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Einzelpreis 10 Pfg Jahrgang 2

Die Freiheit" erscheint morgens und nachmittags, an Sonn- und feftagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freier Juftellung ins Haus für Groß- Berlin oder bei direftem Doftbezug ohne Bestellgebühr monatl. 2,30 m, bei Justellung unter Streifband 4,50 M Die Freiheit" ist in den ersten Nachtrag der Postzeitungslife für 1919 eingetragen Redaktion: Berlin M. 6, Schiffbauerdamm 10111, Fernsprecher: Mit Norden 2805 und 2896.

Montag, den 19. Mai 191

Nummer 239 Abend Ausgabe

Inferate fosten die achtgefpalt. Nonpareillegeile oder deren Raum 1,20 ML., Wortanzeigen das fettgedruckte Wort 50 Pf., jedes weitere Wort 25 Pf. Teuerungszuschlag 50 Pros. Familien und Derfanimlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inferate für den darauf folgenden Tag müssen spätestens bis 3 Uhr nachmittags bei der Erpedition aufgegeben sein. Expedition: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 Fernsprecher: Amt Norben 9768

reiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Prozeß Ledebour- Däumig.

Ledebour vor den Geschworenen.no beboermobert Forest, bo die Recht Die Kriegsgefangenen und der

Obuc.

darauf, daß

feines Berhaltens in Vorgehen der Regierung

das der Staatsanwaltschaftsrat nicht begreifen könne, fo

mittag 9 Uhr der Prozeß gegen die Genossen Ledebour und macht habe. Dieser Prozeß sei ein politischer Brozek, wenn| Im Schwurgerichtssaal zu Moabit begann heute vorliege, die fich der schwersten Bergeben idhuldia ae­Däumig. Den Borfiz führt Landgerichtsdirektor Mac cow, läge das an seiner Jugend und an seiner Unerfahrenheit e die Richtunterzeichnung der Friedensbedingungen nach fich teidiger fungieren Dr. Joseph Gersfeld, Dr. Kurt Staatsanwalt nicht persönlich Dr. Gyse und Staatsanwalt Dr. 3 um bu ich, als Ver- auf Genoffen Ledebout aur Mäkiaung. Er dürfe den siehen würbe, als die Latiache, daß damit die deutschen es ihm an einem ver- rieiune mus ver Gefangenschaft warten, auch weiterhin Kriegsgefangenen, die seit Jahren mit Sehnsucht auf ihre gelegen hätte. Er habe gegen Der Borjiten de macht darauf aufmerksam, daß der fönlichen Anariff gar nicht mit bende Umstände auf völlig unbestimmte Zeit der Heimat und ihren An­Sein Verhalten sei darauf be- gehörigen entriffen bleiben.

Rechtsanwalt

angreifen. Genosse

Friede.

Nichts zeigt deutlicher die ungeheuerlichen Folgen, die

Monatelang war das Schicksal der deutschen Kriegs­

gefangenen für alle Nationaliſten und aweifelbaften, Bolts­freunde", die glaubten, damit ihren verlorenen Einfluß auf bie Malien wiederaugewinnen, ein Mittel aur Entfaltung

Rosenfeld teilt hierauf mit, daß Däumig erkrankt ist. rechnet gewesen, die verderbliche Regierung Ebert- Scheide-| geten zu verbandeln. Er habe am 23. April einen Antrag man, ie for hinter die ten tante, tu befeitigen er der befunden solle, daß Däumig während der betreffenden beweisen. geftellt, im Falle Däumig einen wichtigen Beugen zu laben, und fich nur auf et son genes Botgebens stärksten nationalistischen Saffes. Mit den schwärzesten Lage Tag und Nacht im Bollzugsrat tätig gemesen sei.) Das Gericht befchlieht hierauf, den Angeklagten Däumia Farben malten sie die angebliche Brutalität der Franzosen burde de leigate unterſuchen zu fallen. Die Ber - gegenüber unseren Kriegsgefangenen aus, behaupteten, baß gegangen, er habe dagegen beim Rammergericht protestiert, handlung wurde deshalb bis 11, Uhr ausgefekt. Tausende von ihnen dem Elend und Berberben ausgefcht aber bisher bon dort noch feinen Bescheid über seine Be­seien und forderten, daß alles darangefekt werde, damit fie schwerde erhalten. Das ganze Vorverfahren gegen Däumig ici gefezwidrig gewesen. Es macht sich noch notwendig, ein Wort über die 8u nach Friedensschluß in die Heimat zurüdkehren dürfen. den haben schon barani hingewiesen, baß fich unter ihnen nicht da fammeniegung der Geschworenen zu fagen. Wir Neue Organisationen batten fich gebildet, um die Bropa­Redebour allein zu verhandeln, abzulehnen. Bon ein einziger Warn befindet, der der ertverbstätigen Be angeblich die Absicht hätten, nach dem deutschen Vorbild bour und Däumig dürften nicht voneinander getrennt feelt sind, beweist folgender Vorfall: Als der Genoffe Lede- Kriegsgefangenen auch nach dem Friebene werden, da nur durch gemeinsame Verhandlung ein flares bour feine Erklärung abgab, sagte einer der Geschworenen ich nicht auszuliefern. Gesetzwidrigkeit fönne feine Rede sein. Die Fälle Lede bölferung entstammt. Von welchem Geiste die Herren be- gegenüber Rußland zu verfahren und die

