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Die freiheit erscheint morgens und nachmittags, an Sonn- und festagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freier Justellung ins Haus für Groß- Berlin oder bei direktems Postbezug ohne Bestellgebühr monatl. 2,30 m., bei Zustellung unter Streifband 4,50 m. Die freiheit ist in den ersten Nachtrag der Postzeitungsliste für 1919 eingetragen Ret aktion: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 III. Fernsprecher: Amt Norden 2895 und 2896.
Donnerstag, den 22. Mai 1919
▸ Nummer 244 Morgen- Ausgabe
Inserate fosten die achtgespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 1,20 mt., Wortanzeigen das fettgedruckte Wort 50 Pf., jedes weitere Wort 25 Pf. Ceuerungszuschlag 50 Proz familien und Versammlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inserate für den darauf folgenden Tag müssen spätestens bts 3 Uhr nachmittags bei der Expedition aufgegeben fein. Expedition: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 Fernsprecher: Amt Norden 9768
Freiheit
Berliner Organ
der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Der Tag des Proletariats.
Für den Frieden!
lehen hat. Das war gebung, were he entwürdiger BeDas war eine Kundgebung, wie sie Berlin noch nie gedeutung in der Geschichte der deutschen Revolution bleiben
wird!
Bollversammlung der A.- und S.- Näte beriet die Friedens- fondern außerdem noch eine ganze Reihe nicht vorbereiteter Bat frage und nahm die Resolution der Unabhängigen mit teigenossen. Von allen Treppen des Doms, von den Museen, deat jeber muc irgendwie als Rebnertribüne zu benußenben Stelle, sprachen
Arbeiterräte gaben eine Erklärung ab, die sich in dem ent- Genoffen zu der aufmerksamen Menge. Aber troben and t großer Mehrheit an. Aber auch die rechtssozialistischen Denmälern aus, von den Balustraden des Schloffes, Don, be scheidenden Bunkt der schließlichen Annahme des Bertrages ober 20 Stellen zugleich gesprochen wurde, stambert noch viele, ganz auf unseren Standpunkt stellt. Auch dies ein Beweis, ohne ein Wort zu hören. Denn um jeden Rebner fcharte fich for daß die gesamte Berliner Arbeiterschaft die Politik der fort eine Menge, die jedesmal allein schon eine stattliche Bersaman rechtssozialistischen Führung und des„ Bortvärts" einmütig lung gebildet hätte, so daß es schwierig war, nahe genug herangua
Die Unabhängige Sozialdemokratie hatte das Prole. hariat Groß- Berlins gerufen, um zu begeugen, welches jein Bille jei. Und das arbeitende Volf war gefommen. Un. berwirft. zählbare Massen haben fundgetan, daß sie einmütig zusammenstehen in der Bekämpfung des von der Reaktion neu mus, daß sie gewillt sind, für die Herbeiführung des Welt- der Ablehnung hat in den arbeitenden Massen, die nicht Shuom des Beifalls fort. Diese Massenbunbgebung zeigt in unübertrefflicher Weise friedens zu kämpfen, daß sie bereit sind, für die Verwirk- wollen, daß das entsetzliche Kriegselend länger dauern und| lichung des Sozialismus ihr Aeußerstes zu wagen. noch verschärft werden soll, ungeheure Erregung ausgelöst. welcher Partei in Wirklichkeit die Massen fol. Die nationalistische Bewegung, die sie gefördert hat, hat die gen and was in Wahrheit der Wille des Profe tariats ist. Diese unübersehbare Maffe, beren Groß- Berline, die da auf unseren Ruf in unabsehbaren Zü- proletarische Gegenbewegung ausgelöst und läßt diese start Bahl hunderttausend weit überstieg, war beseelt von einem ge gen anmarschierte. Gegenüber der Größe unserer Kund. und stärker anwachsen. meinsamen Geist, beherrscht von einem gemeinsamen Willen. Dies gebung verschwindet einfach alles, was Berlin in diesen Ta Die Regierung ist gewarnt. Das arbeitende Volf Bolk der Arbeit wird von seiner Macht der Welt in einen neuen gee an politischen Versammlungen und Demonstrationen will den Frieden, weil es die Erneuerung des Kriegsauftan- String getrieben werben. Gemeinsames Lets, vor dem Striege gefehen hat. Im Namen der arbeitenden Bevölkerung Ber- des nicht mehr aushält, weil es, so opferbereit es auch ist, und im Krieg erlitten, hat diese Maffen vereint. Nichts wird fie das Recht als die Unabhängige Sozialdemo- die ihm die Naticnalisten zumuten. Die Regierung täte bringen, auf dem sie unaufhalsam marschieren dem Sieg
tommen, um den Rebner zu verstehen. Bei jenen aber, bie ben Ansprachen folgem tommten, löstem die Redmer immer wieder Bu Wird die Regierung die Bedeutung dieser Rundgebung ftimmung und Buruje aus unb, wenn sie zum Schluß die Weltrebo begreifen? Ihr Verfuch, das ganze Volk auf ihre Ver- lution, die Internationale, ben Frieden und den Gogialismus hochs dann pflanzte sich durch alle Neihen ein bröstenbet
tratie!
