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Morgen Ausgabe.
Die Freiheit
Redaktion: Berlin NW 6, Schiffbanerbamm 19 m.
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Die Freiheit" erfdeint zweimal täglich, morgens und nachmittags, an Sonn- und Feltlagen nut morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin monatlich 2 M. Für die Erledi gung auswärtiger Bestellungen ist vorherige Einfendung der Bezugs gebühr erforderlich. Die Freiheit" ist im ersten Nachirag der BoltBeitungsliste für 1919 eingetragen und kostet bei direktem Bostbezug ohne Bestellgebühr monatlich 2 M., bei Zusendung unter Streifband 4 M.
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der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
Jahrgang 1
Freitag, den 27. Dezember 1918
Nummer 75
Demonstrationen gegen den„ Vorwärts".
Kritische Tage.
unternommen worden fet, fordere den schärfffen Protest des rebor lutionären Proletariats heraus. Das Bolt dante den Ma trofen für ihre herrliche rebolutionäre Ueber. zeugung, die sie bis in den Tod verfochten hätten. Durch das Wirken der Unabhängigen fozialbemokratischen Partei seien den Matrojen ihre Stebe geworden. Auch Lebe bour fand stürmischen Beifall.
Vor dem Marstall..
Im Zuge wurden
Vor dem Marstall hielt vom Balton des Schlosses aus
Bor dem Moland- Brunnen hielt ein Matrose, ber die Bere, tetbigung des Marstalls geleitet hatte, eine Ansprache. Er schil berte noch einmal die Quertreibereien, die von der Kommandantur Der erste Feiertag fah in Berlin eine große Demon- feit Wochen gegen die Vollsmarinedivision unternommen worden stration, die von den revolutionären Obmännern zum Browaren. Die Marine babe querit den revolutionären Funken, der test gegen die blutigen Vorfälle am Dienstag veranstaltet während des Strieges unterirdisch im Bolle glimmte, sur Flamme worden war. Die Demonstration gab Beugnis von der un- entfacht. Sie habe von Niel aus bie Revolution durch ganz geheuren Erbitterung, die die ebenso törichte wie nichts. Deutschland getragen und für ihr Berhalten jedenfalls einen ganz würdige Art des Vorgebens gegen die matrosen anderen Dant verdient, als daß man sie fang und langlos aus in der ganzen Berliner Arbeiterschaft hervorgerufen hat. Berlin hinausbefördere, wie es Absicht der Kommandantur ge Hierauf ordneten sich die Massen zu einem Buge und sogen Die Demonstration hat bewiesen, was hier sofort gewesen sei. nach dem Marstall. 25-30 000 Teilnehmer waren zu zählen. Die Matrosen wollten durch ihre Demonftration von Freitag Boran schritten Matrosen mit roten Fahnen, sodann folgten fagt worden ist: daß das Heranholen von Truppen, die Eröffnung von Artilleriefeuer gegen die Matrofen zu den weit- lediglich ihre Rechte gewahrt wiffen. Wäre ihnen die Böhnung einige Hunderte Golbaten, dann ein endloser Bug von Arbeitern tragendsten und unheilbollsten Folgen hätte führen können. ausgezahlt worden, fo wäre es ihnen nie eingefallen, vor die aus den verschiedensten Berliner Betrieben. Denn die revolutionäre Arbeiterschaft hat gezeigt, daß fie Stommandantur zu ziehen. Statt den Matrojen das ihnen zu Schilder getragen mit der Inschrift Hoch die Bollemarine- Divis ich von den revolutionären Soldaten und Matrosen nicht stehende Recht zu gewähren, habe man ein Banzerauto gegen fic fion." Hochrufe auf die Matrofen erfchollen immer wieder aus trennen läßt, hak jie, wenn es not täte, beute ebenso gemein- mobil gemacht und auf sie gestoffen. Sie habe es in der bber Menge und pflanzten sich durch den endlosen Zug fort. lam mit ihnen zu handeln verſtünde, wie in den ersten Tagen ficht der Boltsmarine gelegen, bie Kommandantur der Revolution. Dadurch, daß es der Unabhängigen Sozial ber die Regierung au bergewaltigen. Das habe die ein Golbat eine Ansprache. Er sagte, daß im Schloß elf tote demokratie gelang, in den Verhandlungen die berechtigten Marine auch während der Nacht von Montag zum Dienstag Matrosen aufgebahrt lägen. Die unübersehbare Menge entblößte Büniche der Matrofen zu erfüllen, wurde großes Unglüd bewiesen. Sie sei des Glaubens gewefen, daß der Konflikt nun darauf das Saupt. Man habe mit den gemeinften Mitteln gegen mehr burch Berhandlungen beigelegt werben fönne. Bedebour die Matrosen gefämpft und sogar Gasgranaten gegen In der Demonstration kam auch die zornige Erbitte habe ihnen das früh um 3 