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Einzelpreis 10 Pfø Pfg. Jahrgang 2

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Rebaftian Berim nechiffbauerdamm 1

Zerusprecher Um Norden 2895 and 2896

Dienstag, den 11. März 1919

Nummer 117 Abend- Ausgabe

Juferate loften ble stgespalt. Zlonpareillezetle oder deren Raum 75 Pt. Kleine Anzeigen bas tettgebrufte Wort 30 Pf. jedes meitere Wort 20 pf. Leuerungszuschlag 60% Bet familien and Derlammlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inferate für den darauf folgenden Tag zusjen fräteftens bis& Ubr nachmittags bei bez Expedition aufgegeben fein Expedition: Berlin NW. 6, Schiffbauerhamm 19, Fernsprecher: Aunt Norden 9768,

greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Bom Berliner Kriegsschauplah.

Die flandrechtlichen Erschießungen.

3m Laufe des gestrigen Tages find wiederum eine große Anzahl von Personen standrechtlich erschossen worden. Nach einem Bericht des Berliner Lokalauzeigers" soll sich die Zahl der am Montag erschossenen Personen auf über 100 belaufen. Man weiß aus den Erfahrungen im Felde und in den besetzten Ge­bicten, in welcher Weise standrechtliche Erschiehungen vorge­nommen werden. In der Regel trifft das Tedesurte I mehr In­schuldige als Schuldige. Die Regierung wird sich durch die maffen­weisen inrichtungen faum die Sympathien der denkenden Be­völkerung sichern lönnen. Durch blut gen Schreden ist noch nie ein Rechtszustand geschaffen worden.

Die Kämpfe in Lichtenberg .

Die Beschießung einiger Stadtteile von Lichtenberg wurde gestern fortgesetzt. Die Regierungstruppen arbeiteten sich, wie die bürgerliche Presse meldet, an die Stellungen der Aufständischen näher heran und sie sind ihnen auf dem Wege über Stralau- Rum. melsburg in den Süden getom men. Die Regierungstrup­pon hoffen noch im Laufe des heutigen Tages, ter Aufständischen Herr zu werden. Die Aufständischen sollen aber neuen Zuzug er halten haben.

Bei den Kämpfen wurden wieder leichte und schwere Feld­geschütze, fowie Minenwerier verwendet. Lichtenberg hat durch die Besajießung start gelitten. In der Balisadenstraße ist eine Reihe von Häusern zerstört. Die Bevölkerung der gefährdeten Etadtteile berläßt die Wohnungen und versucht bei Verwandten und Bekannten in ungefährdeten Stadtteilen Unter­tunft zu finden.

Gin flares Bird über die Kampflage läßt sich nicht gewinnen Es ist unmöglich, sich den Kampftruppen zu nähern, um mit eige nen Augen die Vorgänge zu beurteilen. Dementsprechend find auch die Berichte in der bürgerlichen Bresse zu bewerten. Sie find boller Widersprüde und ein objektives Bild wird sich erst dann ge­winnen lassen, wenn die Kämpfe vorüber sind.

hat. Auch in Neukölln wurde auf den Dächern fein Schüße" entdeckt. Lediglich durch Nervosität der Truppen fann die Schie­berei verursacht worden sein.

Die Stadtverordnetenfraktion der 1. S. P. hat an die Stadt­verordnetenversammlung den Antrag gestellt, Schritte zur Ent­fernung der Regierungstruppen aus Neukölln zu unternehmen.

Blindwütiges Schießen.

Die Berhehung.

