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Preis 10 Pfennig.
Abend Ausgabe.
Die Freiheit
Redaktion: Berlin NW 6, Schiffbanerdamm 19, Fernsprecher: Amt Norden 2895 und 2896.
Die Freiheit" erscheint zweimal täglich, morgens und nachmittags, an Sonn- und Fefttagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin monatlich 2 M. Für die Erledi gung auswärtiger Bestellungen ist vorherige Einsendung der Bezugs gebühr erforderlich. Die Freiheit" ist im erften Nachirag der PostBeitungslifte für 1919 eingetragen und kostet bei direktem Bostbezug ohne Bestellgebühr monatlich 2 M., bei Zusendung unter Streifband 4 M.
Berliner Organ
Expedition: Berlin NW6, Schiffbauerbamm 19 IV, Fernsprecher: Amt Norden 11007 und 11008. Inferate kosten die fiebengespaltene Nonpareillezeile oder beren Raum 70 3ftleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 30 Pf., jedes weitere Wort 15 Pf. Die dreigespaltene Reklamezeile 3 M., Teuerungszuschlag 80%. Bei Familienanzeigen, Versammlungsanzeigen von Gewerk [ chaften und politischen Organisationen fällt der Teuerungszuschlag fort. Inserate für den barauf folgenden Tag müffen spätestens bis 5 Uhr abends bei der Expedition, Schiffbauerdamm 18, aufgegeben fein
der Unabhängigen Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands
abb Jahrgang 1
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Der entscheidende Zag.
Sonnebend, den 28. Dezember 1918
Seute findet die Sibung des 8entralrats ftatt, in ber sich das Geschick der Regierung erfüllen wird. Es ist anzunehmen, daß die Entscheidung erst nach längeren Beratungen in den späten Abendstunden erfolgen wird.
Bon dem Beschluß des Zentralrats hängt biel ab. Dedt er die rechtssozialistischen Mitalieder der Regierung bei einer Handlung, die nicht zu decken ist, entscheidet er nicht gemäß den Intereffen der Revolution und des Sozialismus. sondern nach fraftionellen und persönlichen Gesichtspunkten, so mag die Regierungsfrise eine vorläufige Lösung finden, aber nur um den zu hohen Preis einer dauernden Krise des Sozialismus felbft. Denn das fann feinem Beifel unterliegen: wenn die Zusammenarbeit der proletarischen Massen, die hinter den beiden Parteien stehen, auf hört, wenn an deren Stelle Gegeneinanderarbeit tritt, die Basis der sozialistischen Regierung berengert und erschüttert wird, ist die Gesamtposition des Proletariats geschwächt.
Dazu tommt, daß die Rechtssozialisten die Bolitik, die lo verderblich war, jest ohne Hemmungen aufnehmen werden, die Politit, die Anschluß an bürgerliche Parteien sucht,
gegen Arbeiter. Sie drängt die Sozialisten, die eine solche Politik mitmachen, zwangsläufig immer mehr an die Seite der Bourgeoisie, erreat die heftigsten Gegenbewegungen im Proletariat und muß schließlich die Gegenrevolution fördern.
Bielleicht begreift der Vorwärts", wie erbärmlich uns feine Versuche vorkommen, diese ernsten und wichtigen Angelegenheiten, von deren Entscheidung der fünftige Verlauf und das Schicksal der sozialistischen Revolution abhängt, au bertuschen und zu verdunkeln, indem er einen neuen Spartafustrafeel anfängt.
Nein, es handelt sich jest nicht um einzelne Handstreiche, die, so bedauerlich sie sind, feinen Augenblid eine ernste Gefahr für die Revolution bedeuten. Es handelt sich darum, daß die große Partei der alten Sozialdemokratie eine Politik verfolgt, die in ihren Folgen verderblich werden muß für die Sache der Revolution und des Sozialismus, genau so wie ihre Politik der Parteispaltung. Es handelt sich darum, daß die Massen, die hinter ihr stehen, mißbraucht werden sollen für eine Politit, die ihren Lebensinteressen
die nicht die reinen Prinzipien des Sozialismus verficht, Männer und Frauen der Arbeiterklasse!
fondern die von Tag zu Tag nach der Gelegenheit der Augenblidsvorteile pahend, um ein Linsengericht das Eritgeburt& redyt opfert.
