Feierabend

Feierab

Mr. 4.

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Enterhaltungsbeilage.

Die Schuld der Anna Bede.

Mikszath Kalman ist der berühmte Ro­mancier Jung- Ungarns . Er stammt aus dem Komitat, wo die meisten seiner Erzäh lungen spielen. Er war ursprünglich Komi­tatsbeamter, später Journalist, dann Ab­geordneter. Am berühmtesten sind seine Slowakischen Dorfgeschichten" Sein lite­rarisches Schaffen umfaßt mehr als 40 Bände.

Bon Mitfzath Kalman.

1928.

Die Türe wurde geöffnet und ein Mäd- 1 ganz unfreiwillig brummte er: Gesetz ist chen trat ein. Ein niedliches Geschöpf. Eine Gefeh." schlanke, wohlproportionierte Gestalt, auf welcher eine blumengestickte Jade so sieriich faß. als ob sie auf eine Stante gefeffen wäre. Sie senkte bescheiden ihre schwarzen Augen zu Boden, und ihre Stirne verdüsterte sich.

,, Was ist mit dir. Kind?" fragte der Vor­sigende gleichgültig. Das Mädchen richtete ihr Die Richter faßen alle beisammen. Drau - chwarzes Tuch auf dem Stopfe zurecht, und Ben ließ sich der Nebel schwer auf das unför mit einem Seufzer antwortete sie: mige Gebäude herunter und drüdte scheinbar

Die Mauern zusammen, setzte sich aufs Fenſter

und verdunkelte die Eisblumen.

Jm Scale war eine schwere, dumpfe Luft. Die Richter lehnten sich müde in ihren

Ich habe ein schweres, schweres Leid." Ihre weiche, traurige Stimme drang

bis ins Herz, wie eine Musik die bereits ver stummt ist, deren Töne aber noch durch die Buft schwingen. Sie veränderte alles und jeden, der sie vernahm.

Das Gesicht des Richiers blidte nicht mehr so mürrisch drein, das Bild des Ober­sten Gerichtspräsidenten winkte freundlich von der stummen Wand herunter, daß sie mur von ihrem großen Leid zu sprechen be ginnen folle.

Dort ist das Schriftstid, daraus werden Sie alles ersehen."

,, Ein Urteilsspruch!" brummte der Bor­sibende, nachdem seine stechenden Augen das Schriftstüd überflogen hatten. Bede Anna wird aufgefordert, ihre halbjährige Kerker­strafe mit heutigem Tage anzutreten.

Das Mädchen nidie traurig mit dem Stöpfchen, und als sie das Haupt herabsinken ließ, rutschte ihr rückwärts das Kopftuch her­unter, und ihr volles schwarzes Haar fiel thr in einem dichen Zopfe ins Geficht. Es war gut, daß es jetzt ihr Autliz bededie, weil es das früher weiß wie eine Lilie war, jetzt von schambafter Purpurröte übergossen schien.

Dann las er aufs neue den Beschluß des Uricils durch, starrte auf die Schnörkel und Krapfüße des weißen Schriftstückes, aber wahrhaftig, da stand es immer wieder schwarz

Sejfeln zurüd, der eine schloß die Augen und feine Sände fielen wie entkräftet herunter, Heute vor einer Woche baben wir die dabei hörte er zu, wie die Feder des Gerichts- Schrift bekommen", sto terte sie heraus. Der schreibers knirschte. Der andere Richter Herr Dorfvorsteher hat sie uns selber ge­gähnte trommelte mit seinem Bleistife auf bracht, den Jubalt bat er uns auch erklärt, auf weiß zu lesen: daß die Anna Bede wegen Dem grünen Tische, während der Vorsitzende meine arme, gute Mutter fagte dann zu mir: Seblerei ein halbes Jahr Sterker absites seme Brille auf die Nasenspitze herunterschob Geh, Mädchen, Gefeß ist Gesez, damit ist und sich den Schweiß von der Stirne wijchte. nicht zu scherzen!" So bin ich also hergekoni­Seine falten granen Augen blidten prüfend men, um die Strafe anzutreten. zur Eingangs'üre. Ist noch jemand drau­Ben", fragte er gedehnt, mit mürrischer Stimme den Gerichtsdiener.

,, Ein Mädchen", gab der Diener zur Antwort.

Das Mädchen soll hereinkommen!"

"

müsse.

Der Ventilationsblechring des Fensters begann sich wahnsinnig rasch zu drehen. Der Vorsitzende wischte sich sogar jeh Wahrscheinlich ging der Wind so stark drau schon zweimal feine Brille und ein böser, Ben, wie er so an die Fensterscheiben rüttelte, giftiger Blick fuchte das Gesicht seiner Stolle- als ob eine nach Hause kehrende Seele drau gen, das Fenster den Fußboden. den großen hen stehen würde, es entstand ein falter Buft Eisenofen, durch dessen gelochtes Türchen zug, der durch die Spalten bereinfam und funkelnde Feueraugen herausstarrten und vor sich hin pfiff: Gefeß ist Gefeß."