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Drei Skizzen... QIn« dem Ledenswerk vo» Gmtle 3ola.

Die Rougout-Maequart. Bei den Rougon aber ging es in der schwülen Luft des Salons, bei den noch warmen Resten des Festmahls hoch her. Endlich genoffen sie die Freuden der Reichen; nachdem sie dreißig Jahre lang ihre Begier­den hatten Niederhalten müssen, zeigten sie jetzt eine wilde Gier. Diese hungrigen, ob­gemagerten Raubtiere, denen erst gestern die Genüsse zugänglich gemacht worden, begrüß­ten mit lautem Jubel das erstehende Kaiser- reich, die Herrschaft der wilden Treibjagd. Wie durch den Staatsstreich der Glücksstern der Bonaparte wieder aufgegangen, begrün­det« er auch das Glück der Rougon. Peter erhob sich, streckte seinen Gästen sein Glas entgegen und rief: Ich trinke auf das Heil des Prinzen Ludwig, des Kaisers." Die Herren, die ihren Neid in dem Schaumwein ertränkt hatten, erhoben sich sämtlich und stießen unter betäubendem Jubelgeschrei mit ihren Gläsern an. Es Ivar ein schönes Schauspiel. Die Bürger von! Plasjans, Roudier, Granoux, Vuillct und die anderen weinten und umarmten sich über dem noch warmen Leichnam der Re­ publik . Sicardot aber hatte einen glänzen­den Gedanken. Er nahm aus dem Haar- licitös eine Schleife von rosa Satin, mit welcher die Hausfrau sich für den Festabend geschmückt batte, schnitt mit einem Dessert- meffer ein Stückchen davon ab und steckte cS feierlich in das Knopfloch Rougons. Dieser spielte den Bescheidenen, ivehrte ab un­murmelte mit strahlender Miene: Nein, ich bitte Sie, das ist zu viel, man muß warten, bis der Erlaß erschienen ist." Sarrebleu", rief Sirardot,ob Sie cs wohl behalten wollen, ein alter Soldat Na­ poleons dekoriert Sir!" Der ganze Salon klatschte Beifall.- licite schwamm in Glückseligkeit. Der sonst so schweigsame Granour bestieg in seiner Begeisterung eine» Sessel, winkte heftig mit seiner Serviette und hielt eine Rede, die in dem allgemeinen Getümmel untergiiig. Der gelbe Salon triumphierte, raste. Doch das Bändchen von rosa Satin im Knopfloch Peters tvar nicht der einzige rote

Fleck im Triumph der Rougon. Unter dem Bette des anstoßenden Zimmers vergessen, lag noch ein Schuh mit blutbeflecktem Ab­satz. Die Kerze an der Leiche des Herrn Pei- rotte auf der anderen Seite der Straße schimmerte blutigrot durch das Dunkel der Nacht wie eine offene Wunde. Und in der Ferne, im Hintergründe des Saint-Mittre- Feldes aus dem Grabstein stockte eine große Lache voll Blut. Der Zusammenbruch. Es war Mittag, der ganze Horizont stand in Flammen und lenkte sein donnern­des Kreuzfeuer auf das siebente und erste Korps. Ein im Galopp vorbcijagender Melde­reiter rief dem Oberst von Bincuil in dem tosenden Lärm einen Befehl zu. Schon rich­tete der Oberst sich mit glühendem Gesicht in den Bügeln ans: und mit einer mächtigen Bewegung wies er auf den Kalvarienberg: Endlich kommen wir dran, Kinder!.... Vorwärts, dort hinauf!" Die 106er fühlten sich hingerissen und setzten sich in Bewegung. Als sich am Ende des Laufgrabens vor dem nackten, nun zu überschreitenden Gelände ein Zurückstauen benierkbar machte, wurde das Regiment so­fort von der allgemeinen Panik ersaßt und war drauf und dran, die Flucht zu ergrei­fen. Der Naturtrieb in ihnen tvar entfesselt, ihre Muskeln lehnten sich aus und gaben auch der unbestimmten Eingebung nach. Scho» wandten sich einzelne Leute um, als der Oberst sich ihnen entgegenwars: Kinder, hört mal. Ihr werdet mir doch den Schincr; nicht macken und euch wie Feiglinge benehmen... Denkt daran, daß die 106er noch nie zurückgegangen sind und daß Jbr die ersten sein würdet, die unsere Fahne durch den Schmutz zögen..." Er trieb sein Pferd an und versperrte den Flüchtlingen den Weg: für jeden fand I er ein Wort und sprach zu ihnen von Frank­ reich mit einer Stimme, in der es von Trä­nen zitterte. Leutnant Rockes fühlte sich der­art gepackt, daß er in furchtbaren Zorn ge­riet und mit erhobenem Degen wie mit einem Knüppel auf die Leute loshieb.

Dreckschweine, mit Fußtritten in de« Hintern werde ich euch dort hinaufbringenk Wollt ihr gehorchen, oder ich breche dem ersten, der sich umdreht, den Hals!" Aber diese Heftigkeit, dies Jnsfeuer- bringen der Soldaten, war dem Oberst zu­wider.Nein, nein, Herr Leutnant, sie gehe« schon mit mir... Nicht wahr, Kinder, chr werdet doch nicht euren alten Oberst sich ganz allein mit den Preußen herumschlagen kaffen?... Vorwärts, dort hinauf!" Wieder ging er voran, und tatsächlich folgten ihm alle; er hatte in so prächtig väterlicher Weise zu ihnen gesprochen, daß sie ihn nicht im Stich laffen konnten, wenn sie sich nicht wie Nichtswürdige benehmen wollten. Er ritt übrigens auf seinem großen Gaul ganz allein über die kahlen Felder, während die Leute sich zerstreuten und in Schützenlinien unter Ausnutzung jeder vor­handenen Deckung vorgingen. Das Gelände stieg an, und sie hatten fünfhundert-Meter Stoppelackcr und Felder mit roten Rüben vor sich, ehe sie an den Kalvarienberg her­ankamen. Anstatt des vorbildlichen Angriffs, wie er im Manöver vorkommt, sah mau die Soldaten nur noch mit gekrümmtem Rücken über die Erde dahingleiten. Mit einem Satz kamen sie endlich über den letzten Teil des Abhanges. Nun waren sie oben, unmittelbar am Fuße des alten, von Wind und Regen zernagten Kreuzes zwischen den beiden mageren Linde». Ha, gut Blut, da sind wir!" rief Jean. Aber die Hauptsache ist nun, daß wir hier auch bleiben!" Er hatte recht, der Platz war nicht gerade angenehm, wie Lapoulle mit klagender Stimme zum Vergnügen der ganzen Kompagnie bemerkte. Von neuem streckten sich alle in einem Stoppelfeldc hin; aber trotzdem wurden sofort drei Leute ge­rötet. Da oben blies geradezu ein entfessel­ter Orkan. Hier erst sahen sie ihren Oberst auf seinem großen Gaul wieder mit seinem blu­tigen Stiefel. Bon allen Seiten wurden die 106er jetzt angegriffen. Ein paar Kompa­nien halten schon die Flucht ergreifen müs­sen. Nun mußte auck der Oberst dem Strome weichen; die Augen standen ihm voller Trä»