Uhr noch versichert. Die Mehrzahl fie verwendet. Die Menge stieß entrüftete Pfuiruse aus. rung gegen die Urheber und Verantwortlichen des unnügen ber Matrosen sei deshalb nach Hause gegangen. Früh gegen Blutbades zum Ausdruck. Nun ist es schon mehr als mert-% 8 Uhr wäre er plöglich vor das Tor des Marstalls gerufen wor- Die bürgerliche Preffe mitsamt des Vorwärts" verleumdete die würdig, daß bis heute noch nicht amtlich festgestellt worden den. Dort hätten ein 18 jähriger Beutnant und mehrere Matrosen in der gemeinsten Weise, wenn sie zu behaupten wagte, ist, wer denn eigentlich den Befehl zur Heranholung der bis an die Zähne bewaffnete Soldaten gestanden und habe ihm Matrofen hätten das Schloß geplündert. Die Lebensmittel lagerten noch im Schlosse und stünden der hungernden Berliner BeTruppen gegeben, wer verschuldet hat, daß ihre Befehlshaber das bekannte Ultimatum überreicht. Die Menge folle das Beispiel von ein unannehmbares Ultimatum an die Matrosen gerichtet bölkerung zur Verfügung. und dann die Kanonade begonnen haben. apferkeit und Treue für die revolutionäre Sache, bas die Matrofen gegeben hätten, ehren und den Toten schwören, daß sie in ihrem Sinne weiterfämpfen wollten bis zum endgültigen Siege der sozialistischen Republik. Die Menge hob in begeisterter Zuftimmung die Hände. Sierauf sprach noch einmal art siebtnecht tebe gipfelte in dem Schluß: Nieder mit Ebert- Scheidemann, die dieses Blutbad berschuldet haben! Entwaffnung ber Offiziere und des Bürgertums! Bewaffnung des revolutionären Prole tariats und Bildung einer Roten Garbe!
berhütet.
wurde.
Die Besetzung des ,, Vorwärts".
Geine
Er habe feine Kameraden sofort davon verständigt, und jeder eingelne babe die Versicherung abgegeben, daß er lieber sterben Wir haben bereits betont, daß alle Umstände dafür wolle, als daß er sich dieser schmählichen Bumutung fügen werde. prechen, daß der Befehl von Ebert, allein oder mit seinen Die Matrojen hätten fich verpflichtet, nicht eher aus Berlin herFreunden in der Regierung, gegeben worden ist. Aber warum auszugehen, als bis die revolutionäre Arbeiterschaft dies forbere. wird das nicht mitgeteilt? Fürchtet Ebert die Berant- Sie hätten deshalb die weiße Fahne nicht gehigt, und um Buntt wortung? 8 Uhr habe dann die Schießerei eingesetzt. Wenig Waffen und Auf alle Fälle muß in diefer traurigen und fo fchwer- Maschinengewehre hätten den Verteidigern zur Verfügung geftanwiegenden Angelegenheit larheit, bolle Klarheit geben. Drei Matrofen bedienten gwei Etunden lang ein Maschinen Schaffen und daraus die politischen Konsequenzen abgeleitet gewehr, bis sie durch einen Bolltreffer getötet morben feien. Er werden. Darauf werden unsere Genossen in der Regierung habe wiederholt gefragt, ob man die weiße Fahne nicht hochziehen bestehen. molle. Dies fei immer wieder abgelehnt worden. Da die Truppen Die Situation des Kabinetts bleibt also fritisch, des General Lequis die Schloßzentrale befeht gehalten hätten, und die allernächsten Tage müssen die Entscheidung bringen. wäre es unmöglich gewefen, ärztliche Silfe zu rufen. Die Daß das Kabinett in feiner gegenwärtigen Zusammenlegung verwundeten hätten ohne Verbände gelegen. Er habe sie gefragt, hen. Ais man am Vorwärts" gebäude angekommen war, ere fortbestehen fönnte, erscheint uns wenig wahrscheinlich. ob er in ihrem Interesse die weiße Fahne biffen solle. tlärten die Führer des Zuges: Der Vorwärts" gehört der BerWar der Verlauf der Demonstration ein ermutigender Dies fei immer wieber verneint worden. Sie wollten lieber liner Arbeiterschaft, wir wollen ihn zurückerobern, um ihn ihr und erhebender, so hatte diese doch ein Nachspiel, das besser verbluten, als fich den falsch unterrichteten Golbaten des Generals wieber zu geben." unterblieben wäre. Eine Gruppe Demonstranten besette den Requis su ergeben. Vor dem„ Borivärts gebäude standen die SicherheitsmannBorwärts", und es bedurfte erft längerer VerhandlunDie Ausführungen des Matrofen fanden stürmischen Beifall. schaften. Nachdem man sich rasch mit ihnen verständigt hatte, gen, bis das Gebäude am Donnerstag wieder freigegeben wurde immer und immer wieder durch begeisterte Burufe schlossen sie sich der demonstrierenden Menge an und übergabe: Der Beschluß der revolutionären Obmänner, den unterbrochen. Als er von den Toten sprach, entblößten bie Ber - den