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Nr. 200.

Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Bierteljährlich 3,30 Mart, monat­lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Bfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit bem ,, Sonntags- Blatt" 10 Pfg. Boft- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband : Für Deutschland u.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Gingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwärts

8. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Bor­mittags geöffnet.

Gernsprech- Anschlug: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Der Gesehentwurf

brauchs geistiger Getränke.

Freitag, den 28. August 1891.

Expedition: Beuth- Straße 3.

betr. die Bekämpfung des Miß- Trunksucht entmündigt; bies wird bei ihm erſt nöthig, schaffenden" Speisen halten, ba aber nicht verfügt werden

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macht die Trunksucht allein noch nicht unfähig, sich und zu den unhaltbarsten Uebelständen führen. Der Wirth die Seinigen zu ernähren, er wird also auch nicht wegen muß die nach Lage der örtlichen Verhältnisse zu be­wenn er zugleich ein Verschwender ist, und da er in kann, daß die Gäste sie auch kaufen müssen, so werden sie diesem Fall auch schon nach dem bestehenden Gesetz ent- in sehr vielen Fällen einfach verderben. In der Praxis mündigt werden kann, so trifft dieser Paragraph ihn über- sehen sich solche Dinge ganz anders an, als am grünen Der vorgestern im Reichs- Anzeiger" veröffentlichte haupt nicht. Tisch. Nähere Bestimmungen über die bereit zu haltenden uch a Besetzentwurf mit diesem Titel kommt nicht unerwartet. Der Entwurf ist aber noch reaktionärer, als wir er- Getränke und Speisen" können die Ortspolizeibehörden für sheim Jahre 1881 hat der Reichstag ein Gesetz, welches wartet hätten. Der Grundsaß, daß mit Strafen alles zu die einzelnen Gast- und Schankwirthschaften treffen. Die verschuldete Trunkenheit unter Strafe stellen wollte, bessern sei, hält die Verfasser des Entwurfs vollständig Handhabung dieses Rechtes durch die örtliche Polizei kann furzer Hand abgelehnt. Auch seitdem haben die Kämpfer gefangen. In zahlreiche Interessen schneiden die Be- zu den ärgsten Ungerechtigkeiten und Chikanen führen. für Trinkenthaltung und Temperenz immer wieder den timmungen schärfer, rücksichtsloser, leichtherziger ein, als Eine neue Methode der Maßregelungen! Ruf nach einem möglichst wirksamen Gesetz gegen es selbst die Befürworter eines solchen Gesetzes erwartet Diese Punkte betreffen direkt die Schankgewerbe­Trunksucht und besonders nach Entmündigung der Ge- haben dürften. Fortab soll die Konzessionirung von treibenden; andere und insbesondere die folgenden be­wohnheitstrinker erschallen lassen. Diese Agitation wurde Schankwirthschaften überall nur im Falle des Bedürfniß- treffen direkt das Publikum. am stärksten von den Konservativen betrieben. Mancher Nachweises erfolgen, während sie bisher landesgesetzlich Mit Geldstrafe bis zu einhundert Mark oder mit schnapsbrennende Freiherr hat wohl etliche Nickel zur nur für Ortschaften mit weniger als 15 000 Einwohnern Saft" bis zu vier Wochen wird bestraft, wer in einen Bekämpfung des Schnapsteufels bezahlt. Die 40 Millionen von dem Nachweise des Bedürfnisses abhängig gemacht selbstverschuldeten Zustand ärgernißerregender Trunken­an die Branntweinbrenner gestatteten es ihm ja. werden konnte( nicht allgemein abhängig war). Die neue heit an einem öffentlichen Orte betroffen wird. Ist der Ein Gesetz zur Bekämpfung der Trunksucht paßt über- Bestimmung würde der Polizei eine außerordentliche Macht Betrunkene dem Trunke gewohnheitsmäßig ergeben, so tritt haupt ganz ausgezeichnet zu der Prämiirung der Brannt- über die Gastwirthe verleihen. Was das bedeutet, kann Saft ein." Wir haben schon oben in der allgemeinen Be­wein- Herstellung und zu den Kornzöllen, welche die Er­man sich nach der bisherigen polizeilichen Beeinflussung sprechung eines Antitrunksuchtsgesetzes gesagt, daß das nur nährung der Volksmassen - das wirksamste Gegenmittel benken. Die Weigerung der Wirthe, den Sozialdemokraten dem Aermeren geschehen wird. Dieser Unterschied wird sich gegen Trunksucht und Säuferkrankheit- künstlich schmälern. die Säle zu Versammlungen herzugeben, ist nur eine Folge eben bei jedem die sichtbare Trunksucht bestrafenden Gesetz Ernsthafte Kritik verträgt der Gesetzentwurf, be- dieser Abhängigkeit von der Polizei. Das früher liberal, ergeben, der Klassencharakter haftet dem Entwurf unheil­treffend die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Ge- jetzt konservativ redigirte Gasthaus" hat fürzlich ein- bar an. Das selbstverschuldet" wird in einer Mera wie anfe", so wenig wie irgend ein anderes von den gestanden, daß bei den letzten Wahlen in Sachsen die der gegenwärtigen, wo die strafrechtlichen Begriffe so grariern und Kartelleuten befürwortetes Gesez. Gewiß Gastwirthsverbände in den Dienst der Reaktion gestellt schöpferisch weiter entwickelt werden, wahrscheinlich zu die Bekämpfung der Trunksucht löblich und nöthig, im worden sind. Neichen nun etwa die jetzigen Bestimmungen allerlei schönen Auslegungen Anlaß geben. Daß bei einem Interesse der Einzelnen wie der Allgemeinheit. Aber man nicht aus, um der Trunksucht und der Förderung der armen Teufel die Noth und das animalische Bedürfniß, beseitigt ein lebel nur, indem man seine Ursachen ent- Völlerei entgegenzutreten? Das Gesetz bietet hierzu Hand- sich über den Hunger hinwegzutäuschen, die Trunkenheit leicht dem Fuselteufel, denn der Genuß einer halben sie wird zurückgenommen, wenn gegen den Wirth der zunehmen geneigt sein. Aber bei Sedan - oder Kriegerfesten fernt. Wer keine nahrhafte Speise kaufen kann, verfällt haben genug. Die Konzession wird nicht ertheilt, bezw. verschuldet" habe, werden unsere Richter wohl nicht an­Flasche Schnaps bewirkt das täuschende Gefühl der Verdacht vorliegt, daß er der Völlerei Vorschub leisten hätte am Ende die patriotische Feierlichkeit den Rausch Sättigung, hält aber auch thatsächlich die Lebensgeister des wolle.

