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Einzelpreis 10 Pfs Jahrgang 2

freiheit erscheint morgens und nachmittags, an Sonne und feftagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freler Zustellung ins Haus für Groß- Berlin oder bei direktem Poftbezas ohne Bestellgebühr monatl. 2,50 m., bei Zustellung unter Streifband 4,50 m. Die Freiheit in den ersten Nachtrag der Postzeitungsliste für 1919 eingetragen Redaktion: Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 19 III. Fernsprecher: Ann Rorden 2895 und 2896.

Freitag, den 13. Juni 1919

Nummer 280 Morgen- Ausgabe

Jnferate foften die achtgefpalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 1,20 mt., Wortanzeigen das fettgedruckte Wort 50 Pf. jedes weitere Wort 25 P Tenerungszuschlag 50 Proz. familien und Dersammlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inserate für den darauf folgenden Tag maffen spätestens bis 3 Uhr nachmittags bei der Expedition aufgegeben sein. Expedition: Berlin NW. 6, Schiffbanerbamm 19 Fernsprecher: Amt Norden 9768

greibeir

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Rosa Luxemburg zum Gedächtnis.

Heute trauert das internationale Broletariat!

Bewegung aller Länder, sondern auch in ihr geschichtliches Stepfis, mit der Rosa Luxemburg politische Fragen zu be Die sterblichen Neste von Rosa Luxemburg werden, fast Werden. Sie war wirklich international, für sie war Nicht- handeln pflegte. Galt für sie auch das Wort von Marri fünf Monate nach ihrer Ermordung, zur Ruhe beſtatest schnur jener Satz der These 12 des Programms der Junius- Alles ist in Zweifel zu ziehen", so galt für sie nicht weniger Die Arbeiterklasse Berling wird durch ein Zeichenbegä.gnis, Broschüre: Die Pflicht zur Ausführung der Beschlüsse der das Wort von Saint Simon , daß man begeistert sein muß, wie es die deutsche Hauptstadt nie sah, sich zur Märty cerin Internationale geht allen anderen Organisationspflichten wenn man große Dinge tun will Roja Luremburg bekennen; aber diese Feier gilt voran." Diese Pflicht bestimmte ihr Handeln im Frieden| Große Dinge wollen wir tun, weil wir fie fun müssen, nur der letzten Ehrung der Toten, sie ist ein Protest wie im Kriege und auch in der Revolution. Das Welt- Die Welt ist ein Chaos und wir als unterdrüdte unterste gegen jenes Regime des Mordes und der Gewalttat, das den proletariat muß trauern um eine Führerin, die voranging Klasse der Gesellschaft haben die geschichtliche Aufgabe, die Beltfrieg erzeugte und das trop der Revolution fortdauert auf dem Wege echten proletarischen Weltgefühls und welt- Welt zu organisieren und es ist unser historisches Pech". und in der deutschen sozialistischen Republik billige Triumphe politischer Einstellung des Denkens, auf iener Bahn, auf wie Rosa sagen würde, daß wir eine Organisation anbahnen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ragen hervor aus Soll jener Herenfabbat der Gewalttätigkeit und blut- rausches, der Verwilderung, der Spaltung des Broletariats der Reihe der Kämpfer, die vor und nach ihnen dieser Blut- dürftigen Brutalität ein Ende finden, muß das Weltprole- und der Berfeßung aller der Eigenschaften, auf die die Son herrschaft zum Opfer fielen. Die Ermordung Rosa Luxem- tariat die Erde beherrschen und die Weltwirtschaft organi- zialisten stolz sind. burgs und die ihr folgenden Ereignisse zeigen wie in einem fieren. Brennspiegel den wahren Charakter der bürgerlichen Ge­fellschaft auf ihrer legten Entwicklungsstufe, wie sie Rosa entspringen. Der Verstand, die wissenschaftliche Einsicht Konterrevolution ist übermütiger denn je und man glaub Luxemburg in der Junius- Broschüre 1916, ihrer legten muß der Leidenschaft die Bahn weisen. Bei Rosa Luxem- sich oft in die Zeiten des Weltkrieges zurüdverfett. Trop größeren Schrift, gezeichnet hat:

mimt,

" Geschändet, entehrt, im Blute watend, von Schmut triefend so steht die bürgerliche Gesellschaft da, so ist fie, Nicht, wenn sie, geleckt und fittsam, Kultur, Philo sophie und Ethit, Ordnung, Frieden und Rechtsstaat - als reißende Beſtie, als Serenfabbat der Anarchie, als Besthauch für Kultur und Menschheit,-| so zeigt sie sich in ihrer wahren, nackten Gestalt."

