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Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Jahrgang 2

Freitag, den 28. Februar 1919

Nummer 107

Berständigung oder Gewalt?

Berhandlungen in Aussicht.

ein Hallesches Automobil mit Spartafiften, bie die anhaltischen Bergwerksbelegschaften zum Streit aufheben wollten, angehalten;

Leipzig , 28. Februar. Wie der hiesige A.. und die Insassen wurden verhaftet.

S.- Rat mitteilt, follen heute nachmittag zwischen Vertretern Grund zu melden, weshalb auf einen haltenden Bug Ma­Selbst diese bürgerliche Darstellung weiß feinen der Reichsleitung und den Streikenden in Halle Verschinengewehrfeuer eröffnet werden mußte. Aber gegen­handlungen beginnen. Der Streif in Thüringen habe wärtig ist alles gestattet. fich auf Suhl , Greiz und andere Industrieorte ausgedehnt. Ju allen vom Streit betroffenen Orten ist das Erschei aen bürgerliger Zeitungen verboten.

Die Absichten der Regierung.

Wie bie Deutsche Allgemeine Beitung" aus dem Reichswehr­ministerium erfährt, sieht man der Entwickelung der geplanten militärilen Mahnahmen in Mittelbertsland mit Suverficht entgegen. Es fanden auch Besprechungen mit Abgeord­neten der vom Etreit betroffenen Gegenden statt, so am Donners­tag mit dem Abgeordneten Delius( Demokrat) und Thiele( Mehr­heitssozialist). Man hofft, besonders im Halleschen Revier noch burch Berhandlungen zu einer Einigung zu gelangen, ist aber sonst entschloffen, die für die Allgemeinheit so notwendige Wiederauf­nahme der Arbeit auf den Zechen mit allen verfügbaren mitteln baldigst herbeizuführen.

Ruhe in Leipzig und in Halle.

( ribattelegramm der Freiheit) Leipzig , 28. Februar. Die gestern von W. T. B. verbreitete Nachricht des Rücktritts des bisherigen Borsigenden Seeger, des A.- und S.- Rats in Leipzig , ist bereits vor einigen Tagen erfolgt und hängt mit dem Generalitreit in feiner Weise zusammen er erfolgte, da Seeger als Mitglied der Reichs­und der fächsischen Nationalversammlung und als Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung mit Arbeit überlastet ist. In Leipzig herrscht boli fommene Ruhe. Alle anderen Melbungen der Bürgerl chen Bresse sind unwahr. Tasselbe ist in all'e der Fall. Holle ist von der Außenwelt abgeschnitten. Durch die Verbreitung von Meldungen über Unruhen und Aus­fchreitungen will man den Boden bereiten für die von der Reigsregierung geplante Anwendung von Gewalt.

Halle abgeschnitten.

Die offifche Beitung meldet aus Weimar : Halle ist von jedem Verkehr mit der Außenwelt abge schnitten, und zwar, wie sich jetzt herausstellt, nicht etwa burch den Streit, sondern durch die Maßnahmen der Reich 8- regierung, die alle 8ufuhren unterbunden und auch den letzten nach Salle rollenden Eisenbahnwagen auf gehalten hat.

Proteststreif in Königsberg. ribattelegramm der Freiheit". Königsberg( Br.), 28. Februar. Die Gewerkschaften, die Bota betriebe sowie die Eisenbahner von Königsberg traten am 27. Februar in den Protest it reit wegen der Lebens. Der er Am

Ein Einigungsantrag in München.

München, 28. februar.

In ber gestrigen Rachmittags- Sigung würde ein Antrag einge­bracht, der von sämtlichen Gruppen mit Ausnahme der äußersten Linken unterzeichnet ist. Er lautet:

Der Räte- Kongreß erklärt fich, mit den Maßnahmen des Sentralrats, wonach

1. der Landtag aus Gründen seiner eigenen Sicherheit in Anbetracht der Volksstimmung vorerst vertagt bleibt, 2. bie agung des provisorischen Nationar rates für gefchloffen erklärt werde, einverstanden. Ueber eine Wiebereinberufung des Landtages entscheidet die revolutionäre Regierung in Ge­meinschaft mit dem Aktionsausschuß. Die jegige Tagung ber Arbeiter, Soldaten- und Bauernräte stellt den proviforis fchen Nationalrat des freien Volksstaates Bayern dar. Doch soll von der nächsten Tagung ab der provisorische Nationalrat aus 210 Mitgliedern bestehen, die von den Arbeiter-, Soldaten. und Bauernräte in acht. Klassen nach den vom Zentralrat heraus. angebenden Richtlinien zu wählen sind.

