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Feiera
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Mr. 23.
Unterhaltungsbeilage.
Das Lesebuch der Erdgeschichte.
1926.
Fahrt zu Gran Canon in Arizona , Ein Blick in die„ Eingeweide" der Erde. Das erfie Weltiounder.- Was Millionen Jahre schufen.- Die Wunderſtadt der Tempel und Bagoben. Der Mensch verftummt...
Von dem großen Crosiostal des Colo- Die fed.mentären Ablagerungen, die eine Zeitspanne, die so kurz ist, daß sich rado im nordamerikanischen Staat Arizona durch diesen gewaltigen Einschnitt in die während ihrer Dauer die Meeresmollusken hat jemand gesagt, daß es nicht das achte, Erdfruste freigelegt worden sind, besitzen eine nur unbedeutend verändert haben, und daß sondern das erste Weltwunder sei. Mit Recht! fast wagrechte, ungestörte Lage. Die riesige die eingetretenen Veränderungen kaum die Denn der Gran Canon ist das riesenhafteste Grosionsrinne hat sich durch die Schichten Hälfte der Arten betroffen haben. Lesebuch der Erdgeschichte, das lückenlos Jahr der Steinfohlenformationen geschnitten, und Kein Geringerer als Sven Hedin faßt millionen umspannt. Nirgends kann man die dann sind durch fortgesetzte Erosion alle älte- den Eindruck dieses bewältigenden Naturunermeßliche Schöpfungskraft der Natur besten Ablagerungen frei geworden bis zum schauspieles in die Worte zufammen: Ange fer beobachten als am Gran Canon, wo der Granit hinab, in dem der Colorado jetzt da- fichts solcher Perspektiven wird der Mensch Colorado einen 1500 Meter tiefen, fast sent hinbraust. Da die wagrechten Schichten un- still und demütig. Als ich das erstemal an rechten Einschnitt in die Erdrinde gegraben gestört sind, kann man daraus den Schluß den Rand des Gran Canon trat, hielt ich, hat, wo man sozusagen einen Blick in die ziehen, daß die Erosion die einzige Straft ist, unbewußt und unbedacht, den Hut in der Eingeweide des Erdplaneten tun fann. Die bie diesen ungeheueren Eingriff in die Erd- Sand wie beim Betreten eines von MenschenKlassische Darstellung der geologischen Ge- frufte auszuführen vermocht hat. Aber der händen erbauten Tempels. Der schwedische schichte des Gran Canon verdankt die Wissen Erosionskraft sind auch gewisse andere Fat- Forscher hat drei Wochen am Gran Canon schaft vor allem Newberry, Powell, Gilbert, toren zu Hilfe gekommen. So ist das Gefälle geweilt und legt in dem soeben bei F. A. Dutton und Holmes, deren Werke bei der des Flusses recht groß, da der Höhenunter- Brockhaus in Leipzig erschienenen, mit eige Lösung geologischer Probleme, wie Verwer- schied auf einer Strecke von 349 Kilometer, nen Illustrationen reich ausgestatteten Buch fungen und andere Veränderungen der Erd- von der Mündung des kleinen Colorado bis„ Gran Canon, Mein Besuch im amerikaniFruste, Denudationen und riesenhafte Grosio - zum Grand Wash, 500 Meter beträgt. An fchen Wunderland", den Ertrag seiner Stunen, zu Rate gezogen worden sind. der Mündung des Hermit Creek soll der Fluß dienreise vor. Hedin bekennt, daß es ihm an The der Gran Canon im Pliozän, dem eine Stromgeschwindigkeit von 32 Kilometer Worten gebricht, um der Einzigartigkeit dieletzten Abschnitt der Tertiärzeit, durch Ero- in der Stunde haben. Bei einer solchen Ge- ses Anblids auch nur entfernt beizukommen. sion zu entstehen begann, wurden die Abschwindigkeit vermag eine