DUR

المللا

Feieraberd

Feierab

Jir. 12

Es war nach dem Diner am Voriag der Jagd beim Marquis de Bertrans. Elf Ja ger, acht junge Frauen und der Landarzt ja zen um die hell erlenchieten, mit Früchten und Blumen bedeckien Tische herum.

Man fam auf die Liebe zu sprechen, und eine große Disfuffion begann, die ewige Dis fuffion, ob man nur ein einziges Mal wahr haft lieben könne oder mehrmals. Man er­sähle Beispiele von Leuten, die nur eine ernsthafte Liebe gefannt batten. Anderseits erzählte man Beispiele von Leuten, die oft und stürmisch geliebt hatten. Im allgemeinen meinten die Männer, daß die Liebe, wie die Krankheiten, mehrmals dasselbe Wesen be­fallen fönne, um es zu töten, wenn sich hr ein Hindernis entgegenstelle. Und da diese Betrachtungsweise nicht entsprechend war, so versicherten die Frauen, deren Meinung sich mehr auf Poesie als auf Beobachtungen ſtützte, daß die Liebe, die wahre, große Liebe, nur einmal über einen Sterblichen fomme fönne, weil sie dem Blizz gleiche, diese Liebe, und weil ein Herz, von ihr getroffen, davon so erregt, entflammt, besinnungslos würde, daß es fein anderes Gefühl, nicht einmal auf den Traum von etwas anderem mehr ansprechen fönne.

Der Marquis, der viel geliebt hatte, be­fämpfte lebhaft diese Ansicht.

Ich sage Jhnen, daß man öfter lieben fann, mit allen Sinnen und mit ganzer Seele. Sie erzählen mir von Lenten, die sich aus Liebe getötet haben, als Beweis, daß eine veite Leidenschaft nicht möglich sei. Ich ant worte, daß sie, wenn sie nicht diese Blödheit begangen hätten, sich umzubringen, die ihnen jede Chance zur Wiederholung geraubt hat, gefundet wären; und sie hätten natürlich wie der angefangen, und so sort, bis sie gestorben wären. Mit den Verliebten ist es wie mit den Säufern. Wer getrunken hat, wird wieder trinfen, wer geliebt hat, wird wieder lieben. Das Ganze ist eben eine Sache des Tempe­

raments."

Der Doktor sollte jagen, was er meinte, ein alter Pariser Arzt, der sich aufs Land zurüdgezegen hatte; er sollte die Entscheidung fällen.

Gerade er wußte feine.

Wie der Marquis gesagt hat, es ist eine Frage des Temperaments. Was mich betrifft, ich weiß von einer Liebe, die fünfundfünfzig

Unterhaltungsbeilage.

Ewige Liebe.

Bon Guy de Maupaffant.

1928.

Jahre gedauert hat, ohne einen Tag nachzu-| Das waren die einzigen zärtlichen Worte, die laffen und die erst mit dem Tode geendet sie zu hören bekam. hatte."

Die Marquise schlug die Hände zusam­Ist das aber schön! Und wie wundervoll, so geliebt zu werden! Welch ein Glüd, fünfundfünfzig Jahre so zu leben, um­geben von dieser unendlichen und unzerstör baren Liebe! Wie glücklich muß er gewejen sein und das Leben gesegnet haben, der, der so angebetet wurde!" Der Arzt lächelte: Tatsächlich, Madame, darin täuschen Sie sich nicht, daß das geliebte Wesen ein Mann war. Sie kennen ihn übrigens, es ist Herr Chouquet. der Apotheker aus der Stadt. Was sie betrifft, die Frau, so haben Sie sie auch gekannt; es ist die alte Seffelflickerin, die alle Jahre auf das Schloß fam. Ich werde Ihnen das erzählen."

Die Begeisterung der Frauen sanf und ihre enttäuschten Gefichter jagten: O, das! Wie wenn Liebe mur feine und diſtinguterie Leute zu empfinden hätten, die auch des In­tereffes der Gesellschaft würdig wären.