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hauptgen je de militärische Organisationsform timmen würden. Aber der Gesezentwurf der Regierung bietet nicht die geringste Garantie dafür, daß die neue Reichswehr nicht für reaktionäre Bwede mißbraucht werden könne. Nach den Erfahrungen, die man der Organisation der Truppen, wie fie Herr Noste betreiben läßt, gemacht hat, war es ganz selbstverständlich, daß unsere Genossen gegen ein Gejet stimmten, das alles Wesentliche der Ausführung der Ste­gierung überläßt.

Wie weit sich die rechtssozialistischen Führer übrigens bon dem Empfinden der Arbeiterklasse entfernt haben, da­für gab die Debatte neue Beweise. Es war nichts als ein Der zur Wahrung der Geschäfte su wählenbe Artions. Geschimpfe auf die streifenden Arbeiter, die von den bösen aussahu, dessen Mitglieder jederzeit vom provisorischen Unabhängigen so berhebt seien, daß eben nur militärische Nationalrat abberufen werden können, bildet einen 8entral. Mittel noch übrig blieben. Es sind dieselben Töne und die­rat, dessen Mitglieder wiederum dem Aktionsausschuß verant felben Redensarten, die früher von den Scharfmachern bei wortlich sind und von ihm abgerufen werden können. Die fünftige jeder großen Streitbewegung angeschlagen worden sind, Berfassung des freien Voltestaates Bayern hängt ab von einer und man wundert sich höchstens, daß die Rechts­großen und systematischen Boltsaufklärung fozialisten noch nicht das alte Buchthausgesetz ausgegraben 3u ihrer Durchführung wird ein selbständiges Ministerium für haben und es der Nationalversammlung zur Annahme Boltsaufklärung gefchaffen. Der Kongreß der Arbeiter, Soldaten­und Bauernräte wählt ein neues Ministerium unter Hinzuziehung empfehlen. eines Bauernbündlers als Landwirtschaftsminister. Der Aftions­ausschuß hat mit dem Ministerrat die Frage der Ernennung von Führer fein großes Hindernis mehr bietet, das beweisen ja Daß die geistige Verfassung mancher rechtssozialistischen Staatssekretären zu entscheiden. D'a 3 gefamte Mini. die Aeußerungen, die sie sich in der Polemik über die Unab­sterium ist dem Sentralrat, beziehungsweise hängigen geleistet haben. Herr No ste ging mit der Be­bem provisorischen Nationalrat verantwort- hauptung krebsen, daß Genosse Barth für die Organisa­

lid."

Falsche Gerüchte über München. München, 27. Februar. Aus der Broving laufen telepho­aus Berlin nische Anfragen in München ein, ob sich eine stammende Meldung bewahrheite, daß heute nacht die baherische Notenbant, sowie Post und Telegraph von Spartabisten besetzt worden seien. Daran ist fein wahres Wort. Alle folche Alarmnachrichten sind mit äußerster Vorsicht auf

aunehmen.

