Feierad

Je

Feierabe

Nr. 52.

Unterhaltungsbeilage.

Nummer 26.

Bon Beter Gcher.

Das war damals, als ich noch einen| standen ist! Genießen Sie zur Abwechslung geschorenen Schädel hatte und als Sträfling mal ein anderes Quellwasser." Nummer 26 hieß.

Ich beschäftigte mich damit, aus Rohr streifen Zöpfe zu flechteit, die von anderen Sträflingen zu Matten verarbeitet wurden. Dabei ging einem mancherlei durch den Stopf. Biel Zerstreuungsmöglichkeiten gab es für unsereinen nicht. Bis zum Herbst hatte ich noch meine Fliegen gehabt, die ich abends fing und in den Wandschrank tat, um sie morgens wieder freizulassen. Die waren nun dahin, aber der zinnerne Spudnapf blieb mir doch. Diesen mit einem Lappen so blank zu reiben, daß er spiegelte und das Wohlgefallen des Inspektors erregte, war schließlich auch ein Zeitvertreib, der bescheidenen fünftle rischen Ansprüchen genügen konnte. An Sonntagen durfte ich außerdem in einem Jahrgang der Zeitschrift Quellwasser fürs christliche Haus" schöne Romane lesen, und jo ging es ganz gut. Aber hin und wieder hatte man doch Verlangen nach etwas

anderent.

Als die Weihnachtszeit herankam, wurde dieses unbestimmie Verlangen immer rebel lischer. Kaum daß ich dem Spucknapf noch eine flüchtige Aufmerksamkeit widmete, und hvas das Quellwasser betrifft, so fam es vor, daß ich manchen Sonntag in unchristlich m Hochmut den Band beiseite warf und, statt friedliche Romane zu lesen, mit auf dem Rüden verschränkten Armen in der Zelle auf­und abging dreitausendmal hin und drei tausendmal zurück.

Es schien mir unmöglich, daß sich zu Weihnachten nichts Besonderes ereignen sollte. Ich grübelte beim Hin- und Herlaufen über die unwahrscheinlichen Möglichkeiten. Meine Phantasie erhitzte sich. Es schwebte mir vor, ich würde vielleicht eine Brotzulage bekommen, am Ende eine Zigarre oder nein, das ging zu weit eine Flasche Dünn bier. Vielleicht würden am Weihnachtsabend plöglich die eisernen Riegel zurückfliegen; der Herr Pastor mit seiner wohlriechenden Stnafterpfeife, deren Geruch ihn immer um wob, wenn er sich einmal in der Zelle sehen ließ- der Herr Pastor würde hereintreten und mir mit einemt freundlichen Wert ein Buch überreichen, etwa Goethes Westöstlichen Diwan: Na, Nummer 26 weit Christ er

Oder da ich von Verwandten und Freunden einen Besuch nicht zu erwarten hatte irgendein Mensch, der wüßte, daß ich hier sieze und Zöpfe flechte, Monat für Monat irgendein fremder Mensch würde seinen Besuch anmelden. Ich würde in mei nem Sträflingsfittel mit einem geschorenen Stopf von Aufseher hinuntergeführt werden in die Besuchszelle. Der Fremde würde, auf der anderen Seite des bis zur Dede reichen den engmaschigen Drahtgifters stehend, einen dünnen Bleistift hervorziehen, ihn, vom dis­fret wegblickenden Aufseher unbemerkt, durch eine Masche stecken, und, mir so auf einem Unuveg die Handreichend, die Stimme eines Menschen an mein Ohr flingen lassen: Nur Geduld! Es nimmt alles ein Ende! Das Leben geht weiter!

1926.

fehi: Zu Bett! läutete, legte ich mich auf die Pritsche, faltete die Hände über der Brust und schlief mit dem Gedanken: Morgen! glüd lich ein.

Kirche geführt. Ant ersbeit Feiertag wurden wir in die

fenen, hölzernent Staften für sich, so daß keiner Jeder Sträfling faß in einem abgeschlos den anderen sehen, sondern nur seine Stimme beim Singen hören konnte. Als das Weih­nachtslied zu Ende gesungen war, richtete ich in meinem Staften den Blick neugierig nach

vorn.

Rechts und links auf der Empore stand je ein Aufseher mit dem Revolver im Gürtel. Zwischen ihnen, auf der Kanzel, fniete unser Herr Pastor. Er hielt die Hände um fein Buch und den schönen, viereckigen Vollbart gefaltet, der auf einmal, so zusammengefaßt, einen neuen, interessanten Anblick gewährte. brannten, und in ihrem milden Schein blink E swar früh am Morgen. Die Kerzen

Solche. Sachen phantasierte ich mir zue sammen. Und über dem Zöpfeflechten und Spucknapfreiben kam wirklich das Weihten nachtsfest heran.

die Aufsehergürtelschnallen, neben denen die Revolver hingen, mit dem messingenen Glang des Christus am Kreuz um die Wette.

Mir wurde warmt um3 Herz.

Am Heiligabend wurden mir ein Eimer boll Wasser und ein Scheuerlappen hereinge­reicht. Ich scheuerte die Belle mit großer Ve bemenz. Den Spucknapj ließ ich erglänzen, seine gefalteten Hände, und sein Bollbart. Mittlerweile öffnete unser Herr Pastor daß es den Augen weh tat, ihn zu sehen. breitete sich strablend wieder aus. Aus der Meinen Holzspan, den ich statt einer Zigarre Mitte des Bartes erklang eine etwas spike im Munde zu halten mich gewöhnt hatte Stimme und rebete zu uns Sträflingen von und den ich sonst verstecken mußte, weil Fri unserer großen Verworfenheit und der Grade volitäten verboten waren, legte ich fühn und des Herrn, deren der wahrhaft Zerknirschte offen auf den Tisch. Und dann setzte ich mich teilhaftig werden könne. Er vedete so eine auf den Schemel, sab die lange, weiße Stalt halbe Stunde lang, und wir hörten andächtig wand an, auf der im Schein der kleinen Del- zu. Es leuchtete uns ein, daß wir verworfen funzel der Schatten meines geschorenen Schä- parent, aber wir würden es doch gern gesehen dels, wenn auch nicht schön, so doch wohlver­traut hervortrat, und wartete auf das Wun derbare.

Am Abend wurden, wie immer, die Rie gel zurückgeschoben, wie immer, wurde eine Stelle voll Brotsuppe in meinen Napf ge­schavappt; wie immer, flogen die Riegel wie der vor und drehte sich der Schlüssel. Ich löffelte nachdenklich meine Suppe und dachte: das Wunderbare kommit wohl morgen.

haben, wenn der Herr Pastor an diesem Tage einmal etwas anderes erzählt hätte. Doch das mußte wohl so sein, und dagegen ließ sich nichts machen am wenigsten, wenn man in einem Sasten saß, und schipeigen mußte. Ich sah nur immer wieder und fühlte, daß alle um mich das gleiche taten bald nach den Aufsehern mit den Revolvern, bald nach dem Christus am Kreuz, bald nach dem auf und niederwegenden Vollbart.

Und ich dachte ergriffen: Wenit es nach her Rindfleisch mit Stlößen gäbe.

Die Aussicht stimmte mich übermütig. Ich betrachtete eingehend den Spucknapf, fand ihn fünstlerisch vollendet und rauchte aus Zu- Da ereignete sich, als unser Herr Pastor friedenheit über diese Leistung einige Büge allmählich die Absicht erkennen ließ, gum aus meinem Holzspan, Als die Glocke den Be- Schluß zu kommen, ein merkwürdiger Borfall.