Wir haben heute den Bericht des Vollaug Brats über die Vorgänge in Lichtenbera veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die Greuelerzählungen zum mindesten außerordentlich übertrieben find. Die Nach­richten von der Ermordung sämtlicher Polizeibeamten find von der Garde- Kavallerie- Schützen- Division verbreitet und Bon einem Augenzeugen wird uns berichtet: Am Donnerstag troß ihrer Ungewißheit von der gesamten Bresie als fest­nachmittag ging ich die Leipziger Straße entlang in der stehende Tatsache berichtet worden. Sie haben aroße Auf Rich ung auf den Spit elmartt. Die Straße war infolge des regung hervorgerufen, ungeheure Erbitterung ausgelöst und Straßenbahnerstreits mit Baffanten angefüllt. Blöblich tallen find als Ursache der Verhängung des Standrechts be­bom Spittelmarkt her Maschinengewehre. Die Passan en hielten erichredt Umschau; im gleichen Augenblid fielen nubt worden.

am Dönhoffplab, Ede Jerusalemer Straße, e! wa fünf bis sechs Sett äußert sich auch der Lichtenberger Polizei­Personen zu Boden. Sie waren von dem Maschinengewehr präsident zu den Vorfällen. Er schildert die Erstür­feuer ge roffen und zum Tel schwer verwundet worden. Hilfs- mung des Polizeipräsidiums, teilt Mikhandlungen mit, die bereite Menschen trugen die Verletzten zur Unfallstalion, Polizeibeamte erfahren haben, und fährt dann fort:

Weit und breit war fein Gegner zu erbliden, auch aus Häusern ist nicht geschoffen worden. Das Maschinengewehrfeuer Glüdszusal, daß auf der überfüllten Leipziger Straße der blind­lebte ohne jebe warnung ein, und es war ein wahrer wütigen Schießerei nicht mehr Menschenleben zum Opfer fielen. Der Vorgang fann durch Zeugen jederzeit eidlich bekräftigt werden.

Ein Silferuf an die goldene Jurend.

Wie in den Januarkämpfen, so macht auch bei den jebigen Unruhen die Regierung wieder die Jugend der Bourgeoisie mobil, damit diese mit der Waffe in der Hand die sozialistische" Republik sichere. Die Reichsregierung und das preußische Ministerium haben zu diesem Zweck an die Studierenden der Berliner Hochschulen folgendes Tele­gramm gerichtet:

Die Reichsregierung bedarf der akademischen Jugend drin. gend in Kampfe gegen die drohende Anarchie und baut auf ihre Treue und Gingebe. Sicherheit der für bas Studium verloren. gebenden Zeit wird durch besondere Verfügungen gewährleistet werben."

Gin neben dem Polizeipräsidenten stehender Beamter er­hielt mit einem diden Knüppel einen Sicb über den Kopf, so daß ihm das Blut dick über das Geficht strömte. Hierbei machte ein Spartalist die Bemerkung, daß diese rohe Ber handlung nicht angebracht wäre, es würbe genügen, wenn alle erschossen würden. Der Polizeipräsident machte in biefem Moment, in der Erkenntnis, daß eine Rettung auch nur eincs geringen Teile der Beamten völlig ausgeschlossen war, dem be treffenden Epartatiften die leise Bemerkung, ob er bereit fei, ihn und den verlegten Schußmann neben ihm gegen Belohnung fortzubringen. Der Spartalist bejahte dieses.

Der Präsident ergriff nunmehr den durch den Stochieb berlebten Echuhmann am Arm, und es gelang ihm, mit Hilfe des Spartakusmannes durch die Menge hindurch die Frankfurier Allee zu erreichen. Einige ihm nachgesandte Schüsse versehlten ihr Ziel. Er führte den verlegten Wachtmeister in eine Neben straße, von wo es dann beiden gelang, au entlommen.

Einer geringen Anzahl von Beamten war es gelungen, fich burch das Nebenhaus des Polizeipräsidiums zu retten. murde noch von Augenzeugen beobachtet, daß die gefangenen Beamten zu bieren aufgestellt und dann in einer Solonne die Alfredstraße hinunter nach der Frankfurter Allee in Richtung des Bahnhofes Friedrichsfelde abgeführt wurden. Was aus ihnen geworden ist, ist dem Präsidenten nicht betannt; nach den allgemeinen Aeußerungen ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß auch sie sämtlich erichossen worden sind.

