Einzelpreis 15 Pfennig 2. Jahrgang Donnerstag, den 4. Dezember 1919
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Nr. 589/ B268 Abend- Ausgab
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greiheit
Ein Kabinettsbeschluß.
Wir erheben schärfften Proteft gegen das Verhalten des]
Vorsitzenden, den Obersten Reinhard in solcher Weise zu Um Schandpfahl der Geschichte!
Das Berliner Zentrumsorgan, die„ Germania ", entlasten zu suchen.
schreibt in ihrer heutigen Morgenausgabe:
Gallifet als 3enge.
Wilson und der Kongreß.
Dittmanns Anklage auf dem Parteitag gegen das Justizverfahren im Mordfalle Haase.
Wir geben nachstehend den Wortlaut jenes Teiles der Rede Dittmanns wieder, der sich auf die Ermordung Haases bezieht.
Haases Ermordung wird als unpolitische Tat" hingestellt. Wir vom Zentralfomitee der Partei haben dazu in einem Aufruf sofort erklärt, daß
die Tat nur in einer politischen Atmosphäre möglich war, in der Revolutionäre als vogelfrei gelten und thre Mörder frei ausgehen.
Heute formuliere ich diese Fragen nun in ebensoviel Punkte einer Anflage, die ich von dieser Stelle aus vor der Oeffentlichkeit erhebe.
feinerlei Nachforschungen angestellt haben, ob der Täter Ich klage die Justizbehörden an, daß sie vorher mit jemandem über die Tat gesprochen hat, ob ihm geraten hat, ob Spikel oder agents provocateurs auf ihn die Tat fuggeriert worden ist, ob ihm jemand zu- oder ab
,, Die Aufhebung des Belagerungszustandes für Berlin steht, wie wir zuverlässig hören, unmittelbar bevor. Das Reichs. ministerium hat einen dahingehenden Beschluß be. H. N. Washington , 3. Dezember. reits gefat, es geht dabei von der Ansicht aus, daß, da In seiner Botschaft an den wieder zusammengetretenen augenblidlich völlig geordnete Berhältnisse wieder herrschen, ber kongres spricht Wilson den Wunsch aus, künftig ein Belagerungszustand entbehrlich ist und zudem, Budgetsystem einzuführen, wodurch die Kontrolle der Geld wenn es erforderlich ist, der Belagerungszustand jeberseit mittel und der nationalen Ausgaben aufgenommen werden kann. wieder verhängt werden kann." Weiter verlangt er für die ehemaligen Heeresangehörigen UnterWie von anderer Seite berichtet wird, ist die Verord- stüßung, eine Förderung der Nahrungsmittelerzeugung und eine nung über die Aufhebung des Belagerungszustandes er ft Berbesserung der Beschaffenheit der Nahrungsmittel, ferner in einigen Tagen zu erwarten. Die berühmten tech scharfe gefeßliche Maßnahmen gegen Regierungsfeinde, insbesonnischen Gründe" werden wieder vorgeschützt, um die Hin- dere gegen Anarchisten, sowie eine Aenderung der Kriegs- Dieser Meinung sind wir heute mehr als je zuvor. Was auszögerung der amtlichen Verordnung zu rechtfertigen. gewinn- und Einkommensteuer. Schließlich behandelt der Präsi - ist von den Justizbehörden bisher geschehen, die Sache aufSollte der eigentliche Grund nicht darin liegen, daß hinter dent die industriellen Fragen und sagt, es sei äußerst wichtig, ein auffären? Diese Frage habe ich schon vor 14 Tagen in einem den Kulissen noch gekämpft werden muß, um die Verwirk- endgültiges Programm für die Verbesserung der Arbeitsbedingun- Offenen Briefe an den breußischen Justizminister gerichtet. fichung des Kabinettsbeschlusses gegenüber der Militär. gen festzustellen. Da& Recht des einzelnen Arbeiters Bis heute ist feine Antwort barauf erfolgt. Ich hatte zehn amarilla durchzusehen? au streiten, sei unantastbar, und feine Regierungs- flare Einzelfragen gestellt. maßnahme dürfe dieses Recht beeinträchtigen. Es bestehe aber noch eine höheres Recht, und zwar das Recht der Regierung, die allgemeinen Intereffen des Voltes sicherzustellen und zu wahren, Die ersten Stunden des heutigen zweiten Verhand Von der Botschaft, die Wilson an den neu eröffneten Ich klage die Justizbehörden an, daß sie Lungstages waren ausgefüllt mit der Vernehmung Rongreß gerichtet hat, erwartete man mit Spannung die feine Hand gerührt haben, festzustellen, mit welchen Per des Obersten Reinhard. Die Aussage des deut- Lösung der Krise, die durch die Haltung der republikani- sonen der Täter in der