May

Feierabe

Feierab

d

Mr. 21.

interhaltungsbeilage.

Die Arlefierin.

Ben Wiphonse Daubet. Jammer!... Der Vater trägt noch immer die Kleider des Toten, man kann ihn nicht bewegen, sie auszuziehen..

Der Weg von meiner Mühle nach dem Dorfe unten führt dicht an einem Meierhof vorbei. An der Straße liegt der große, mit Zierbäumen bepflanzte Hof, im Hinter­Der Wagen jezte sich in Bewegung. grunde das Haus. Es ist ein wahres pro- Neugierig geworden, bat ich den Knecht um bencalisches Mustergebäude: ein rotes ie die Erlaubnis, mich neben ihn sehen zu dür­geldach, eine lange geschwärzte Borderseite, fen, und dort oben, im Heu, erfuhr ich denn unregelmäßig von Fenstern durchbrochen; die ganze traurige Geschichte ganz oben die Wetterfahne des Getreide­

-

-

Bodens; die Rolle zum Hinaufziehen der Er hieß Jan. Es war ein prächtiger Säde und hier und da einige Birschel brau- Bursche von zwanzig Jahren, fitisam nie nen Heus, die heraushingen.. ein Mädchen, zuverläffig, mit offenem Ge Warum war dieses Haus aufgefallen? ficht. Da er schön war, jaben alle Frauen Warum machte mich dieses verschloffene Tor nach ihm; er aber hatte nur eine im Sinne so beklommen? Ich hätte es nicht sagen tön eine fleine Arlefierin, ganz in Samt und nen, und doch überlief mich beim Anblid Spihen, die er einmal, ich weiß nicht wo, dieser Wohnung ein Fröfteln. Es herrschte fennengelernt hatte. Im Meierhofe jah ein zu tiefes Schweigen um sie her. man anfangs diese Bekanntschaft nicht gern. Mein Hund bellte, wenn man vorbeiging, Das Mädchen galt für eine Stofeite und ihre bie Perlhühner flohen, ohne zu schreien... Eltern waren nicht aus dem Lande. Aber Drin im Hauje nicht eine Stimme! Nichts, Jan wollte mit affer Gervalt seine Arle­nicht einmal die Schelle eines Maultieres.. fierin. Er sagte: Ohne die weißen Vorhänge an den Fen ftern, ohne den Rauch, der vom Dache em porstieg, hätte man glauben fönnen, der Ori jei imbewohnt.

Gestern miting fam ich vom Dorfe zu rüd und ging, um die Sonne zu vermeiden, im Schatten der Zirgelbäume an der Mauer des Meierhofes entlang... Auf der Straße davor waren schweigende Knechte eben da­mit fertig geworden, einen Wagen mit Hen zu beladen... Das Tor war offen geblie ben. Im Vorübergehen warf ich einen Blid hindurch und ſah im Hintergrund des Hofes, die Ellenbogen auf einen steinernen Tisch gestüzt, den Kopf zwischen den Händen, einen großen, alten, ganz weißen Mann in einer Weste, die zu furz war, und einer Hoje, an welcher die Feyzen herabbingen Ich blieb stehen. Einer der Lente fagte mir gan; leise:

,, Still! Das ist der Herr... So ist er, seitdem sein Sohn verunglückt ist.".

gibt."

Ich ſtevbe, wenn man mir sie nicht

Man mußte wobi glauben, daß es ihm ernst war und so beschloß man, fie nach der Ernte zu heiraten.

Eines Sonntags abends hatte die Fa­milie soeben im Hofe das Mittagsmahl be­endigt. Es war beinahe ein Hochzeitsmahl. Die Brant war zwar nicht dabei, aber man hatte die ganze Zeit auf ihre Gesundheit getrunken... Da erscheint ein Mann in der Tür und verlangt mit zitternder Stimme Meister Estève zu sprechen, ihn allein. Estève steht auf und triit auf die Straße hinaus.

Meister," sagt der Mann zu ibu," Sie wollen Ihr Kind mit einer schlechten Person verheiraten, die zwei Jahre lang meine Ge­liebte gewesen ist. Was ich sage, beweise ich: Die Eltern wiffen hier sind Briefe!... alles und hatten sie mir versprochen; aber,

In diesem Augenblic gingen eine Frau jeitdem Ihr Sohn sie haben will, wollen und ein fleiner Stnabe, beide schwarz gefowohl die Eltern, als die Schöne nichts Heidet, mit großen vergoldeten Gebetbüchern mehr von mir wissen. Ich sollte aber Ich sollte aber an uns vorüber und traten in den Meierhof. meinen, daß sie noch alle dem nicht die Der Mann fuhr fort: Frau eines anderen werden fönne."

... Die Herviu und der Jüngste, sie kommen aus der Messe zurüd. Jeden Tag geben sie hin, seitdem das Kind sich getötet hat.. Ach, mein Herr, was für ein

Der Mann antwortete:

1930.

Ich danke! Ich habe mehr Kummer als Durst."

Und so geht er.

wieder an den Tisch und das Mahl geht in Der Vater fommt zurüd, jetzt ſich voller Heiterkeit zu Ende.

Abends geht Meister Estève mit seinem Sohne zusammen hinaus in die Felder. Sie blieben lange draußen; als sie zurückkamen, wartete die Mutter noch auf fie.

Frau," sagte der Vater, indem er ihr seinen Sohn zuführte, umarme ihn! Er ist unglüdlich...

Jan sprach nicht mehr von der Arle­fierin. Dennoch liebte er sie immer noch, ja er liebte sie mehr als je, seitdem man fie ihm in den Armen eines anderen gezeigt hatte. Nur war er zu stolz, etwas davon zu jagen. Das hat ihn in den Tod getrieben, den armen Jungen!... Zuweilen konnte er ganze Tage in irgendeinem Winkel ſizen, ohne sich zu rühren. Andere Tage wieder warf er sich mit wahrer Wut in die Arbeit und brachte allein so viel fertig wie zehu Tagelöhner... Kam der Abend so ging er auf die Straße von Arles und wanderte vorwärts bis er am Abendhimmel die schlanken Türme der Stadt emporſteigen jah. Dann fehrte er um. Nie ging er weiter.

Ihn so zu sehen immer traurig inumer allein. Die Leute auf dem Meierhofe wußten nicht mehr was sie anfangen sollten. Man fürchtete ein Unglück... Einmal, bei Tiſch, jagte ſeine Mutter zu ihm, indem fie

ihu, die Augen voller Tränen, anblickte: haben willst, so wollen wir fie dir geben.." Höre Jan! Wenn du sie trotz alledem Der Vater, rot vor Scham, senkie den Kopf...

und ging hinaus Jan machte ein verneinendes Zeichen

Von diesem Tage an änderte er seine Lebensweise. Um seine Eltern zu beruhigen, spielte er den Vernünftigen. Man jah ihn wieder auf dem Ball und im Wirtshause. Bei der Wahl in Fonvieille war er es, der die Farandole verlangte.

,,' ist gut!" jagte Meister Estève, nach- Der Vater fagte: Er ist geheilt." Die dem er die Briefe durchgelesen hatte: Nom- Mutter dagegen hatte immer noch Furcht men Sie mit mir herein, ein Glas Muskat- und überwachte ihr Kind mehr als je wein zu trinken." Jau schlief mit jemem jüngeren Bruder