Einzelpreis 15 Pfennig 2. Jahrgang -

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Sonntag, den 2. November 1919

Nr. 531/ A 289 Morgen- Ausgabe

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greiheis

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Bergarbeiterstreit in Amerita.

500 000 Bergarbeiter im Streit.

Es bleibt abzuwarten, welche Erfolge diefe Verordnung zeitigt. Einstweilen wird noch mit Hochdruck der Werbe­Der jeit Wochen von den Bergarbeitern angefündigte ichpindel betrieben. Die Mitwirkung gewisser Reichswehr Generalstreit ist Wirklichkeit geworden. Seit Sonnabend stellen ist dabei zocifelsfrei erwiesen. Es muß also gründ­befinden sich eine halbe Million Bergarbeiter lich durchgegriffen werden, soll der Befehl nicht bloß auf dem im Ausstand. Weder die Drohungen der Unternehmer noch Bapier bleiben, wie es schon bei vielen Erlassen, die sich auf Sie der Staatsgewalt haben die Bergarbeiter eingeschüchtert, das baltische Abenteuer bezogen, der Fall war, bielmehr hat die Unnachgiebigkeit der Unternehmer und ihre Unterstügung durch die Staatsgewalt den Streif un­bermeidlich gemadyt.

Ein Niejenfampf bon unübersehbaren Wirkungen ist entbrannt. Birbungen, die sich nicht allein auf Amerika beichränken, sondern die weit darüber hinaus, bei längerem Andauern des Streifs, auch die europäischen Staaten in Mitleidenschaft ziehen werden,

Getreu den bisherigen Methoden, die die amerikanische Bourgeoisie stets in Kampje gegen die Arbeiter zur An wendung brachte, ist auch bei diesem Streif die energiichste Bekämpfung durch militärische und polizeiliche Silfe in Aus. ficht genommen, die schon bei den Streits der Dodarbeiter und der Stahlarbeiter die gewaltige Erbitterung der Ar­beiterschaft hervorgerufen hat.

Rührende Nachficht mit Meuterern.

Gigener Drahtbericht der Freiheit.

Thorn, 1. November.

Warum wir für Mostau sind.

Bon Paul Schwent.

II.

Man hat uns, den Berfedytern des Anschlusses an die Mostauer Internationale, nachgejagt, unsere Saltung fei rein gefühismäßig bestimmt. Darin liegt ein vollständiges Verkennen unserer Motive. Gebik spricht das Gefühl, der leidenschaftliche Wunsch, unseren Arbeiterbrüdern in Sow­jetrußland in ihrer großen Bedrängnis, in ihrem Titanen fampf zu Hilfe zu eilen, mit; aber zugleich auch die rein berftandsmäßige Erwägung, daß wir damit am besten der Sache des Sozialismus in allen Ländern nüßen.

Auch wir sind der Meinung, daß eine tatkräftige Bu sammenfassung des internationalen Broletariats nur er folgen fann unter Berüdsichtigung der tatsächlichen öfono< Die Berhandlungen mit ben Angehörigen des Infanterie. mischen und politischen Verhältnisse. Wir behaupten aber, regiments 21, die in der Nacht vom 20. zum 21 Ottober Thorn daß diese von den Gegnern des Anschlusses an die dritte berfaffen hatten, um sich mit dem Detachement to bach in internationale falich gedeutet werden. Von denen wird Stulmiee su vereinigen und mit biefem gemeinsam über die Grenze gefagt, der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung sei ins Baltikum zu stoßen, bauern noch fort. Der größte Teil der durch den Krieg nach den westlichen Industrieſtaaten vera gruppen hält hartnädig baran feft, nach Kurland zu gehen. Die hoben. Momentan hat es auch den Anschein, als ob das berhoben. Befehlstellen verfuchten bisher vergeblich, die Zeute richtig wäre. Sehen wir aber genauer zu, fo fann uns von ihrem Blan abzubringen. Das Detachement Rosbach befindet das Loch gar nicht entgeben, das diese Rechnung hat. Ber­fich noch in Sulmiee.- 3n Zoppot wurden diefer Tage brei hältnismäßig om günstigsten hat ohne Zweifel Amerika ab­Offisiere fetgenommen, die deutsche Soldaten für die geschnitten, und es ist sehr wohl denkbar, daß es in der Lage Armee Koltfarat augeworben hatten. war, nur aus feinen reichen Kräftereservoiren zu schöpfen, ber bedeutet das nicht auch eine zumindest indirefte Schwächung?