eine Minorität.
gut, diese Stimmung zu beachten. Ist sie noch belehrbar,
Uns aber ist die großartige Demonstration ein Beweis
bes internationalen Sozialismus enigegen. Das Schloß war voll belegt von Noakes Soldaten. Gie toniti
Rönnte darüber noch ein Zweifel sein, so haben die dann muß ihr die heutige Kundgebung der Berliner ten sich nicht enthalten, ihre protogierenden Stahlherme und ihre Rechtsschialisten selbst dafür gesorgt, daß dieser behoben Arbeiterschaft gesagt haben, daß sie das Spiel mit dem ganze friegerische Schönheit ostentatio in den Fenstern zu zeigen. werde. Sie hatten den merkwürdigen Einfall, unserer Feuer nicht fortsetzen darf. Sundgebung eine Gegenfundgebung entgegenseßen zu wol len! Wir danken es ihnen! Denn so ist es flar geworden, unseres Fortschreitens und ein Unterpfand unseres fünftigen Menge, die man in dieser Masse wohl selbst von militärischer Seite in welchem Lager die Arbeiterschaft steht. Die Demonstra- Sieges. Schwer und ernst ist die Zeit, aber, gewiß des Vor- nicht erwartet hatte. Diese Burschaustellung von Nostes Garden tion der Rechtssozialisten war geradezu kläglich. Unseren marsches der Revolution, ergeben wir uns nicht der Ver- störte den ruhigen und imposanten Verlauf der Kundgebung nicht, Hunderttausenden hatten sie nur einige Tausend entgegen zweiflung. Für einen schlechten Frieben haben wir heute ber er bot ein bezeichnendes Bild für die Beit, in der wir leben zustellen, und unter diesen waren die wirklichen Arbeiter demonstrieren müssen, um noch schlimmeren Kriegszustand zu und er war zugleich ein Zeichen für die Zukunft. Denn das wurde
vermeiden, aber die roten Fahnen, die auf uns herabwehten, Wir wußten, der rechtssozialistischen Führung schwinden fündeten uns auch die Zeit, in der dieser Friede von dem
fundgetan.
immer mehr ihre Anhänger. Aber daß dieser Prozeß bereits siegreichen Weltproletariat vernichtet werden wird. so weit fortgeschritten ist, das hat erst der so verschiedene Berlauf der beiden Demonstrationen mit solcher Deutlichkeit
mierung eines neuen
Kundgebung der U. S. p.
Die Rechtssozialisten hatten gehofft, durch die Wiederbelebung der Stimmung vom 4. August, durch die Profia- neuen Krieg!" Das war das Stichwort, mit dem die 1. S. P. D.
Für den Frieden! Für den Sozialismus! Gegen jeden
föniglichen Schloß gerufen hatte.
war erwarten, daß
Aber das sonst so beliebte überlegene Monocle lächeln der Herren Offiziere berstummte vor der drohenden Ruhe der ungeheueren
gehört nicht mehr ben Männern des Säbels und des Stahlhelms, die Zukunft gehört dem unbewaffneten Bolt ber Arbeit. Mure thm.
Diese Getvißheit vereinte alle. Jedem einzelnen leuchtete der Stolz aus den Augen. Der Stofz darüber, mtt dazu gehören, mit dabei zu sein, ein Glieb zu sein dieser großen Gemeinde in deren Fahnen die Zukunft ruht, in deren Händen dar Welb friebe Hiegt.
Berlins gestern nach dem Luftgarten vor dem Eine Gegenfundgebung der Rechtssozialisten. Anhänger Einhalt tun zu können. Sie täuschen sich gründ diesem Nufe ungeheure Massen folgen würden. Aber die lich. Das Proletariat weiß heute, nach den ungeheuren Menge, die sich gestern zwischen der vierten und siebenten Stunde 1. S. P. D. gefolgt waren, taum zu fassen vermochte, sammelten Opfern, die ihm diese Politik auferlegt hat, was es zu bedes Nachmittags vor dem Schloffe einfand, übertraf wohl alle, auch sich auf dem Wilhelmplak die Anhänger der Rechtssozialisten deuten hat, von der grundsätzlichen sozialistischen Politik ab- die kühnsten Erwartungen. zuweichen und sich ins Gefolge seiner Klaffengegner zu be- riesigem Umfang hat Berlin noch nicht gesehen. Nicht ein- Lustgarten, durfte man annehmen, daß er voll und überfüllt war.