der ihr die Sektionen der Internationale folgen müssen.

müssen in einer Beit der Trümmer, der Gewalt, des Blut

Der Weltkrieg endet mit einem Gewaltfrieden, die Ne Diese Internationalität kann nicht nur dem Gefühl volution in Deutschland ist anscheinend zurückgeworfen, die

burg verband fich glühendstes, stärkstes Gefühl für alle dem ist der Imperialismus ins Mark getroffen, trotzdem Unterdrückten ohne Unterschied des Geschlechts und der reckt sich überall die Arbeiterklasse empor und rütelt an ihren Staffe mit unbezähmbarem Forscherdrang und unermüdlicher Fesseln und der Trauertag um Rosa Luxemburg muß uns wissenschaftlicher Arbeit. Mag in der Size der Polemit eine Mahnung sein, daß der Kampf, dem sie ihr Leben und im Kampfgetümmel revolutionärer Zeiten oft der revo- weihte, der Stampf, als deffen tragisches Opfer fie fiel, nur lutionäre Elan die nüchterne Erkenntnis zurückgedrängt zum Siege geführt werden kann eingedenk jener Rosung, die haben, immer suchte die Denkerin, sich Rechenschaft zu geben Junius 1916 als Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse Und diese wahre Gestalt einer Gesellschaft, die, kaum über das Mögliche. In ihrer letzten großen Rede auf dem der Weltkriegszusammenhänge ausgab, einer politischen

nur

dem Weltkrieg entronnen, nicht von den Praktiken des Kongreß des Spartakusbundes eiferte seine anerkannte Stampflosung, die heute noch gilt, nicht nur für das deutsche, Beltfrieges laffen kann, einer Gesellschaft, die selbst kapita- Führerin gegen den geistigen Unernst und die Bequemlich- sondern für das Weltproletariat. Im Geiste dieser Worte listisch verseuchte Schichten des Proletariats in ihren Bann feit im Denken, die sich bei einem Teil der Zuhörer breit wollen wir um Rosa Luxemburg trauern, wollen wir ihr Biebt, offenbart sich bei dem Mord an Rosa Quremburg. machte. Dieser geistige Unernst und diese Bequemlichkeit Vermächtnis erfüllen, wollen wir das Erbe verwalten, das | Brutalität und Klaffenhaß, Züge und Gerichtskomödie und im Denken, die gefälligen Augenblics- Schlagworten nach fie uns hinterließ: am Schluß die Entlarvung trotz alledem. gibt, war bei aller journalistisch- agitatorischen Begabung ,, Hier erweist sich aber auch der heutige Weltkrieg nicht Erinnern wir uns der ersten bewußten Falschmeldungen und Neigung der glänzenden Rednerin Noja Luremburg in bloß als ein grandioser Mord, sondern auch als Selbstmord bon der Tötung unserer Genossin durch den Mob von tieffter Seele verhaßt und ihre Lehrtätigkeit in der Partei- der europäischen Arbeiterklasse. Es sind ja die Soldaten Berlin. ! Erinnern wir uns der verlogenen Bericht- schule und die aus dieser Tätigkeit erwachsene und bisher des Sozialismus, die Proletarier Englands, Frankreichs , erstattung der Garde- Kavallerie- Schüßen- Division! innern wir uns des Jubels der Bourgeoisie und der famofen die Sozialisten der ganzen Welt davor warnen, in dieser Geheiß des Kapitals seit Monaten abschlachten, einander Untersuchungskommission, die alles tat, um jenen Prozeß Beit ungeheuerster politischer Umwälzungen Augenblicks- das falte Mordeisen ins Herz stoßen, einander mit tödlichen borzubereiten, den selbst der" Borwärts" als divisions- gefühlen und leidenschaftlichen Aufwallungen hemmungs- Armen umflammernd zusammen ins Grab hinabtaumeln. batriotisches Theater bezeichnete. Dieser Prozeß mit dem los zu folgen. Die Einheit von Leidenschaft und Wissen, nüchternster wissenschaftlicher Untersuchung und mokratie! Es lebe der Bar und das Slaventum! Behn­würdigen Nachspiel der Flucht des Hauptangeflagten Bogel bon

Er- unveröffentlichte Schrift muß die deutsche Arbeiterschaft und Deutschlands , Nußlands, Belgiens selbst, die einander auf