Am Sonntag, den 29. Dezember, werden die Opfer Die Unabhängige Sozialdemokratie bat fich dieser Ent- des unwürdigen Anschlages auf die Bolls- Marinedivision wicklung mit aller vaft entgegengestemt. Nicht ihre Grabe getragen. Schuld ist es, wenn sie sich nicht wird aufhalten lassen.
Der Grund liegt in letter Instang in dem nicht reboTutionären und nicht sosialistischen Geist, der die Führer der Rechtssozialisten aum großen Teil erfüllt und von dem fie fich nicht befreien fönnen.
Sie haben an die Revolution nicht geglaubt, fie bis Bur legten Stunde zu verhindern gesucht. Nun, da sie da ist,
zu
Es ist die Pflicht der Arbeiterschaft, diesen Begräbniszug zu einer Aftion der Revolution und zu einem Protest gegen die Anftifter des Gemetzels zu gestalten. Helden der Revolution,
Nummer 78
Der Unbekannte.
Wir haben gestern darauf verwiesen, daß der„ Matrofen führer", der angeblich Ebert gemeldet habe, er könne für das Leben von els nicht mehr einstehen, ungenannt ge blieben sei. Dem Wolff- Bureau geht von„ beteiligter Seite nun folgende Mitteilung zu:
Der Führer ist Stadte. Won ihm als dem Berantwort lichen im Schlosse stammt die Mitteilung, die noch mit sehr biel anderen Einzelheiten verbunden war. So jagte Rabte, bei dem Berfuch, Wels von einem Bimmer in das andere zu bringen, sei nicht nur dieser von den Matrosen beinahe umgebracht worden, sondern er selbst habe sich bei seinen Bemühungen, Wels su schützen, in Lebensgefahr befunden. Diese Erklärung wird auch der Freiheit" genügen. Dami erübrigen sich ihre weitern Bemertungen, Ebert und die andern hätten nicht einmal den Versuch gemacht, sich über die Wahrheit der Meldung Gewißheit zu verschaffen. Was bon der Behauptung der Freiheit": Machts wurde er( Wels) in einem wohnlichen Zimmer gelaffen, sein Leben war nicht bedroht," zu halten ist, erhellt aus dem Bericht von Weld aber feine Erlebnisse.
Dazu teilt uns Genosse Radke mit:
Ich war gegen 2 Uhr früh im Schloß. Die Matroson waren sehr erregt und wollten Wels nicht freilassen. Ich erkannte, das momentan nichts au machen sei, war abar überzeugt, daß nach einigen Stunden die Freilassung von uns durchgefeßt werden fönnte. Ich begab mich daher auf die Kommendantur und setzte den Leutnant Fischer die Si tuation auseinander. Fischer fragte, ob ich das Leben von Wels für bedroht halte. Ich erwiderte, ich glaube nicht, daß das der Fall fei. Darauf meinte Fischer, gut, dann bleibt Wels über Nacht im Schloß. Ich kehrte aurid, prach noch mals mit den Matrosen und erflärte ihnen, daß Wels nicht mehr verhaftet sei, aber im Schloß in Sch u haft bleiben werde. Kurz darauf- gegen 4 Uhr früh wurde ich von der Reichsfanglei angerufen. Ich erklärte im Wesent lichen dasselbe, was ich Leutnant Fischer erklärt hatte. Ich
fie ibre Rugnießer geworden find, kann ihnen die revolu- Männer, deren Taffraft das arbeitende Voll die Befreitionäre Entwicklung nicht rasch genug zum Abschluß gebracht werden. Die Methoden, die sie dabei anvenden, find die ung von der Schmach des militaristisch- imperialistischen babe feine Silfe verlangt, habe auch teine Befürd felben, die das alte System auch anvenden würde. Wäh- Kaisertums verdankt, sind von Verblendeten geopfert rend die revolutionäre Bhaje, in der wir uns befinden, die worden. sorgsamste Rüchsicht auf die Massenstimmung erfordert,
während jedes Handeln die ruhigste Ueberlegung berlangt,
tung geäußert, daß Wels totgefolagen wer
den könne.
