الهلال
Feierabend
Feierabe
Nr. 9.
Enterhaltungsbeilage.
Die Predigt.
1931.
Stüd Werg auf den Boden fallen und ging in den Garten.
Bon Jaroslav Hafchet. Es war sehr ärgerlich, daß Pfarrer haber, die sie häufig wechselte, spazieren zu Jaritsch noch immer keine Einleitung zu geben. In mondflaren Nächten schienen die feiner morgigen Predigt einfallen wollte. Beiten der alten Lüftlinge zurüdgefehrt, aber Es war einer jener traurigen HerbstSie sollte fehr feierlich jein, zumal auch die statt der Immergrün-, Zypressen- und tage, an denen Erinnerungen an all das, Baronin, die Patrouin des Pfarrsprengels, Pinienhaine des alten Roms sentten sich die was längst vorbei ist, zu uns zurückkehren, ihre Anwesenheit in der Kirche zugesagt Schatten des modernen Parts auf sie hers allerdings nur dann, wenn wir sie herauf hatte. ab und verschlangen in irgendeinem Winkel beschwören, jo, wie jetzt Pfarrer Jaritsch die Seufzer und Umarmungen der Frau all seiner Wünsche gedachte. Die erfüllten Olga von Haberecht. ihn stets, wenn er fühlte, daß seinem Leben etwas fehlte, daß ihm an jedem Glanz mangelte, mochte der auch nur von kurzer Dauer sein.
Es sollte etwas Blendendes sein, etwas, was hell erstrahlen und auch die schöne Schloßherrin begeistern und auf die Pfade der Tugend zurückführen sollte.
,, Da schau her," sagte sich Pfarrer Jaritsch, ich fange noch an zu dichten. Zum Die Kunde von den vielen Männern, Teufel, was fällt mir ein!" Er öffnete das zu den sie Beziehungen unterhielt, war bis Brevier und las: Der Eitelkeit ist das Ge- Und während er dem kühlen Wind, der hierher gedrungen. Neben einem Dragoner schöpf sicher wider seinen Willen unterwor- durch den öden Garten strich, die Stirn bot, leutnant hatte sie auch einen jungen Stall- fen, aber um dessentvillen, der es untersagte er: Ach, die Starten tönnen mir die meister, den sie Kindchen nannte. worfen hat. In der Hoffnung, daß auch Fran nicht ersehen." Aber dann wintte er dieses Geschöpf erlöst werde von dem Dienste mit der Hand und rief zu den fahlen Baumder Lästerung im Siegeszug der Söhne kronen empor: Apage fatanas!" und kehrte Gottes." in das Pfarrhaus zurüd, in die warme , Daraus werde ich nicht flug," seufzte Stube, wo er, um sich zu erwärmen, ich werde mir lieber zur Beruhigung Wacholderschnaps trinken konnte, was er eine Pfeife anzünden." mit großem Appetit tat.
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Ueber das alles dachte der Pfarrer Jaritsch nach und es ist daher nicht vervun derlich, daß ihm feine Einleitung zur morgigen Predigt einfiel. Auch der Text fiel ihm nicht ein. Einen Jahrgang des Pre- er, digers" hatte er bereits vollständig durch geblättert und die Aufschriften der Predig ten geleien. Der Lebenswandel im Sinne des Geistes oder des Leibes. Die Sicherheit der Erlösung. Der wahre Trost."
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Bei der letzten Aufschrift hielt er inne und erinnerte sich abermals der Fran Baronin. Ach. Frau Olga v. Haberecht, das war der wahre Trost. Er seufzte tief und erging sich wiederum in Gedanken an sie und an ihre Sünden.
Als der selige Baron, ein näseluder Greis, sie kennenlernte, war sie achtzehn Jahre alt und half der Wäscherin beim Wäschewaschen. Dann schickte der alte Baron sie in die Stadt, damit sie tanzen lerne, und später pflegte sie vor ihm zu tanzen.
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Er trat zum Fenster, wo seine Pfeife Mit einer energischen Geste warf er in stand, stopfte Knaster hinein und zündete sie ein geöffnetes Schreibtischfach die Photogra an, preßte den Tabak zusammen und begann phie der jungen, schönen Frau Olga ven im Zimmer auf und ab zu gehen, wobei er Haberecht, die ihm der Verwalter des vor sich hinbrummte: Am besten, ich fasse Schlosses vor einiger Zeit mit der Bemerdie Predigt jo turz als möglich, aber start. fung der Herr Pfarrer möge seine PaSie muß wie eine Bombe wirken. Am tronin betrachten geschenkt hatte. besten, ich werde von der Unmoral sprechen Aber seine Predigt ging auch nicht recht und betonen, daß uns nur die rasche Ab- vonstatten, als auf Thomas Kempis : Die tehr von unseren Begierden von der ewigen Bücher von der Nachfolge Chrifti, das Bild Verdammnis retten fann." der schönen Frau lag.
Er schaute in den Spiegel und erblickte sich dort mit der Pfeife im Mund, erhißt durch die Gedanken an das unjittliche Leben der Baronin, die er gern geläutert hätte.
Er sah, daß er ein ganz hübscher Mann war. Seinem Antlig merkte man noch nichts von seiner Dide an, regelmäßige Züge schauten ihm aus dem Spiegel entgegen.
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Er schlug Thomas Kempis auf und las: Denn wir sind nur durch die Hoffnung crlost. Die Hoffnung. die man sieht. ist aber feine Hoffnung. Denn warum sollte man auf etwas warten, das man steht!"
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Mein Fall ist eine hoffnungsvolle Liebe," sagte er sich, schlug das Buch zu und begann sich anzukleiden. Am Besten, ich gehe ins Kasino und spiele eine Partie Tarod."
Das hatte ihm der Ortsschullehrer erzählt, ein Mensch, der von aller Romantik begeistert war, denn er war jung und von unmöglichen Träumen und Jdealen erfüllt. Er wußte nicht recht, wie es geschah. Der Lehrer erzählte auch, die pikante Frau daß er die Pfeife beiseite Tegte und ein Stüd habe den Baron dermaßen bezaubert, daß er Werg ergriff, mit dem er das Pfeifenrohr Er verspielte an jenem Tag und besie zur Frau genommen habe. Dann hatte reinigte, worauf er das Stüd Werg zujan- gann zu trinken, was ihn melancholisch sie ein Kind mit einem Lalaien und bald menrollte, unter die Nase hielt und wie stimmte. In der Nacht fehrte er heim, sette darauf starb der Herr Baron . Das Kind einen Schnurrbart aufzwirbelte. Er sah so sich an den Schreibtisch und schrieb seine starb ebenfalls und Frau Baronin von Ha- sehr gut aus. Wie ein Dragonerleutnant," Predigt. Die Abendunterhaltung hatte beberecht stand, umringt von Verehrern, als sagte er sich, wie ein richtiger Ged." züglich der Frau Baronin sehr ungünstig selbständige Besizerin einer großen Herr- Er ließ seinen Blick durch das Zimmer auf ihn gewirkt. Er hatte lauter recht nette, schaft in der Welt. schweifen, über die Diplome verschiedener ihm bisher unbekannte Dinge über sie erIm Schloßpart pflegte die schöne, ver- religiöser Vereinigungen, über das Bild des fahren. Also nicht nur der Stallmeister, führerische Frau an der Seite ihrer Lieb- Bapstes und über andere Heilige, ließ das auch der Chauffeur! Daß sie sich nicht
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