Str.<7. WtterOaitungtfbeilaor. 1933. 1 Petroleum Von Gerv Land Weder einmal hatte DariuS Maggould weite Strecken zu Wasser und zu Lande zu- rückgelegt, denn wieder einmal ging es um Millionen, ging es um Erdöl , Petroleum, Naphtha... Wieder einmal hatte er rücksichtslos und draufgängerisch Hunderttausende aufS Spiel gesetzt, um Millionen in dem nervenzerrüttenden Spiel um„Erdölvorkom- men" zu gewinnen. Dieser brutale Draufgänger, der stet» alles aus eine Karte zu setzen pflegte, sollte, wie die Gerüchte in Wallstreet wissen wollten, noch vor wenigen Jahren durch die schmutzigen Straßen de» Elendsviertel» irgendeiner Weltstadt mit Packen druckfeuchtrr Zeitungen die neuesten Schlagzeilen auSgerufrn haben und manchen Abend hungrig auf da» harte Lager gefallen sein... DaS alle», dieser märchenhafte Aufstieg zum Beherrscher internationaler Märkte, der Börse» und Konzerne, dieser geheimnisvolle Zauber, der den Mann umgab, hatte auch auf sein Angeftelltenheer, auf seine Arbeiterbataillone üoergrgriffrn, vom Chefingenieur bi» hinab zum letzten malaiischen Kuli... Wieder einmal hatte Dariu» Maggould schwierige Reisen hinter sich, und der kleine, schmächtige Mann, dem man so gar nicht seine unerhört« Zähigkeit anmerne, stand, umgeben von seinen Ingenieuren, im kam- fortabelsten Zimmer des einzigen Stein- banseS jener im Herzen Borneo » aus der Erde geschossenen Ortschaft, die— das war die Art aller Maggouldschen Unternehmung gen— von vornherein„New Wealthhtown" getauft worden war:„Neue Stadt der Wohlhabenden!" Nun, es war bisher von Wohlhabenheit in dieser Ortschaft, die auS roh gezimmerten Bretterbuden, elenden Baracken, Cchnapsläden bestand, auch nicht das mindeste zu spüren. Nur die Bohrtürme, die hier lagen, verhießen dir Gelder, die dazu gehören... DariuS Maggould war ungehalten. DaS ungesunde Klima, die Tatsache, daß ihm ein betrunkener Malaie vor seinen schweren Reisewagen getorkelt war, mochten schuld daran sein... Auch waren die bisherigen Ergebnisse der angestellten Bohrungen gerade in den letzten Tagen zurückgegangen. Der schmächtige Mann mit dem hartgeformten Schädel und der kühnen Nase, mit dem schmalen, gekniffenen Mund und den roten Arbeitshänden, der Eroberer, dessen Leidenschaft Geld und Petroleum hieß, war zuvor in Bombay, Bangkok , Singapore , Batavia gewesen, um seine Interessen bei den englischen Generalrefidcnten, am siamesischen Hofe und bei den Großreedereien wahrzunehmen. Auch dies war ein Geheimnis seine» Erfolge», daß er stundenlang in einer buntbewimpelten Hafenspelunke in Batavia oder Singapore hocken konnte, um den Gesprächen der Chinesen, der Neger und Malaien zu lauschen, die auf seinen Dampfern angeheuert waren. Daß er in großer Gesellschaft auf seiner Luxusjacht, bei der «» von ordensübersäten Uniformen, von berückenden Frauen wimmelte, bi» zur abstoßenden Grobheit einsilbig und wortkarg sein konnte. ES war das Geheimnis der Einsamkeit. Professor Minardis, ein Gelehrter aus dem Gebiet« der Erdölgewinnung und Raffinerie, seit langer Zeit Leiter der Maggould» schen Bohrungen, erklärte dem Chef die Rentabilität der Unternehmungen von„New- Wealthytown". „Ich danke Ihnen, meine Herren," Maggould verabschiedete die übrigen Herren! und blieb mit dem Professor allein. Er trat i ans Fenster und blickte hinab auf die ungepflasterte Straße, über die um diese spate Abendstunde Malaien wankten, die, vor wem-1 gen Wochen noch glückliche Kinder der Natur,, mit den Segnungen der Zivilisation, mit j Alkohol und schlechten Filmen bekannt ge-1 macht worden waren. Angewidert zog sich Darius Maggould| vom Fenster zurück; auch diese braunen, Menschen waren Opfer, dargebracht seinem' Gott: Petroleum!„Ich möchte diktieren," j ägte er zu dem Professor.„Haben Sie noch jemand im Hause?" fügte er fragend hinzu I „Meine Tochter ist anwesend. Herr; Maggould." sagte Minardis,„sie leistet mir! hervorragende Dienste als Sekretärin. Fch chrieb Ihnen damals... Sie waren so. freundlich..." „Schon gut." Darius Maggould leerte! einen Eisdrink.„Sagen Sie Ihrem Fräulein Tochter: ich will diktieren!" „Da» ist meine Tochter!" Minardi» vermittelt« die Borstellung, ein unverbesser licher, alter Europäer! Aber das verschlossen« Gesicht Maggould » erhellte sich nicht an« gesichrs des schönen Mädchens, über seine, gekniffenen Lippen glitt kein entgegenkommendes Lächeln, nur in den Augen glomm es flüchtig auf. Er sagte: ,Hch diktiere!" Aber das war Angst, diese unentwegte, steinerne, unnahbare Maske, das war Angst, was den unscheinbaren Petroleumkönig durchpeitschte, als er das Mädchen Helen 'gesehen. Angst war es vor diesem Blond- I haar, vor diesen seltsam hellen smaragdene» Augen, vor dieser sanft geschwungene» Nackenlinie... Angst, die ihn zwang, im Diktat innezuhalten... Nun sah sie ihn an... Fragend, abwartend, ganz im Banne der Arbeit. Der Pater hatte sich längst empfohlen. I Draußen steht die Mondnacht über Borneo . Bon fern erklingt ein Banjosong... Durch das geöffnete Fenster dringt die blaue Schwüle der Nacht. Erstaunt löst sich das Mädchen aus den Gedanken, die seiner Arbeit gelten, erstaunt blickt es den lcgendenumwobenen Chef an, der eben ihren Namen ausgesprochen hat. „Helen," sagt der harte Mund noch einmal. Was soll das bedeuten? Will sich dieser Mensch, den sie gleicherweise verachtet und haßt, der Millionen anhäust, unbekümmert um Selbstmorde ruinierter Konkurrenten, der, leichtfertig an den Drähten ziehend, Hunderte und.tausende Menschen hinopsert, der einen Stein statt eines Herzens trägt, etwa mit einer Licbsrrklärung lächerlich machen? Alles, nur das nicht! Sie würde nicht an sich halten können, würde ihm entweder ins Gesicht schlagen oder lachen müssen. Darms Maggould hat Angst, Angst vor dieser Frau. Er weiß, ihr könnte er alles opjern, Geld, Petrolenm, Macht, Einfluß. Einmal schon hat die Sehnsucht nach einer Frau ihn willenlos gemacht. Das war damals, als er. der sich aus der Hefe zum kleinen Börsenspekulanten emporgrarbritet hatte, dir Augen zu einem Mannequin erhob. Das Mädchen batte ihn darüber belehrt, daß Geld dazu gehört, viel, sehr viel Geld, um eine schöne Frau sein eigen zu nennen. Damals hat er begonnen, alles auf eine Karte zu setzen, um diese Frau zu erobern, er war
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13 (2.12.1933) 47
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