Feieraberd

Feierabe

tr. 31.

Enterhaltungsbeilage.

Nordlandfahrt/ Gpißbergen.

Bon Johannes Müller.

1926.

brecher zwischen nordischen Häfen benußt] heure Eismassen ins Meer, um als Gisberge wurde, für unsere sommerliche Fahrt. Solche ihre bisweilen verhängnisvolle Fahrt zu be­Gelegenheiten bieten sich öfters. ginnen. In den Buchten begegnen wir ihren Nach dreiundzwanzigstündiger Fahrt grotesten Formen, im Sonnenschein blizen ogni Nordkap ist die Bäreninsel erreicht. ihre Zinnen und Eistürme. Da sie nur sehr Sehr plötzlich sinft die Temperatur auf langsam schwimmen, das Meer ruhig und minus 2 Grad Celsius, denn hier stößt ein der Tag hell ist, fann unser Dampfer die falter Polarstrom auf den Golfstromt, der Ungetüme umitreisen, aber stets in respekt sich teilt, ostivärts noch bis an die Westküste voller Entfernung, denn auch ein Eisberg von Nowaha Semlia dringt und diese nech tann, kalben". Von der Mächtigkeit eines vor der Kälte des Polarwinters schützt, und schwimmenden Eisberges hat man erst einen nordwärts mit seinen Ausläufern die West- Begriff, wenn man bedenkt, daß faum ein füste von Spitzbergen bespült. Daher bleiben Fünftel der Masse das Wasser überragt; grün die Buchten dort meist eisfrei. Die Bären- schimmert der untere, meist weit vorsprin infel mit den 536 Meter hohen Jammer- gende Teil aus der Flut. berg( ein Seefahrer fab von ihm aus den Untergang seines Schiffes) ist von vielen aus demt Meere ragenden Felstürmen umgeben; einer dieser, weiß glänzend vom Guano der Vögel, ist der Vogelberg, die größte Kolonie der gefiederten Bewohner der Polarivelt. Auf einen Schuß erheben sich viele Millionen von Möwen, Eidergänsen und-enten, Tauchern, Seeschwalben, Alfen usw. Gleich Mücken­schwärmen steigen immer neue Massen auf, der ganze Himmel ist mit Vöglein bed d, Geschrei und Flügelrauschen verursachen einen ohrenbetäubenden Lärm.

Am zweiten und dritten Tag waren wir schon sehr mutig geworden, und als uns in der van Keulenbai der Eislotse, der auf fol­chen Fahrten mitgenommen werden muß, von Grotten erzählte, die sich in den unterspülten Eismassen bilden, gab es kein Halten mehr, das Benzinboot würde flott gemacht, zivei Matrosen waren zur Fahrt bereit, mit ihnen fuhren wir zu dritt nach der vom Loffen be­zeichneten Stelle, wo die Einfahrt glücklich gefunden wurde. Die Erinnerung an die blaue Grotte von Capri verblaßt nach dent Eindruck dieser märchenhaften, erstaunlich hohen, blanken Eisgrotte über dem tiefdunk­len Wasserspiegel. Solche Grotten vergehen, um immer wieder von neuem zu entstehen.