Deutschland , Deutschland über alles! Es lebe die De­

Flucht erschossen! Rosa Luremburg feige, hinterrücs er- berkörperte, muß ein Symbol sein für jene revolutionären tausend Kilo Speck, Kaffee- Erfat, sofort lieferbar! unter Beihilfe einflußreicher Streise! Liebknecht auf der loderndster Begeisterung, die sich in Rosa Luxemburgs Leben tausend Beltbahnen, garantiert vorschriftsmäßig! Hundert idhlagen, der Hauptangeklagte flieht mit amtlichvisiertem Paß! Rämpfe, an deren Anfang wir stehen und die enden müssen Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen. Und Das ist das System, unter dem wir leben, das ist jene mit unserem Siege, wenn sie nicht mit dem Verfall der mit jedem sinkt ein Stämpfer der Zukunft, ein Soldat der wiedererstandene Herrschaft der Militärkaste, deren grim- menschlichen Stultur enden sollen. Wir trauern um Rosa Revolution, ein Retter der Menschheit vom Joch des Kapita migste Feindin Rosa Luremburg zeitlebens war. Das ist Buremburg als einer Führerin in diesem Kampf und wir lismus ins Grab. Ausbruch des Weltkrieges schonungslos entlarvte, so daß Schmerz die Wahrheit jenes Lieblingswortes von Karl der Hölle wird verschwinden, wenn die Arbeiter in Deutsch die wiedererstandene Macht jenes Militarismus, den sie vor empfinden heute, wo wir ihre Leiche geleiten, mit tiefstem| er fie durch eine eineinhalbjährige Gefängnisstrafe un- Marg, daß nicht die Toten zu beklagen sind, sondern die land und Frankreich , in England und Rußland endlich aus fchädlich zu machen suchte. Der Machtpolitik der Offiziers- Ueberlebenden". Wir handeln nicht im Geiste Rosa Lugem- ihrem Rausch erwachen, einander brüderlich die Hand reichen faste, der Herrschaft des Imperialismus galt der politische burgs, wenn wir müßig flagen und der rückschauenden und den bestialischen Chorus der imperialistischen Kriegs­Stampf, galt die wissenschaftliche Forscherarbeit der Ermor- Trauer übermäßig Raum gewähren in unseren Seelen. beten im letzten Jahrzehnt ihres Lebens. Immer wieder tief sie das Proletariat auf gegen die drohende Gefahr des und die tiefe Berwilderung der Menschheit durch den vier- donnern: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Beltfriezes, unermüdlich suchte sie die Lehren der ruji.schen jährigen Strieg, die er offenbart, erfüllt uns mit Efel, mit|

In Deutschland heimisch wie im Geburtsland Bolen,

Der Bahnwiß wird erst aufhören und der blutige Spud

heter wie den heiseren Schrei der kapitalistischen Hvänen Der Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch den alten mächtigen Schlachtruf der Arbeit über­

"

Noch ein solcher Weltfrieg, und die Aussichten des So­

Revolution der deutschen und der internationalen Arbeiter- Abscheu gegen jene Herrichenden, die ihn geschehen ließen aialismus find unter den von der imperialistischen Bar­Elaffe zu vermitteln. Sie war die Verkörperung des inter - und ihn nicht fühnten. Dieser Mord darf uns nicht zu barei aufgetürmten Trümmern begraben... nationalen Gewissens der Arbeiterklasse. Sie lebte jene müden Klagen und fruchtloser Berbitterung führen, wir Attentat nicht auf die bürgerliche Kultur der Vergangenheit, broletarische Internationalität, die fein farblofes Welt- müssen ihn geschichtlich begreifen, seine sozialen Wurzeln sondern auf die sozialistische Sultur der Zukunft, ein töd­bürgertum ist, sondern lebendiger bewußter Zusammenhang erkennen und daraus trotz alledem Mut und Hoffnung licher Streich gegen diejenige Kraft, die die Zukunft der mit den Schicksalen, Rämpfen, Leiden und Bukunftshoff- schöpfen zum Sanipf gegen diese Welt, deren Züde und Menschheit in ihrem Schoße trägt und die allein die kost­nungen des Weltproletariats. vertraut mit der russischen Bewegung, kundig aller Rückschau auf unsere eigene Arbeit und ein Tag des Blicks Totenschädel, hier verrät er, daß sein historisches Daseins­und toten Stultursprachen, hatte sie tiefen Einblick in die Zukunft sein, nicht in rosenroter, unfritischer Hoff- recht venvirft, seine weitere Herrichaft mit dem Fortschrit nur in den augenblicklichen Stand der proletarischen nungsjeligkeit, sondern mit jener sarkastisch nüchternen der Menschheit nicht mehr vereinbar ift.

Brutalität eine der besten proletarischen Frauen erlag. Dieser Trauertag muß für uns ein Tag der fritischen

Das ist ein

baren Schätze der Vergangenheit in eine bessere Gesellschaft hinüberretten kann. Sier enthüllt der Kapitalismus seinen

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