Washington, 31. Dftober.( Neuter.) Das Repräsentantenbau hat mit überwiegender Die Nachyficht, die die militärischen Befehlsstellen mit Mehrheit die Entschließung des Senats angenommen, in der ber den Meuterern des Infanterie- Regiments 21 und des Rongres fich verpflichtet, bie Regierung bei ihrem Bor Detachements Roßbach üben, ist geradezu rührend. Seit der gehen in der gegenwärtigen industriellen Kriss zu unter Flucht find nahezu 14 Tage vergangen und die militärische # ügen. Wie das Reutersche Burcan aus Louisville metbet, Behörde bat es immer noch nicht fertig gebracht, die meu wurde dort ein Bataillon von Beteranen aufgestellt, ternde Truppe von ihrem Blan abzubringen. Dabei ist bas den Befehl erhielt, sich nach den Koblenfeldern von Weft die Sache höchst einfach. Die meuternden Truppen find nicht virginien zu begeben. Der Verwalter der Brennstoffe, Garfield, bon fich heraus auf den Gedanken gekommen, dem Stäuber­has angeordnet, daß das Rohlenverteilungsinftem, das während hauptmann Bermondt ihre Dienste anzubieten, fondern bes Krieges in Straft war, von neuem in Wirksamkeit trete. fie wurden von monarchistischen Offisieren, Für die Ausfuhr dürfte teine& able sur Berdie das baltische Abenteuer gutheißen, bur allerlei fügung fein

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berlodende Versprechungen zur Meuterei beranlagt. Die Truppen brauchen also blog dem Ein­fluß ihrer Führer entzogen zu werden, und alle Schwierig

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fiebt es dagegen bös aus. Da hat der frieg gar gewaltig Mit England, und ganz augenfällig mit Frankreich , am Lebensmart gegehrt. Fra freichs Existenz ist überhaupt nur noch wirtschaftlich gefehen eine fillive, Sein ganzer Seichtum besteht in dem, was wir ihm schuldig find Der Kapitalismus der ganzen Welt tit aufs beftigste er und voraussichtlich nur zum fleinsten Teil bezahlen tönnen. schüttert. Das tritt nur nicht überall fo augenscheinlich berbor wie in Desterreich und in Deutschland . Ein fo fest gefügter, qut burchorganisierter und gewaltiger Organis unter den schwersten Stößen nicht leicht zufammen, ber mus, wie das fapitalistische Wirtschaftssystem, stürzt selbst gerade diese Erkenntnis muß unsern revolutionären Eifer nicht zaubernd abwarten, bis es toieder ins Gleichgericht gekommen ist, sondern müssen wuchten, bis es bollends ge­Stürzt ift.

Ein monarchifischer Buffchplan in Wien . Feiten find behoben. Aber das ist es ja gerade! Man wil befeuern. Wenn wir sehen, das Syſtem wankt, dürfen wir

Eigene Drahtmeldung ber 8reiheit.

ien, 1. November.

Auf dem fosialdemokratischen Parteitag machte Gense Friedrich Abler Enthüllungen über einen monarchistischen Butsch in Wien . Er stüßte fich auf ein geheimes Doku. ment, das der Volkswehr in die Sände gefallen ist. Der Plan ift von Offizieren ausgearbeitet worden und trägt das 2a. tum bes 25. Oktober. Die Absicht der Monarchisten gehz dahir, an einem benttage die Volkswehr zu entwaffnen unb su internieren. Als 2osung wurde der deutschnationale Kampfruf Seil" ausgegeben, als Feldgefchrei das Wort Sonne!". In Der Geheimkorrespondenz werden die Maschinengewehre als affer", Minenwerfer als Paprika bezeichnet. Der Butsch foll nachts 10 br beginnen und bis 8 Uhr morgens burchgeführt sein.

den monarchistischen Landesverrätern nicht wehe tun. Denn fie haben ja am Ende nur dos getan, was jeder eingefleischte Militarist mit Jubel begrüßt.

Der Wahlaufruf der französischen

Sozialisten.

Die Sumanité" vom 28. Oftober veröffentlicht den ufruf der sozialistischen Partei Frankreichs zu den Wahlen. Der Aufruf erinnert zunädyt an das ge meiniame Intereffe, das die städtischen Arbeiter und die Bauern, die Angestellten und die Beamten, das alle Sand und Kopfarbeiter vereinen müsse gegen über der geringen Babl der Besitzenden, in deren Hand die Produktionsmittel monopolisiert find.