Bild zustande kommen fönne.

au seinem Kollegen, wenn der Mann von früh bis abends Monatelang ist die öffentliche Meinung bei uns Sures Genosse Ledebour wendet sich gegen den Staats- arbeiten würde, täme er nicht auf berartige Gedanken. Als diese wüste Agitation unlauterer Elemente in Aufregung anwalt. Er macht einen jugendlichen und frischen Eindruck später der Rechtsamvalt Obuch den Vorsitzenden bat, dem versekt worden. Ohne Grund! Denn die Friedens bedingungen, die die vorgelegt hat, leben die Brozeß gegen ihn endlich beginnen müsse. Die Vorunter- au stellen, damit er sich einige Notizen machen fönne, meinte bedingungslose Rüd gabe aller unserer Kriegs­fuchung sei drei Monate lang ohne Däumig geführt worden. der Gefchtvorene zu feinen Nebenmännern: Natürlich auch gefangenen bor. Dann erit habe man Däumig verhaftet, ihn aber wieder noch ein Chaiselongue und ein paar Flaschen Wein. gefangenen bor. freigelassen und den Fall Däumig dann als Nachtrag der Er fand damit die Zustimmung feiner Kollegen.

Befreiung des Oberleutnants Bogel .

Man sollte meinen, daß diese Tatsache die Organtia­Anflageschrift beigefügt. Der Staatsanwalt hätte in den tionen, die angeblich die Befreiung der Kriegsgefangenen drei Monaten reichlich Beit gehabt, ein gemeinsames Ver-| aus dem Elend bezweckt, mit hoher Freude erfüllen würde. fahren einzuleiten. Ueber die Gründe der nachträglichen| Aber weit gefehlt. Sie, die monatelang durch eine unlautere Prozeßverbindung spreche sich die Staatsanwaltschaft wohl­Des Carbe- Kavallerie- en- Korps teilt mit: Am Sonn- Agitation die Leidenschaften aufs Seftigste erregt haben, weislich nicht aus. Er befinde fich nunmehr seit 4 Monaten abend, ben 17. Mai, nachmittags 3% nhr, ist ein Infanterie. finb jest ich weigfam govorden. Jezt, wo es gilt, gegen. in Untersuchungshaft, die weiter nichts sei als eine Ma 3 te offisier in Müge und Uinhang in einem bunkelblauen ge über der Hemmungslosen Propaganda für die Nichtunter­rechtfertigen und vor aller Oeffentlichkeit die Regierung Lehrter Straße , vorgefahren. Der Dffisier hat auf Grund eines reigabe der Kriegsgefangenen mit der Annahme brandmarken, durch deren Schuld er auf die Anflage- gefälschten Ausweises ben im Bellengefängnis wegen

Der Verteidiger

Ser Friedensbedingungen untrennbar verbunden ist. Mit einemmal ist die Sorge um die Kriegsgefangenen

geblich blutete, daß die Kriegsgefangenen auch nach Frie­Für die Ermittlung des feisbem flüchtigen Oberleutnants densschluß von ihren Angehörigen getrennt fein follen, meist

