Feierabend

Feierab

Jr. 47

Unterhaltungsbeilage.

Swamp Moccaſſin.

Bon John F. Matheus.

Die Anwesenheit der Wache war eine immerwährende Qual. Gewehre, die töteten, Augen, die immerzu beobachteten was konnte ein unbewaffneter Neger noch irgend wie erhoffen!

Diese Stizze erschien anlaßlich eines| wertvoll, aber von einiger Bedeutung für die Preisausschreibens in der amerikanischen Gewinnung des Terpentins. Regerzeitung The Crisis" und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Berkrüppelte Zwergpalmen, Zwergpalmen, gebeugt unter der flebrigen Feuchtigkeit, die sich vor Sonnenaufgang an der Golflüste nieder­schlägt. Myriadenfaches Leben, aus dem mende Fliegen, schwirrende Insekten und Schlafe einer schwülen Nacht erwacht, sum Hunde, eine zahllose Brut von Bastarden.

Eins, zwei; eins, zwei. Sie schritten im fende Blechbüchsen Kaffees, große Stüde Gänsemarsch zu ihrer Morgenration. Damp­Specks und dicke Schnitten Stornbrotes. Gie riges Schluden, Schmaßen dicker Lippen. Sie mußten ihre Wänste füllen oder sterben.

1928.

Zwei Jahre Zwangsarbeit," sagte der Richter.

Man rannte sich ringsum zu, daß, so­lange das Lager währen würde, das heißt solange die als die Bäume einen Nußen ab­warfen, ein bestimmter Stand von Arbeitern nolens volens aufrechterhalten werden mußte. Bestimmungen über die Dauer der Strafe die tägliche Berstreuung bei den Mahlzeiten. gingen oft verloren oder wurden vergessen. Der Koch fütterte die Hunde. Das war Ihr Snurren, Bellen und Winsein über­tönte das dumpfe Gemurmel der Neger. Sagte da Nummer dreiundzwanzig zu Auch die Wachen aßen; aßen und wach Nummer zweiundzwanzig: Einer von uns ten. Der erste Schimmer des Morgens brei- muz weg, ich oder der Verwalter." tete sich über die Gipfel der Bäume. Die Schatten noch an den Bäumen haftend, find farbig angehaucht, grün die Blätter, braun die Bapfen. Darunter grünes Gras, grüner Schlamm, fchwarze Gefichter, weiße Gesich ter, schwarze Streifen, weiße Streifen; menschliche Zebras.

In den Zellenwagen hatten die ganze Nacht verlassene Menschen geschlafen. Mit den Hunden, den fliegenden und friechenden Lebewesen, öffneten auch sie ihre Augen in ene erwachende Welt, nur daß ihr Blick müde war und ihre Welt ohne Hoffnung. Sie fahen nur eine Sumpfwildnis, ein Laby rinth von langnadeligen Fichten, we ßlich schimmernde Flede und ein paar Fuß hoch über dem Boden trogartige Becher, in denen das Harz dieser weißfled gen Bäume gerann. Bei Moreengrauen und in der Dämmerung Die Sträflinge aßen mehr oder weniger nahmen diese Flecke manchmal feltsame Forschweigiam, traurig und mürrisch. Diese Ein­men an: Gefichter zeigten sie, grinsende und ton gteit, der Mangel an jedem Ding, das spottende. Sie waren oft fchreiende Kopien Freude machen konnte, überwältigte sogar die fenes schredlichsten Antliges des Gefang- Wachen. Stein Wechsel der Landschaft, immer nisverwalters. nur vom Tang überwucherter Sumpf und hohe Bäume, die das Sonnenlicht verdunkel­ten; feine Briefe, es sei denn, der Vorrats wagen brachte welche mit Lebensmitteln aus einer Entfernung von neunzig Meilen mit. Steine Erholung außer Schlaf, feine Frauen, feine Kirche. Die Wachen rihten und beob­achteien, die Sträffinge arbeiteten und wur den bewacht.

Die Nachtschicht der Wache tauschte Grüße aus mit der Tagschicht und troch unter de niederen Zelte hinter den Zellen wagen, um noch ein bißen Schlaf zu erha­schen, ehe die brennende Glut jich nieder senfte. Die Kühle des Sumpfes hüllte sie ein and ermüdete fie. Seine Stille benahm jeden Mut und zerstörte jede Lebensfreude. Der Geruch von Kaffee heftete sich an die feuchte Luft. Der einzige weiße Gefangene war der Roch des Lagers. Man hörte ihn seinem Mitgefangenen und Hilfsloch im Rüchen­wagen Befehle erteilen.

Die Zeilen wurden ausgesperrt, und dreinndzwanzig Neger frochen aus ihren Grüften wie wandelnde Leichname. Sie tru­gen Gefängniskleider bei Tag und Nacht. Gleich den Hunden durften sie nur ſtöhnen, fich streden und zum Essen bereit sein.

Einige holten Wasser aus einer Quelle und wuschen sich hastig. Andere tranten gierig aus der hohlen Hand. Dreiundzwanzig Stör per waren es, lang, turz, mager, fett, mustu­lös, geſtählt, Menschen mur, nicht besonders

Aber Menschen müssen leben. Es gab ja auch noch andere Berufe, die sicherlich viel schlimmer waren, als unbewaffnete Reger in Schach zu halten. Und dann kann man ja auch langentbehrie Vergnügungen nachholen, denn einmal mußte es doch ein Ende haben. Die Gefangenen fanden Trost im Denten. Nummer eine war wegen Alkoholfchmuggels herausgeschickt worden sechs Monate. Er wußte, feine weißen Beschützer würden für seine Freilaffung sorgen, so bald dem Gesek Genüge gelan war. Nummer drei war went­ger zuversichtlich. Nummer dreizehn hatte feinen Rivalen im Bordell getötet.

Totschlag" nannten es die Gejchwo­

renen.

runden Kopf warnend schüttelnd Nummer Nummer zweiundzwanzig raunte, seinen dreinndzwanzig zu: Keiner von uns hat irgend eine Aussicht."

den, mit tropfenden Lefzen, tläfften die Be­Rings im Kreise die Köpfe auf dem Bo­stien des Sumpfes, machten laute gurgeinde Geräusche. In den Augen der Gefangenen blitzt unterdrüdie Erregung auf. Die Wachen freuen sich auf den Kampf. Die großen Hunde wollen mehr haben.

Sie müssen mehr haben. Ihre Wänste fassen mehr. Ein riesiger weißer Hund be ßt sich zum Sieger durch. Die Besiegten machen sich hinfend, käffend, ihre Wunden leckend, davon.

ger." lacht ein Wächter. ,, Aufgescheucht wie so einen Haufen Ne­

grinsen und lachen ein afrikanisches Lachen. Zweinndzwanzig afrifanische Sträflinge Stuah! Styab! Syah! Syah!" Aber Nummer dreiundzwanzig, feinig, schwarz, furchtlos, ballt die Fäuste.

Die Sonne fland höher. Einzelne Sirah­len brachen durch die düsteren Wipfel der Bäume, und die Aucen der Gefangenen iref­fend ließen sie das Duntel nur noch wirtia­mer hervortreten. ingefärate wollhaarige Söpfe felten sich jöh zur Seite, runzelige schwarze Sände beschatteten blutunterlaufene Augen. Numater dreinndzivanzig starrte ge­radeaus vor sich hin.

Die Schatten, die sich von den Wipfeln der Bäun gelöst hatten, schienen in fein Wesen zu bringen, sein Innerstes auszu­trocknen, die Atmosphäre feines Elends zut durchdringen und sich zu dem ewigen Schat