Der Bolizeipräsident kann also nur eine Vermutuna äußern, aus eigener Anschauung ist ihm nichts be­

Systematisch wird der Anschein zu erweden versucht, als wür ben alle Beritörunger an Säufern nur dunb das Geschüßfeuer der Aufständisden verursacht. Es steht aber fest, daß die Auf­ständischen nur noch über sehr menin Geschüße und Munition ver- Die Tägliche Rundschau" gloffiert diesen sonderbaren fügen. Es ist bei einem Straßenkampf auch ausgeschlossen, die Silferuf der sozialistischen" Regierung in folgender Weise: Geschüße genau auf das Ziel einzustellen. So verirrte sich gestern Dieses Telegramm der sozialistischen Regierung ist ein föst nadmittag eine Grarate der Mecierungstruppen, die für das liches Kulturdokument von der tatsächlichen Ohnmacht Omnibusdepot in Lichtenberg bestimmt war, und fuhr in der dieser Regierung. Von Arbeiters Gnaden haben diese Her. Liebigstraße in einen Menschenhausen. 20-25 Personen wurden ren die Gewalt in Händen und nüßen sie weidlich, um den Bür berwundet. gerstand, besonders den akademis gebildeten Mittelstand zu ent­rechten und verarmen zu lassen. Wenn aber die Macht der sozia­ listischen Herren durch neue Gegner bedroht wird, dann wagt kannt. man es nicht mehr, sich an die verwöhnte Arbeiterschaft Run berlangen wir nicht, daß den Feststellungen des um Hilfe zu wenden, sondern wirbt als lehtes Ausflinhtsmittel Vollzugsrates von allen Glauben geidenkt wird. Aber bei der berpönten Bürgerschaft um Hilfe und Rettung. Die fann ebeniowenia darf man wohl den Angaben der Garde­fich ja gefälligit für die Sünden der sozialistischen Machthaber die Schüßen- Divifion, die in den Fällen Liebknecht und Luxem Knoden im Leibe zerschießen laffen." bura ja aleichfalls die öffentliche Meinung in bestimmter Richtung zu beeinflussen gesucht bat, unbedingtes Vertrouen entgegenzubringen. Hier kann nur eins die absolut notwendige Aufklärung schaffen, nämlich die Einfekung einer unparteiischen Untersuchungskom. miiiion, wie wir fie bereits gefordert haben.

Das Lebensmittelbepot am Frankfurter Ringbahn­hof soll ge stürmt und vollständig ausgeplündert worden sein. Der Zentralbiehhof ist von Regierungstruppen befeht wor. den. Die Bevölkerung leidet unter der mangelnden Zufuhr von Lebensmitteln.

Bandalismus.

Das Parteibureau der 1. S. V. D. in der Schick lerstraße wurde am Sonnabend nachmittag von Regierungs. truppen heimgesucht. In der Bureauräumen war niemand an wesend. Die Türen wurden erbrochen und in den Näumen felbst alles drunter und drüber geworfen. Listen, enthaltenb bie Namen der Vorstandsmitglieder, find entwendet worden. Be­sonders toll sieht es in der Bibliothef aus. Ueber den Umfang der Berstörung bringen wir in der nächsten Nummer einen ausführ­lichen Bericht. Es handelt sich um einen rein vandalistischen Akt, der nur von Leuten angerichtet worden sein kann, die von einer blintwütigen Zerstörungswut befallen sind.

Teutölln.

Die Regierung wird trop diefer derben Abfuhr nicht nachlassen, weiter um die Gunst der Bourgeoisie zu buhlen. Denn von der Bildung einer Arbeiterivehr, wie sie in dem Programm der 11. S. P. D. gefordert wird, will die Re­gierung nichts wissen.

Taschenspielertrids.