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Berhungern Begriffenen für eine Weile wach. Gute brauch von dieser Bestimmung gemacht worden. das willkürliche Vermuthungen seien. Wir leben im Boltsernährung, also gute Löhne, sind eins der besten Ferner soll den Wirthen verboten werden, Personen, Jahre 1891 und haben die Erfahrungen eines längeren gegen die Trunksucht. Man schaffe die Korn- welche das sechszehnte Lebensjahr noch nicht vollendet Beitraums hinter uns. Bietet nun das heutige Gesetz Bolle ab, das ist das Wichtigste, was die Regierung gegen haben und sich nicht unter der Aufsicht großjähriger keine Handhabe zu strafrechtlicher Verfolgung der Trunken­alkoholische Körperschwächung zu thun vermag. Ein Personen befinden, geistige Getränke zum Genuß auf der heit? Das Strafgesetzbuch bedroht den mit Haft, der sich die Trunksucht ist aber ferner in der Praxis Stelle zu verabreichen. Eine recht nuzlose Chikane! Der dem Trunke dergestalt hingiebt, daß er in einen Zustand Klassengeset, das sich nur gegen die ärmere Klasse Wirth kann einem das Lebensalter nicht am Gesicht ab- geräth, in welchem zu seinem Unterhalt oder zum Unter­tehrt und einen scharf ins Auge fallenden Rechtsunter- sehen. Wenn er sich sicher vor Strafe schützen will, darf halt derjenigen, zu deren Ernährung er verpflichtet ist, zwischen ihr und den Wohlhabenden aufrichtet. Der er auch demjenigen nichts verabreichen, der dem Aussehen fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muß. Reiche wird sich öffentlich nicht in trunkenem Zustande nach etwa achtzehn Jahre alt ist. Der Gesetzentwurf ist nicht geeignet, der Trunksucht zeigen und so die Strafe vermeiden. Er braucht ja nur| Die Bestimmung, daß in jeder Gast- oder Schankwirth- entgegenzuarbeiten, er bewirkt nur, daß die Zahl der Droschte zu nehmen. Ebenso gelangt die Be- schaft auch andere als geistige Getränke, sowie die nach Häftlinge zunimmt, für deren Unterhaltskosten die All­stimmung, daß entmündigt werden kann, wer infolge Lage der örtlichen Verhältnisse zu beschaffenden" Speisen gemeinheit aufzukommen hat. Trunksucht sich und seine Familie nicht mehr zu ernähren feilgehalten werden müssen, klingt recht hübsch und scheint

Feuilleton.

Machbruck verboten.)

vermag, nur gegen Arme in Anwendung. Den Reichen im Interesse der Gäste zu liegen, praktisch muß sie aber Frage der Berechtigung eines geseglichen Eingreifens wird

Er kehrt zurück!

Driginalroman von Jean Meroz

Einleitung.

Drei Sterne.

I.

