1932.
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Der erste Branntwein-Brenner. Don Sco Solftoi
Ohne Frühstück ging der arm« Bauer hinaus aufs Feld, um zu ackern, nur ein Stück Brot nahm er mit. Als er dort ankam, legte er seinen Kaftan ab, gab ihn unter«inen Busch und tat das Stück Brot daneben. Später wurde dann das Pferd müde und der Bauer hungrig. Er spannte das Tier aus, ließ es tveiden,«r selbst aber ging zu seinem Rock, um das Stück Brot als Mittagmahl zu verzehren. Er hob den Rock auf und siehe da, das Brot war w«g. Er suchte es, suchte es überall, drehte den Rock hin und her, schüttelte ihn— das Brot war nicht da. Ter Bauer staunte darüber sehr.„Ist das aber sonderbar! Ich habe niemand gesehen und doch hat mir jemand das Brot gestohlen!" Es war der Teufel gewesen, der ihm das Brot entwendet hatte, während der Bauer arbeitet«; und er duckt« sich hinter den Busch, um zu hören, wie der Bauer fluchen und dabei den Teufe! erwähnen werde. Dem Bauer tat es wohl sehr leid, daß er bestohlen worden war, er tröstete sich aber auf seine Art. „Nun", sagte er,„ich werde nicht Hungers sterben; jener, der das Brot genommen hat, hatte es sicherlich sehr nötig— möge es ihm wohlbekommen!" Und der Bauer ging hin zum Brunnen, trank einen tüchtigen Schluck Wasser, ruhte, spannt« das Pferd«in und machte sich wieder an die Arbeit. Der Teufel wurde betroffen, daß er den Bauer nicht dazu verleiten konnte, zu sündigen. Er begab sich hinunter in di« Hölle, suchte dort den Obersatan auf und erzählte ihm, wie er dem Bauer das Stück Brot entwendet und wie dieser, statt zu fluchen, gesagt hatte,„es möge ihm wohlbekommen!" Der Obersatan geriet darüber sehr in Wut. „Wenn der Bauer", schrie er zornig,„dich überlistet hat, so ist das dein Fehler, du hast di« Sache eben falsch angepackt. Das würde noch fehlen, daß sich der Bauer und gar sein Weib an dergleichen gewöhnen— dann toerden wir niemals vorwärtskommen! Ein« schlimm« Sache, das muß ich dir sagen. Ich kann das nicht ruhig hingehen lassen. Kehre sofort zurück und verdien« dir das Stück Brot des Bauern. Wenn du nicht binnen Kvei Jahren über ihn triumphierst, bade ich-dich in geweih- iem Wasser.^--.‘
Bor dem geweihten Wasser hatte der Teufel eine Riesenangst; so rasch er nur konnte, eilt« er wieder zur Erde hinauf und grübelte darüber nach, wie er seinen Fehler wieder gutmachen könnt«. Er zerbrach sich lang« den Kopf — endlich kam er aber doch darauf. Er nahm das Aeußere eines guten Menschen an und verdang sich bei dem armen Bauer als Arbeiter. Und er lehrte den Bauer, während des trockenen Sommers im Sumpf säen. Bei den Nachbarn wurde alles von der Sonne versengt, di« Saat des armen Bauern aber gedieh üppig, lang, in "vollen Aehren. Der Bauer konnte davon ein ganzes Jahr leben und es blieb ihm noch Weizen in Hülle und Fülle übrig Im nächsten Sommer lehrt« der Arbeiter den Bauer, oben auf dem Berge zu säen. Im Sommer regnete es in einem fort. Bei den anderen schlug der Regen alles nieder, die Saat fault« und die Aehren füllten sich nicht, aber das Getreide des Bauern oben auf dem Berg entwickelte sich prächtig und es blieb ihm so viel Ueberfluß, daß er gar nicht wußte, was damit beginnen. Ter Arbeiter lehrte jetzt den Bauer, aus dem Getreide Branntwein brennen; und der Bauer braute den Schnaps und er trank davon und gab auch den anderen zu trinken. Der Teufel sucht« den Obersatan auf und rühmte sich, das Stück Brot nunmehr verdient zu haben. Der Obersatan wollte sich davon mil- eigenen Augen überzeugen. Er suchte also den Bauer auf und er sah, daß dieser di« reichen Leute des Dorfes zu sich eingeladen hatte und sie mit Branntwein bewirtete; die Frau des Bauern bot ihn den Gästen an. Während sie das Getränk vorsetzte, streifte sie an den Tisch und stieß ein volles Glas um- Ter Bauer wurde zornig und verflucht« seine Frau. „Tu Teufelsbrut", brüllt« er.„Ist das ein Spülicht, du Krummbeinig«,' daß du es ans den Fußboden ausschüttest?" Ter Teufel stieß den Obersatair mir dem Ellbogen. ,Lörst du", flüsterte er,„jetzt, sagt er nicht: es möge dir wohlbekommen!" Der Bauer fluchte, noch weiter, und er schenkte selbst ein. Da kam, von der Arbeit müde,«in armer Bauer, den man nicht geladen hatte;- er grüßte, setzt« sich, und er sah die* Bauern Branntwein trinken. Auch er bekam
Lust, auch er wollt« davon einen Schluck; er saß nur und saß, schluckt« immer wieder den Schleim hinunter. Der Bauer hätte dem Armen nicht um die Welt auch nur ein einziges Gläschen gegeben, sondern er brummte für sich:„Ich kann nicht alle von euch mit Branntwein versehen." Auch das gefiel dem Obersatan. Der kleine Teufel meinte: „Warte nur noch ein wenig, es wird noch bunter werden." Die Gäste tranken, und der Hausherr trank. Sie schmeichelten einander, priesen einander ihre Reden waren geschmeidig und glatt wie Butter. Der Obersatan lauschte, und er flüstert« deni kleinen Teufel zu: „Sobald däs Getränk sie den Füchse» ähnlich gemacht haben wird und sie sich gegenseitig betrügen und überlisten werden, haben wir sie sämtlich in den Händen." „Warte nur", entgegnete der kleine Teufel, „bis sie auch das zweite Glas im Wanst haben. Wie di« Füchse gehen si« jetzt schweipvedelnd einer zum anderen, und einer will deu anderen betrügen. Du wirst aber sehen, bald werden sie so sein, wie böse Wölfe." Die Bauern leerten das zweite Glas, ihre Reden wurden lauter und roher. An Stell« der ölglatten Reden kamen Flüche, es fielen böse Wort«, eine Schlägerei entstand und sie schlugen sich gegenseitig die Nasen ein. Auch der Gastgeber mengte sich ein; man prügelt« ihn tüchtig durch. Ter Obersatan sah das alles mir an und cs gefiel ihm sehr. „Gut!- Sehr gut!" brummie er. „Warte nur", iagr« der kleine Teufel,„es kommt Noch bunter. Sic mögen nur erst das dritte Glas leeren Jetzt sind sie wütend wie die Wölf«, bald toerden sie aber wie die Schurein« sein." Und die Bauern tranken das dritte Glas. Sie wurden ganz weich gestimmt-- sie stammelten-- sie lallten— sie bemerkten gar nicht, daß keiner auf den- anderen hört. Und die Gäste entfernten sich— einzeln— zu zweit— zu dritt: alle fielen sie aus der Straße der Länge nach hin. Der Hausherr ging mit ihnen, um sie hinausznbegleiten— und er fiel hin, mit dem Gesicht in ein« Pfütze, er beschmiert« sich von- Kopf bis Fuß. und nun lag er dort wie ein Wildschwein und grunzte.