Die Presse benngt aber vor allem diefen Vorfall, um in ihrer Sete gegen die radikale Arbeiterschaft in ganz maß­lofer Weise fortzufahren. In der Spize stehen der Vor­Fus allen Meldungen der bürgerlichen Bresse spricht der wärts", die Sozialistische Correspondenz" des Herrn Heil­Burrsch, den Genera streit zu diskreditieren, indem man die monn, die die rechtssozialistische Provinzpreffe versorgt, und Streifenden verantwortlich macht für alle in diesen Tagen vor das Berliner Zogchloti". Der Vorwärts", namentlich gefallenen Unruhen, Schießereien, Einbruchsdiebstähle usw. möchte um jeden Preis die Unabhängigen mit den gewalt­Man tut das, indem man die Begriffe Aufit and" und Gefätigen Vorgängen in Busammenhang bringen, obwohl er neralstreit einfach durcheinander wirit.

bietet de Tag!. Rundschau". Sie schreibt: Ein typisches Beispiel für diesen Taschenspielertrid Täg!.

Es ist absolut sicher, daß dieser Aufstand in den nächsten Tagen reitlos unterdrüdt werden wird. Man glaubt aber nicht, daß damit ein fünftiger Generalit reif au berbindern ist. Auch rechnet man dam't, daß in fürzerer oder längerer Zeit sich wieder ein neuer ufruhr vorbereiten wird.

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reiffen muß, daß dieser Zusammenhang nicht besteht, daß die Unabhängigen im Berein mit den rechtssozialistischen Bertretern im Arbeiterrat olles daran gefeßt haben, den Streit in völliger Ruhe durchzuführen. Die Unabhängigen wußten ja nur zu gut, daß Gewaltsamkeiten nur der über­legenen militärischen Macht der Regierung die Gelegenheit geben würden, einzumarschieren und dem Streik ein Ende 3u madjen.

Am gestrigen Tage ift auth Reutölln von Regierungstruppen besetzt worden. In allen Straßen wurden Maschinengewehre und Geschüße ausgefahren. Sodann ging es an die Durchsuchung der Häuser, vor denen jeb smal zur Sicherung ein Maschinengewehr aufgefahren wurde. Die Schulen wurden geschlossen, damit Kin­der nicht unnüşerweise in Lebensgefahr gebracht wurden. Die Bevölkerung berhielt jich völlig ruhig. Erst gegen Abend ist es in Da ist einmal von Aufstant", dann von Generalstreif" und Ganz abgesehen von der allgemeinen Erwägung, daß der Nähe des Polizeipräsidiums zu Schießereien gelommen, dann wieder von Aufruhr" die Rede. Nur um den Glauben su gewaltsames Vorgehen einer einen Minderheit von vorn­ebenso am Hohenzollernplat, und in der Richardstraße. Wir er- erwecken, das jei dasselbe. herein zum Scheitern verurteilt ist, war es gerade in der leben jetzt in den verschiedensten Stadtteilen Groß- Berlins das Diesen Verschleierungs- und Bermischungsverfugen ickigen Situation auch ganz flar, daß ein solches Vorgehen gleide Ed; auspiel wie in den Januarivaben. Auf allen Dächern gegenüber sei immer weder betont, daß weder die Streilleitung die Stellung einer schon wenkenden Regierung nur be­follen Spartalistennester eingerichtet sein. Es beginnt ein plan- noch die streifenden Acbetter jemals die Absicht hatten, irg.nd- festigen müßte, die Aktionsfähigkeit der Arbeiterschaft loses Maschinengewehrfeuer, wobei in der Regel nur friedliche welche Gewalttätigkeiten hervorzurufen und daß zwischen ihnen aber verringern würde. Bassanten verletzt werden, und beim suchen der Häuser ergibt und den Unruhen nicht der geringste Zusammenhang Schon aus dieser Erwägung heraus batte die Berliner

fich dann, daß auf den Dächern fein Mensch sich verstedt gehalten bestand noch besteht.

Unabhängige Partei wenige Tage vor Ausbruch des Ge