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Drei von seinen Fenstern warfen einen Lichtschimmer auf den vom Regen glatt gespülten Straßendamm und ließen ihn widerleuchten wie einen Spiegel aus ge­schliffenem Stahl. Hinter den vom Staube gelb gewordenen Vorhängen gingen langsam Schatten regelmäßig hin und her. Diese ließ einen Mann, der unbeweglich und wie fest­gewachsen in der Vertiefung einer gegenüberliegenden Thür stand, nicht aus den Augen.

Der Beobachter fuhr jedoch auf, als es an der großen Uhr des Palais Richelieu ein Viertel nach Mitternacht schlug. Das Geräusch einer Miethskutsche, die soeben in die

die Fensterladen schließen sich, wie schlafbefallene Augen- hochgewachsener Mann, der in eine Art Reisemantel von

Aus der Begründung sei Folgendes erwähnt: Die

Es ist nicht möglich..."

Im Hausflur hatte jemand die Hand auf den Arm des Ankömmlings gelegt.

Sie sind's General? Man erwartet Sie oben". Sie stiegen die einzige Etage hinauf. Es öffnete sich eine Thüre. Der General trat in einen rechtwinkligen, ziemlich großen aber niedrigen Saal. Es war ein Zeitungs­Redaktionssaal.

Drei Dellampen warfen ein mildes Licht auf einen großen, mit grünem Tuch überzogenen Tisch, der ganz mit Zeitungen bedeckt war. Außerhalb des Lichtkreises der Lampen war der Saal

Das Netz der kleinen Straßen rings um das Palais Royal , welche die Namen der Söhne des Hauses Orleans Straße eingefahren war, veranlaßte ihn, den Kopf aus die in fast vollständiges Dunkel gehüllt. Die Wände waren tragen, nämlich Valois, Montpensier, Beaujolais , Chartres , Thüreinfassung vorsichtig hervorzustrecken. Aber er verbarg fahl, nur hier und da waren Kupferstiche angeheftet, welche bildet mitten im Herzen von Paris eine kleine, stille, arm- sich eiligst wieder in der Ecke, indem er sich in das Holz Episoden aus der französischen Revolution darstellten, das felige Provinzialstadt. des Thürrahmens zu verkriechen schien. Abends gegen 10 Uhr verdunkeln sich die Häuser, und Die Miethsfutsche hielt vor dem niedrigen Hause. Ein und ein lithographirtes Facsimile der Protesterklärungen der Journaliſten gegen die Juli- Verordnungen. Um den Tisch saßen etwa fünfzehn Personen schweigend, militärischem Schnitt gehüllt war, stieg aus, bezahlte den Die Straßendämme sind verödet. Ein vorüber Kutscher und ging in das Haus hinein, dessen Thür sich ge- und ihre Gestalten verloren sich fast im Halbdunkel. Sobald der General die Schwelle überschritten hatte, fahrender Wagen ist hier ein Ereigniß. Fußgänger sind öffnet hatte, ohne daß er nöthig gehabt hätte, zu klingeln, entledigte er sich eiligst seines Mantels und warf ihn mit felten, ihre Schritte schallen mit großem Lärm wieder. Man und die sich nun sogleich wieder schloß. tönnte sich versucht fühlen auf den Fußspißen zu gehen, wie|

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neben ein Exemplar der Erklärung der Menschenrechte

in einem Krankenzimmer. Die Miethskutsche entfernte sich, ihre Räder knarrten einer ungestümen Bewegung auf einen Stuhl in der Ecke. und das alte Eisenwert ächzte; das dumpfe und langsame Er war erwartet worden und gewiß kannte er jeden Das Gas brennt in matten kleinen Flammen hinter den Geräusch der Tritte des Pferdes verlor sich in der Richtung der Anwesenden, denn nachdem er gegrüßt, einigen die Scheiben der Straßenlaternen, wie der melancholische Schimmer nach dem Place de Palais- Royal.. Hand gedrückt und seinen Hut abgelegt hatte, nahm er einer verlöschenden Lampe. Der Reisende war kaum einige Sekunden auf dem einen Stuhl und setzte sich an eine noch freie Ecke In der Mitte der Beaujolais- Straße war jedoch eines von schein einer Gasflamme nur halb beleuchtet worden. Häuser sind hoch, schmal und von düsterem Ansehen. Bürgersteig geblieben; seine Gestalt war durch den Wider des Tisches. Aller Augen hatten sich fragend auf ihn ge­richtet und forschten begierig und fast wie mit Besorgniß ihnen, das älteste und schwärzeste, das aber niedrig und breit| Während der Mann gegenüber sich beeilt hatte, ihn in allen Falten dieses leutseligen Gesichts. Seine sorglosen genau zu betrachten, unterdrückte er eine Bewegung der Augen, der spike Bart, das zwanglos bürgerliche Benehmen Ueberraschung. Er murmelte zwischen den Zähnen: stachen seltsam ab von dem Aussehen der Generäle aus der

gegen Mitternacht noch erleuchtet.