Holländische Seefahrer, die 1594 durch die nördlichen Meere einen Weg nach China fuchten, entdeckten im Polarmeer das Land der spizen Berge", und die Geographen haben lange geschwankt, ob es zu Amerika oder zu Europa gehöre, bis Nordenstjöld erst 1868 die unfularische Beschaffenheit erkannte, und seine Meeresforschung ergab, daß Spitz­bergen durch einen bis ins Meer versunkenen Bebingszug mit Standinavien verbunden ist, denn die Meerestiefe auf der weiten Stoecke ist auffallend gering, nur 50 bis 150 Meter, während sie weiter westwärts über 2000 m. ist. Nur ein Plateau des submarinen Ge­birgszuges erhebt sich zu beträchtlicher Höhe über dem Meeresspiegel und bildet die Bäreninsel. Der ergiebige Walfischfang, gelvinnbringender als die Goldgräberei in Kalifornien , hatte die Schiffer aller feefahren den Nationen des 17. Jahrhunderts, Eng­länder, Dänen, Deutsche, Holländer, Russen und Franzosen , hinauf ins Polarmeer ge­leckt, denn in den Buchten von Spitzbergen waren die Wale so häufig, daß fie mühelos sogar vom Ufer aus in Booten erlegt wurden. Heiße Kämpfe wurden um die Jagdreviere geführt; noch heute sind die offenen Gräber, besonders in der Smerenbergbucht, zu fin­den, in denen die vor Fäulnis schützende Bald begegnet uns ein Walfischfänger Kälte die Leichen lange erhalten hatte. Das auf fröhlicher Heimfahrt, denn ein mächtig.r Sprachengewire, das damals dort herrschte, Wal ist angehängt. Gegenseitige Begrüßung Klingt noch in den Benennungen der Buchten durch Böllerschuß und Sirenenpfiff. Nach In den Buchten sind die inneren Fjorde mach. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts vierzehn Stunden von der Bäreninsel ist das meist geschützt, nur am langen Sommertag war der Wal in diesen Gewässern auf lange Südkap von Spitzbergen in St. Jest sind rauschten Bäche nieder, und da dieser Som Beit ausgerottet, die Inseln gerieten in Ber - wir plöblich in einer viele Jahrtausende mertag vom 21. April bis 21. August währt gessenheit, bis mit den Nordpolexpeditionen zurückliegenden Welt! Spißbergen bietet und die Durchschnittstemperatur im Juli eine ruhntvollere Periode ihrer Geschichte be- heute noch das Bild des geologischen Zeit- plus 3 Grad Celsius beträgt, reicht die Zeit gann, denn Spitzbergen wurde bald als der alters, das dent, in welchen wir leben, vor- zivar nicht zur Entwickelung von Solzgewäch gegebene Stüßpunkt für die Erforschung der angegangen ist, der Gletscherperiode, wählen, wohl aber für manches Blumenleben. Bolargegenden erkannt und bis in unsere rend welcher der gouze Norden Europas von Die arfiische Flora ist reich an Arten, so Tage benut. Nansen und andere kühne Forcinem Eismantel bededt war. Bon steilen, erscheint die Venetation hinter den moorigent scher wußten von den Wundern der Polar Fjordufern durchaus nicht arm. Die wilden, welt so viel zu berichten, daß Wissensdurst, aber nicht scheuen Renntiere faben recht Jagd und Reiselust auch manchen Wander­wohlgenährt aus; fie mögen im Winter frohen nach dem hohen Norden lockte. Große freilich gründlich abmagern. Vegelschwärmte Schiffahrt& aefellschaften gaben bei ihren landeis gefüllt. Während das stärkste Vor- beleben das Landschaftsbild, Seehunde son­Nordlandsfahrten Gelegenheit, das rätsel rüden der Alpengletscher eva dem Lauf des nen sich am Ufer, blichen uns mittbret hafte Eiland zu besuchen. Aber die Riesen- Siundenzeigers entspricht, gleicht bier die Beflugen Augen tenherzig an, um dann gewandt Schiffe tönnen sich mit ihrem Tiefgang nicht wegung der Gletscher schon dem Gang beriu ihr Glement zu gleiten, aus dem sie uns in jede der oft seichten, noch wenig erforschten fleinen Schnecke. Die nach dem Meer zu Dan auftauchend, wieder neugierin betrach­Buchten wagen. Wir wählten daher einen strebenden Gletscher werden bei stürmischem ten, Die gonze Tierwelt ist zutraulich, da sie fleineren Dampfer, der im Winter als Eis- Seegang unterspülf, und dann stürzen inge- lim Menschen den Feind noch nicht fürchten

1000 bis 1500 Meter hohen Bergen hängen die Gletschermassen bis in den Meeresspicacl hinab, nur die Bergspigen überragen die Schitecflächen und viele Hochtäler find mit