Fiat AuftMa. »o-i«ewr« O'^nra(OtctoVor*). Eine- Morgen- la- ich unter einem Dutzend lapidarer, in Form und Inhalt einander fast auf«in Haar ähnelnden Ab- gängigkeitSanzeigen ein« Nachricht, die mich trotz ihre- nicht gerade aus dem Rahmen der amtlichen Berichterstattung fallenden Wort» laute- au» dem Grunde auf» höchste über» raschle und interessierte, weil mir angesichts dieser staubtrockenen Darstellung üötzlich die unanzweifelbare Tatsache zum Bewußtsein kam, daß ich eigentlich nichtsahnender Lat- und Augenzeuge einer Tragödie war, die jetzt mit ein paar nichtssagenden Zeilen abgetan wurde. Da stand in winzigen Lettern: Die Mannschaft der mitternachts stromaufwärts dampfenden Hudson-Barkasse„Lady moon" barg die Leiche einer ungefähr drei» undzwanzigiährigen Frauensperson, deren Identität bi» zur Stunde nicht festgestellt werden konnte. Ob es sich um einen Raub-, Lust- oder Selbstmord handelt, wird die behördliche und gericht-medizinische Untersuchung ergeben. Allfällige zweckdienliche Angaben mögen an das Revier deS Polizeikommissärs Rex Wilcox geleitet werden... Ich war am Hudson-River , anderthalb Stürmen vor Mitternacht, einem Pärchen begegnet, das sich heftig zankte, aber sich sofort wieder in den Armen lag, als ich unvermittelt aus dem Dunkel auftauchte. Bon dieser nächtlichen Episode hatte ich aus dem Grunde keine auffällige Notiz genommen, weil der Streit zwischen den beiten Liebenden daraufhin ern Ende hatte. Aber jetzt, als ich die Notiz las, erinnerte ich mich wie- der dieser Szene. UeberdieS gab mir das Bild, das unterhalb der Nachricht prangte, die Gewißheit, daß die Ermordete mit dem Mädchen identisch war, von dessen nächtlichem Zank mir einige Brocken im Gedächtnis haften geblieben waren. Ich ging also geradewegs auf das namhaft gemachte Polizeirevier, um die mir zweckdienlich erscheinenden Angaben z» machen. Der Kommissär Rex Wilcox hieß mich Platz nehmen, offerierte mir jovial eine echte Henry Clay und ließ eine ganze Batterie Eislimonaden auffahren. Ich war gerührt über den wirklich liebenswürdigen Empfang und begann haargenau den Hergang meinenächtlichen Abenteuer- zu erzählen. Ein Stenograph nahm das Protokoll aus. „Wie spät war e- eigentlich, mein Herr, als Sie dem zankenden Pärchen begegneten?" ^Jch glaube zehn Uhr dreißig! Der Kommissar lächelte fast väterlich. „Und was taten Sie um zehn Uhr dreißig an dieser nicht gerade ungefährlichen Stelle, wenn ich fragen darf, mein Herr?" „Warum sollten Sie nicht fragen dür fen,.Herr Kommissär: ich ging spazieren..." „Wieso kam e-, daß Sie gerade um zehn Uhr dreißig diese menschenove Gegend passierten?" „Weil ich mich dort verabredet hatte..." Wieder da» schelmische Blinzeln in seinen Augen. „Wollen Sie nicht ein Glas Limonade?" „O, ich danke!" Toast. Der joviale Kommissär nahm das Frage- und Antwortspiel wieder auf. „Also, wenn ich Sie richtig verstanden habe, hatten Sie dort eine Verabredung. Mit wem? Mit einer Dame oder nnt einem Herrn? Sie entschuldigen diese indiskrete Frage... Bielleicht eine frische Henry Clay gefällig?" Er reichte mir sein Tabatiere hin. „Mit einer Dame!" gab ich nonchalant zur Antwort. Gott , dachte ich mir, ist das ein blödsinniger Beruf, Kommissär sein. Nirgends ein Anhaltspunkt. Was muß der arme Manu alles fragen, bis ein achtlos hingeworfenes oder belanglos erscheinendes Wort die Kette der untrüglichen BerdachtS- momente schließt. Ich sagte mir insgeheim, daß ich dem jovialen Herrn wirklich einen unschätzbaren Dienst erweise, wenn ich rückhaltlos auf seine Fragen antworte. „Also, mit einer Dame waren Sie verabredet. Dars ich den Namen dieser Dame wissen?"- Ich zögerte zum erstenmal einen Augenblick. Dann sagte ich: „Ich bedauere, den Namen der Dame kann ich leider nicht sagen!" „Bitte, bitte! Angaben, die Sie eventuell irgendwie belasten würden, können Sie selbstverständlich unterlassen. Ihre Di-kre- ,tio« ehrt Sie übrigen-..." Ich dankte für das Kompliment. „Ich muß Sie außerdem vielmal- um Entschuldigung bitten, mein Herr, dass ich Sie um Dinge frage, die eigentlich Ähre Privatangelegenheit sind. Aber Sie wissen, Gründlichkeit ist da- oberste Gebot unsere- Amtes." Dieses Argument mußte ich uneingeschränkt gelten lassen. „Sie dürfen selbstverständlich fragen, so viel Ihnen beliebt!" „Also,' dann fetzen wir unsere Unterhaltung fort: Kam die Dame zum Rendezvous?" „Nein! Sie war sicherlich vechindert. Mein Gott, das kommt vor!" „Haben Sie seither von dieser Dame etwas gehört?" „Nein!" Können Sie irgend einen Zeugen namhaft machen, der Sie um zehn Uhr dreißig an der fraglichen Stelle spazieren gehen sah?" „Ich war ganz allein! „Wie sah die Dame aus, mir der Sie Rendezvous haben sollten?" „Groß, schlank, blond." „Und war sie hübsch?" „Sogar sehr hübsch!" Der Kommissär machte eine kleine Atempause, goß ein Glas Limonade hinter die Binde, schlug mit seinem Federhalter ein paar elegante Bolten, und nahm die Unterhaltung wieder auf. „Worüber stritt das Pärchen? Wäre es Jhnen möglich, mir darüber Ausschluß zu geben?" „Ich hörte gerade noch, wie das Mädchen sagte: Ich liebe dich! Er gab darauf«, hin zur Antwort: Ich dich auch!" „Und hierüber geriet das Pärchen in Streit?" „Ja denn eines wollte de» andern diese Liebe nicht glauben." „Aha! Das bringt unS dem vernurt- lichen Sachverhalt wesentlich näher." „Hierauf wurde der Maun brutal und brüllte: Ich weiß, daß du mich gestern Punkt 10 Uhr abeuds betrogen hast! Sie widerspach ihm. Ein Wort gab vas andere..." „Mas geschah dann?"
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11 (17.10.1931) 42
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