letzten Zeit vor der Tat verkehrt hat, fchen Gallifet tann nur den Schlußstein zu dem schen Opposition im Senat, die die Teilnahme am Völker- daß sie weder die Arbeitgeber noch die Arbeitskollegen des entwürdigenden Bilde fügen, das jeder Mensch mit Ehr- bund durch Vorbehalte illusorisch gemacht hat, entstanden Täters vernommen haben! und Anstandsgefühl sich von diesem Manne nach seinen bis- ist. Die Nachricht über die Wilson- Botschaft zeigt, daß die her bekannt gewordenen Taten- oder richtiger Untaten Lösung nicht gelungen ist. Die Krise besteht fort, und die -gemacht hat. Mit einer Miene und in einer Haltung, Milion- Botschaft umgeht sorgfältig dieses Problem. die deutlich die Empörung darüber zur Schau tragen, daß man es wagt, ihn, den gewaltigen Oberst Reinhard, in einer nicht die Rede, dagegen hält Wilson offenbar an dem GeBom Friedensvertrag selbst ist scheinbar überhaupt fo lächerlichen Angelegenheit, wie es der Tod von danken des Völkerbundes fest, da er die Grundsäke der Ar- leingewirft haben. 32 Revolutionären ist, vor Gericht zu bemüthen, tritt beiterregelung als in der Verfassung des Völkerbundes er an den Richterbisch. Seine Personalangaben zu machen, Ich klage die Justizbehörden an, daß sie ift er natürlich viel zu vornehm, und läßt sie sich daher, was niedergelegt bezeichnet. Ein beachtenstverter Angriff auf keine Feststellungen getroffen haben, wann, wie und wo der völlig unzulässig ist, vom Vorsitzenden vorlesen. Die republikanische Opposition ist in den Worten enthalten, Täter in den Besit des Revolvers gekommen ist, mit dem Doch dann folgt er der Aufforderung des Vorsitzenden, die in denen Wilson fich gegen die kleinfrämerische Politik des er den Mord verübt bat. Borgänge, die zur Erschießung der Watrosen führten, im amerikanischen Handels wendet, durch die die amerikanische Ich klage die Justizbehörden an, daß sie Bufammenhang zu erzählen. Mit augenfälligem Geschäftswelt in einer Art Swangsjade gehalten werde. Bögern spricht Reinhard, jedes Wort sorgfältig Die neue Beit müsse auch in dieser Frage Wandlung nur auf Anstoß von außen her rein formal Unterüberlegend, um sich nur ja nicht zu verraten. Allmählich schaffen. Das amerikanische Volk dürfe die Gelegenheit fuchungshandlungen vorgenommen, daß sie aus eigener erit, als die Verteidiger Fragen einverfen und sich eine De- zur Ausdehnung seiner Wirtschaft nicht ungenutzt vorüber Initiative aber absolut nichts zur Aufklärung der Mordtat batte entvideit, wird auch Reinhard lebhafter. Die Tat gehen lassen. Der Strieg babe die folierung Amerikas unternommen haben. Marlohs hält er natürlich für gerechtfertigt, es sei verschwinden lassen und ihm große Verpflichtungen und Diese Passivität der Justizbehörden wirft wie eine Be⭑ selbstverständlich, daß die ganze Gesellschaft( so be- Verantwortungen auferlegt. Die amerikanischen Staaten günstigung der Mordtat, und das um so mehr, zeichnet er die Matrosen) nach Kriegsrecht beban müßten an dem Weltmarkte, der sich gewaltig ausgedehnt als Nachrichten in der Presse veröffentlicht wurden, nach delt, das heißt alio, erschossen wurde. Diese Behaup- hätte, auch in größerem Umfange ihren Anteil haben. denen man annehmen muß, daß sich die Staatsanwaltschaft tung ist um so ruchloser, als es selbst beim Kriege gegen Wilson versucht offenbar, die Opposition der Geschäfts- lediglich als Fürforgebehörde für den Zäter äußere Feinde als eine schändliche Völkerrechtsverletzung welt gegen die in Amerika sehr unpopulären Verpflichtun- betrachtet hat. Schon 4 Wochen nach der Tat wurde in der gilt, Gefangene zu erschießen. gen, die aus dem Bölderbundvertrage entstehen können, Breffe mitgeteilt, daß der Täter nach einem ärztlichen GutObwohl es nicht nur heute ein vandfrei feststeht, daß durch den Hinweis auf große neue Geschäfte am Weltmarkt achten ft ra fausschließend geistestrant" sei. die Zusammenfunft der Volksmarineßivision am 11. März zu beseitigen. Er dürfte hier damit wenig Glüd haben, Sonst braucht man Monate, ia Sabre, um solche Unterin der Französischen Strabe einzig und allein zum denn es ist