bant fige. Die Regierung habe die Revolution verpfuscht, Ermordung ber Fran Nofa Luzemburg in Untersuchungshaft be. fie babe die Arbeiterschaft ins Elend gestürzt, habe das findlichen Oberleutnant Rurt Bogel abgeholt und ist mit ihm berstummt. Rein Mensch auf bürgerlicher Seite redet deutsche Bolt im Auslande in, Mißkredit gebracht und durch um 4% 1hr in bes erwähnten Kraftwagen vom Bellengefängnis mehr von ihnen. Niemand von denjenigen, deren Herz an­ihr Verhalten wesentlich dazu beigetragen, daß dem deut- abgefahren. fen Bolfe diese Friedensbedingungen auferlegt worden waren. Er verlange den fofortigen Beginn der Bogel und des begleitenden Infanterieoffisiers aber für jach jetzt darauf hin, daß die Nichtunterzeichnung des Friedens­Verhandlungen, nicht nur in seinem persönlichen dienliche Angaben zu deren Ermittlung wird eine Belohnung von vertrages bedeutet, daß die Kriegsgefangenen dadurch auf Interesse, sondern im Interesse der gesamten Arbeiterklasse. 3000 Mart außgefest. Der Führer des Kraftwagens wirb auf- unabsehbare Zeit der Heimat ferngehalten werden. Nichts Das Gericht lehnte den Antrag auf Trennung des Ber. seferbert, sich zu melden. Beschreibung des Oberleutnants Bogel : zeigt deutlicher als diese Tatsache, daß nicht die Sorge um fahrens ab. Das Kammergericht habe die Beschaverde des Grüße etwa 1,72 Meter, Haupthaar dunkel, englisch geschnittener das Wohlergeben der Kriegsgefangenen diefen Leuten die Rechtsanwalts Dr. Rosenfeld bereits abgelehnt. Wenn dunkler Schnurrbart, graue Augen, hngeres Geficht mit etwas Bunge bewegt hatte, sondern ihre Absicht, das Schicksal ber vorstehenden Badenknochen. Erug font Ginglas, befist wahr, anscheinend an den Bostoerhältniffen. fheinlich falschen Paß. Eine etwa nätig werdende Berteilung der zu benutzen. Dr. Rosenfeld legt nunmehr ein ärztliches Attest bor , Belohnung behält fich bas unterzeichnete Gericht unter Ausschluß Wiederum ist es die Unabhängige Sosial. aus dem hervorgeht, daß Genoffe Däumig schver on der bes Rechtsweges vor. bemokratie, auf die die Kriegsgefangenen und ihre Es erscheint recht sonderbar, daß das Garde- Ravallerie Angehörigen ihre Hoffnung fehen können. Auf der Inter­Grippe erfrankt ist, er hat über 40 Grad Fieber und fann nach dem Zeugnis des Arztes vor 8-10 Tagen das Haus Schüßenforps über diesen Borgang, der sich schon am nationalen sozialistischen Konferens in Bern war es Kurt Sonnabend nach mittaa ereignete, erft Montaa Eisner, den sein warmes mitfühlendes Herz zum wärm­den Borwurf, daß eine gewiffe Berzögerung des Verfahrens Flüchtling und seinem Befreier" ift damit ein großer Ge Rede machte so großen Eindruck, daß die französischen Ge­Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ghie macht der Verteidigung nachmittag eine Mitteilung veröffentlicht.

nicht verlaffen.

angestrebt werde. Echon vor einigen Tagen sei eine Rotia fallen erwiefen worden.

durch die Bresse gegangen, daß Däumig erfranft fei, er bat' in seiner Wohnung untersuchen zu lassen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld bezeichnet die Unterstellung des Staats­anwalts als eine unglaubliche Behauptung, die in feiner Beise begründet sei. Täumig bringe genau so wie Ledebour auf die Berhandlung. Von einer Berschleppung fönne gar keine Rede sein.

Der Staatsanwalt Dr. Sumbu ich,

Dem

Auf zur Massenlundgebung im riegsgefangenen uns nicht gleichgültig fein dürfe,

Lustgarten!

Am Mittwoch soll das werftätige Volf Berlins zeigen, daß es nicht gewillt ist, fich in neue Abenteuer ein bineinbezen zu lassen. Dem Geist von 1914", der von

fich mit aller Entichiedenheit dagegen wenarbeitende Bolf seinen unerschütterlichen Willen

ben, daß aus diesem Brozek ein politischer Brozek Remacht werde, wie es der Angeflagte Ledebour beabsichtige. Richt die Regierunga ftände auf der Anklagebant. Jandern die Angeklagten Ledebour und Däumia.

noffen ihm rüdhaltlos zustimmten. Auch jetzt betont die Unabhängige Sozialdemokratie, daß das Schicksal dec

und daß man die Friedensbedingungen annehmen

noch recht jugendlicher Mann, wendet sich hierauf gegen den nationalistischen Kriegstreibern, den Drädebergern der Kriegsgefangenen die Unterzeichnung des Friedens. den Genossen Bedebour. Er werde ebenso wie fein tolleae und Kriegsgewinnlern fünstlich geschürt wird, soll das bertrages gebietet. Insbesondere ist es Herr Heilmann, der

zum Frieden und zum Sozialismus

entgegenseßen.

müsse, damit diese Männer, die teilweise feit mehr als vier Jahren fern der Heimat unter Fremden weilen, ihren Angehörigen wiedergegeben werden. Wie damals Kurt Eisner , so wird auch jetzt die Partei ne­schmäht, weil sie darauf aufmerfiam macht, daß neben den vielen anderen Gründen auch die Sorge um das Schidial

in feiner Sosialistischen Rorrebondens auch in dieser Frage zeigt, daß die Rechtssozialisten jest mehr von nationalisti­schen Entvägungen bewegt werden, als von der Sorge um Die Kriegsgefangenen. Bieber mögen noch unsere Ge­fangenen bei dürftiger Soft in Beindeßland fronen, als