Wie aus dieser Meldung hervorgeht, werden jest bie falsch meldungen über München in Berlin erzeugt. Die bürgerliche Presse tann das Rügen nicht lassen.

tion der Revolution russische Gelder empfangen hätte. Und der Mann, der seine Stellung der Revolution verdankt, war fittlich entrüstet, daß die Unabhängigen den Bürger-. frieg in Deutschland entfacht und den Arbeitern die Pistolen gegeben habe, nur 31 dem Zwed gegen die eigenen Boltsgenoiien Krieg" zu führen. Wenn ein konservativer Junker die Revolution als Strieg gegen die eigenen Volksgenossen denunziert, braucht man fich ia dar­über nicht zu wundern. Daß Herr Noste aber so bald nach dem 9. November in dieser Weise über die Unabhängigen herfällt, die allerdings sehr im Gegensatz zu seiner Partei die Revolution vorbereitet und durchgeführt haben, ist wirk­lich ein starkes Stüd.

mitteltnappheit ein& trang cine größere Benge in bas Berstaatlichung des Jnferatenwesens in Bayern. Hon berget unb be the fee übung einer Revolu Bolizeipräsidium ein und holte die dort lagerrben München, 27. Februar. Im Nätetongreß ging heute folgen. Waffen des öffentlichen Sicherheitsdienstes heraus. Die ban der der Antrag ein: Der Zentralrat solle eine Kommission einseßen, bürgerlichen Presse berichtete Vejebung des Schlosses in welche die Berstaatlichung des Insetatenwesens unwahr. Heute ist die Arbeit wieder aufgenommen worden, da Zusicherungen auf Mehrverteilung von Bebensmitteln sofort in Angriff nimmt. gemacht worden sind.

Angriff auf einen Eisenbahnzug.

Die Lage in Düsseldorf.

Und es war nur eine Ergänzung, daß Serr Otto Braun dann überhaupt jede Unterstützung tion verleugnete behauptete, die deutsche Sozialdemo­fratie hätte nie die russische Revolution gegen den Barismus unterstützt, die Gelder seien nur für die Opfer des Barismus bestimmi gewesen. Zum Glück für den Ruf der deutschen Sozialdemokratie ist das ja nun nicht wahr, aber daß die Rechtssozialisten sogar die revolutionären Sym­pathien in der Vergangenheit verleugnen, ist denn doch charakteristisch und tief beschämend.

Düsseldorf, 27. Februar. Der Generalstreit, der über Die Nationalversammlung hat sich mit der Annahme Deffan, 28. Februar. W. T. B. melbet: Laut Anhalter An- Düsseldorf verhängt worden ist, ist nunmehr durch die Bewilli- des Wehrgefeßes nicht begnügt, sondern auch gleich in der­seiger" wurde gestern abend ein mit Spartatisten und etwa 200 gung von 75 v. H. des Arbeitslohnes während des Streits durch selben Sigung das llebergangsgesetz durchgepeitscht. Fahrgästen besetter wilder Bug, als er die Signalzeichen die Arbeitgeber seinem Abschluß nahe. Auch dieses Gesetz bildet eine Gefahr für die revolu Inzwischen meldet der Vorwärts" aus Bochum: Die 8u- tionären Errungenschaften. Denn die National­" halt" überfahren hatte, durch Maschinengewehrfeuer der Göthener Bahnhofsbesaßung zum halten gezwungen. Dabei stände in Düsseldorf haben sich derart zugespitzt, daß der bersammlung erhält dadurch das Recht, alle Verordnungen murden eine Frau getötet und acht Bibilisten zum Einmarsch der Regierungstruppen befohlen wurde, und Gejete, die die Volksbeauftragten auf Grund des Nech­Teil fhmer berlebt. Die ganze Spartalistenbejagung, der dann ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden konnte. Eine tes der Revolution erlassen haben, zu überprüfen und außer darunter der Bahnhofstommandant von Halle, ein 19 jähriger auch von den Unabhängigen unterschriebene Erklärung weist darauf Straft zu setzen. Damit sind auch die wenigen politischen und junger Mann, wurden verhaftet. Die Spartalisten ließen hin, daß der Einmarsch der Regierungstruppen lediglich zum fozialer. Errungenschaften der Revolution in Frage gestellt. Den Zug auf vielen Stationen halten, um anarchistische und auf Schuße der Bevölkerung und für Ruhe und Ordnung zu forgen, Denn was man von dieser reaktionären Majorität au er­pieglerijche Hugblätter au berbreiten. Im nahen Gdderik wurde erfolgt i tarten hat, braucht ja nicht erst gesagt zu werden..

X1071

Friedrich

rich- Ebert's

Bonn