Der Doftor fuhr fort:

Als sie größer wurde, ließ man sie die Runde auf den Bauernhöfen machen, unt Seffel zu flicken. Nun lernte sie auch da und dort einen Burschen tennen . Jebt waren es aber deren Eltern, die ihre neuen Freunde rasch zurückriesen: Wirst du herkommen, du Lausbub! Wehe, wenn du dich noch einmal mit der Zigeunerin sprechen sehen läßt!" Sie und da befam fie fleine Geichenfe: Birnen von den Jungen, ein paar Sous von den Frauen. Eines Tages sie war elf Jahre altzogen sie durch unferen Ort und sie fah hinter der Kirche den kleinen Chouquet, der weine. weil ibin ein Stamerad zwei Sechser weggenommen hatte. Diese Tränen eines kleinen Bürgers. eines dieser Wesen, die sie in ihrem demütigen Geifte einer Ent­erbten für immer zufrieden und fröhlich hielt, machten sie ganz verwirrt. Sie ging zu ihm hin, und als sie den Grund feines Summers erfahren hatte, drückte sie ihm ihre ganze Habe in die Hand, sieben Sous, die er natür­lich nahm, seine Tränen trocknend. Dann außer sich vor Freude. hatte sie die Kühnheit, ihn zu füssen . Da er aufmerksam das Geld zählte, ließ er sie gewähren. Da sie sich nicht zurüägestoßen und geschlagen sah, füßte sie ihn noch einmal mit aller Straft von ganzem Herzen. Dann lief er davon.

Bor ungefähr drei Monaten wurde ich zu dieser Frau gerufen, sie lag im Sterben. Sie hatte gerade den Ort erreicht, in ihrem Wagen, der ihr als Wohnung diente, von dem Roß, das Sie auch kennen, gezogen und be gleitet von zwei alten schwarzen Hunden, ihren Freunden und Wächtern. Der Pfarrer Was ging in diesem fleinen Stopf vor? war schon dort. Sie machte uns zu Testa- Sat sie sich an diesen Sterl gehängt, weil sie mentsvollstreckern, und um uns ihre fetzten ihm ihren herzlichen Kuß gegeben hatte? Wünsche zu erflären, erzählte sie uns thr Das Mysterium ist für die Kleinen dasselbe Leben. Ich kenne nichts Sonderbareres und wie für die Großen. Rührenderes. Monatelang träumt sie von dieser Ecke Ihr Vater war Sesselflicker und ihre hinter der Kirche und von diesem Jungen. Mutter Sesselflicerin. Sie hat nie eine Woh- In der Hoffnung, ihn wiederzusehen, bestahl nung gehabt, die jest in die Erde gebaut war. sie ihre Eltern, da einen Son, dort einen Gan; flein strich fie, verlauft, zerrauit, Son, von einem lidlohn oder bei den Ein­schmußig umher. Sie hielten beim Eingang fäufen, die sie besorgte. Der Ortschaften im Straßengraben. Man machte den Wagen auf, das Pferd grasie, die Sunde schließen, den Kopf auf den Pfoten. Und die Kleine wälzte sich im Graje, während Vater und Mutter von Haus zu Haus gin gen und Seffel flicten. In dieser wandernden Wohnung wurde nichts gesprochen. Nur wenn die Kleine zu weit weglief oder mit irgend einem Dorfbuben Bekanntschaft machen wollte, rief sie die zornige Stimme des Va­ters zurück: Wirst du herkommen, Rognafe!"

Als sie wiederkam, hatte sie zwei Fran­fen, aber sie fonnte ihren Apotheker nur von weitem im väterlichen Laden erblicken, sehr reinlich, zwischen einer Vitrine und einer Wage. Und so liebte sie ihn fortan, bestrahlt Apotheose durch leuchtenden Schein. Sie be Apotheose dur chleuchtenden Schein. Sie be trachtete jich als seine Sache; und als sie ihn nächstes Jahr wieder traf. hinter der Schule Stugerln spielend mit Kameraden, warf fie sich auf ihn, füßte ihn so wild, daß er aus