lalt Feierabe

Feierab

Mr. 1.

Enterhaltungsbeilage.

Abenteuer im Winter.

Bon Henry Bordeaux.

1928.

Da entdeckte ich zum Güüd in einiger Entfernung ein winziges Licht, das doch für mich von ungeheurem Wert war! Und wenn es nur von einem elenden Stall ausging, so mußte immerhin ein menschliches Wesen dort sein, das mir helfen fonnte. Da würde ich meinetwvegen in einer Scheuer- em Nachtlager finden.

Ich befand mich in den Jahren, wo, glitzerie und ich war Sieger. Ich drang ingen den Taumel des Schlafes. Doch meine man sich nicht damit begnügt, dem Schau- das Lentatal ein. Mir gegenüber lagen die Kräfte versagten. Würde ich nicht nach eini spiel des Lebens als Beobachter gegenüber- Gletscher der Levenna, der Roche - Melon, gen Schritten zusammenbrechen? susteben. Ein leidenschaftlicher Drang nach des Albaron, deren Gleizen dem Auge weh Bewegung beherrschte mich. Selbst im Winter tat. Ich Schritt auf gut Glück auf dem ein suchte ich im Gebirge anstrengende Zerstreu- förmigen Hang hin. Aber ich mußte eine ungen. Wer nicht an sonnigfalten Tagen in einem Hochtale der Schweiz , der Dauphiné oder Savoyens gewesen ist, fennt eine der intensivsten, förperlichen Freuden ni Die­ser Wintersport teilt dem ganzen Körper eine belebende Wärme mit, die man bis in die Fingerspitzen verspürt. Die eingeatmete eijige Luft wirft wie ein heißes Getränk. Die Berge ringsum, auf denen der Schnee erschauert und sich im Lichte spiegelt, sind die Mauern nder Säulen einer bis zum Himmel ragen­den Stathedrale, wo der Tag singt und betet.

-

Die Stier waren damals noch nicht in der Mode und man bediente sich der Raquet­ tes ". Ich wollte eine Tour unternehmen, die mich vom Vald'séere über den Col d'Iseran nach Bonneval in der Mau­ rienne führen follte. Das ist eine leichte Par­tie, der Weg marfiert, und oben findet man eine Schußbü'tc. Aber alles hängt von den Schneeverhältnissen ab. Wie ich von Val d'Iséere aufbrechen wollte, branie der Ne­bel vor meiner Tür. Ohne Zweifel mußte ich ibn bald unter mir haben; aber war es nicht richtiger zu warten, bis er sich auflöfte? So verior ich Zeit, und im Januar sind die Tage so furz. Allmählich zerrissen die Nebe!- schwaden und die Langiamkeit des Vorwärts tommens zeigte mir die Schwierigkeit des Unternehmens; ich versant bis an die Stnic. Ohne die Steinvyramiden wäre man nicht auf die Idee gekommen, daß da ein ver schneiter Saumtierpfad lief.

Der Aufstieg mit den Raquettes".

P

Diese Hoffnung belebte mich; um den Unterschlupf zu erreichen, fämpfte ich mich mit meinen Füßen Schritt für Schritt vor­wärts und tletterte sogar eine ziemlich steile Lehne hinauf.

Keine Scheune, fein Stall, auch keine Sennhütte ein wirkliches, richtiges Bauernhaus mit Fenstern befand sich dort. Durch die Scheiben fah ich eine Lampe, und Schatten bewegten sich. Indem ich mich zu meiner Rettung beglückwünschte, jching ich gegen die Tür. Ich höre eine Weile Ge­räusche, dann wurde es still. Endlich erschien auf nochmaliges Klopjen ein Mann mit einer Laterne die ihn von unten herauf be­leuchtete, so daß ich von seinem Gesicht faum mehr als einen struppigen Bart sah.

Wer ist da, was wollen Sie?" Brüde erreichen, um den Gießbach zu über- Ich erzählte mein Abenteuer und bat schreiten, und fah mich gezwungen, den ver- um Gastfreundschaft. Während wir verhan lorenen Pfad wieder zu suchen. delten, faßte eine Frau und zivci fleine Stine Die Sonne sant und machte den Schnee der hinter der Laterne Bojto. Der Mann, gluben. Kaum hatte ich für das herrliche der mich hatte reden lassen, jage endlich: Schauspiel einige verzweiflungsvolle Blide Treten Sie ein!" Er wandte mir den Rücken übrig. Weit von Bonneval fonnte ich nicht und drängte seine Familie vor sich her. Ich sein und fah es doch nicht. Vom langen Auf- folgte der kleinen Schar und wir betraten stieg war ich sehr erschöpft und müde. Be- emen fangen, niedrigen Raum, der als Küche sonders beunruhigte mich das Hereinbrechen und Eßzimmer diente. der Nacht, die wie ein großer, schwarzer ,, Aha, da ist Feuer und ein Gericht", Bogel über diesen weißen Flächen, auf denen rief ich. das Licht zu schwinden begann, schwebte. Eine Kohlsuppe begann da zu kochen. Meine Beine waren wie zerfchlagen und ich Gin wonniger Stipel für die Nase eines er beging den Fehler, mich zu setzen, um einige schöpften Reifenden! Ich seg den Geruch tief Minuten auszuruben. Nichts ist gefährlicher; cin. Inzwischen berieten meine Birte. Im man gibt einem wohligen Gefühl der Er- ficheren Bewußtsein, Essen und Lager zu fin­Es war drei Uhr geworden; ich hatte schlaffung nach, schlummert ein, und erhebt den, fühlte ich mich völlig beruhigt. nur noch eine Stunde Tag vor mir. Die fich nicht mehr. Einsamkeit, Dunkelheit und Wir wollen Ihnen Ihre Hammer ze Vorsicht hätte mir gebieten müssen. in der das Unbekannte umgaben mich wie ein treu- gen."

Der Aufstieg strengte mich tüchtig an. Auf einer Salde frühstückte ich rafch. Ein paar Schlud Wein, harte Eier, ein Hübner­flügel und Konfitüre fräftigten mich. Statt auf den Kampf zu verzichten, tlomm ich unternehmungsluftig weiter und erreichte den Paz.

mir nun veriranten Richtung nach Val loses Geleite. Schon neigte ich den Kopf. Aber Das eilt nicht." djéere zurückzukehren oder die Nacht in ich entfann mich, daß ich andere aus ähn- Ich war in der Nähe eines Djens und der Schutzhütte zu verbringen. Aber was! lichen Zuständen hatte aufrütteln müssen, das genügte mir fürs erste. Daß man mir Die wolfenfreie Sonne lachte, der Schnee und wehrte mich mit letter Spanntraft ge- aber eine Kammer und zwar für mich

-