والرهللا

Feierabe

Nr. 29.

Unterhaltungsbeilage.

Feierabe

1933.

Aus den Tagen dunkler Reaktion.

Alfons Pezold, der große Arbeiter­dichter, schildert, wie er, faum der Schule entwachsen, Kampf und Opfer für den Sozialismus kennen lernte.

Bon Alfons Bego: d. hende Falten zu legen und den Wachmann haben, denn plötzlich stimmte die Menge auf mit einem strengen Blid auf mich nach der der Straße in unseren Gefang ein. Kurze Ursache meiner Arretierung zu fragen. Der Zeit darauf knarrie die Tür des Gefängnis­Wachmann gab nun ein langes und breites fes und der Wärter trat würdevoll zu uns über mein Verbrechen an und ein Schreiber hin: Bittee zum Härn Kommissär hinauf Im Berein der jugendlichen Arbeiter füllte mit den Angaben zwei große Bogen tommen". Dieser teilte uns mißmutig mit, war ich zum Schriftführer gewählt worden. Papier , was mich sehr wunderte. Nachdem daß wir aus der Haft entlassen seien, daß Wir junge Burschen beteiligten uns mit ich nun meine Personalien angegeben hatte, wir aber, wenn es nach ihm gegangen wäre, einem wahren Feuereifer an der Wahlarbeit wurde ich von einem anderen Polizeimann ruhig noch ein paar Stunden hätten ſizen und schon seit Wochen waren wir jeden in eine Kammer gebracht, wo mehrere Per- tönnen. Ahnungslos ging ich am nächsten Abend im Vereinslokal zusammengekommen, sonen wie Türken auf einem schiefen Holz- Tag an die Arbeit. Ich war eben im Be­wo wir unter Anleitung erprobter Kamera geftell hodten. Die Tür flappte ins Schloß, griff, meine Maschine in Bewegung zu den ein Zettelregister aller im Bezirk wahl ein Schlüffel fnarrte verdrießlich und ich jetzen, als ich an das Haustelephon gerufen berechtigten Personen angelegt hatten. In war wegen Staatsgefährlichkeit eingesperrt. wurde. Ich sollte zum Direktor fommen. den lezten Tagen der Wahl gingen wir nun Ich war froh, unter meinen Leidensgefähr Ich war darüber nicht wenig erschrocken, paarweise von Haus zu Haus und ſtedten ten einen Bekannten zu finden, der mir denn meine Audienz beim Direktor stand an jede Tür den Wahlaufruf unserer Partei. mitteilte, daß die übrigen Gefangenen eben meist mit einer Strafpredigt oder gar Ent­Als besonderes Bravourſtückchen saben wir falls Gesinnungsgenossen waren, die aus laffung in Verbindung. Die Unterredung es an, als wir uns eines Abends in den gleichen Anlässen hieher gebracht worden dauerte nicht lang. Der Direktor teilte mir Pfarrhof schlichen und dort den Zettel mit waren. Einer von ihnen, der hier Erjah- in urzen Worten mit, daß ich mich wegen der Inschrift Wählet Franz Schuhmeier " rung zu haben schien, beruhigte uns Zag- Teilnahme an den gestrigen Landtagswahlen an die Türen lebten. Am Tage der Wahl haften mit der Versicherung, daß wir ge- als entlassen betrachten könne. Auf Kündi­hätte ich in mir einen feigen Verräter gewiß noch vor dem Abend wieder freigelassen gungsfrist hätte. ich keinen Anspruch, weil sehen, wäre ich der Fabrik nicht ferngeblie- würden. Die Parteileitung wiffe von un- ich trotz des Verbotes einem sozialdemokra­ben, um noch auf der Straße und in den ferer Verhaftung und interveniere wahr- tischen Verein angehörte. Im ersten Mo­Häusern um Stimmung zu werben. Die scheinlich wegen unserer Freilassung. Um ment fing alles um mich herum an sich zu meisten meiner jungen Bereinskollegen taten uns die Zeit zu vertreiben und auch hier drehen. Ich fühlte den franten Störper wie