Feierad

Feierabe

Nr. 3.

Enterhaltungsbeilage.

Keine Arbeit.

Boa Emi.e 3ola.

schwere Zeit hinweggeholfen; aber es ist aus, ich bin erledigt; ich habe fein Stüd Brot mehr zu teilen."

1932.

lenen Fluten gleiten dumpfgrollend dahin; wei ßer Schaum zerreißt an einem Brückenpfeiler. Er neigt sich weiter vor, die gewaltige Wasser­masse wälzt sich unter ihm fort und ruft ihm eine wütende Lockung zu. Dann sagt er sich, das wäre feige, und er geht weiter.

Die folgende Geschichte des großen fran-| lett gefämpft. Ich hätte euch gern über diese| Brüstung über die Seine gebeugt; die geschwol­zösischen Dichters ist in den Neuen Erzäh lungen für Kinder" im Jahre 1874 erschie­nen. Sie zeigt dieselben Erscheinungen wie die heutige Wirtschaftskrise, nur in anderen, mehr patriarchalischen Verhältnissen, die den damaligen industriellen Verhältnissen ent­sprachen, Aber die Ordnung", die perio­disch Arbeitslosigkeit schafft, und den Hun­ger von Kinderen förmlich zum Gesetz er hebt, ist die gleiche wie 1874 und schier ein Menschenalter später. In die scheinbar nüchterne Darstellung des Dichters von Germinal" flingt die Anklage gegen diese " Ordnung" hinein.

I.

P

Als die Arbeiter am Morgen in die Wert statt fommen, finden sie sie kalt und schwarz

wie eine Ruine. Im Hintergrund des großen Saales steht stumm die Maschine mit magereen Armen und unbeweglichem Räderwert; sie macht alles noch melancholischer, ihr Fauchen und Rasseln macht sonst das ganze Haus lebendig wie der Schlag eines gewaltigen, arbeitsstarken

Herzens.

Der Herr kommt aus seinem kleinen Kontor

herunter:

Kinder", sagt er traurig zu den Arbeitern, heute gibt es keine Arbeit... Es laufen keine Aufträge mehr ein; von allen Seiten werden die Bestellungen rüdgängig gemacht, ich werde mit meiner ganzen Ware hängenbleiben. Dieser Dezember, auf den ich rechnete, und der in an­deren Jahren so viel Arbeit brachte, droht, die solidesten Häuser zugrunde zu richten... Ich muß den Betrieb einstellen."

Und da er sieht, wie die Arbeiter einander anblicken voller Furcht vor der Heimkehr, voller Furcht vor dem Hunger am Morgen, fügt er leiser hinzu:

Ich bin kein Egoist, nein, wirklich nicht. Meine Lage ist ebenso schrecklich, wenn nicht noch schredlicher als eure. Binnen acht Tagen habe ich fünfzigtausend Franken verloren. Ich höre heute mit der Arbeit auf, um das Loch nicht noch größer zu machen; und ich habe noch feinen Son, um meinen Verpflichtungen am Fünfzehnten nachzukommen. Scht, ich spreche als Freund mit euch, ich will euch. nichts ver­bergen. Morgen kommt vielleicht schon der Ge­richtsvollzieher zu mir ins Haus. Wir können nichts dafür, nicht wahr? Wir haben bis zu

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Dann reicht er ihnen die Hand. Die Ar­beiter drücken sie schweigend. Eine Weile noch bleiben sie stehen, und mit geballten Fäusten sehen sie ihr nutzloses Handwerksgeng an. Der Regen hat aufgehört. Das Gas Gestern noch schwirrten schon bei Tagesanbruch flammt auf in den Schaufenstern der Juweliere. die Feilen, und die Hämmer schlugen den Taft Drückte er eine Scheibe ein, mit einem Griff dazu; und all dies scheint schon im Staube des hätte er Brot auf Jahre hinaus. In den Gast Banterotts zu schlafen. Zwanzig, dreißig Fa- häusern wird es hell; und hinter den weißen milien werden in der nächsten Woche nichts zu Mousselinvorhängen sieht er Leute essen. Er essen haben. Einige Frauen haben Tränen in geht schneller und steigt an Garküchen, Flei­den Augen. Die Männer wollen fester erschei- scherladen und Bädereien vorbei, an allem, was nen. Sie stellen sich tapfer und meinten, in Paris für die Stunden des Hungers feflbietet, Paris sterbe man nicht Hungers. zur Vorstadt hinauf.

