Feierabend

Feierab

tr. 32

Unterhaltungsbeilage.

Ang ft.

Von Pantaleimon Romanow.

1928.

,, Da rauscht die Fichte, daß sie der Studhud..."

Nahe beim Friedhof, am Dorfrande, Schwiegertochter mußte mich schon hinaus Beide drehten den Kopf nach der Hütte neben einer verwahrloften leeren Hütte mit begleiten 3'ne Schande zu sagen. Das zu und fühlten, daß sich ihre Haave herausgebrochenen Fensterrahmen, fazen hier ist Pflicht, sonst wäre ich um fein Geld firäubten. zwei Bauern in Stamelots, rauchten Pfeifen gegangen." und unterhielten sich mit leiser Stimme: Neben ihnen lagen Stuüttel, mit welchem man zur nächtlichen Hut auszufahren pflegt. Das war die Wache, die eine Leiche be­wachte: in dieser leeren Hütte hing ein Er­bängter.

Na, es ist das ärgjte, Tote zu bewa­chen" sagte einer der Wächter, ein Bauer, mit einer großen, zottigen Mütze auf dem Kopfe.

Sein Partner, ein hochgewachsener hagerer Bauer mit einer Tuchlappe auf dem Stopf schwieg zunächst, dann sagte er wider­willig:

,, Dafür haben wir es ruhiger; es läuft wenigstens nichts weg."

Laufen hin, laufen her, doch..." er blickte sich nach allen Seiten um und sprach nicht zu Ende.

Ea rüdte ein talter Herbstabend heran. Vom Dorfe tamen Lieder herüber. Es war irgendein Fest und das Volk luſivandelte

noch.

,, Gut, daß man noch die Leute hört, es ist lustiger", sagte der Bauer mit der Müße. Da ist voriges Jahr der Müller er soffen im See. Nun, was glaubst du, wenn man in der Nacht an der Stelle vorbeiging, da parte einen das Gruseln."

Wird er dich denn auffreffen oder wie? Von ihm sind nicht einmal die Därme ge­blieben", sagte der hochgewachsene Bauer; er saugte an der Pfeife und schaute nach der Seite, wo unter dem schwarzen, dichten herbstlichen Gewölf am falten Abendhimmel ein hellgelber Streifen erlosch.

So? Nichts geblieben!"... Wirst du aber an dieser Stelle abends baden?..." Per hochgewachsene Baner antwortete nicht.

Der Streifen am Abendhimmel ist er­loschen. Es wurde auf einmal dunkler und tälter. Es erhob sich ein Wind und rauschte in den Zweigen der rungligen niederen Fichte, die neben der Hütte wuchs.

,, Man weiß, daß nichts passieren kann, und doch wird man sich die ganze Nacht hin und her wenden. Und dazu der Friedhof nebenan. Nein, es gibt nichts Aergeres..."

Dazu das Pech, das ein Bind auf­steigt", sagte der Bauer mit der Maize. Es fing an dunkel zu werden, als ein Nein, es gibt nichts ärgeres als diese Fich- lumpiger, sehr hoch gewachsener Mann mit ten. Der Wind rauscht, pfeift, heult immer zottigen Haaren auf den Weg neben dem so unangenehm drin... Hinter dem Dorf, Friedhof heraustratemer von jenen, die neben der Kapelle, gibt's auch Fichten. Wenn nach der Vernichtung der Weißen sich nach man nachts vorbeikommt sie rauschen ihren Wohnorten durchschlugen und es dabei da wird einem so unheimlich, daß man sie vorzogen, bewohnte, volfreiche Orte zu um­umgehen möchte. gehen.

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,, Was hast du dich da auf ein und das­felbe gelegt, jagst einem nur Angst ein!"

Der Bauer in der Müze antwortete nichts, er sah sich nur nach allen Seiten und der Hütte um.

Haben bei Tag nicht daran gedacht, die Türe abzufperren... Man müßte sie halt wenigstens mit einem Pfahl unter­ftüben."

,, Weshalb?"..

" Immerhin beffer... Sonst wenn et was passiert, werden wir schuldig sein."

Was kann schon passieren?..." Weiß der Teufel, in der Welt ist alles möglich. Na, es gibt nichts Aergeres als das... Wenn ich's gowußt hätte, wäre ich in die Stadt weggegangen."

Was ist das? Hast du geklopft, wie?" ,, Nein, ich nicht."

Was ist das dann?" Vielleicht vom Wind." Stimmt der Wind."

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Nach einer fleinen Weile jahen sie er fchrecken auf die Tür der Süite, in der der Erhängte bing. Deutlich ist ein gedämpftes Geräusch zu hören, wie wenn jemand durchs Ich weiß schon selbst, daß die Seligen Fenster hinein- oder herausgefrochen wäre. nicht umgeben und nichts machen können, Die Bauern sahen einander an und sag­doch packt einen Angst sonst nichts." ten nichts. Dann standen sie auf, nahmen Oder nehmen wir das: wie ich ihn ihre Stntiel und setzten sich weiter von der gestern angeschaut habe: da hängt er in der Türe weg. Hütte über der Pritsche, die Augen aufge Plöblich erschell aus der Hütte ein sperrt, die Zunge herausgestedt, das Gesicht Seufzer, gleich, als hätte ein müder Mensch, blau wie ein Kessel, nachher hatte ich Angst, nachdem er sich niedergelegt und seine star in den dunklen Flur hinauszutreten. Die ren Glieder gestreckt, aufgeseufzt.

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Er saß eine Zeitlang im Graben beim Friedhof, wartete, bis es ganz dunkel gewor den war, dann schlich er sich zur letzten Sütte. Er blieb vor dem herausgebrochenen Rahmen stehen, wollte Licht machen, doch tat ihm das Zündhölzchen leid, so daß er im Dunkeln in die Hütte hineinfrckh.

Tappend fand er so etwas wie eine Britsche und legte sich durauf. Er war schon im Einschlafen, als er plöglich vernahm, daß eine Stimme in der Gefe etwas sagte. Er öff­nete weit die Augen und setzte sich erschrocken auf der Pritsche auf.

Sonst vernahm man nichts.

Er horchte gespannt. Irgendwoher von oben kam ein dünnes, pfeifendes Geräusch, dessen Ursache er schleifferdings nicht begrei fen fonnte.

Er legte sich wieder auf den Rüden und schloß die Augen. Dabei stredte er die Beine aus, und feufzte geräuschvoll auf. Sein Fuß Stemmte fich gegen irgendeinen Gegenstand, der dem Drud feines Fußes ein wenig nach­ab. Dann stieß ihn jemand in die Sohle.

Den Mann überlief es falt.

Er streckte noch einmal das Bein aus, wieder begegnete er etwas auf seinem Weg und im nächsten Augenblick stieß es ihn wie­der in die Sohle. Er nahm Zündhölzer her. aus und zündeie mit zitternden Händen an.

Bein in Stiefeln, te über der Pritsche hingen, sprangen ihm in die Augen. Er erhob den Kopf und stürzte sich plöglich, nicht mit Geschrei, sondern mit wildem Geheul nach der Richtung, wo die Tür sein mußte.