kompakte, gesam- Bei El Tovar tat er den ersten Blick in die lagerungen fünf geologischer Perioden, der melte Wassermasse nicht nur Sand und Ge- Wunderwelt. Wenn man aus dem sicheren Perm-, Trias-, Jura-, Kreide- und Eozän - röll in ihrem Bette mit sich führen, sondern Salbdunkel des Waldes auf ein offenes Kap formation, von der Hochebene abgetragen. auch Steinblöde vorwärts zu bewegen. Der am Rande des Canons hirauskommt, hat Ueberall am Süd- und Nordrand des Canon Colorado verfügt daher über ein sehr wirk- ntan das Gefühl, auf einem spitz zulaufenden wandert man somit auf dem Kamm der bei fames Schleifmaterial, das das Granitbett Sprungbrett in die Leere des Weltenraumes nahe horizontal gelagerten Steinkohlenforma- des Flusses feilt, reibt, aushöhlt, mit einem hinauszutreten. An der äußersten Spitze tut dion. Nicht weniger als 3000 Meter mächtige Wort: erodiert. Wenn eine solche Aushöh- jich der leere Raum bis zu einer Tiefe von jüngere Formationen, die einſt über den lungsarbeit durch Millionen von Jahren an- 1500 Metern auf. Man sieht die senkrechten Steinkohlenschichten lagen, fehlen also. Ihre gedauert hat, Tag und Nacht, Sommer und Seiten des Vorgebirges nicht, auf dem man Abiragungen hat man die große Denuda- Winter, ohne eine Sekunde Unterbrechung, sich befindet; es sei denn, daß man sich niedertion" genannt. Sechs geologische Perioden dann ist es nicht schwer zu verstehen, daß legt und den Blick über den Rand hinweg sind noch da und liegen überall in den Canon- das Ergebnis überwältigend und staunener- senkrecht an den Wänden hinuntergleiten läßt. wänden zutage, wenn auch zwei von ihnen regend sein mußte, daß der Mensch erschüt- Ganz unten gewahrt man die dunkle Rinne, nur bruchstückweise vorhanden sind. Die tert und seiner Kleinheit bewußt vor diesem in der der Colorado fließt, aber der Strom jüngste noch vorhandene Schicht ist der der Wunder der Natur steht, dessen Pracht und Steinkohlenformation angehörende sogenannte Herrlichkeit zu schildern feine menschliche Staibab- Stallstein. Unterhalb des charakteri Sprache vermag. Um den Graben zu er stischen senkrechten roten Felsbandes des zielen, und um durch sehr harte Gesteine eine Redwall, das in so hohem Grad zur Schön- Rinne auszumeißeln, die 349 Kilometer lang, heit der Taltiese beiträgt und der Stein- 21 Kilometer breit und 1.6 Kilometer tief ist, tohlenformation angehört, fehlen drei geolo hat der Colorado die Zeitspanne gebraucht, gische Perioden: Devon, Silur und Ordovi- die zwischen Pliozän und der Gegenwart liegt, cium. Bom Devon finden sich jedoch ver- mit anderen Worten viele Millionen Jahre Streute Bruchstücke. Der Redwall ruht auf umfaßt. Und diese Millionen Jahre machen fambrischem Stalfstein, der sogenannten Ton- wiederum nur einen kleinen Teil der geolotogruppe. gischen Annalen und der Erdgeschichte aus,
selbst hat sich so tief in den Granit eingeschnitten, daß er nicht zu sehen ist. Gegen über, in einer Entfernung von etwa 13 Kilo meter, verläuft der Nordrand, noch unregel mäßiger und stärker eingeferbt als der Südrand; vor seiner Front erhebt sich die gewal tige, von einer Meisterhand geformte Märchenstadt von Pyramiden, Tempeln, Pagoden, Türmen und Mauern, die auf der Erde nicht ihresgleichen hat. Es sind Blöcke der festen Erdrinde, die die mechanischen Kräfte der Ausnagung und Verwitterung, das fließende