Den Gebel baben unfere ruffischen Sloffengenoffen, zu­erft angefeßt. Saben sie sich zuviel zugetraut? Das faun man nicht behaupten. Ihnen blieb eben feine andere Wahl Der Gang der Ereignisse nötigte ihnen den gewiß, fehr un­gleichen Stampf auf. Aber legt uns diese Einsicht nicht die pflicht auf, bort fo raich wie möglich die Sand mit ang legen, wo bereits Broletarierhände am Werk find? Und noch ein anderer Umstand zwingt unsern Blid in die gleida Richtung. Faffen wir den Grad der Erschütterung des Stapitalismus in den einzelnen Ländern ins Auge, so ergibt fich, bom Westen von Amerika fortschreitend nach dem Often, nach Rußland hin, eine stetig steigende Kurbe. Die öfilide Friedrich Adler fagte, bak für den Augenblid die Gefahr vor. Orientierung liegt also durchaus in der Stichtung des Der Wahlaufruf denkt an die furchtbare Schulb des fleinsten Kraftmakes. Mithin haben toir dort angupaden. fer fei, weil man den Plan in die Sände bekommen habe. Die Bürgertums, bas aus niedrigen Profitintereffen den fünf- Bleibt Sowjetrusland fiegreich, dann ist das für uns ein Situation würde sich aber im Laufe des Winters verschärfen. Die jährigen entfeglichen Krieg beraufbefchworen mefentlicher Stüßpunkt und ein Faftor für unsern Sie monarchistischen Streife rechnen vor allem damit, bie Arbeits. habe und das jetzt noch nicht einmal imftande sei, diesen Einmal soweit gebiehen, entroideln sich die Dinge mit Ipfen zu fich herüber zu ziehen. Es wurde eine fofortige un rieg zu beenden, das in einem wa bhwizigen rie- innerer Ronfequens weiter: die kapitalistische Herrschaft in terfuchung eingeleitet. Die Polizei nahm zahlreiche ausbensvertrag ben Reim zu neuen Striegen gelegt babe. ben mestlichen Bändern hann sich dann allein nid mehr suchungen und Verhaftungen vor. Gin ehemaliger Er spricht von der furchtbaren Finangfalamitat, in die fene aufrecht erhalten, Offisier geftand seine Mitwiffenfchaft Die Garnifon wird in Politik Frankreich hineingetrieben habe. Gestern Krieg strenger Bereitschaft gehalten. In allen Kafernen haben und morgen Bankerett", so heißt es in dem Aufrufe. Das Massenversammlungen ber Soldaten stattgefunden, wo bei der entschloffene Wille zum Ausdrud tam, jeben reat. tionären Butsch erbarmungslos nieberzuigla. gen. Der Vollzugsausschuß der Solbatenräte hat flammende Aufrufe erlaffen, in denen der Realtion erbittester Wiser Band angefündigt wird.

Balfifumsdieber.

Berordnung gegen die Balfifums ieber. Der Oberbefehlshaber Noste hat nachstehende Berorb­nung erlassen:

Auf Grund des Belagerungsguftandsgefeßes vom 4. 6. 1851 wird für den Landespolizeibezirk Berlin , den Stadtkreis Spandau , die Landkreise Teltow und Niederbarnim folgendes verordnet:

Jede Unterftügung der im Baltikum befindlichen Regierungen und Eruppen, insbesondere burch Anwerbung, Lieferung bon Material, Baffen und Bebensmitteln, fowie burch Propaganda i berboten Bumiberhandlungen werben mit Gefängnis bis zu inem Jahr beftraft, foreit nach den hefteherbert Belegen eine höhere Strafe in Beiradit tommt.

find die Folgen des Imperialismus. Mit flaren Worten wird die volle Sozialisierung gefordert.

Mehr als jemals ist es tlar, baß bie nationale Sou veränität nur Wirklichkeit werden fann durch das natio­nale Eigentum. Arbeiter Frankreichs , übernehmt felber die Leitung der Führung und der Entroidlung der Bro­duftion. Wenn Ihr gefämpft habt, um die Unterdrüdung von außen abzuwenden, so setzt das Wert der Befreiung fort, indem Ihr die Nation von der Knechtschaft im Innern, von bem 3o der Ausbeuter Euerer Arbeit befreit."

Folgende Forderungen stellt der Aufruf schließlich für das Attionsprogramm der Partei auf: Berteidigung des Achsstundentags und des Noalitionsrechts. Nebereinstimmung zwischen den politischen Einrichtungen mit neuen wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Berftaatlichung aller Zransportmittel, Berfidierungen, groter abriten ufm.

ben

mms würde gegen uns mit denselben Mitteln borgeben, wie Sier fönnte eingewendet werden, der Ententefapitalis jest gegen Sowjetrußland. Dem ist entgegenzuhalten, daß eine Blockade um so unwirksamer wird, ie größer die Bal der Länder ist, auf die sie sich erstreden, foll. Beweisen aber nicht gerade die verzweifelten Anstrengungen, die die tapi talistischen Ententeregierungen machen, um Sowjetrußland demielben Edhidial zu überliefern, wie lingarn, daß ihnen das Waffer bereits an der Steble steht? Wir können also den internationalen Sozialismus gar keinen größeren Dienst erweisen, als indem wir uns sofort und mit aller Ent­schlossenheit auf die Seite der Moskauer Internationale stellen.

Ob bei allen unferen Anhängern diese flare Erkenntnis beftimmend für ihre Saltung war, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls haben sie instinktiv den inneren Bu fammenhang der Dinge, so wie er oben dargestellt ist, geahnt. Daher die große Mehrheit für unsere Anschauung. Neben den streng wissenschaftlichen Gründen, die die Gegner unferer Auffassung ins Felb führen, werden noch Allgemeine brüstung in alle Diufier het Dould eine ganze Steihe von 8medmäßigteitsgründen ins Feld ge loub ben Anfang machen muk

Unentgeltliche Einheitsfjule,

fibri Dopo im nächsten Abjanit

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Ebbr