ich und wir dachten nicht an die bösen unserer Sache noch nüßlich zu sein, opferten meiner Mutter sich an den meinen lehnen Folgen, die diese politische Mitarbeit für uns wir unsere Notizbücher, verblätterten fie und fiel ich, so fiel auch er... Knie hin, haben fonnte. Wir hatten uns an dem Tag schrieben unser Wählet Franz Schuhmeier " bitte den Chef um Verzeihung, gelobe deinen an einer Kreuzung zweier verkehrsreicher und ähnliche gute Ratschläge darauf und Austritt aus dem Verein. Jezt, vor dem Straßen aufgestellt und verteilten riesige warfen sie zu den kleinen vergitterten Fen- Winter arbeitslos werden, heißt hungern Stöße von Wahlaufrufen, die uns aus einem stern hinaus. So vergingen einige Stunden, und frieren. Dente an deine Mutter", rief in der Nähe liegenden Agitationslokal zuge- ohne daß ich die Haft allzuschwer empfand. es in mir. Da ermannte ich mich. Starr­schleppt wurden. Bis zur Mittagszeit war Gegen Abend horchten wir mit immer ge- heit tam in meine sich beugenden Knie. Die es uns immer gelungen, den vielen Polizei- spannterer Aufmerksamkeit auf die Straße Bitte, die mir auf der Zunge lag, blieb un­augen zu entgehen, die an dem Tag in ganz hinaus. Das lebhafte Wiener Volt feierte ausgesprochen. Ich richtete mich auf und Wien Jagd auf die sozialdemokratischen Agi- feine Wahlsiege zuerst auf der Straße durch verließ mit einem stummen Gruß das Büro, tatoren machten. Da, als es eben Mittag Umzüge, und wir hofften, aus dem Lärm holte mir aus der Buchhaltung das Arbeits­schlug und die Straßen voll von heimkehren- und dem Stimmengewirr das Ergebnis der buch mit dem gestempelten Zeugnis: War den Proletariern waren, faßten mich plötzlich Wahl zu entziffern. Lange war unser Lan - ehrlich und fleißig und wurde lohnbefriedigt von rückwärts zwei derbe Fäuste an. Als schen umsonst. Viele erregte Worte flatter- entlassen. Das Arbeitsbuch brannte in mei­ich mich umfah, blickte ich in das weinrote ten durch die Luft, aber bis sie unser Ohr ner Tasche und die Gedanken an den Kam­Blasengelgesicht eines Sicherheitswachman- erreichten, waren es nur mehr finnlose mer der Mutter machten mich schier wahn­nes, der mich für verhaftet erklärte. Wäre Töne. Doch plötzlich war es nun, als löften finnig. Ich irrte so bis tief in den Nach­der Anlaß dazu ein anderer gewesen, wäre sich alle Rufe in einem einzigen Jubelschrei mittag planlos in den Gaffen herum, bis ich wohl vor Angst und Scham ohnmächtig auf und in gewaltigem Hall brach es herein ich endlich Mut faßte, heimzugehen und der geworden. So aber schritt ich in stolzer in unseren Gefängnisraum: Hoch Schuh- Mutter das böse Ereignis zu verkünden. Befriedigung wie ein Sieger durch das Men meier, Sieg, Sieg, hoch die internationale Die Liebe, Gute zeigte aber wieder einmal, schengewühl an der Seite des schnaufenden Sozialdemokratie!" Wir fielen uns vor daß sie eine Arbeiternutter war, denn ohne Wachmannes. Im Polizeihaus des Bezirkes Freude in die Arme, füßten uns und waren den Ernst des Geschehenen zu erkennen, angelangt, wurde ich einem Polizeikommis- nahe daran, vor Erregung zu weinen. Dann fand sie sich doch mutig mit der Tatsache jär vorgeführt, der sich vorerst seine Finger begannen wir das Lied der Arbeit" zu ab und sprach mir selbst noch Mut zu, da el pußzte, um dann sein Gesicht in dro- fingen, draußen mußte man uns gehört ich wie ein Häuschen Unglück vor ihr faß.

Caito 3