Wo
Feierabend
Feierabe
Nr. 12.
Enterhaltungsbeilage.
1931.
Das Dienstmädchen E. B.
Bon Milon Harms.
Mädchenfammern sind nicht geheizt. Frau Liepmann hat sich erholt, eine schmale| in der Küche. Waren feine Eier da, gings Wenn im Winter 20 Grad Frost über Narbe vom linken Auge zum linken Ohr gleich los: was, die sind schon wieder alle, dem Dach hockt, wie ein graues, würgendes zeigt den verheilten Beilhieb. Weiter hat ste sie füttern wohl ihren Steri hier mit durch. Gespenst, wenn eisiger Nordost darüber hin- feinen Schaden genommen. Was ist der denn eigentlich, hat wohl nichts, rast, dann wickeln sich die Mädchen fester Mordversuch, fragt der Staatsanwalt! ist wohl arbeitslos. Ein anderes mal: Seit in die Decken und stemmen die kalten Füße Körperverlegung! ruft der Verteidiger. Und Sie Ihren Verkehr haben( sie sagte immer gegen die heraufgeschmuggelte Wärmeflasche. die Angeklagte schweigt. Schweigt beharr- Verfehr mit einem fleinen Blinzeln), seit Denn die Frau, die Gnädige, erlaubt io lich, allen guten Zureden ihres Verteidi- Sie Ihren Verkehr haben, brauchen wir was nicht. Wärmeflaschen sind nicht für gers, allen mahnenden Vorwürfen des Vor- viel mehr wie früher. Butter ist nie da, Dienstmädchen. Dienstmädchen sind zum sißenden nicht achtend, während der ganzen und die Wurst ist immer alle! Das gibt Arbeiten da, Tienstmädchen sind nicht auch Verhandlung. Schweigt und schluckt nur es bei mir nicht! Mensch, wie die Gnädige zum Beispiel. manchmal ein Seufzen hinunter, mit zitWieviele laufen auf den Straßen, wieviele terndem Mund und stumpfem Gesicht. Nur Arbeitslose sind so billig. Dienstmädchen die Augen leuchten haßerfüllt auf, als sie haben zu schweigen und zu arbeiten.. die Nebenklägerin Frau Liepmann sieht. arbeiten
Dach.
Mädchenfammern liegen unter dem
Im Frühjahr piepien Spatzen hinein, die unterm First sigen. Manchmal verflattern sie sich und taumeln durch die Kammer, fremd und ängstlich. Mädchenkammern sind meist häßlich.
Ueberm Bett ein lächelnder Harry Liedtke , Märchentraum der armselig Gefangenen, oder ein verblichenes Bild irgend eines früheren Freundes, der ihr ein wenig gehetzte Liebe gab, im Treppenhaus oder sonstwo, und der sie bald vergaß...
Im Sommer sind Mädchenkammern heiß.
Tag für Tag lastet die Sonne auf dem Schieferdach, unerträgliche Hize breitet sich aus, friecht in alle Winkel, ins Bett, in den Spind, ins Waschwasser: fast würgend das Mädchen, wenn es abends hinauf tommt, wirft es nieder, drückt es in einen dumpfen Schlaf hinein, aus dem es morgens aufwacht mit zermartertem, totem Hirn und müdem Leib.
Hölle
*
Der Staatsanwalt versucht eine Analyse des Dienstverhältnisses: spricht mit glatten, guten Worten über die Gnädige, ihre Sanftmut, ihr menschliches Benehmen. Mit Vorwurf von der Nachlässigkeit, Arbeitsunlust, den Launen( hier lacht die Angeklagte kurz und schrill auf, was der Vorsißende sofort rügt) und Eigenmächtig keiten der Angeklagten. Elsbeth Brett hat es zu gut gehabt! ruft er pathetisch aus, ihr ist die Güte ihrer Herrschaft schlecht geraten.
So ein Reden macht mißmutig und böse, auch müde. Was geht es die Frau an, wenn sie sich abends nach zehn hinunter schleicht, un toch ein Stündchen in die Anlagen oder eine dunkle Gasse zu gehen, nur um ein bißen zu küssen und zu drücken.
An den wenigen Abenden, wo sie schon um acht frei ist, wenn die Gnädige im Theater ist und sie erst um elf wieder zu Hause zu sein braucht, fann fie in den Stadtpark fahren und können sie sich richtig lieben. Er war ja nicht der erste Mann, aber sie liebte ihn doch. Er war auch nichts besonderes, er war so wie andere auch, er wollte sich mit ihr vergnügen. Von Heiraten war nicht die Rede. Wie sollte man auch. Wovon und womit? Taran war überhaupt nicht zu denken.
Er beantragt unter Berücksichtigung der sonstigen Unbescholtenheit der Ange flagten sechs Jahre Gefängnis. Dies bißchen Liebe muß ein Mensch Der Offizialverteidiger sucht zu erhaben, dies bißchen Liebe darf nicht vergällt aründen, doch findet er für die Tat nur das jein von hämischen Worten und Gesten. Wort Affekt. Diese ärmliche Liebe. die in Hausfluren und Anlagen leben muß. Ja, da ist wohl der Wunsch, einmal zusammen zu schlafen, aber das muß Sehnsucht bleiben, unerfüllbar. Das ist ja verboten.
Als der Vorsitzende die Angeklagte fragt, ob sie noch etwas mitzuteilen habe und ihre Tat berene, sagt sie leise: ich bedauere das nicht. Weiter sagt sie fein Wort.
Angst hat sie genug gehabt, von Monat zu Monat. Aber daran gewöhnt man sich leichter als ans Gefeife der Frau.
Dienstmädchen sind ja teine Menschen! Und dann kommit der Winter. Es wird zu falt in den Anlagen. und die Liebe stirbt. Artur hat feine Lust, sich najse Füße zu holen, was soll er mit ihr herumlaufen. So ist sie wieder allein.
Das Urteil hört sie schweigend an. Wie könnte sie auch den ganzen VerMädchenkammern sind manchmal eine lauf schildern. Ja, sie weiß, wann es begann. Damals im Frühjahr, als die Gnädige vorzeitig nach Hause kam und sie mit Artur in der Haustür stehend fand. Da begann's. Diese ewigen Fragen aus schies fen Augenwvinkeln: lieben sie ihn auch? Baj- Aber die Sticheleien der Frau dauern sen sie auf, damit nichts passiert, mit' nem an. Zu dem Schmerz, verlassen zu sein, Sind kann ich sie nicht gebrauchen! Jeden das höhnende Gesicht der busterischen GnäTag etwas anderes. Und alles mit einem digen. Lächeln gesagt, aber mit dem Unterton, verleben zu wollen.
Elsbeth Breit wird zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ihre Dienstherrin, die gnädige Frau Liepmann, mit dem Beil niedergeschlagen hat. Sie wird aus dem Lazarett des Untersuchungsgefängniffes vorgeführt, in das man sie geschafft hatte, als sie nach der Tat durch einen Sprung aus der zweiten Etage mit ge brochenen Beinen auf dem Pflaster lag.
Dann das dauernde Herumipionieren
Und so geschieht es eben. Und als die Frau morgens wieder beginnt mit Vorwurf und Anzüglichkeit, geschieht es. Sie schlägt