A ITO

Feieraberd

Feierabe

Nr. 16.

Enterhaltungsbeilage.

Autotaxi Nr. IA 9865

1932.

Siebzehn Jahre ist es alt, als sich zum| Trittbrett befestigt war, dem runden, schwar- Junmodernen Lampen waren verschwunden; lezten Male ein Chauffeur auf den abgezen Taxameter und den mit hellbraunem an ihrer Statt glänzten vernickelte Schein­webten, eingedrückten Lederbezug des Füh Leder bezogenen Sizen... Der Motor war werfer mit hochferzigen Glühbirnen darin. rersizzes setzt, den Motor anlaufen läßt und nen und zuverlässig; wenn ein Fahrgast ein- Den Plaz des Karbidbehälters auf dem Tritt­den flappernden Wagen langsam auf den Hof stieg brachte der Chauffeur nur mit einem brett nahm jetzt eine elektrische Batterie im des Autofriedhofes fährt. Auf dem Platz, furzen Ruck die vernickelte Kurbel vorn her schwarzen Blechlaften ein. Die Kurbel war der bedeckt ist mit hohen Haufen zerrissener umzureißen, und der Motor lief. Brav und verschwunden; ein Druck auf den Knopf des Pneumatiks, abgebalgter Size, deren Sprung zuverlässig lief er. Jeden Morgen und jeden Anlassers ließ den Motor anspringen. Alles federn wirr und verrostet aus den zerrissenen Abend rechneten die beiden Chauffeure, die sah wie nen aus, und nur die nachgedunkel­Gurten herausstehen, abmontierter Räder, sich in den Tages- und Nachtdienst teilten, bei ten Ledersize verricten, daß schon viele Men­altmodischer Karosserieteile und ausgeschlach dem Besizer ab der Verdienst war gut, die schen auf ihnen gesessen hatten. teter Motorblöde, nimmt der Chauffeur das Anschaffung lohnte sich, und alle waren zu­Gas weg und zieht die ausgeschliffenen Brem- frieden.

Ja. Gott sei Dank! Man bekam ja mit dent Klapperkasten keine Fuhre mehr!"

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Es folgte der gespenstische Zahlentanz der Inflation. Der Chauffeur und der Be­sen an. Er flettert heraus und wechselt mit Die Jahre gingen, der Krieg schritt wei siper, der jetzt an die Stelle des zweiten dem inzwischen herbeigekommenen Besitzer ter, wurde immer erbarmungsloser und här Chauffeurs getreten war, brachten jeden der ,, Altauto- Verwertungs- G. m. b. H." ein ter und immer seltener fam es vor, daß Morgen und Abend immer größere, immer paar Worte. Sehen Sie man zu, was aus das Autotaxi IA 9865 lustige, glückliche phantastischere Summen nach Hause der alten Blechbüchse noch herauszuholen ist!" Menschen ihrem Ziele zuführte. Eilige Offi- Summen, die Stunden später zerflossen, un­Der Angesprochene sieht das Wagenvrad ziere, die von einer Dienststelle zur anderen scheinbar wurden, entwertet waren... Der mit einem zweifelnden Blick an. ,, wird nicht fuhren, Urlauber, die schnell vom Bahnhof Wagen kam nicht zur Ruhe, jagte tagsüber viel werden!" brummt er als Antwort. ,, Nur, nach Hause wollten, und die noch das Grauen zwischen Büros, Banken, Börse und Fabriken daß die Untosten gedeckt sind, fürchte ich. der Front in den Augen trugen, Frauen, die hin und her brachte nachts lärmende, in­Hat Ihr Chef einen neuen gefauft?" in der Stickluft und Hezjagd der Munitions - nerlich haltlose Menschen von Bar zu Bar, fabriken zusammengebrochen waren und in von Diele zu Diele. Ausländer fuhren in ihre Wohnung oder ins Krankenhaus ge- ihm: lebhafte Franzosen, kühle, überlegene schafft wurden ab und zu ein fetter, zyni Engländer, geschäftsmäßige Amerikaner, und scher Kriegsverdiener mit seinen Schieber alle die Fahrgäste hatten nur einen Gedan freunden das waren die Fahrgäste wähten: Verdienen teilhaben an dem großen rend dieser vier Jahre. Längst sah das Auto Raubzug!" nur einen Gesprächsstoff: nicht mehr so elegant aus, wie zu Anfang. Geschäfte machen faufen, verkaufen, für Der Lad war stellenweise abgestoßen und Dollars, Pfunde, Franken..." fonnte nicht erneuert werden. Die Bereifung bestand aus Ersatzgummi, der alle Augen blide riß und geflict werden mußte. Das minderwertige Ersatzbenzin ruinierte den Motor, der, erst so zuverlässig, jetzt oftmals ohne erkennbaren Grund aussette und nicht wieder in Gang zu bringen war. Der Tages verdienst wurde knapper. Und dann war der Krieg endlich zu Ende.

Dies ist die Geschichte der Autodroschte Rr. IA 9865:

Kurz vor dem Striege entstand sie. Es gab damals auch keine Serienfabrikation, wie sie heute die Menschen zermürbt und die Er­zeugnisse der Industrie in einem stetigen, ununterbrochenen Strome in die Welt er gießt. Wo heute pro Tag 200 genormte und standardisierte Wagen die Fabrit verlassen, wurden damals täglich 10 hergestellt und eines Tages war unser Tagi eines von diesen zehn. Es erhielt seine rote Probenummer, wurde auf der Versuchsbahn eingefahren und ging endlich in den Besiz des Droschten unternehmers über, der damit den ersten Schritt zu Medernisierung seines Unterneh­mens tat. Bis dahin hatte er nur aus drei wackligen Droschten mit ebenso wackligen Gäulen davor bestanden.

Mit der Aufhebung der Blockade strömt­ten fremde Waren ins Land. Der Besizer der Autodroschte IA 9865 sah mit Erschret fen, wie seine Ersparnisse auf die Hälfte ein Viertel ihres ehemaligen Wertes zusam­Vieles wäre zu erzählen aus den ersten menschmolzen und verivendete einen Teil sei­Jahren der Autodroschte IA 9865 vieles, nes immer wertloser werdenden Geldes dazu, und wenig Frohes. Elegant sah sie aus, den das Autotaxi, von dessen Ertrag er jetzt allein damaligen Begriffen entsprechend: mit ihrer leben mußte( die Pferde hatte man zum glänzend ladierten Karosserie, den messin- Kriegsdienst weggeholt), neu instandsetzen zu genen Scheinwerfern, dem Karbidbehälter, lassen. Wieder stand es eines Tages neu lat der, ebenfalls aus Messing, auf dem tinten fiert und zuverlässig auf der Straße. Die

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Dann war dies alles mit einem Schlage vorbei und das Leben kam wieder in geord­nete Bahnen. Das Autotagi IA 9865 tat seine Pflicht wie Tausende von anderen Auto­droschten. Tag und Nacht war es in Be­trieb. Es stand bald da, bald dort an einem Halteplay; in längeren oder kürzeren Abstän­den nahmen Menschen in ihm Plaz, um schnell an irgendein Ziel zu gelangen Menschen: traurige und vergnügte- hoff nungsvolle und hoffnungslose legene und wohlhabende, selbstsichere schäftige und schweigfame junge und alte Männer und Frauen Liebespärchen und Einsame gesunde und franke immer andere Menschen, immer wechselnde Schicksale.

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arme, ver­ge=

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Die Jahre vergingen. Es verging die Zeit der Rationalisierung, der Scheinblüte der Wirtschaft, und dann fam allmählich, endlich immer drückender und erbarmungs­