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Feierabe

Feierabe

Mr. 32.

Unterhaltungsbeilage.

Ein Greis erzählt.

Ich kehrte von einer langen Wanderung zurüd. Bis nach Hause hatte ich noch zwei Werst, war aber so müde, daß ich mich faum mehr auf den Füßen halten konnte; nichts­destoweniger war mir aber so wohl, so froh ums Herz. Die zauberhafte Sommernacht stimmte mich gut.

Da erblickte ich im Mondlicht eine mir bekannte Hütte.

Hier werde ich Wasser trinken und aus­ruhen, dachte ich für mich.

Bald stand ich vor einem niedrigen Zaun, fand die Pforte und trat in einen flei­nen Hof.

Die Fenster waren finster, die Einwoh­ner schienen zu schlafen.

Ich täuschte mich aber, denn auf der Bant vor der Hütte erblickte ich einen Greis, der auf meine Schritte den Kopf aufrichtete und sagte:

" Ah... Sie sind es?... Ich dachte... weiß Gott wer..."

Ihr schlaft noch nicht?" fragte ich. Das Alter... In der Stube ist es dumpf und schwül, ich kann die ganze Nacht weder schlafen noch ein Auge schließen... Wenn ich einschlafe, so geschieht das erst am Morgen, wenn es fühl wird."

Ich bat den Alten um ein Glas Wasser. Ja, ja, ich bringe Ihnen sofort aus der Stube... Uebrigens, hier ist der Brunnen, möchten Sie nicht schöpfen, es wird fälter fein", meinte der Alte, mit der Hand auf den trummen Schwengel deutend.

Frondienstes.

Von K. Jajiulajtis.

seine Frau aber um die Hälfte jünger als er, ein wundervolles, engelschönes Weib, wie es fein zweites in der ganzen Gegend gab.

Tagsüber war ich mit der Arbeit im Ge­müse- oder Obstgarten beschäftigt und hatte nicht einmal Zeit, zu rasten. Und das Herze sehnte sich immer, weiß Gott wonach; immer war es unruhig. Denn, sehen Sie, Herr, ich habe weder Eltern noch Berwandte, ich war allein auf der Welt. Die alten Leute erzählten mir oft, daß meine Eltern Eigentum eines anderen Herren waren, der sie dem Vater unferes Grafen als Tausch für einen großen Hund überließ. Kurze Zeit darauf ließ der alte Graf meinen Vater für irgendein Ver­schulden zu Tode prügeln. Die Mutter starb bald danach aus Gram. Ich kann mich ihrer nicht mehr erinnern und war wahrscheinlich sehr fein, als sie von dieser Welt schied.

Jch erinnere mich nicht mehr, woher ich einen fleinen Hund bekommen habe, einen gewöhnlichen Schäferhund, der sich mir eng anschloß; da war ich nicht mehr so einsam: ich hatte einen Kameraden und Freund.

1927.

Wesen umarmen zu können, jich tief einzu­jaugen in die heißen Lippen, in die glänzen den Augen, runden Arme... Oft träumte ich: Wenn ich an der Stelle des Grafen wäre, wie glücklich fühlte ich mich im Besitze dieser Freu.

Eines Morgens arbeitete ich wie gewöhn lich im Garten. Auch die Gräfin erschien. Ringsum freute sich die ganze Natur... Plötzlich fam, weiß Gott woher, mein Hund dahergerannt und fiel wie toll über die Grä­fin her... Ich erschrak derart, daß mir der Rechen aus der Hand fiel, während die Grä­fin entsetzt aufschrie: Jesus Maria! Hilfe!" Die Arme erschrat sehr. Ich eilte zu ihr und riß den Hund weg.

Die Gräfin war blaß und zitterte wie Espenlaub, aber nicht mehr aus Angst, son­dern aus Zorn.

,, Wem gehört das Luder?" rief sie, über | mich herfallend. Mir!" entgegnete ich, die Müße vom Kopf nehmend.

Dir gehört es!... Und ich werde deis nes Hundes wegen nicht einmal im Garten spazieren gehen können! Vielleicht werde ich ar noch frank... Das schenke ich dir nicht!" Und sie lief eilig ins Schloß.

Unsere Gräfin hatte die Gewohnheit, im Sommer bei Sonnenaufgang aufzustehen und, ehe noch die Sonnenstrahlen die filber­nen Tautropfen aufsaugten, im Garten zu lustwandeln. Es war ja nichts Schlechtes da- Nun, dachte ich für mich, jetzt wird es bei, aber, mein Herr, jie ging barfuß, mit ein Dampfbad geben, ein heißes Dampfbad. aufgelöstem Haar, bloß im Hemd, und hatte Ich ging an die Arbeit, aber alles fiel nur manchmal einen feidenen Schal um die mir aus den Händen, mein Herz pochie ge­Schultern geworfen. Diese Morgenspazier- waltig und ich konnte mich kaum auf den gänge sollten die Schönheit der Gräfin Füßen halten. konservieren ja jogar erhöhen. Und in der Aus der Ferne hörte ich die Gräfin Tat, fie schien von Tag zu Tag schöner zu rufen: werden.

Ich befolgte feinen Rat, ging durch die Pforte zum nahen Brunnen, schöpfte mir mit dem Eimer Wasser und trank es mit Lust. Dann fehrte ich in den Hof zurück und Oh, ich war damals jung und stark, und Jetzte mich auf die Bank neben den Allten. es ist ganz natürlich, daß ich bei diesem An­Wir begannen zu plaudern, über das und blick nicht gleichgültig bleiben konnte. Ihr jenes, gedachten der Vergangenheit, des weißes Gesicht, von der Morgenfühle gerötet, lächelte den fingenden Vögeln, der aufgehen­den Sonne, den blühenden Blumen und grü­nen Bäumen fröhlich zu; ihre blauen Augen jendeten ringsum Blige aus, das aufgelöfte Haar reichte ihr fast bis zu den Füßen. Ach, diese Haare zierten sie am meisten. Der Stör per: wie gegoffen, geschmiedet, frisch und weiß wie eine junge Birfe; durch die durchfichtige Hülle sah man, wie ihre harten Brüste beb ten und sich des Lebens freuten.

Ja... das waren schreckliche Zeiten..", meinte der Alte feufzend. Sein Gefich: brüdte ein trauriges, tiefes Nachdenken aus.

Auch ich habe schon einmal den Strid um den Hals gefühlt", sprach der Greis nach furzem Schweigen.

So, so, wie war denn das, Väterchen?" fragte ich, neugierig werdend.

Ja... Jch diente damals beim Grajen K. als Gärtner. Der Graf war, wenn auch schon ergraut, noch ein rüstiger, starfer Mann,

Mein junges Blut tochte. Was würde man nicht alles dafür geben, dieses herrliche

Hängen, hängen! Ich hasse die Bauern ferle!... Wie fann es ein Hund wagen, über mich, die Gräfin, herzufallen!... Hängen! man führe ihn tief in den Wald; hier soll nicht eine Spur von ihm bleiben!... lind man bringe mir den Strick des Gehängten!"

Sch befreuzigte mich und begann Gebete bergfagen. Und der Garten schien mir in diesen Augenblick, ich weiß nicht weshalb, noch viel schöner zu sein, ich liebte diese Wege, die meine Hand geebnet haben, noch mehr aber die Bäume, von welchen ich jeden Zweig fannte.

Es war noch keine Viertelstunde vergan gen, als mich der Graf zu fich rufen ließ. Was sollte ich tun, ich ging zu ihm.