor! Ist kein Vergnügungslokal unser Erdball, aber auch fein Trauerhaus. Eher so' ne Art Dreh­bühne. Man muß sich eben den Rummel durch des Opernglas Güte betrachten, dann wirkt er gar nicht so übel!"

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Er sah auf die Uhr dreiviertel zwölf gähnte, überblätterte einige Seiten und

las:" Dies war nun die fünfte Brettldiva unter den empfohlenen Adressen, die ich in Berlin aufsuchte.

Nichts hatte ich bisher erreicht, nichts. Man gab mir, indem man mich am Tisch duldete, Sekt zu trinken, aber man

verschaffte mir fein Engagement.

Ein Varietédirektor schlug mir vor, in

lungsschreiben mitgeben an Brettlgrößen, feinem Lokal von der Bühne herab über mit denen ich als Luftikus in Beziehungen meinen Sensationsprozeß und meine Ge­stand. Du siehst: auch unsere Sünden sind fängniserlebnisse zu plaudern. Dafür wollte zu etwas gut, während man dies von den er mich gut bezahlen. Aber so weit war ich Eugenden nicht immer mit Bestimmtheit damals noch nicht. fagen kann. Wo deine künftigen Gönnerinnen Heute wäre mir auch dies gleichgültig. zurzeit engagiert sind, das weiß ich aller- Aber heute habe ich einen einträglicheren Be­dings nicht. Du kannst es in einer Artisten- ruf. zeitung nachsehen. Im Kaffee Zentral" liegen ein paar auf."

Er schrieb mir einige Briefe, gab mir die Hand, und wir verabschiedeten uns. Als ich auf der Treppe stand, zählte ich das Geld nach. Es waren sechshundert Mart.

Ich fehrte nochmals um und sagte: " Du hast mir einen Hundertmarkschein zu viel gegeben."

Die Diva zeigte sich, wie die übrigen, äußerst interessiert, einen richtigen, lebendi­gen Verbrecher kennen zu lernen. Sätte ich beteuert, unschuldig zu fein, ich hätte allen Stredit bei ihr verloren. Ich war damals in eine Stimmung geraten, in der ich es beinahe bedauerte, die Depotunterschlagung nicht wirklich begangen zu haben.

Nun, ich habe das Versäumte inzwischen gründlich nachgeholt. Und das ist meine ein­

" Du machst dir zu viel Sorgen um meine Gläubiger!" lachte er. Behalte ihn zige Lebensfreude.

rubig!"

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Ich machte durch diese Diva die Be­Ich habe ihn nie wiedergesehen. fanntschaft eines Varietéagenten X., eines Weiber in den Weg führen oder falls er gehenkt herumlaufen. Möge ihm das Schicksal recht schöne der vielen Galgenkandidaten, die noch un­fich inzwischen zu einer anderen Lebensauf­

frau!

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faffung befehrt haben sollte, d'e beste Ehe- mir. Aber Sie müssen falsche Papiere haben,

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Ich bringe Sie unter!" versprach er Nun, die verschaffe ich Ihnen. Ich mache alles. Bei mir sind Sie an den richtigen " Scheint wenig anständige Menschen in Mann gekommen. Haben Sie ein Bühnen­feinem Beben fennengelernt zu haben, der tostüm? Haben Sie Puppen?" arme Schluder, daß er diesem großmütigen Lebemännchen folche Lobbymmen singt!"

Nichts."

" Gut. Werde ich Ihnen verschaffen."

1925.

Copyryght by Georg Müller Verlag A.-G. München .

Ja, er machte alles. Warum auch nicht? Die Gerechtigkeit ist blind.

Zuvor aber wollte er eine Probe meiner Kunst hören.

Ich spielte ihm, in einem infernalischen Einfall, meinen ganzen Prozeß vor: die Zeu­genaussagen, die Zwischenrufe aus dem Pu­blikum, die Fragen und Bemerkungen des Vorsitzenden, die Rede des Staatsantvalts, mein Plädoyer, alles, alles.

Die Engel im Himmel müssen dabei ge­weint, und der Teufel wird sich den Bauch vor Lachen gehalten haben.

Es ist nicht viel mit Ihnen log", meinte der Halsabschneider, als ich fertig war, aber ich mache trotzdem einen Vertrag mit Ihnen. Man muß Anfänger ermun­

tern."

Und ich unterschrieb.

Ich war ja am Ende und ich hätte mein

eigenes Todesurteil unterschrieben. Aber nie­mand war so mildtätig, es mir vorzulegen.

Der Agent hatte sich in dem Vertrag verpflichtet, mir ein Bühnenkostüm und fünf Puppen zu liefern, sowie mir ein Engage­ment zu verschaffen.

Jch aber hatte mich verpflichtet, ihm während der nächsten zehn Jahre die Hälfte meiner Gagen auszuzahlen.

Am nächsten Ersten stand ich auf einer Provinzbühne, in einem schmierigen Clown­tostüm, das schon durch hundert Hände ge­gangen sein mochte, und agierte mit ein paar zerstoßenen Holzpuppen.

Aber ich hatte Erfolg. Starken Erfolg sogar, und ich wurde prolongiert".

Ich hatte mir ein Sammelsurium aus alten Kalauern zurechtgemacht, wie ich sie am Landgericht hafte kolportieren hören, hatte ein paar Anspielungen auf Zeitereignisse hin­eingeflochten, kurz, ich hatte die Brühe an­augerührt, die unserem Amüsierpublikum so trefflich mundet.

Mister Stephenson, der unübertreffliche Bauchredner", stand auf dem Programm zu lesen.

Ich verhungerte beinahe mit den fünf­zig Prozent meiner Gage, aber immerhin: ich lebte.

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