Während der 2 ustgarten die Massen, die dem Nufe der
Eine Demonstration von so Da der Wilhelmsplas nicht einmal ein Fünftel so groß ist wie der
im Januar die Opfer der Revolution zu Grabe geleitet, können mit
alles war überfüllt. Selbst neben und hinter dem Schloß, sich die Maffen und immer noch, selbst nach 6 Uhr abends, strömten
mit Aufrufen, Flugzetteln und Plakaten über.
tausenden vor dem Schloß verschwinden. Hier genügte ein ohne weiteres zu verstehen war. Die Redner, die sich ablösten,
Bezeichnend für die Stimmung der Versammelter
benutzen wollten, wird ihnen erst recht zum Verderben. Das Proletariat hat genug von der Abenteuer- und den Maffen verglichen werden, de fich gestern auf den Ruf der schwemmt hatten, war der nicht übermäßig große Plat Ratastrophenpolitik. Gewiß, es verabscheut diesen Gewalt- Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei eingefunden hatten. nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt. Das Häusleir frieden, es weiß, daß ihm der Ententekapitalismus ein Der riesige Plah vor dem Schloß, der Luftgarten, die Linden, von einigen tausend Menschen mußte vor den Hundert faum zu ertragendes Joch auferlegt, daß die Arbeiterschaft| politik zu leiden hat. Aber es will feine Verzweiflungs neue Scharen hinzu. Die Organisationen weit entlegener Bor wiederholten alle die nationalgefärbten Reden 3. cm schwersten unter den Folgen der verbrecherischen Kriegs. zwischen den Museen, auf allen Seiten des Doms, überall stauten Redner, und der Andrang war so gering, daß er bon allen Seiten politit, die sich den entsetzlichen Folgen des Krieges zu ent- orte hatten den oft filometerlangen Weg nicht gescheut und famen arten, die man vor ein paar Tagen schon auf dem Königsplat Biehen trachtet, durch Herbeiführung von noch Entset mit staubbedeckten, müden Füßen herzu, um auch ihrerseits die von den offiziellen Rechtssozialisten hören fomite. licherem, sondern es fordert den ernsten und aufrichtigen, proletarische Solidarität zu beweisen und ihre Stimme mit zu| nicht von unausführbaren Drohungen und schädlichen erheben gegen den neuen Krieg, in den gewissenlose Führer" das waren die Gespräche, die man unter der Menge mit anhörer Großsprechereien gestörten Versuch von Verhandlungen, deutsche Proletariat heben wollen. Das waren wirklich alles fonnte. Eine allgemeine Unsicherheit war das Kenn die wenigstens die ärgsten Härten zu beseitigen trachtet. Arbeit, wie sie aus den Fabriken und Bureaus, von der Arbeit Was sollen wir tun?", das waren die Fragen, die man immer Die Rettung und Erlösung aber erwartet es nicht von den famen, mit arbeitgewohnten Händen und leidgewohnten Gesichtern. wieder hörte. Aber flare Antworten darauf hörte man nicht Entschließungen der fapitalistischen Regierungen, sondern aber über ihnen allen wehten stolz und zukunftsfroh die blutroten Wieder machte diese Anhängerschaft der Regierung einen bon dem siegreichen Fortichreiten der proletarischen Be- Fahnen der Internationale, nicht vereingelt, sondern zu hunderten. sehr wenig proletarischen Eindrud, wieder waren es wegung in den anderen Ländern. Bahlreiche Schilder wurden den einzelnen Gruppen vorangetragen; in der Mehrzahl ganz bürgerlich aussehende Elemente, die hier viele Inschriften:„ protestierten". Das wurde recht deutlich, als einige Gruppen Dazu ist aber notwendig, daß in Deutschland selbst der außer den Tafeln der Betriebe sah man Sozialismus zum Siege kommt und der sozialistischen Be- Nieder mit dem Krieg!"" Krieg dem Kriege!"" Hody die Welt von unabhängigen Genossen mit ihren roten Fahnen wegung überall neuen Anstoß und neuen Schwung gibt. revolution!" „ Hoch die Internationale!"," Proletarier aller vom Lustgarten ber nach Hause zogen und auf dem Heimweg Dafür aber brauchen wir vor allem den Frieden, der Länder vereinigt Euch!". Vereinzelte blutrofe Platate trugen auch den kleinen Umweg über den Wilhelmplatz nicht scheuten Inschrift: Denkt an die politischen Gefangenen!" und auf Mit Hochrufen auf die Weltrevolution, auf die khs die Möglichkeit der politischen Arbeit und der wirt- item anderen Blatat stand:„ Die Unterzeichnung des Friedens Internationale, auf den Genossen Ledebour und die fchaftlichen Neuorganisation bringt, so hart seine Bedingun- bedeutet die Freigabe unserer Kriegsgefangenen." politischen Gefangenen, tamen sie die Wilhelmstraße entlang und von der Friedrichstraße heran. Auch„ Nieder mit der Re. Führern aber noch eine aweite Niederlage, Die Brühl , Hoffmann, Lautant, 8ubeil, Biet ui., viegshebern" wurde gerufen. Darüber war die Wut had be gierung",„ Nieder mit Ebert- Scheidemann",„ Nieder mit den
Den auch sind.
Proletarier, die sich hier zusammenfanden, im Kleid der zeichen des hier herrschenden Geistes." Was ist nun richtig?"
Von allen erdenklichen Stellen aus sprachen die Rebner. Nicht Der, gestrige Tag brachte den rechtssozialistischen nur wie angekündigt die Gonossen Saaie, Dittmann,