gerade die Ansicht dieser Handelskreise, daß diese fuchungen vorzunehmen und solche Feststellungen zu treffen. Svede der Empfangnahme der Löhnung und der Waffen- Geschäfte und die Ausdehnung des amerikanischen Wirt- Die Arbeitgeber und die Arbeitskollegen des Täters, die abgabe stattfand, sondern obwohl sogar der Büttwit- schaftslebens sich fünftig nur dann werden gestalten laffen, ihn genau fennen, haben ihn nie fiir geistesfrank gehalten sche Befehl selber, die Versammlung als einen harm- wenn Amerita von allen politischen Verpflichtungen frei ist. und halten ihn auch heute nicht dafür. losen Löhnungsappell" bezeichnet, magt es der Oberst Rein- Kurz, die Lage ist noch völlig ungeklärt, und der Kongreß Auch die Staatsanwaltschaft hat ihn vor hard noch jetzt bei seiner Vernehmung mit einer Unver- wird den Friedensvertrag vorläufig in großem Bogen um- feinem Attentat auf einen revolutionären Führer für geisti frorenheit ohnegleichen, zu behaupten, er habe sichere gehen, bis man hinter den Kuliffen ein Kompromiß zu durchaus normal gehalten, obgleich sie schriftliche Aeuße Nachricht, daß es fich dort um eine„ Neugründung der ftande gebracht hat. Eile tut jetzt nicht mehr so not wie rungen von ihm kannte, die fonfus waren. Trozdem hat sie Volksmarinedivision" handelte. Dann kommt Reinhard zu den Niedermeye- für Amerika gefährliches früheres Infrafttreten des Frie- gegen ihn erhoben, und er wäre sicher auch deswegen her früher, da durch die Haltung der deutschen Politik ein Anklage wegen Erpressung, begangen an Lotteriebeamten, lungsbefehlen, die er Marloh hat überbringen laffen. 3mor fann er sich angeblich an den Wortlaut seiner densvertrages zwischen Deutschland und den Alliierten ohne urteilt worden; einen Sweifel an seiner RuredmungsfähigAmerika nicht zu erwarten ist. Befehle nicht mehr genau erinnern( er hält es aber feit hätte man mit einer Handbewegung beiseite geschoben. nicht für ausgeschlossen, daß er von 150 zu erEs muß festgehalten werden: ichießenden Matrosen gesprochen habe), doch Als der Täter Angehörige der reaktionären Staats spricht er zunächst als ganz selbstverständlich von Bebureaukratie beleidigt hatte, da galt er für geistig normal, fehlen", die er Oberleutnant b. Kessel, Leutnant Schröter paritätischen Kommission, die zur Beilegung des General- wurde unter Anklage gestellt und mit schwerer Strafe beund anderen Offizieren für Marloh erteilt habe. ftreits im Bitterfelder Revier eingesetzt war, find zum Ab- droht; die Verhandlung stand furz bevor, als die Tat
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Da greift der Borsigende in unerhörter Weise ein. In ichluß gekommen. Es wurde ein acht Punkte umfassendes gchah. der suggestivsten Weise sagte er zu Reinhard, daß Brotokoll vereinbart, dem die Betriebsräte bereits zu- Bon all dem wurde der Täter sofort befreit, er doch natürlich betreffs Marloh keine Befehle, sondern gestimmt haben. Danach werden drei bis vier Arbeiter nachdem er zur Freude der Reaktion einen revolutio. nur cine allgemeine Unterweisung gegeben habe. Sofort führer von den Anilinwerfen nicht wieder eingestellt. Die nären Führer beseitigt hatte. Da wurde er im ergreift Reinhard diejen Rettungsander und bejaht Einstellung weiterer Arbeiter unterliegt einem Schieds- Nu für geiftestrant erklärt und sowohl wegen der Mordtat eifrig. Doch treffend macht sogleich der Verteidiger, spruch. Der für den Bußtag gezahlte Lohn muß wieder wie wegen der Erpressung außer Verfolgung gesetzt. In Rechtsaniralt Grünspach, auf den unerhörten zurüderstattet werden. Streiftage werden nicht bezahlt. einigen Monaten kann er aus der Frrenanstalt als gebeilt, Widerspruch in der Aussage Reinhards auf Maßregelungen finden nicht statt. Der Militärbefehlshaber entlassen werden. So schnell wie er für geistesfrant erklärt merksam. Der Vorsitzende dreht und windet sich und weiß wird nach der Aufnahme der Arbeit dem Reichswehrminister worden ist, kann er ia wieder für geistig gesund erklärk nicht, was er jaaen foll die Aufhebuna aller militärischen Anordnungen empfehlen. merden
o- Ebert
Suftung