Als der Prinzipal jie verläßt, und sie ihn gebrochen davonwanken sehen, in wenigen Tagen vernichtet unter einem, vielleicht noch größeren Schicksalsschlag, als er eingestehen will. geht einer nach dem andern dem Ausgang zu: fie er tiden im Saal, ihre Kehle ist schwer, ihr Herz fröstelt, als verließen sie ein Totenzimmer. Der Tote ist die Arbeit, ist die große stumme Ma­schine, deren Gerippe unheimlich in der dunklen

Ede steht.

II.

Der Arbeiter steht draußen auf der Straße, auf dem Pflaster. Seit acht Tagen streift er umber, ohne Arbeit finden zu können. Bon Tür zu Tür ist er gewandert und hat seine Hände und seine Arme, hat alles angeboten, gleich zu welcher Verrichtung, sei es zur wider wärtigsten, mühsamsten und gefährlichsten. Und alle Türen haben sich wieder vor ihm geschlossen.

Dann hat er sich erboten, zu halbem Lohn zu arbeiten. Die Türen haben sich wieder auf­getan. Und arbeitete er umsonst, man fönnte ihn nicht annehmen. Es gibt keine Arbeit, es ist die schreckliche Zeit der Stockung, die wie ein Totengeläute durch die Mansarden flingt. Eine Panit hat alle Geschäfte ergriffen, und das Geld, das erbärmliche Geld hat sich verborgen.

Nach acht Tagen ist jede Hoffnung dahin. Der Arbeiter hat einen letzten Versuch gemacht, und langsam, mit leeren Händen, vom Elend erschöpft, kehrt er heim. Es regnet; an solchen Abenden ist Paris trübselig im Schmutz. Ohne die Nässe zu spüren, geht er seines Weges, nur seinen Hunger spürt er, und er geht langsamt, um später heim zu kommen; er hat sich an eine

Als Frau und Kind am Morgen geweint hatten, hatte er ihnen zum Abend Brot ver­sprochen. Er hat ihnen seine Lüge vor dem Abend nicht eingestehen können. Während des Gebens fragt er sich, wie er vor sie hintreten, und was er ihnen zur Beruhigung sagen solle. Länger fönnen sie wirklich nicht ohne Essen bleiben. Er würde es schon versuchen, aber die Frau und sein Kind sind zu zart.

Einen Augenblick denkt er daran, zu betteln. Aber kommt ein Herr oder eine Dame an ihm vorbei, und will er die Hand ausstrecken, so wird ihm der Arm steif, und die Schle schnürt sich ihm zu. Wie angewurzeft bleibt er auf dem Bürgersteig stehen, und die anständigen Leute wenden sich von ihm ab, in der Meinung, er sei betrunken, wenn sie sein verstörtes, vor Hunger wildes Gesicht sehen.

III.

Die Frau des Arbeiters steht unten in der Tür, die Kleine schläft oben. Sie hat ein Stat­tunkleid an und ist ganz abgemagert. Im fal­ten Straßenwind schauert sie vor Kälte zu­sammen.

In der Wohnung ist nichts mehr; sie hat alles zum Pfandleifer getragen. Acht Tage ohne Arbeit vermögen das Haus leer zu machen. Am Abend vorher hat sie die letzte Handvoll Wolle aus ihrer Matraße an einen Trödler verkauft; so ist die Matraße nach und nach dar­aufgegangen, jetzt ist nur noch der Ueberzug da. Den hat sie vor dem Fenster aufgehängt, damit der Wind nicht so hineinbläft, denn die Kleine hustet start.