Soweit Nable. Auch hier stellt es sich heraus, wie Der Rod des deutschen Soldaten war zum Knechts- unbesonnen diejenigen handelten, die die Truppen
man sich bei jedem Schritt die Folgen bergegenwärtigen gewand erniedrigt. Die Taten revolutionärer Truppen und alles Gewalttätige ausscheiden muß, weil nur ber in den großen Novembertagen haben ben grauen Rod zum trauensvolle Verhandlungen und moralische Einwirkung aum Biele führen fönnen, haben die rechts- fozialistischen Ehrenkleid der Nation erhoben. Führer sich selbst und einen Teil der Bevölkerung durch
Das Aufgebot der Truppen des Generals Lequis Banifmache und Spartakushebe immer mehr in eine Stim- gegen die revolutionäre Vollsmarinedivision bat neue mung versett, in der die Gewaltanwendung als das einzige Schuld auf die Armee gehäuft.
Mittel erscheint.
Deshalb haben die rechts- sozialistischen Führer immer
gehemmt und gezögert, obwohl die revolutionäre Situation
Tilgt die Schande!
energisches Vorwärtsschreiten verlangt. Sie bestanden auf Genoffinnen und Genossen! Tretet ein für die Matrosen, der möglichst ausgedehnten Heranziehung der Bürgerlichen zu den obersten Regierungsstellen; fie verhinderten jebe die das Leben einfeßten für Eure Freiheit. Es gilt, die energische Reform im Auswärtigen Amt ; fie dachten bei Ehre der Revolution zu wahren. jedem Schritt vor allem daran, ob die Verbindung mit den bürgerlichen Parteien nicht zerrissen werde. Vor allem aber hat per Gedanke an die Gewaltamvendung sie zurück fchreden lassen vor jedem entscheidenden Schritt gegen den Militarismus, foweit es von ihnen abhing.
Der Näte- Kongres bat einstimmig die Soldatenforde tungen gebilligt. Die Oberste Heeresleitung bat gegen die Ausführung Widerspruch erhoben. Die rechtssozialistischen Regierungsmitglieder wollen vor diesem Protest zurüc weichen, weil sie daran denken, die Hilfe des Militärs gegebenenfalls in Anspruch zu nehmen.
Erscheint in Massen
in der Sieges allee. Demonstriert bei den marmornen Bildern einer grauen Vergangenheit für die Tathelben der revolutionären Gegenwart, für eine lichte Zukunft.
widerspricht, weil sie die Einheit der proletarischen Kampf. front sprengt, und ihre Kraft abdrängt von der Stichtung
auf eine, offenbar misverstandene oder allenfalls undeut liche telephonische Meldung hin alarmierten.
Abgesehen davon, war es aber das denkbar schlechtefte Mittel, Bels zu schüßen, indem man die Truppen gum Angriff fommandierte, denn gerade das mußte ja die Wut dar Matrosen gegen Weis aufs äußerste anstacheln. Zudem durfte man dann nicht ein unannehmbares ultimatum ftellen, sondern hätte, nachdem man schon bas allein Bernünftige und Baveckmäßige, nämlich Verhandlungen unterlassen hatte, die Freigabe des Wels als einzige Gorderung aufstellen müssen.
Eine Darstellung von Wels.
