Feierab

Feierabe

Mr. 49

Enterhaltungsbeilage.

Lifa.

Eine Erzählung von Radjeschba Zeffi.

Wir saßen zu dritt beisammen: ich, meine Schwester Lena und Lisa, die Toch ter des Geistlichen, die zu uns kam, um mit uns zu lernen und zu spielen zweds Anfeuerung des Ehrgeizes, des Fleißes und des Gehorsams.

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Heute war fein Unterricht, und wir durften auch nicht spielen. Heute war ein feierlicher und aufregender Tag- Karsonn abend.

Man mußte stillsigen, durfte nicht her­umilettern, nicht auängeln, nicht zanten, nicht mit den Knien auf dem Stuhl herum rutschen. Alles war schwierig, kompliziert, durch und durch gräßlich. Der ganze Tag stand unter dem Zeichen des Getränktseins und der Beleidigung.

Alle waren beschäftigt, alle hegten sich ab und ärgerten sich. Die Gouvernante steppte sich, mit roten Flecken auf den Baden, hastig eine Bluse auf der Nähmaschine. Eine große Wichtigkeit! Ihre Nase war ja trotzdem pocennarbig. Die Kinderfrau war ins Mädchenzimmer gegangen, Schürzen bü­geln. Die älteren Schwestern malten im Speisezimmer Ostereier und begegneten mir mit den üblichen Worten Du hast uns gerade noch gefehlt! Kinderfrau, bring sie wig!"

Ich wollte mich wehren, stieß mit dem Ellenbogen gegen das Farbennäpfchen und wurde mit Hilfe der herbeigeeilten Kinder­frau ins Kinderzimmer verbannt. Bei allen diesen Katastrophen wurde uns klar, daß man uns, die kleinen", nicht zur Früh mejse mitnehmen würde.

Aus purer Bosheit weinte ich nicht einmal, sondern sagte nur giftig:

Zur Beichte aber kann man uns na­türlich schleppen! Alles Schlechte für uns, und alles Gute für die andern!"

1928.

derte, daß er nicht zu beten brauche, weil sind ganz weiß und furchtbar- und stam­ihm ja doch alles in Bausch und Bogen ver- melt: ziehen würde.

Die Frau vom Gärtner Trifon hat Es war niemand da zum Fragen; zan- ziei junge Hunde zur Welt gebracht, hat fen durften wir uns auch nicht- Pech! aber allen gesagt, daß es Kinder wären, wie nun aber die Leute dahintergekommen sind, da hat sie die Hündin gebraten und Trifon befohlen, sie aufzueffen."

Endlich kam Lisa. Lisa hatte ein mage­res, gespanntes Gefichtchen und große, helle, stark gewölbte, erschrocken- beseelte Augen. Sie sah alles im Leben in zweifacher, drei­facher Vergrößerung und log, als ob sie da­für bezahlt würde.

Hunde darf man nicht essen, das ist Sünde", sagte Lena erschrocken.

Sie hat's ja auch nicht zugegeben, sie- sagte ja, es wären Kinder."

Meine Hände wurden cistalt, und Lisa selbst traten vor Angst die Tränen in die Augen und ihre Nase schwoll an.

Sie war ein Jahr älter als ich. Sie war schon zweimal zur Beichte gewesen und genoz große Achtung unter uns. Alle Umstände von Lisas Leben waren uns be­fannt und äußerst interessant. Das hat sie der Teufel gelehri. Man Sie hatte einen Onkel im Priestersemi- weiß ja genau, daß der Teufel sehr leicht nar, Piotr Jakowlewitsch, der trank die sich an einen schlafenden Menschen heran­Milch von vier Kühen aus. Er fam, wenn machen kann." niemand sonst zu Hause war; im Flur stand das Gemolkene vom Abend und er trant alles aus.

Dann gab es bei ihnen zu Hause vier goldene Klaviere, aber sie waren auf dem Heuboden versteckt, damit sie niemand. seben follte.

Dann wurde bei ihnen niemals Mittag gegeffen, aber im Speisezimmer stand ein großer Schrank, und der Schrank war ganz voll von gebratenen Hühnern. Wer nun etwas essen wollte, der steckte bloß den Kopf in den Schrant, verzehrte ein Huhn und ging feines Weges.

Dann besaß Lisa vierzehn Sammetllei­der, aber sie trug sie nur des Nachts, damit niemand sie sehen sollte, am Tage aber ver­stedte sie jie in der Küche unter dem großen Trog, in der der Teig angerührt wurde.

Dann sprach Lija auch ausgezeichnet französisch, aber nicht das Französisch, das wir mit unferer Gouvernante sprachen, son­dern ein anderes, was fein anderer sonst

Lisa, hast du den Teufel schon ge­

schen?"

Jawohl. Man muß am Abend acht­geben. Wenn das Kreuzchen an deinem Hals ganz hell zu funkeln anfängt, dann beden­det das, daß zur Nacht dir unbedingt der Teufel erscheinen wird."

Hasi du ihn denn gesehen?"

Jawohl. Wenn ich des Nachts auf= wache, dann stede ich immer gleich den Kopf heraus und gucke und sehe ihn dann ſtets: bei Papa am Kopfende steht doch ein Teufel. Die ganze Nacht steht so bei jedem je ein Teufel."

In schwarzen Stagen, jagt mant, foll auch sehr viel daven stecken," sage ich. Wovon?"

Bom Teufel. Wenn einem eine schwarze Katze über den Weg läuft, ist das Unglück unvermeidlich."

Selbst ein schwarzer Safe ist gefährlich." wirft Lija ein.

Ich wunder mich in meinem Inner­ften, wo sie so etwas ohne mich herhaben fanit.

Ungeachtet dieser schlagenden Replik, blieb die Macht indessen auf feiten des Feinverstand. des, und ich mußte im Kinderzimmer hoden. Ueberhaupt, Lisas Leben war äußerst Hier aber mußte zum Unglüd aufs interessant. Sehr gefährlich," bestätigt Lija. ,, Als dringlichste ein theologischer Streit zwischen So saßen wir also beisammen und plau- unsere Liduschta im Sterben lag, hin ia) mit Lena und mir über das Beten eines Räu- derten. Lisa erzählte Neuigkeiten. Zuerst der Tante Katja ins Dorf gefahren, Mull bers entschieden werden. Der Pope hatte ließ fie uns schwören und heilig versprechen, laufen. Wie wir zurücfuhren, läuft uns da gesagt, man müsse jede Arbeit, jedes Ge- daß wir es niemandem ausschwägen wür- plößlich eine Katz über den Weg. Dann ſchäft mit einem Gebet beginnen. Und nun den. Wir schworen und spukten zur größe- plöglich ein Haje: Dann ein Wolf! Dann beschäftigte mich die Lage eines Räubers: ren Sicherheit noch über die linke Schulter ein Bär! Dann ein Tiger! Dann ein Maul er zieht aus, um zu morden und mußte doch aus. Ihr werdet es niemandem sagen?" wurf! Als wir ankamen, war Liduschka schon wohl vorher beten, denn der Mord, das war Niemandem, in alle Ewigkeit, Amen!" tot." doch eben sein Geschäft. Lena aber erwi­

Lisa schielt nach der Tür ihre Augen! Vor Aufregung war ich längst mit den