Vertretern der Arbeiter die Schlüffel des Gebäudes. Darau wir an anderer Stelle wiedergeben, schildert durchaus richtig sammelten das Haupt. Im Anschluß davan sprachen noch Lieb- brang die Menge in das„ Vorwärts" gebäude ein. Es muß abe die Stimmung, aus der der Handstreich geboren wurde. Die necht, Ledebour und Minster. ausdrücklich hervorgehoben werden, daß nur der Maschinensaal und Berliner Arbeiterschaft fann nun einmal nicht vergessen, Lieblnecht jagte, daß das Borgehen gegen bie Matrofen die Seßerei betreten wurden, während die Redaktionsräume nich unter we'ch erbitternden Umständen sie um den Belit ihres im Gintlang fiche mit den Borgängen des 6. Dezember. Die besetzt wurden. Blattes, für das fie so viele Jahre alle Anstrengungen ein- Matrojen hätien durch ihr mutiges und tapferes Berhalten der Großes Aufsehen erregte es bei den Eingedrungenen, daß Gefekt hat, gebracht worden ist. Und die Saltung des Borwärts" im Kriege und der Revolution bat das Maß der revolutionären Arbeiterschaft ein Beispiel gegeben, wie sie au man im Hof des Gebäudes ein Panzerauto fand und in berErbitterung noch gesteigert. Aber in solchen Sandstreichen fehen wir fein geeignetes Mittel, das gebeugte Recht wieder- fonterrevolutionäre Truppen, ja der General Bequis habe heute Demonftranten auf diese Waffen hin und meinte, freilich nicht verschuldet. Noch immer lägen in der Umgebung Berlins tommando dorthin gebracht worden waren. Ein Redner wies bic herzustellen. Der givischenfall mit dem„ Borwärts" hat zu den wilde in einem Interview der Boffischen Zeitung" fogar erklärt, baß außer acht laffend, daß es sich um den Besik eines militärischen ften Gerüchten über den Sturz der Regierung und die Ueber ben müßten, um gegebenenfalls gegen das Bol! au mar- von Waffen in privaten Händen so scharf verurteile, fich selbst so no viel mehr Truppen zusammengezogen wer- Kommandos handelte, daß der„ Borwärts", der jede Sammlung nahme der Macht durch Ledebour und Liebknecht geführt. zu Daran ist natürlich fein wahres Wort. Diese Gerüchte be- hieren. Demgegenüber gebe es nur eine Parole: Gutwaffnung überaus reichlich damit versehen habe, offenbar um gegen bie rebow leuchten nur den kritischen Zustand, in dem sich die Regierung sämtlicher Offiziere, Beseitigung der militärischen Kommando iutionäre Arbeiterschaft Berlins su tämpfen, während Derr Wels befindet. Die nächsten Tage miiffen nach der einen oder ellen, Bewaffnung des revolutionären Proletariats. Er fand eine Trabanten sur Redaktion der" Noten Fahne" geschickt habe, am dort Haussuchungen nach Waffen vorzunehmen, habe er gleichinderen Seite eine Entscheidung bringen. Genoffe Ledeboux schilderte den Gang der Verhandlungen zeitig fein Berwärts" heim aufs reichlichste damit versorgt. gwischen den Matrofen und der Regierung. er fei noch früh um Des Bangerauto und einige der Maschinengewehre wurden dann Ueber den Verlauf der Demonstrationen erhalten wir 4 Uhr vor dem Reichelanglerpalais gewefen, habe den dortigen' n Beschlag genommen und fortgeführt. wachthabenden Offizier erklärt, daß er von pen Matrofen zur Inzwischen hatten die Führer die Menge gefragt, ob sich in gende Berichte: Berhandlung beauftragt fer. Es dürfe in deinem Falle gegen the Sezer und Bapierschneider befänden. Nachdem sich mehrere die Matrojen etwas unternommen werden ohne seine Zustimmung. gemeldet hatten, begab man sich in die Druckerei und stellte dort Die revolutionären Obleute und Bertrauensmänner der Groß- Er habe außerdem dem Deutnant seine Telephonnummer an eine Reihe von Flugblätter in großer Anzahl her. Mehr als zivei Berliner Betriebe hatten für den 1. Feiertag, nachmittags 2 llar. gegeben und ihm gefagt, daß er jeberseit zur Verfügung Stunden wartete draußen die Menge, bis die Herstellung der die Arbeiterschaft Berlins in die Siege sallee gerufen, um ftebe. Trobem habe die verhängnisbolle Schießerei stattgefunden. Flugblätter beendet war. bort gegen die blutigen Vorgänge vom Dienstag zu protestieren. Der Befeht, gegen die Matrofen in Attion zu treten, fönne nur Frog bes idlechten Wetters und der verspäteten Aufforderung, die von Ebert oder Scheidemann ausgegangen fein. Dieser brutale, nicht in alle Hände gelangen konnte, waren Tausende erschienen. nichtswürdige Aft, der gegen die Matrosen ohne jeden Grund
*
In der Siegesallee.
stürmische Zustimmung.