Mels gibt über die Vorfälle eine längere Darstellung, an deren Schlug er mitteilt:
will ich nicht reben. Ich wurde in verschiedene Quartiere gebracht, Bon den Mihhandlungen und bem Todesurteil schließlich erschien der Führer der Matrosen, Madle, und erklärte, daß der engere Ausschuß beschlossen habe, mich nicht als Arrestans ten zu betrachten, sondern ich sei nur zu meiner eigenen Sicherheit in chuzhaft.
Man brachte mich in die Geschäftsstube, wo balb bara if
Matrofen erschienen mit einem Führer, welcher Stable und Füll brandt zufchcie, fie follten Wels nicht entweichen lassen. Gr Hände dafür, daß Wels lebend nicht mehr rauskäme. Gr
Die Heeresle tung will nicht vollständig demobilisieren, aegen die Bourgeoisie, und fie aeдen die anderen revolutio schöffe ihm ſonſt felbst eine Kugel durch den Kopf. Radke wurde sondern zwei Jahrgänge unter den Waffen behalten; ein nären Kräfte treibt. Die Demonstration, zu der die Rechts- selbst tätlich bedroht und mußte das Bimmer verlassen. Man Friedensheer soll also wie früher und in derselben Art befozialisten aufrufen, foll ihren Führern das Vertrauen aus führte mich dann in einen Verschlag und teilte mir mit, daß ich ſtehen bleiben. Eine unannehmbare Forderung. Die rechts- drücken, in demselben Moment, in dem diese die Verantwor- mit meinem Beben abzuschlichen hätte. Ginen ber Beiter bea Die Sicherheitsdienstes, Herrn Relch, habe ich persönlich erkannt. An lozialistischen Führer wollen aber auch auf dieses Verlangen tung für das bergossene Blut übernehmen müffen. eingehen, wieder, um gegebenenfalls eine bewaffnete Macht Massen werden gerufen, nicht für den Sozialismus, nicht der gangen Aktion nahmen neben Platrojen zahlreiche Sicherheits zur Verfügung zu haben, während fie der Ansicht sind, daß für die Revolution, sondern um die Berantwortlichen für das mannfchaften bes Polizeipräsidiums Eichhorn teil. Dazu können wir mitteilen, daß Nadre els sagte, eine neue republikanische Armee, die sich ihre Führer selbst Blutbad au decken. Sie werden gerufen zu einer Degibt, allein als Sicherheitstruppe verwendet werden monstration, die den Zwiesvalt zwischen der Arbeiterschaft er fei nicht mehr verhaftet, er fönne ja hinausgehen, aber vertiefen und verschärfen muß und deshalb schädlich und Nabte könne daflir im gegenwärtigen Moment teine Ber darf. antwortung übernehmen, worauf Wels erklärte, er bleibe Der Geift, der ftets zu getvaltfamen Lösungen bereit verwerflich ist. Die Gefahren einer folchen Bolitik find fo flar, daß man dann hier. Von einer tätlichen Bedrohung Stadtes könne ist, hat dann schließlich an der Ratastrophe geführt, bat in Berlin Straßenfämpfe verfchuldet, bat au bem macheuer- meinen follte, daß alle Sosialisten fie erfennen und danach nicht gesprochen werden, es feien ihm nur heftige Vorwürfe handeln müßten. Auf dem Zentralrat laftet die gemacht worden. Von den Szenen, die Wels dann schildert, lichen Blutbad geführt. größte Verantwortung. Ale Organ der Revolution ift er eingejekt worden, von ihm bänat es ab, ob er als folches handeln will oder ob er die Revolution in die schwersten Gefahrer fürzen wird.
Das ist eine Bolitit,& te wir nicht mit machen fönnen, nicht mitme en wollen. Sie trägt Zwiesvalt und Berwirrung in die Reihen bes Proletariats. führt Soldatea repex. Colda'en, Arbeiter
ist Stadke nichts bekannt. Nichtig sei, daß die Erregung gegen Wels sehr stark war, da ja die Matrosen über die Gr ichießung ihrer Stameraden äußerst erbittet waren. Dieje Erbitterung machte sich auch in Drobungen gegen Wels Buit